Vetter | Nächster Halt: Wildnis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Vetter Nächster Halt: Wildnis

Wie eine Auszeit in Südafrika mein Leben und meinen Glauben veränderte.
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96122-415-9
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie eine Auszeit in Südafrika mein Leben und meinen Glauben veränderte.

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-96122-415-9
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine junge Lehrerin hat genug von der Enge des Alltags und sucht buchstäblich das Weite. Stefanie Vetter beschließt, ein Sabbathalbjahr in Südafrika einzulegen. Dort macht sie eine Ausbildung zur Rangerin und lernt dabei viel über das Leben, andere Menschen, Gott und sich selbst. Neben allen kleinen und großen Abenteuern, die sie in dieser besonderen Auszeit erlebt, ist es vor allem die beeindruckende Schöpfung Gottes, die sie fasziniert und nachhaltig verändert. Sie entwickelt eine ganz neue Achtsamkeit für ihre Umgebung, und die Bewahrung dieser wunderbaren Schöpfung wird ihr ein brennendes Herzensanliegen. In allen Begegnungen mit dem Fremden wird ihr einer umso vertrauter: Gott, der überall auf sie wartet - im Busch genauso wie im Lehrerzimmer. Dieser durchgehend farbige, reich bebilderte Reisebericht ist ein Plädoyer für die Bewahrung unserer Erde und das sinnerfüllte Leben in Gemeinschaft mit dem Schöpfer und seinen Geschöpfen. Die Natur ist ein Klassenraum des Lebens. Sie ist ein Ort, an dem wir in Schönheit eintauchen dürfen, ein Ort, an dem wir Gottes Gegenwart auf eine ganz besondere Weise wahrnehmen können. Stefanie Vetter

Stefanie Vetter wurde 1984 in Süddeutschland geboren, wuchs in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein auf, verbrachte als Schülerin ein Jahr in den USA und ging nach dem Abitur ein halbes Jahr als Au-pair nach Italien, um die Sprache zu lernen. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Sportwissenschaften in Kiel zog es sie erneut immer wieder ins Ausland. 2013 hat sie einen Sommer in einem Dorf in Kenia verbracht. Seit 2011 lebt sie in Hamburg und unterrichtet Deutsch, Englisch und Sport an einem Gymnasium.
Vetter Nächster Halt: Wildnis jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Wenn Träume deinen Alltag stören


Suchend blicke ich in den Hamburger Himmel. Die grauen Betonblöcke um mich herum nehmen mir die Sicht. Jetzt bin ich 32, unterrichte seit einigen Jahren Sport, Deutsch und Englisch an einem Gymnasium und habe in diversen Ferien in Hängematten in Zentralamerika gechillt, Berge in Sri Lanka bestiegen, mir das Herz frei und die Füße auf Jakobswegen wund gelaufen, in Lehmhütten auf Dörfern in Kenia nachts den Ratten zugehört, Wale im Pazifik bestaunt und die Toskana durchradelt. Ja, ich habe das Reisen schon immer geliebt. Vielleicht ist es das Gefühl der Restauration, das ich unterwegs empfinde, was das Reisen so besonders für mich macht. Es mag unheimlich klingen, aber auf meinen Trips durch die Welt habe ich schon manches Mal gedacht, dass es nicht schlimm wäre, heute zu sterben, weil ich mitten im Strom war, das Leben im Überfluss gespürt habe. Reisen ist die Chance, abseits vom Druck der Gesellschaft ehrlich mit mir selbst zu sein, fernab von Konventionen, die vorgeben, Teil deines Lebenskonzepts zu sein.

Ein Traum, dem du heute nicht nachgehst, kann dich den Rest deines Lebens verfolgen, heißt es. Und ich träume davon, diesen weiten Horizont wiederzufinden.

Das Fernweh hat bei mir die Eigenart, in Wellen zu kommen, und in den letzten Monaten fühlt es sich an, als würde ich darin ertrinken. Das Leben rauscht wie ein rasender ICE an mir vorbei. Der Tag hat zu wenig Stunden für all die Aufgaben, die bearbeitet werden wollen. Draußen hinter dem grauen Papierstapel eine bunte Welt, deren Einladung ich mit erneuter Aufschiebung vertröste. Kann jemand kurz den schnell rotierenden Globus anhalten, bevor mir in meinem kleinen Mikrokosmos, im Betondschungel, die Lampen durchknallen? Der Tag wird zum Zeitbrei, in dem die Klumpen der To-do-Listen stecken, die ich nicht mehr auslöffeln kann, weil sie sich wie von Zauberhand vermehren. Die Stunden überschlagen sich. Mir fehlt Zeit, Zeit für Menschen, Zeit zum Innehalten.

„Veränderung!“, schreit mein Herz. „Routine!“, tickt die Uhr verdutzt zurück und vernebelt die Wahrnehmung, lässt jede Stunde von acht bis siebzehn Uhr so rasch vergehen, dass sich weder Empörung noch Erstaunen einen Weg bahnen können. Irgendwo auf dem Weg von A nach B habe ich verlernt, die Welt zu lesen, habe verlernt, wahrzunehmen.

Meine Familie und meine Freunde bedeuten mir alles, mein Job ist ein Segen, ich bin gesund. Eigentlich ist alles gut. Und dennoch ist da dieses subtile, aber nicht mehr länger zu verleugnende Gefühl, gerade nicht am richtigen Ort zu sein. Ich bin mir nur über eins im Klaren: Ich muss raus. „Wo ist die Schönheit?“, fragt mein Herz und die Augen schauen suchend umher. „Wo ist die Ruhe?“, fragt der erschöpfte Kopf und spinnt das Gedankenrad weiter. „An mir liegt’s nicht!“, flüstert das Herz. „Ich könnte los!“

Ich habe Heimweh nach einem Ort, an dem ich noch nie war. Und ich weiß, es gibt diesen Ort, an dem ich das wiederfinde, was ich hier irgendwie verloren habe.

Träume – jeder von uns hat sie, auch wenn man sie häufig ganz unwillkürlich in die „Irgendwann-mal-Akte“ einsortiert. Dabei sind Träume unser innerer Motor. Sie geben uns ein Ziel und die Hoffnung, dass sich das lang Ersehnte irgendwann noch erreichen lässt. Gleichzeitig machen sie uns Angst, weil sie Veränderung erfordern. Wir werfen sie über Bord, wenn sie uns nicht realisierbar erscheinen, und sie versinken wie eine kleine silberne Kette auf dem Meeresgrund. Was bleibt, sind Leere und der fortwährende Wunsch nach etwas anderem, nach mehr. Und damit können wir auf genau zwei Arten umgehen: Ich kann der Veränderung in meinen Gedanken Raum geben, damit sie sich einen Weg bahnen kann, oder aber ich muss dem Raumschiff der Träume zuschauen, wie es langsam im All der Bedeutungslosigkeit verschwindet, bis der Anblick aus dem Fenster nicht mehr wehtut. Ich bin immer nur genau eine Entscheidung weit weg von Veränderung.

Zugegeben – es fällt mir schwer, langfristig zu planen und mich festzulegen. Aber die Wahrheit ist, dass andere unser Leben verplanen, wenn wir es nicht selbst tun. Also beginne ich mich bewusst zu fragen: Was macht mich unruhig? Was brauche ich jetzt? Wovon träumt mein Herz schon lange und wie finde ich das wieder, was mir abhandengekommen ist?

Solange ich mich erinnern kann, waren für mich Wälder und Felder meine geheimen Zufluchtsorte, an denen ich Gott am nächsten war, an denen ich Kraft getankt und mich behütet gefühlt habe. Und sosehr ich meine Heimat Hamburg liebe, hier und jetzt fühle ich mich von alldem separiert, meine Verbindung zu Gott und zu mir selbst ist so verloren wie ein schwacher Funkspruch mitten im Sturm. Es zeichnet sich in meinem unruhigen Herzen allmählich immer deutlicher ab: Mich verlangt dringend nach Wildnis.

Und so nimmt meine Sehnsucht Form an: Ich erwäge, mir ein halbes Jahr Auszeit zu nehmen, lange schon habe ich von so viel Zeit zum Bereisen von Afrika und Südamerika geträumt. Aber was wird es mich kosten?

Und schon rücken sie vor, die unzähligen Ratten des Zweifels, kriechen aus ihren dunklen Löchern und nagen an ebendiesem Traum. Die Angst, dass alles Wahnsinn ist. „Du übertreibst mal wieder!“, höre ich eine verächtliche Stimme in meinem Kopf. „Und überhaupt, um dich herum werden emsig Nester gebaut und Hochzeiten gefeiert. Und du willst jetzt weg?“, nervt sie mich weiter. „Einfach so gegen den Strom? Arbeit auf Eis legen, Wohnung kündigen, deine Familie und Freunde verlassen? Jetzt noch? Das ist doch einfach zu weit, zu spät, zu abgefahren!“

„Vorsicht“, lenkt eine andere Stimme ein, „Angst ist nie ein guter Berater!“ Ja, Angst kommt immer am Ende unserer Komfortzone. An dem Punkt, an dem unsere Prägung vom größtmöglichen Sicherheitsbedürfnis einsetzt und der Kopf die Idee als Verrücktheit einsortiert. Es ist wahr: Nur weil man gedanklich einen Weg eingeschlagen hat, ist man noch lange nicht frei von Zweifeln. Im Gegenteil, auf der Party meines Kopfes befinden sich ungeladene Gäste. Zwei Typen besetzen seit geraumer Zeit die Räume. Der eine, Zweifel sein Name, plündert den Kühlschrank meiner Träume. Der andere, faul neben ihm rumhängend, heißt Sorge. Er starrt betrübt an die Wand und frisst nichts außer Zeit. Keiner von beiden zahlt Miete und trotzdem fordern beide, dass ich ihnen den ganzen Tag zuhöre. Statt ihrem niemals enden wollenden Geschwafel weiter Beachtung zu schenken, stelle ich jetzt ein paar Fragen. Und zwar mir selbst. Wie lange noch will ich zulassen, dass mein Innenleben eine WG ist, in der die beiden sich dreist bedienen und ich dafür zahle? Es ist an der Zeit, sie rauszuschmeißen. Es ist an der Zeit, konkrete Schritte einzuleiten.

Wer sitzt auf deiner Couch und bedient sich unerhört am Kühlschrank deiner Träume?

Ich bin alles andere als gut darin, Entschlüsse zu fassen, aber den Glauben zu aktivieren setzt eine Energie frei, die Zweifel überkommt. Und es gibt ein paar Schritte, die es mir erleichtern, eine wichtige Entscheidung zu fällen.

Erstens: Ich habe gelernt, dass man eine Entscheidung nicht erst treffen sollte, wenn man sich hundertprozentig sicher ist, sonst macht man niemals den ersten Schritt.

Zweitens: Längerfristige Entscheidungen auf Basis temporärer Gefühle zu treffen, wäre ebenso falsch. Aber auch das kann ich ausschließen, denn mein Wunsch nach Wildnis liegt nun schon mehr als nur eine kleine Weile fest wie ein Anker am Hafen meines Herzens.

Drittens ist es mir wichtig, Entweder-oder-Szenarien bei Entscheidungsfindungen zu vermeiden. Denn es gibt selten nur Schwarz-Weiß, selten nur zwei Wege. Wenn ich jetzt tatsächlich freigestellt werde und gehen darf, bedeutet das nicht, dass ich alles für immer aufgebe, es bedeutet nicht, dass mein Leben hier dann vorbei ist. Und selbst wenn ich keine Erlaubnis erhalte, jetzt zu gehen, dann gehe ich vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt. Aber den Weg sollte ich trotzdem schon einmal einschlagen, um mich zumindest ein paar Schritte näher an meinen Traum zu bringen. Ich möchte das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, sonst wächst der Graben, der sich mit der Zeit vergrößert und mich von meinem Traum mehr und mehr separiert, sodass die Überquerung bald unmöglich erscheint.

Ein vierter Schritt besteht darin, eine Außenperspektive einzunehmen. Was würde ich einem Freund raten, der mich mit diesen Träumen konfrontiert und um Hilfe bei deren Realisierung bittet? Ein Perspektivwechsel erhöht die Objektivität meiner Entscheidung, er entkoppelt mich von meinen Emotionen.

Ein fünfter wichtiger Schritt ist es, mir einen realistischen zeitlichen Rahmen für die Entscheidungsfindung zu setzen, der weder Zeitdruck noch Vernachlässigung zulässt.

Und schließlich gibt es da noch einen weiteren gewichtigen Faktor, der mir schon seit frühen Kindertagen immer wieder Orientierung gegeben hat: mein Glaube. Ich glaube an einen Gott, der sich für mich und mein Leben interessiert, der einen guten Plan für mich hat und in Entscheidungssituationen der beste Ratgeber ist. Und ich glaube, dass dieser Gott meine Gebete hört, auch wenn sich das nicht immer unmittelbar so anfühlt. Also spreche ich mit Gott. Und ich weiß: Wenn er spricht, wird aus Chaos Ordnung, aus Dunkelheit Licht, aus Zweifel Zuversicht. Glaube bewirkt eine aktive Veränderung meiner Perspektive. Er bedeutet, fest mit etwas zu rechnen und mutig eine Entscheidung zu treffen. Die besten Geschichten beginnen mit Mut. Und es wäre nicht Mut, wenn Angst dabei keine Rolle spielte.

Mit Gottes Hilfe wage ich an einem kalten Februarmorgen im Jahre 2017 den ersten kleinen Schritt auf meinen großen...


Stefanie Vetter wurde 1984 in Süddeutschland geboren, wuchs in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein auf, verbrachte als Schülerin ein Jahr in den USA und ging nach dem Abitur ein halbes Jahr als Au-pair nach Italien, um die Sprache zu lernen. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Sportwissenschaften in Kiel zog es sie erneut immer wieder ins Ausland. 2013 hat sie einen Sommer in einem Dorf in Kenia verbracht. Seit 2011 lebt sie in Hamburg und unterrichtet Deutsch, Englisch und Sport an einem Gymnasium.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.