E-Book, Deutsch, Band 5, 434 Seiten
Reihe: Scotland Kisses
Veryan Scotland Kisses - Das Lächeln einer Lady
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-973-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Band 5 der glanzvollen Familiensaga für alle Fans von »Bridgerton« und »Outlander«
E-Book, Deutsch, Band 5, 434 Seiten
Reihe: Scotland Kisses
ISBN: 978-3-96655-973-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Patricia Veryan (1923-2009) ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Patricia Valeria Bannister. Sie wurde in London geboren, siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika um. Dort lebte sie viele Jahre in Kalifornien und Washington, wo sie auch mit dem Schreiben ihrer historischen Liebesromane begann. Diese gehören heute zu Klassikern in diesem Genre und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Patricia Veryan wurde für ihr gesammeltes Werk zudem mehrfach mit dem Romantic-Times-Award und dem »Silver Loving Cup« von Liebesroman-Legende Barbara Cartland ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentliche Patricia Veryan ihre »Scotland Lovesong«-Reihe: »Ein Ball um Mitternacht« »Eine Reise in die Highlands« »Ein Dandy zum Verlieben« »Ein englischer Sommerball« »Einen Liebe in North Downs« »Ein unverschämter Gentleman« »Eine stürmische Reise« Sowie ihre nachfolgende »Scotland Kisses«-Reihe: »Eine bezaubernde Lady« »Eine charmante Diebin« »Ein unerhörter Skandal« »Das Geheimnis des Gentleman« »Das Lächeln einer Lady« »Eine charmante Intrige« Und ihre »Regency Dreams«-Reihe: »Ein Lord in Somerset« »Eine Lady in Sussex«
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Prolog
London, Herbst 1748
Die Spätnachmittagsonne wurde immer wieder durch vorüberziehende Wolken bedeckt, und die grauen Petticoats, die einige von ihnen trugen, deuteten auf Regen noch vor Anbruch der Dunkelheit hin. Ein kalter Wind tobte durch die Pall Mall und rüttelte die Bäume, deren Blätterkleid jetzt mehr golden und rot denn grün war. Die Damen sahen sich genötigt, ihre fliegenden Röcke zu bändigen, die Herren ihre Dreispitze festzuhalten, und die Sänftenträger fluchten, während sie sich zwischen Droschken, Karren, Equipagen, Reitern, dahineilenden Botenjungen, Lakaien, Straßenhändlern und vereinzelten rot-uniformierten Dragonern hindurchschlängelten.
Im Cocoa-Tree-Kaffeehaus befanden sich zu dieser Stunde nur wenige Gäste, und vielleicht herrschte gerade deshalb eine angenehme Atmosphäre. Zwar fiel das Tageslicht nur schwach durch die Butzenscheiben herein, und es waren noch keine Kerzen angezündet, dafür loderten Riesenscheite prasselnd im Kamin, und ihr warmer Schein tanzte über Zinnkrüge, edles Porzellan und beleuchtete an den Wänden hängende Theaterplakate, Skizzen und Karikaturen. Die entfernteren Bereiche des großen Raums lagen im Halbdunkel, aus dem sich einige Einzelheiten, dank dem flackernden Feuer, scharf abhoben – wie die ernsten Gesichter von drei Herren, die in eine politische Debatte vertieft waren; die Fröhlichkeit einer Gruppe junger Stutzer, die sich schadenfroh über den neuesten Skandal ausließen; die angespannten Mienen einer schweigsamen Gruppe um einen Spieltisch.
Die Wandbehänge flatterten heftig, als ein hochgewachsener Mann mittleren Alters eintrat. Rasch schloß er die Tür hinter sich, schaute sich um und begab sich schließlich zu einer Sitzgruppe in Kaminnähe, wo ein wohlbeleibter Herr, etwa zehn Jahre älter als er, allein saß.
»Hallo, Talbot«, grüßte der Neuankömmling, und ein Lächeln zog über seine distinguierten Züge, »Ihr seht ganz so aus, als wälztet Ihr ein großes Problem.«
Ramsey Talbot, ehemals Mitglied des Unterhauses und seit kurzem wieder Zeitungsmann, der mit seinen Artikeln ziemliches Aufsehen erregte, machte eine einladende Gebärde und sagte herzlich: »Keineswegs, Jonas. Bitte nehmt doch Platz, ich freue mich über Eure Gesellschaft. Mir kam zu Ohren, daß Ihr Eure Reise nach Kanton verschieben mußtet.«
»Komplikationen. Immer wieder Komplikationen. Die Chinesen wollen uns nicht, wißt Ihr.« Sir Jonas Holmesby reichte seinen Mantel der Bedienung, die zu ihnen geeilt war, und bestellte einen Krug Bier für sich und ein weiteres Glas Madeira für seinen Gast.
Er setzte sich zu Talbot auf das Sofa, streckte die langen Beine zum Feuer hin aus und seufzte zufrieden. »Tut gut, wieder aus dem Wind zu sein.«
Nachdem er die Anwesenden näher betrachtet hatte, fügte er allerdings bedauernd hinzu, daß er nicht wisse, ob er auch weiterhin hierherkommen würde. »Hier wimmelt es ja geradezu von Sympathisanten der Jakobiter!«
Talbot nickte. »Und es ist eine wahre Fundgrube für Gerüchte. Hier kann ich die eine oder andere interessante Information aufschnappen, die ich bei Whites oder Brooks nie hören würde.«
»Aha! Wieder fest bei der Arbeit, eh? Und waren Eure Informationen zufriedenstellend?«
»Auf gewisse Weise, vielleicht.« Talbot machte eine Pause, als die Bedienung mit den Drinks zurückkehrte. »Es sind einige merkwürdige Gerüchte im Umlauf, Jonas. Vermutlich habt Ihr sie bereits gehört. Die Straßenunruhen beispielsweise und die wachsende Unzufriedenheit der Bürger.«
Sir Jonas kostete sein Bier und zuckte die Schultern. »Unzufriedene gibt es immer. Ich nehme an, daß die Gemüter sich beruhigen, nun, da die sommerliche Hitze zu Ende ist.«
»Ah, wer weiß?« Talbot beugte sich ein wenig herüber und senkte die Stimme. »Vergangene Woche hörte ich eine phantastische Geschichte, nach der die Krawalle Teil eines aufrührerischen Komplottes sind, das auch den Seetransport einschließt. Ah, ich sehe, Ihr haltet das für lächerlich. Dann denkt doch nur an die stolzen Schiffe, die allein in diesem Jahr verlorengingen. Eine solche Reihe von Unglücksfällen gab es nie zuvor!«
Holmesbys Lächeln schwand. Nicht ohne Bitterkeit gab er zu bedenken: »Auch nicht so hohe Verluste an Menschenleben! Es gab ohne Übertreibung Hunderte von unschuldigen Opfern! Ungeheuerlich, auch nur anzudeuten, daß zivilisierte Menschen ein so barbarisches Komplott ausheckten! Welche Absicht könnten sie denn damit verfolgen?«
Talbot schwieg kurz. Schließlich, als hätte er einen Entschluß gefaßt, antwortete er: »Nun, vielleicht hat ein Geheimbund, dessen Mitglieder allesamt Aristokraten sind, die Absicht, unseren ach so ungeliebten hannoveranischen Monarchen zu stürzen.« Er blickte unter den buschigen Brauen hoch. »Nun, was haltet Ihr von dieser kleinen Information?«
Sir Jonas richtete sich steif auf und entgegnete fast heftig: »Ich persönlich würde mich hüten, irgendwelche hochgeborenen Herren des Hochverrats zu beschuldigen!«
»Guy Fawkes war hochgeboren! Oliver Cromwell war hochgeboren! Derwentwater und die Stuarts und ...«
»Die Stuarts? Gab es dank ihrer von manchen so hochgelobten Ambitionen nicht genug Blutvergießen und Elend? Müssen verantwortungslose Schwadroneure noch mehr Tragödien herbeibeschwören?«
Mr. Talbot erstarrte. »Nennt Ihr mich einen verantwortungslosen ...«
»Nein, nein! Nichts liegt mir ferner, Ramsey, das müßt Ihr doch wissen! Ich kenne Euch als guten Patrioten! Aber es schmerzt mich, daß Ihr solchem Unsinn lauscht, der, darauf möchte ich wetten, kein Quentchen Wahrheit enthält.« »Mag sein. Ich habe noch nicht alle Einzelheiten. Jedenfalls gibt es eine verflixte Menge Rauch. Und wo Rauch ist ...«
»Einzelheiten?« flüsterte Sir Jonas bestürzt. »Ihr glaubt es wirklich?«
»Soweit ich mich erinnere, habe ich das nicht gesagt. Sache ist, daß so manches durchaus glaubhaft scheint. Allein daß Whitehall es scheinbar geringschätzig abtut, läßt mich aufhorchen.«
»Aber – Ihr habt doch nicht etwa die Absicht, so etwas zu veröffentlichen? Es wäre Wahnsinn! Ich flehe Euch an, es nicht auch nur in Erwägung zu ziehen, ehe Ihr handfeste Beweise habt!«
»Bis dahin könnte es zu spät sein! Nein, hört mich noch einen Moment an, Jonas. Es spricht sich herum, daß eine Gruppe Blaublütiger dabei ist, große Besitztümer an sich zu bringen. Wenn der Besitz unveräußerliches Erbgut ist und nicht käuflich erworben werden kann, machen sie sich daran, den Besitzer in Verruf zu bringen und ihn so weit in den Ruin zu treiben, daß der Besitz von der Krone beschlagnahmt und versteigert wird. Woraufhin sie ihn erstehen.«
»Welch Unsinn! So etwas zu erreichen, bedürfte langer, sorgfältigster Planung. Wenn eine Gruppe Investoren, aus welchem Grund auch immer, große Besitztümer kaufen will, gibt es wahrhaftig viele, die sie erstehen kann, ohne zu solchen Mitteln greifen zu müssen. Und was die Unglücksfalle zur See betrifft, was würde der Verlust so vieler großer Schiffe und ihrer Fracht irgendeinem logisch denkenden Menschen nutzen? Außer natürlich, die Passagiere wären allesamt sorgsam ausgewählte Feinde, aber solche Schlußfolgerungen gehören bereits in den Bereich der Fabeln!« Verärgert fragte Sir Jonas: »Wer hat Euch einen solchen Bären aufgebunden?«
»Ich gebe meine Quellen nicht preis. Aber ich habe auch gehört, daß einige prächtige junge Männer sich dem Kampf gegen diesen Geheimbund widmen, der sich übrigens League of Jewelled Men nennt.«
Holmesbys Lippen kräuselten sich: »Wie melodramatisch! Wer sind sie?«
Stirnrunzelnd entgegnete Talbot: »Ich habe keine Beweise, die mir das Recht gäben, mit Namen um mich zu werfen. Belassen wir es dabei, daß sie reich und mächtig sind. Und tödlich!«
Sir Jonas bemühte sich, seine Worte nicht allzu verächtlich klingen zu lassen. »Würdet Ihr es denn wagen, die Namen der ›prächtigen jungen Männer‹ zu nennen, die gegen diese – ah, tödliche Liga kämpfen?«
»Im Vertrauen, Jonas? Ihr müßt mir Euer Wort geben.«
Sir Jonas machte eine ungeduldige Geste. »Oh, wie Ihr wollt. Weiß Gott, ich bin nicht erpicht darauf, solchen Unsinn weiterzuverbreiten!«
»Nun gut.« Talbot blickte sich um und rückte noch näher heran. »Erstens, Gideon Rossiter. Ihr erinnert Euch vielleicht, daß er Anfang dieses Jahres verwundet aus den Niederlanden heimgeschickt wurde?«
»Ja! Und feststellen mußte, daß sein alter Herr durch seine schier sträfliche Inkompetenz halb London in den Ruin getrieben hatte und eine Zeitlang sogar der Veruntreuung verdächtigt wurde!«
»Der Verdacht erwies sich jedoch schließlich als absolut unbegründet! Habt die Güte, etwas leiser zu reden, Mann! Der junge Rossiter war es, der als erster die Existenz dieser Liga vermutete. Als die Horse Guards seinen Warnungen gegenüber taub blieben, sammelte er eine kleine Schar Freunde um sich, und nach allem, was ich hörte, wagten sie einige ziemlich tollkühne Unternehmungen gegen die Liga.«
»Tatsächlich! Rossiter und ...«
»Lieutenant James Morris unter anderen. Er ist mit Lord Kenneth Morris aus dem Hause Cornwall verwandt. Außerdem sind da noch Mister Neville Falcons Sohn August ...«
»Sapperlot, da haben sich doch die richtigen Helden gefunden, um den Übeltätern Angst einzujagen! Der erste ein Exkavallerist, der sich leicht zu etwas überreden läßt, und wenn es noch so lächerlich ist! Der zweite ein Bastard mit bissiger Zunge, der öffentlich seinen Abscheu für die Haut ton kundtat, schon weil er wußte, daß alle in der Stadt ihn verachten! Großer Gott, Ramsey, da...




