E-Book, Deutsch, Band 1, 502 Seiten
Reihe: Scotland Kisses
Veryan Scotland Kisses - Eine bezaubernde Lady
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-969-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Band 1 der glanzvollen Familiensaga für alle Fans von »Bridgerton« und »Outlander«
E-Book, Deutsch, Band 1, 502 Seiten
Reihe: Scotland Kisses
ISBN: 978-3-96655-969-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Patricia Veryan (1923-2009) ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Patricia Valeria Bannister. Sie wurde in London geboren, siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika um. Dort lebte sie viele Jahre in Kalifornien und Washington, wo sie auch mit dem Schreiben ihrer historischen Liebesromane begann. Diese gehören heute zu Klassikern in diesem Genre und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Patricia Veryan wurde für ihr gesammeltes Werk zudem mehrfach mit dem Romantic-Times-Award und dem »Silver Loving Cup« von Liebesroman-Legende Barbara Cartland ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentliche Patricia Veryan ihre »Scotland Lovesong«-Reihe: »Ein Ball um Mitternacht« »Eine Reise in die Highlands« »Ein Dandy zum Verlieben« »Ein englischer Sommerball« »Einen Liebe in North Downs« »Ein unverschämter Gentleman« »Eine stürmische Reise« Sowie ihre nachfolgende »Scotland Kisses«-Reihe: »Eine bezaubernde Lady« »Eine charmante Diebin« »Ein unerhörter Skandal« »Das Geheimnis des Gentleman« »Das Lächeln einer Lady« »Eine charmante Intrige« Und ihre »Regency Dreams«-Reihe: »Ein Lord in Somerset« »Eine Lady in Sussex«
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
England
Frühjahr 1748
»Muss es denn ausgerechnet heute regnen?« Leutnant James Morris wischte mit dem Taschentuch sein Barockengelgesicht ab und blinzelte empört durch das Nieseln. »Seit zwei Jahren der erste Blick auf die Heimat und nicht einmal die Klippen kann ich sehen!« Er wandte sich dem mageren jungen Offizier zu, der neben ihm an der Reling lehnte und gebannt auf die fernen Umrisse Englands starrte. »Du kannst mit deinen Adleraugen vermutlich sogar das Schloss erkennen!«
Captain Gideon Rossiter, sich im Rhythmus der Fregatte wiegend, die ihren Weg durch die schwarzgrünen Wellen pflügte, nahm den Dreispitz ab und schüttelte das Wasser aus der Krempe. Ein paar Strähnen hatten sich aus dem Band gelöst, das sein dichtes braunes Haar streng im Zaum zu halten versuchte, und nasse Locken klebten an seinem hageren Gesicht. »Natürlich«, erwiderte er mit schleppender Stimme und ein Zwinkern vertrieb den eher trübsinnigen Blick seiner grauen Augen. »Und ich bin froh, dass ich die schöne weiße Katze auf der Mauer sehe. Wahrscheinlich ein gutes Omen.«
»Katze, sagst du?« Morris fuhr herum und spähte unsicher durch den feuchten Regenschleier. »Wo?«
»Du schaust in die falsche Richtung, Dummkopf. Weiter rechts. Sieh den Fahnenmast entlang nach unten, dann kannst du das Tier nicht verfehlen.«
»Fahnenmast? Der Teufel soll mich holen, wenn ich das Schloss sehen kann, geschweige denn ...« Morris’ treuherziges Gesicht wurde misstrauisch. »Verflucht noch mal, Ross! Du führst mich schon wieder an der Nase herum! Ich gehe jede Wette ein, dass du das Schloss ebenso wenig erkennen kannst wie ich!« Rossiter lachte über seine Gekränktheit, und mit gut gespieltem Ärger fügte Morris hinzu: »Sehr witzig! Ich vermag zwar das Schloss nicht zu sehen, aber dich sehe ich, mein junger Gent! Eine feine Erscheinung gibst du ab mit deinen hübschen Locken, die dir von allen Seiten in die Stirn hängen! Es reicht dir wohl nicht, dass unsere liebenswerten holländischen Krankenschwestern in Tränen geschwommen sind, du willst auch noch die Schar von Schönheiten bezaubern, die dich bei deiner Heimkehr aus dem Krieg willkommen heißen, wie?«
Eine leichte Röte überzog Rossiters Wangen. Er fuhr sich mit der Hand durch das nasse Haar, was verheerende Folgen hatte, und stülpte sich den Dreispitz über. »Einfaltspinsel! Die Krankenschwestern haben bei jedem Burschen geweint, der aus ihrer Pflege entlassen wurde. Und einen übel zugerichteten alten Soldaten werden keine Schönheiten willkommen heißen!«
Schemenhaft tauchten nun die Kreidefelsen von Dover auf. Die Schiffsoffiziere begannen, Befehle zu brüllen, und plötzlich herrschte fieberhafte Betriebsamkeit. Matrosen hasteten umher und riefen einander Kommandoworte zu, während sie an Tauen zerrten oder behände die Takelage hinaufkletterten, um die Segel hereinzuholen.
Die beiden Soldaten verstummten für einen Moment und bemühten sich, einen schärferen Blick auf das geliebte Land zu erhaschen.
Heimat!, dachte Rossiter. Ergriffenheit ließ seine Augen feucht werden und er spürte einen Kloß im Hals.
»Beim Zeus!«, murmelte Morris. Aus Furcht, mit einer so beredsamen Bemerkung seine Gefühle verraten zu haben, fügte er streitlustig hinzu: »Übel zugerichteter alter Soldat, ach wirklich! Im Moment bist du vielleicht nur Haut und Knochen, aber du siehst keinen Tag älter als dreißig aus, und ...«
»Merci bien! Ich bin letzten Monat achtundzwanzig geworden!«
»... und würdest du dich dazu herablassen, wenigstens dein Haar zu pudern ...«
»Dann würde es jetzt ausschauen wie Leim, so wie deines!«
»... dann würde deine so vielbewunderte Naomi dich möglicherweise ansehen, ohne vor Schreck umzufallen!«
Rossiter erstarrte und seine Augen blitzten wie Stahl. »Ich glaube, ich habe nie mit dir über Lady Lutonville gesprochen.«
Morris, unbeeindruckt von diesem plötzlichen eisigen Hochmut, lächelte verschmitzt wie ein Kobold. »Oho, mein Lieber, du hast! Du vergisst, dass du einen Rückfall erlitten hast, gerade als man mich in dieses elende Loch von einem Lazarett gezerrt hat. Vier schreckliche Tage lang musste ich daliegen und zuhören, wie du über Lady Naomi fantasiert hast und wie man euch verlobt hat und wie sehr du dich danach sehnst, sie zu heiraten und dich mit ihr niederzulassen, und wie viele Kin ...« Er stieß einen Schrei aus und duckte sich, um nicht die Faust seines zornigen Gefährten, der sehr rot geworden war, abzubekommen. Der große, stämmige Major, der herangetreten war, ohne dass sie ihn in dem allgemeinen Aufruhr gehört hatten, schrie ebenfalls auf und machte einen Satz nach hinten, um dem Schlag auszuweichen.
»O Gott!«, ächzte Rossiter und umklammerte hastig die Reling, als das Schiff wieder heftig schlingerte. »Verzeihung, Sir!«
»Das möchte ich meinen!« Major Sturtevant hielt sich instinktiv an ihm fest und dröhnte gleich im nächsten Augenblick: »Verflixt, was bin ich für ein ungeschickter Esel! Tut mir Leid, alter Knabe. Ihre Schulter setzt Ihnen immer noch höllisch zu, wie?«
Rossiter, der alle Farbe verloren hatte, brachte ein ziemlich verzerrtes Grinsen zustande und erklärte, er sei »vollkommen auf dem Damm«.
»Meine Schuld, Sir«, bekannte Morris. »Ich habe Ross wegen seiner Lady gehänselt.«
»Aha! Und wird Lady Naomi Sie in Dover begrüßen?«, erkundigte sich der Major, und seine hellbraunen, ziemlich hervortretenden Augen begannen zu glitzern.
Verblüfft fragte sich Rossiter, ob sein Fieberdelirium jeden Patienten in dem überfüllten Lazarett unterhalten hatte.
»Hab gehört, dass sie eine wahre Schönheit ist«, sagte Sturtevant. »Meine Frau hat geschrieben, dass ganz London ihr zu Füßen liegt. Lady Lutonville, meine ich, nicht meiner Frau. Ganz gut so, sonst würde sie sich mit einem Kerl wie mir nie zufrieden geben!«
Beide lachten pflichtschuldig, und Sturtevant, zufrieden mit dieser Würdigung seines Witzes, fuhr fort: »Potztausend, wenn Sie kein Glückspilz sind, Rossiter! Ich verlange, dass Sie mich vorstellen, wenn wir am Hafen anlegen. Hat sie wirklich feuerrotes Haar?«
Etwas matt antwortete Rossiter, er bezweifle das eher. Die beiden anderen Männer starrten ihn an, und mit einem gequälten Lächeln fügte er hinzu: »Ich habe die Lady nicht mehr gesehen, seit sie sechzehn und kaum aus der Schule war.«
»Eine arrangierte Verbindung, wie?« Sturtevant sah ihn prüfend an und fragte: »Werden Sie sie wieder erkennen? Ich hatte schon fest damit gerechnet, bei meiner Frau damit zu prahlen, dass ich die ... äh ... berühmte Schönheit kennen gelernt habe.«
Rossiter, die Hand fest um die Reling gelegt, antwortete: »Ich erwarte sie wirklich nicht, Sir. Das heißt, ich erwarte in der Tat niemanden.« Die beiden anderen sahen entgeistert drein. Verdammt!, dachte Rossiter und fuhr fort: »Ich bezweifle, dass sie von meiner Verwundung wissen.«
Morris blinzelte und platzte heraus: »Aber ... das ist bei Lauffeld passiert, Ross, oder nicht?«
»Fast ein ganzes Jahr her«, ergänzte der Major, offenkundig entsetzt. »Haben Sie nicht einmal geschrieben?«
»Ich ... äh ... ich schreibe selten Briefe, Sir.«
»Eine schöne Untertreibung! Sie sollten sich schämen, Sie herzloser junger Bengel! Geht es Ihnen denn gar nicht nahe, dass Sir Mark wahrscheinlich vor Sorge außer sich ist?«
»Sie kennen meinen Vater, Sir?«
»Nein!« Sturtevant errötete über seine Heftigkeit und fügte hastig hinzu: »Nun ... äh ... das heißt, er war ... er ist Mitglied des White’s Club, so wie mein Vater. Und ... man hört dies und jenes, wissen Sie. Aber Sie sehen entschieden mitgenommen aus, mein lieber Junge. Am besten, Sie gehen unter Deck. Wir werden sehr bald ins Tidebecken einfahren, und Sie täten gut daran, sich ein wenig auszuruhen, bevor wir anlegen.«
Rossiter, der ihm für seine Freundlichkeit dankte, salutierte und machte sich mit einem innerlichen Seufzer der Erleichterung aus dem Staub. Er ging rasch, den Schritt angepasst an das Stampfen des Schiffes, das auf dem nassen Deck spürbar war, und atmete tief den frischen, sauberen Meeresgeruch ein. Der Wind blähte seinen Mantel und er zog ihn enger um sich. Die Segel flatterten, die Wellen donnerten gegen den Bug und die Rufe der Seeleute schallten munter durch die kühle Luft. Trotz des Regens kreisten nun Möwen über ihnen und stießen ihre durchdringenden Schreie aus, ein sicheres Zeichen dafür, dass sich ihr Schiff der Küste näherte.
Rossiter spürte förmlich die Blicke, die ihm folgten, und wusste, dass beide ihn wahrscheinlich für einen kalten Fisch ohne den geringsten Hauch von Sohnesverantwortung hielten. Er war froh, als er die Treppe zur Kajüte erreichte und nach unten verschwinden konnte.
Die beiden Männer, die zurückblieben, beobachteten schweigend, wie er sich entfernte, und begannen erst ein oder zwei Minuten, nachdem er außer Sicht war, wieder zu sprechen. Mit einer Stimme, die nun weniger jovial klang, fragte Sturtevant: »Wie lange kennen Sie ihn schon?«
»Ich bin ihm erst im Lazarett begegnet, Sir. Als man mich hingebracht hat, war er schon ungefähr ein halbes Jahr dort. Der Liebling der Krankenschwestern war er. Keine von ihnen hatte erwartet, dass er diese ganzen Operationen überleben würde. Die Wundärzte kamen immer wieder und entschuldigten sich, weil sie noch einen Stahlsplitter oder ein Stückchen Blei gefunden hatten, das sie aus ihm rausholen mussten.« Morris zögerte. »Ich habe mich immer gefragt, wie er das ausgehalten hat, aber ich habe nicht ein einziges Mal gehört, dass er gejammert hätte.«
Sturtevant lächelte matt: »Sie achten ihn...




