E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: LYX.digital
Viehl Darkyn - Im Bann der Träume
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8706-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-8706-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufgrund einer schweren Erkrankung hat Jema Shaw nicht mehr lange zu leben. Um sich abzulenken, vergräbt sie sich in ihre Arbeit als Beraterin der Polizei von Chicago. Bei der Untersuchung eines Tatorts wird sie von dem Vampirkrieger Thierry beobachtet, der sie fortan nicht mehr vergessen kann. Thierry gehört zu den Darkyn und ist auf der Suche nach einer Geheimsekte, die ihn einst gefoltert und übel zugerichtet hat. Er glaubt, in Jema den Schlüssel zu seiner Vergangenheit gefunden zu haben und verschafft sich Zutritt zu ihren Träumen. Doch was er in ihrer Traumwelt entdeckt, bricht ihm das Herz ...
Die amerikanische Autorin Lynn Viehl wurde 1961 geboren. Unter Pseudonym hat sie bereits mit großem Erfolg zahlreiche Liebesromane veröffentlicht. Die Darkyn-Serie ist ihr erster Ausflug in die Romantic Fantasy, mit dem sie auf die USA-Today-Bestsellerliste gelangte. Gegenwärtig lebt sie mit ihrer Familie in Florida.
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1
Schlampe im Lexus. Großartig.
Todd Brackman beobachtete, wie der silberne Geländewagen um die Ecke bog. Die Ampel über der Spur, die für die Kontoinhaber der Bank reserviert war, war bereits vor einer Stunde von Grün auf Rot gesprungen, als die Bank schloss, aber die für den Bankautomaten leuchtete noch immer grün.
Grün für die mit den grünen Scheinen. Brackman wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß vom Gesicht. Komm her und hol mir Geld.
In die Stadt zu fahren und sich auf diesen Job vorzubereiten, hatte ewig gedauert. Brackman hatte sich mit dem Schwitzen, dem Schüttelfrost und dem Fieber abgefunden und jedes Auto beobachtet, weil er wusste, dass es nur einmal funktionieren würde. Er hatte sich den halben Tag lang nicht sehen lassen und hinter dem Müllcontainer der Bank versteckt.
Und jetzt war sie da. Meine Schlampe. Großartig.
Sie gehörte nicht wirklich Todd, aber er kannte Frauen wie sie. Gingen ständig in den Schönheitssalon und kamen mit lackierten Fingernägeln nach Hause. Fuhren zu schnell und jammerten am Telefon, während sie sich noch mehr Bargeld vom Konto holten. Hatte diese nicht ein Telefon am Ohr und einen Klunker an ihrer verheirateten Hand, den er sogar von hier aus sehen konnte?
Anspruchsvolle Möse hätte Todds alter Onkel George sie genannt. Nimmt dein ganzes Geld und lässt dich nicht ran.
Metall schlug auf Metall und ließ Brackman zusammenzucken. Der Wind musste den Deckel des Müllcontainers zugeworfen haben, den er am Nachmittag geöffnet hatte, um sich vor der Sonne zu schützen.
Brackman vergaß das Geräusch und beobachtete den Geländewagen. Er hatte sich schon gedacht, dass sie ihn sehen würde, deshalb machte er sich an dem Baum zu schaffen. Dass er so schwitzte, hätte ihn vielleicht verraten, aber hier ließ es alles so wirken, als sei er tatsächlich beschäftigt.
Als wenn er jemals bereit wäre zu schuften wie ein Landschaftsgärtner.
Todd dachte an seinen Onkel George, der unglaublich viel geschuftet hatte. Der alte Mann hatte kaum genug zu essen gehabt, eine Qualm furzende Chevette gefahren und in einem baufälligen kleinen Wohnwagentrailer auf einem der hinteren Stellplätze im Lake View Trailer Park gehaust. War Todd himmlisch vorgekommen, als er bei George einzog, nachdem seine Eltern ihn rausgeschmissen hatten. Aber dann war ihm aufgefallen, dass sein Onkel viermal die Woche Käse-Nudel-Auflauf aß und nur Spaß hatte, wenn er sich am Wochenende mit Wild-Turkey-Whiskey besaufen konnte. Und was hatte es dem alten George gebracht? Sein Herz hatte ihn im Stich gelassen, vor der Standbohrmaschine, die er bedient hatte, seit Kennedy erschossen worden war.
Das Amphetaminzeug, das Brackman dem alten Mann morgens in die Thermoskanne gekippt hatte, hatte dabei geholfen, aber was blieb ihm anderes übrig, nachdem George ihm angedroht hatte, ihn rauszuschmeißen? Der Trailer war ohnehin zu klein für zwei.
Brackman hatte von seinem Onkel geträumt, als er hinter dem Müllcontainer schlief. Der alte George war wie immer wütend gewesen; nicht weil Todd ihm den Kaffee vergiftet hatte, sondern wegen seines Plans. Er hatte ihm gesagt, er solle niemanden überfallen und bestehlen. Aber der alte Scheißkerl hatte komisch gesprochen und gerochen.
Es ergab keinen Sinn: George war ein dämlicher alter Sack gewesen, aber er hätte sich lieber selbst die Kehle durchgeschnitten, als so ein schwules Parfüm zu tragen wie in dem Traum.
Brackman konzentrierte sich wieder auf den Baum. Scheiß auf George. Das war eine hübsche Idee, wirklich großartig, und wenn nichts schieflief, dann würde er richtig abräumen.
Schweiß tränkte sein O’Malley’s-Lawn-and-Tree-Service-Uniformhemd. Der Name Bobby war auf der Tasche eingestickt, weil Todd sie von Georges altem Nachbarn gestohlen hatte. Das und ein paar Werkzeuge aus dem Anhänger, der an Bobbys rostigem alten El Camino hing. Er hatte kurz überlegt, den Wagen zu klauen, aber diese neugierigen Arschlöcher in Lake View hätten das gesehen und die Bullen gerufen.
Lausiger Job, um Weiber aufzureißen, hatte Bobby mal gesagt, als sie nach einem Paintball-Match ein bisschen Gras geraucht hatten. Beachten mich gar nicht, wenn ich arbeite.
Bobbys viel zu große Uniform hing um Brackman herum. Letztes Jahr hatte Bobby aufgehört mit dem Paintball-Spielen und war ein fauler, fetter Wichser geworden. Er musste der Schnalle, die sich passenderweise All-Night-Lisa nannte, sogar Geld für Sex zahlen. Brackman fand, sich eine Möse zu mieten, solange man eine funktionierende Hand besaß, war so, als würde man Hunderter verbrennen, um es warm zu haben.
Bobby verlor auch den Respekt vor Todd. Warum sagst du ständig »großartig« und »verdammt«? Das klingt behindert. Bobby wollte kein Paintball mehr spielen, und er hatte sich nach Georges Tod schäbig verhalten. Bobby wollte ihm noch nicht mal das leihen, was er für diesen Job brauchte.
Deshalb hatte Todd auch kein schlechtes Gewissen, dass er Bobby heute Morgen mit einem Steakmesser des alten Mannes erstochen hatte.
Die Schlampe hielt vor dem Geldautomaten und stellte die Gangschaltung des Geländewagens auf »Parken«. Brackman blickte hinüber, ohne den Kopf zu drehen. Sie hatte das Handy zur Seite gelegt und durchwühlte suchend ihre Handtasche. Zwei Autos standen an einer Ampel einen Block südlich.
Perfekt. Verdammt großartig.
Brackman lief um den Baumstamm, um näher heranzukommen. Er suchte in seiner Tasche nach dem Paintball und stellte fest, dass seine Sachen total durchnässt waren. Er schwitzte wie ein Schwein; wenn die Schlampe erst die Kohle rausgerückt hatte, dann musste er sofort zu seinem Dealer.
Das Fenster an der Fahrerseite glitt lautlos herunter, und eine gebräunte Hand fütterte den Bankautomaten mit einer Kreditkarte. Die fröhliche Computerstimme begrüßte die Schlampe im Anytime Money Service Center und bat um die PIN-Nummer.
Brackman drückte den dünnen Plastikball so fest, dass er für eine Sekunde glaubte, er würde platzen. Warte, Mann, warte noch. Der Bankautomat gab mehrere gleich klingende Töne von sich, während die Frau die Nummer in das Tastaturfeld eintippte.
Das Servicemenü erschien.
Brackman rannte auf die Fahrerseite, legte die Hand auf die Windschutzscheibe und drückte den Paintball gegen das Glas. Als die dicke weiße Farbe explodierte und die Schlampe kreischte, griff er sich ihr Handgelenk und drückte die fünfunddreißig Zentimeter breite Kettensägenklinge gegen ihren Unterarm. Der kleine Gasmotor der Kettensäge tuckerte im Leerlauf.
Die Augen quollen ihr beinahe aus dem Kopf, als er sich vorbeugte. »Beweg dich«, sagte er zu ihr und drückte die heiße, schmutzige Säge in ihre Haut, »und ich schneid ihn dir ab.«
»Bitte.« Es war nur ein ersticktes Flüstern. »Nicht. Bitte.«
Brackman benutzte seinen Daumen, um eine Eins und fünf Nullen in die Tastatur des Bankautomaten einzugeben. Während das Gerät seine Anfrage bearbeitete, versuchte er, ihr den riesigen Diamantring von ihrem knochigen Finger zu ziehen. »Gib mir den verdammten Klunker.«
Sie benutzte eine Hand, um sich mit ungelenken, hastigen Bewegungen ihre Ohrringe herauszunehmen. »Sie werden so viel nicht kriegen.«
»Du gibst mir alles, was ich haben will.« Er hörte, wie die Automatenstimme irgendetwas sagte, und blickte das Gerät an. »Wo ist die Kohle? Warum kommt sie nicht raus?«
»Sie können noch nicht mal einen Tausender abheben. Das tägliche Limit liegt bei zweihundert.« Sie schnappte nach Luft, und ihre kleinen Titten hoben sich unter ihrer Bluse.
Zweihundert? Dafür bekam er gerade mal vier Joints, und er konnte das Land nicht verlassen. Hier konnte er nämlich auf keinen Fall bleiben. Er blickte in den Lexus und blinzelte, als ein starker, blumiger Duft ihm in der Nase brannte. »Was hast du noch dabei?«
Eine Faust, die aus dem Nichts kam, schlug die Kettensäge vom Arm der Frau weg und aus Brackmans Hand. Brackmans Gesicht knallte gegen die farbverschmierte Windschutzscheibe.
»Connor.« Der Penner benutzte Brackmans Gesicht wie einen Putzlappen, um damit ein Loch in die Farbe zu wischen, bevor er ihn zurückzog. Zu der Schlampe zischte er: »Flieh.«
Reifen quietschten, als die Schlampe davonraste. Brackman spuckte Farbe aus und wischte sich über die Augen, schlug nach dem Penner. Selbst als er wieder sehen konnte, war das Gesicht des Arschlochs von wirren, verfilzten Haaren verborgen.
Saufbruder auf Tour. Brackman fing an zu fluchen, und dann packte ihn der Penner vorne am Hemd. »Hey …«
Die Finger des Penners drückten ihm nicht länger den Hals zu, aber er ließ ihn auch nicht los. In der anderen Hand hielt er ein Messer mit einer komischen Klinge.
»Ich hab dir« – Brackman hustete – »nichts getan,...




