E-Book, Deutsch, Band 5, 501 Seiten
Reihe: Scotland Lovesong
Veryan Scotland Lovesong - Eine Liebe in North Downs
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-966-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman - Band 5 | »Bridgerton« trifft »Outlander« in dieser großen Schottlandsaga
E-Book, Deutsch, Band 5, 501 Seiten
Reihe: Scotland Lovesong
ISBN: 978-3-96655-966-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Patricia Veryan (1923-2009) ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Patricia Valeria Bannister. Sie wurde in London geboren, siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika um. Dort lebte sie viele Jahre in Kalifornien und Washington, wo sie auch mit dem Schreiben ihrer historischen Liebesromane begann. Diese gehören heute zu Klassikern in diesem Genre und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Patricia Veryan wurde für ihr gesammeltes Werk zudem mehrfach mit dem Romantic-Times-Award und dem »Silver Loving Cup« von Liebesroman-Legende Barbara Cartland ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentliche Patricia Veryan ihre »Scotland Lovesong«-Reihe: »Ein Ball um Mitternacht« »Eine Reise in die Highlands« »Ein Dandy zum Verlieben« »Ein englischer Sommerball« »Einen Liebe in North Downs« »Ein unverschämter Gentleman« »Eine stürmische Reise« Sowie ihre nachfolgende »Scotland Kisses«-Reihe: »Eine bezaubernde Lady« »Eine charmante Diebin« »Ein unerhörter Skandal« »Das Geheimnis des Gentleman« »Das Lächeln einer Lady« »Eine charmante Intrige« Und ihre »Regency Dreams«-Reihe: »Ein Lord in Somerset« »Eine Lady in Sussex«
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Kapitel 1
Im Jahre des Heils 1529 war Muse Manor ein zauberhafter alter Herrensitz in den North Downs, einige Meilen nordwestlich von Basingstoke, und zu ihm gehörten ein Pachthof mit zwei Quadratmeilen Land und ein malerisches Dorf. Sir Isaac Cranford, der als Freibeuter bemerkenswert erfolgreich gewesen war, heiratete die Dame, die ihn früher wegen seines Mangels an Reichtum abgewiesen hatte, und erwarb den Grund für seinen Landsitz. Seine Lady schenkte ihm sieben gesunde Kinder, und als die Zeit für ihn kam, heimzukehren zu seinen Vorfahren — und hoffentlich in die Seligkeit einzugehen —, konnte er sich in dem sicheren Glauben wiegen, ein solides Fundament zu hinterlassen, auf dem seine Erben eine mächtige Dynastie errichten würden.
Doch die Zeiten waren hart, und aus der Dynastie wurde nichts. Trotz vorsichtiger Verwaltung begann das Vermögen dahinzuschmelzen. 1643 war die Jagdhütte dahin, und 1677 mußte das große Haus in der Stadt verkauft werden. Es war ein Glück für die Cranfords, daß sie das Landhaus als ständigen Wohnsitz behalten konnten. Doch die Zukunftsaussichten wurden nicht besser. Im Laufe der Jahre schrumpfte das Vermögen immer mehr zusammen und mit ihm, Hektar um Hektar, der Grundbesitz.
1733 war John Cranford, das damalige Haupt der Familie, genötigt, sich eine einträgliche Beschäftigung zu suchen. Als liebender Ehemann und hingebungsvoller Vater wünschte er sich, daß seine Zwillingssöhne die Universität besuchen sollten und seine kleine Tochter mit einer respektablen Mitgift ausgestattet würde; und so nahm er widerwillig einen vielversprechenden Posten bei der East India Company an. Mr. Cranfords liebevolle und selbstlose Frau Joanna weigerte sich, ihn zu verlassen. Die Cranfords wußten jedoch gut, wie schrecklich hoch die Sterblichkeitsrate englischer Kinder in Indien war, und so gaben sie ihren Nachwuchs in die Obhut von Joannas unverheirateter Schwester, bis die drei Kinder alt genug sein würden, ihnen zu folgen.
Die kleine Familie trennte sich nur schwer, aber es sollte eine noch endgültigere Trennung werden als erwartet. Vier Monate später kam die Nachricht, daß die Cranfords nach einem heftigen Sturm in der Bucht von Biscaya und der Reise durch die Wüste von Ägypten nach Suez ein Schiff bestiegen hatten, das sie nach Kalkutta bringen sollte. Diese sagenumwobene Stadt erreichten sie jedoch nie. Im Hooghly River wurde ihr Schiff Opfer der schrecklichen James-and-Mary-Sandbank und war verloren, ohne Überlebende zu hinterlassen.
Die Cranford-Kinder empfanden tiefsten Schmerz über diesen Verlust, als bereits eine weitere Gefahr drohte. Piers und Peregrine waren zu dieser Zeit zwölf Jahre alt, ihre Schwester Dimity acht Jahre. Die Zwillinge und das kleine Mädchen hingen zärtlich aneinander und fürchteten, getrennt zu werden. Ihr Vater hatte jedoch alles getan, was in seiner Macht stand, um für den Fall eines so tragischen Schicksals Vorkehrungen zu treffen, so daß es ihnen bei strikter Sparsamkeit möglich war, weiterhin zusammen in ihrem geliebten Zuhause zu leben. Die drohenden Ausgaben, für die der arme John Cranford mit großer Mühe vorzusorgen versucht hatte, wurden teilweise von ihrem Großonkel, General Lord Nugent Cranford, bestritten, der, bewegt von ihrem schmerzlichen Verlust, anbot, für die Erziehung der Jungen aufzukommen. Ihre Tante, Miss Jane Guild, erfüllte über die Jahre hinweg treu ihre Pflicht, und auf ihre etwas konfuse, jedoch nicht unfähige Art gelang es ihr, mit ihren beiden verwegenen Neffen und der Nichte fertig zu werden, die ein unverbesserlicher Wildfang war, da sie mit ihren Brüdern und deren Freunden aufwuchs.
Doch die Zeit ändert vieles, und an einem stürmischen Augustnachmittag im Jahre 1746 hätte niemand, selbst unter aller Aufbietung der Phantasie, das Mädchen in der Eingangshalle des alten Hauses als Wildfang bezeichnet. Mit einundzwanzig war Dimity ein hochgewachsenes, hübsches Geschöpf, ihr Haar hatte einen warmen Braunton, ihre Haselnußaugen waren ein wenig schräg geschnitten. Trotz ihres traurigen Mangels an einer ansehnlichen Mitgift und obwohl manche der Meinung waren, ihr fehle die vornehme Schüchternheit, die eine Lady bei ihrer Schwiegertochter willkommen heißen würde, hätte Dimity schon lange verheiratet sein können, wenn es da nicht zwei Hindernisse gegeben hätte. Das erste bestand darin, daß sie den Mann, dem sie ihr Herz schenken konnte, noch nicht kennengelernt hatte, das zweite — mit einer Ausnahme — darin, daß die Zwillinge den Mann erst kennenlernen mußten, den sie ihrer für würdig hielten.
Während er sie nun mit einem leicht mißbilligenden Blick in den blauen Augen musterte, war es Piers gar nicht wohl bei dem Gedanken, das Herrenhaus zu verlassen. Charles Stuarts kurzlebiger Versuch, dem Deutschen George aus dem Hause Hannover den Thron zu entreißen, endete in einer bitteren Tragödie. Die Jakobiten, die dem Gemetzel auf dem Schlachtfeld von Culloden entkommen waren, flohen nun um ihr Leben und wurden wie Tiere zu Tode gehetzt. Es waren verzweifelte Männer, arme Teufel, und es ging das Gerücht, ein Flüchtling befände sich in der Nachbarschaft. Dimity wußte nicht, wie begehrenswert sie war — besonders in diesem cremefarbenen Kleid mit dem weiten, gerüschten Rock — oder wie die Frauen das auch nannten — und den hellgrünen Bändern, mit denen die Spitze an ihrem üppigen Busen durchwoben war. Aber die Diener waren treu, es war wohl dumm, sich Sorgen zu machen. Selbst in seinem geschwächten Zustand würde Perry eher sterben, als —
»Piers«, sagte Dimity und sah ängstlich zu seinem hübschen Gesicht auf, »es ist so ein scheußlicher Tag heute. Hör dir nur diesen Wind an. Mußt du fort?«
Er tätschelte ihre Hand. »Wenn es nicht wichtig wäre, würde ich bleiben, das kannst du mir glauben. Aber ich habe dem alten Baites versprochen, morgen mit ihm über den Verkauf der Parzelle am Fluß zu sprechen.«
»Ich nehme an«, meinte sie und unterdrückte einen Seufzer, »wir müssen verkaufen?«
»Bedauerlicherweise ja. Es sei denn, ich werde ein hochbezahlter Botschafter in Versailles« — er warf ihr einen Seitenblick zu — »oder du entscheidest dich, Lady Glendenning zu werden.« Der gesenkte Blick und die geröteten Wangen sprachen für sich, und er fuhr leichthin fort: »Achte nicht auf meine Neckereien, meine Liebe. Ich weiß, daß der arme Tio aus dem Rennen ist. Zumindest so lange, bis du deine Meinung änderst.« Bei dieser absichtlichen Provokation hob sie indigniert den Kopf, aber bevor sie etwas erwidern konnte, blickte er zur Treppe, sein Gesichtsausdruck wurde ernst. »Mitten, du mußt dafür sorgen, daß Perry sich schont. Was er auch versprechen mag, er hat vor, sich mit diesem dummen neuen Fuß herumzuplagen, und —«
»Er kann sich jetzt nicht damit herumplagen, Lieber, weil ich die Prothese in der Schublade versteckt habe, und seit Perry es fertiggebracht hat, sich den anderen Knöchel zu verstauchen, ist er für einige Zeit außer Gefecht, bis —« Sie biß sich auf die Lippen, verärgert über diese taktlosen Worte.
Es war kaum ein Jahr her, daß die Zwillinge voll patriotischer Begeisterung zusammen aufgebrochen waren, um das Königreich gegen die Jakobiten zu verteidigen. Bei der Schlacht vor Prestonpans war Peregrine in dem verzweifelten Versuch, Deserteure daran zu hindern, eine Kanone vom Schlachtfeld zu rollen, mit gezücktem Säbel vor die Lafette gesprungen. Die Mannschaft, überzeugt davon, daß weiterer Kampf den sicheren Tod bedeuten würde, ließ sich nicht aufhalten. Im allerletzten Moment sprang Peregrine zur Seite, stolperte jedoch, und das schwere Rad rollte über seinen rechten Fuß. Die englische Streitmacht hatte eine schändliche Niederlage erlitten und floh um ihr Leben. Ohne auf die Gefahr für sich selbst zu achten, hatte Piers sich geweigert, dem verzweifelten Rückzug zu folgen, und in dem Blutbad nach seinem Zwillingsbruder gesucht. Er hatte Peregrine, der vor Schock und Blutverlust dem Tode nahe war, gefunden und ihn vom Schlachtfeld getragen. Nur Piers’ hartnäckiger Entschlossenheit war es zu verdanken, daß sie nach zwei grauenhaften Tagen in Sicherheit gekommen waren und bei den eigenen Leuten die Hilfe eines Arztes fanden. Peregrines Bein war hoffnungslos zerschmettert und mußte unter schlimmsten Bedingungen amputiert werden. Piers hatte Dimity nie davon erzählt, wie qualvoll er unter der Überzeugung gelitten hatte, daß Perry diese primitive Operation nicht überstehen, geschweige denn noch eine Woche leben würde, aber irgendwie hatte der unverwüstliche Peregrine die Verletzung überwunden, und obwohl sein Leben in der Tat nur zu oft an einem Fädchen gehangen hatte, lebte er immer noch.
Piers war nicht der Mensch, über vergangene Schrecknisse zu brüten, und so brachte er es fertig, seiner Schwester zuzublinzeln und launig zu fragen: »Ein Versprecher, wie?«
»Manchmal«, schüttelte sie reuevoll den Kopf, »scheint es, daß alles, was ich sage, ihn daran erinnert. Wie ich nur so ungeschickt sein kann ...«
»Unsinn. In den letzten elf Monaten hat er sich prächtig gehalten. Und du hast dich ebenso prächtig gehalten, aber wenn du anfängst, weinerlich und gefühlsduselig zu werden, wird Perry dir ordentlich den Kopf waschen.«
»Ja, Gott segne ihn. Er hat solchen Mut. Aber — wenn ich daran denke, wie er gelitten hat! Und dieser widerliche Farrar — wieder zu Hause, ohne für seine Niedertracht zu bezahlen.«
Piers erstarrte. »Nicht für lange«, knurrte er. »Der Mann ist ein Ausgestoßener, und Gott steh ihm bei, wenn er vor das Kriegsgericht kommt!«
»Er hätte schon vor Monaten zur Rechenschaft gezogen werden müssen! Mittlerweile hat man wahrscheinlich alles vergessen.«
»Das bezweifle ich. Er...




