E-Book, Deutsch, Band 2
Viets Mörderische High Heels
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-651-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Mord in der High Society-Reihe
ISBN: 978-3-98637-651-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
High Heels, Mystery Shopping und ein Mord …
Ein neuer Fall in der High Society für Josie Marcus
Die leidenschaftliche Testkäuferin Josie Marcus hat einen neuen Auftrag: Sie soll die angesagte Schuh-Boutique Soft Shoe in St. Louis unter die Lupe nehmen. Als der Inhaber Mel Poulaine bei ihrem Besuch in dem Schuhgeschäft jedoch ein ungewöhnlich starkes Interesse an ihren Füßen entwickelt, verfasst Josie einen vernichtenden Bericht, der seine Karriere zerstören könnte. Kurz darauf wird Mel ermordet aufgefunden …
Josie ist entschlossen, sich dieses Mal rauszuhalten. Aber als die Tochter ihrer Nachbarin, Cheryl Malmy, verdächtigt wird, beschließt Josie, doch Nachforschungen anzustellen. Kann sie einem Killer ein Bein stellen, der ihr immer einen Schritt voraus zu sein scheint?
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Mord auf High Heels.
Alle Bände der Mord in der High Society-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.
Erste Leser:innenstimmen
„Elaine Viets hat hier wieder einen Cosy-Krimi der Extraklasse hingelegt.“
„Ein Mord in der Modewelt und zahlreiche Verstrickungen – super unterhaltsam!“
„Fans der Louisa Manu-Reihe von Saskia Louis kommen hier voll auf ihre Kosten.“
„Spannend, humorvoll und mysteriös. Ein toller Krimi für gemütliche Stunden!“
„Josie Marcus bei ihren Ermittlungen zu begleiten war mir eine große Freude.“
Elaine Viets hat 34 Krimis in vier verschiedenen Serien geschrieben. Mit ihrer Angela Richman-Reihe kehrt Elaine zu ihren Wurzeln zurück und nutzt dafür ihre Erfahrung als Schlaganfallüberlebende und ihre medizinrechtliche Weiterbildung über Todesursachen. Elaine war als Regisseurin für die Mystery Writers of America tätig und arbeitet häufig am Alfred Hitchcocks Mystery Magazine mit.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
Mel hielt Josies rechten Fuß und fuhr mit seinem Daumen langsam über den Bogen. Seine streichenden Finger krochen auf ihre Zehen zu. Josie versuchte, nicht wegzuzucken.
»Rosa Nagellack ist so feminin«, säuselte Mel.
»Danke«, gab Josie zurück.
Igitt, dachte sie. Ich darf meinen Fuß nicht von diesem Perversling wegziehen. Ich muss so tun, als ob mir das gefällt. Ich hab ’nen Auftrag zu erfüllen. ’n toller Job – meinen Fuß von ’nem Freak begrapschen lassen. Wenn meine Mutter das wüsste, würd’ sie an die Decke gehen. Was, wenn meine Tochter das rausfinden würde?
Wie sollte Amelia das denn rausfinden?, fragte Josies verstohlene Seite. Von dir etwa? Gott bewahre deine Tochter davor, dass sie so ihr Geld verdienen muss.
Mel hatte den spitzen roten Prada-Schuh von Josies anderem Fuß gezogen und begutachtete ihn genau. Sah er sich die Nähte an oder schnüffelte er an ihrem Schuh? Josie drehte sich der Magen um.
Mel hörte damit auf, ihren in Strümpfe gekleideten Fuß zu streicheln und setzte ihn sachte auf seinem abgeschrägten Schemel ab. Sie versenkte ihn in der weichen Polsterung. Wäre es doch nur Josh, der ihr den Fuß massierte. Wäre Josie doch nur nicht im Soft Shoe, dem exklusiven Retro-Schuhladen in St. Louis.
Der Soft Shoe war eine genaue Kopie eines Damenschuhgeschäfts aus den 1950er Jahren mit puderrosa Deko und Verkaufsangestellten, die auf altmodischen, abgeschrägten Schemeln saßen, einem die Schuhe auszogen und dann haufenweise Stilrichtungen zum Anprobieren herbeischafften. Der Laden war der Traum eines jeden Schuhliebhabers.
Mel war sein Albtraum. Er ekelte Josie an, und sie wusste nicht, warum. Er war schlank und gut gekleidet und trug einen wunderschön geschneiderten grauen Anzug. Vielleicht war es die rosa Nelke in seinem Knopfloch. Er sah damit aus wie ein altbackener Gigolo. Mel trug zu viel Herrenparfüm und seine sorgfältig geschnittenen Haare waren etwas ölig. Das war es. Mel war ölig. Sein Gehabe, seine Haare, selbst seine manikürten Hände waren ein wenig ölig und er rieb sie andauernd.
»Ich sehe, dass Sie Qualität zu schätzen wissen«, sagte Mel. »Prada ist gut gemacht. Und sexy obendrein. Ordentlich Zehendekolleté – das gefällt den Herren. Intelligente Frauen wissen das.«
Viele intelligente Frauen wussten nicht, was das war – oder kümmerten sich nicht darum; Zehendekolleté, die Furche zwischen dem großen Zeh und dem zweiten. Mels Hände jedoch wurden feucht, während seine Augen sich auf das kleine Tal zwischen ihren Zehen zubewegten. Josie wünschte, sie trüge die schwarzen Schnürschuhe ihrer Großmutter von Enna Jettick, die ihre Füße komplett verdecken würden, außer, dass die Mel womöglich erst recht erregen würden.
»Sie haben es auf einen Stöckelschuh abgesehen?« Mel lächelte. Ihm fehlte nur noch ein strichdünner Oberlippenbart.
»Ja«, antwortete Josie. »Etwas Besonderes.« Sie erwiderte sein Lächeln. Sie hoffte, dass sie gewinnend aussah und nicht, als ob ihr die Füße wehtaten.
»Ich kenne alle Stilrichtungen, die den Herren gefallen und mit denen Frauen sich schön fühlen«, sagte Mel.
Mel war der landesweit beste Verkäufer bei Soft Shoe, doch die Firma vermutete, dass Mel Schuhe ein wenig zu sehr mochte. Die Geschäftsleitung befand sich in einer prekären Lage. Sollte sie Mel zu Unrecht beschuldigen, könnte er Soft Shoe verklagen, und obendrein würde die Firma ihren besten Verkäufer verlieren; war Mel jedoch tatsächlich ein Fußfetischist und die Firma ließe ihn auf die Kunden los, gäbe es einen furchtbaren Skandal – und noch mehr Klagen. Aus diesem Grund hatten die von Soft Shoe Josies Firma, Suttin Services, damit beauftragt, einen Testkauf im Laden in St. Louis durchzuführen und Mel unter die Lupe zu nehmen.
Harry, Josies Chef, hatte ihr den Auftrag wie folgt übergeben: »Die von der Firma wollen, dass du nach einem Verkäufer namens Mel fragst«, hatte er gesagt. »Er steht auf Damenfüße – du verstehst schon.«
»Du willst, dass ich einen Perversling ausspioniere?«, hatte Josie nachgefragt.
»Er ist nicht gefährlich, Josie«, meinte Harry. »Im schlimmsten Fall massiert er dir die Füße. Könnte deinen müden Zehchen doch guttun. Hör zu, dieser Mel ist vielleicht gar nicht, was die glauben. Man hat bei der Firma ’n bisschen Verdacht geschöpft, das ist alles. Er ist ’n Schuhverkäufer, der sich ’n wenig zu sehr für Damenschuhe interessiert.«
»Ist er ’n Fuß- oder ’n Schuhfetischist?«
»Beides, glaub’ ich«, antwortete Harry. »Zumindest haben sie über beides Beschwerden bekommen. Wie zur Hölle sollte ich das wissen? Ich bin kein Freak.«
Josie hatte gemeint, die Sache stehe zur Debatte, doch nicht jetzt.
»Schau, es gab ein paar Beschwerden von weiblichen Kunden und sie wissen nicht, wie ernst sie die nehmen sollen. Frauen spinnen manchmal – weißt du, was ich meine?«
Josie hatte ihren Chef nicht auf seine sexistische Bemerkung hingewiesen. Harry war ein hoffnungsloser Fall. Außerdem bekam Josie einen Bonus für besondere Aufträge und als Testkäuferin verdiente sie ohnehin nicht viel. Nun aber, da Mel auf seinem abgeschrägten, rosa Schemel saß und über ihre Füße triefte, fragte Josie sich, ob es das extra Geld wert war.
»Warten Sie hier«, sagte Mel. »Ich bin gleich wieder da.«
Mel trat mit einem seltsam gebückten Gang durch die rosa Vorhänge in den Hinterraum. Bis jetzt hab ich nichts Verdächtiges zu berichten, dachte Josie. Was sollte ich sagen? Er hat meinen Fuß etwas länger als üblich gehalten? Er hat mir in anzüglicher Weise über den Bogen gestrichen? Da hör’ ich mich ja bekloppt an. Ich hab nichts außer meinem Gefühl, dass mit Mel was nicht stimmt.
Andererseits musste es anderen Frauen genau so ergangen sein, sonst wäre Josie jetzt nicht dort gewesen. Sie musste weiter Schuhe anprobieren, bis sie sich sicher war. Das war sie ihren Sohlenverwandten schuldig, ebenso wie der Firma.
Josie konnte ihren Testkauffragebogen nicht in den Laden mitnehmen, doch sie kannte die Fragen auswendig. Im Moment bekam Mel die volle Punktzahl. Hatte er sie herzlich begrüßt, als sie den Laden betreten hatte? Hatte er sich auf positive Weise vorgestellt und den Namen des Ladens erwähnt? Hatte er sie umgehend bedient? Hatte er ihr angeboten, die gehobene Ware vorzuzeigen? Ja, ja und ja.
Da war er nun, schleppte Schuhkartons bis zum Kinn aufgestapelt. Aus den Lautsprechern erklang The Big Bopper, der von Chantilly-Spitzen und einem hübschen Gesicht sang. Josies Mutter hatte zu dem Lied getanzt, als sie jung gewesen war.
»Ich hab ein freches paar Bruno Maglis mit offenen Zehen.« Mel nahm den Deckel des Schuhkartons mit einer darbietenden Bewegung ab.
Josie sah sich die Schuhe an. Sie waren niedlich. Hätte sie sich dreihundert Dollar für Schuhe leisten können, hätte sie sie gekauft. Zumindest wurde sie dafür bezahlt, sie anzuprobieren.
»Die mag ich«, sagte sie. »Aber ich hab die falschen Strümpfe an. Meine haben verstärkte Fußspitzen.«
»Woher haben die Frauen die Idee, dass den Männern verstärkte Fußspitzen nicht gefallen?«, fragte Mel, während er Josie die Schuhe anzog. Auf seiner Stirn war Schweiß ausgebrochen, obwohl es in dem Laden nicht warm war. Er wischte ihn mit einem seidenen Taschenquadrat ab.
»Einige von uns Männern sehnen sich nach der guten alten Zeit, als Frauen noch Strümpfe mit verstärkter Ferse verstärkter Fußspitze trugen«, meinte Mel. »Leider haben Strumpfhosen alles verdrängt. Die sind so orthopädisch. Die Frauen haben ihren Gefallen an Stöckelschuhen verloren. Warum tragen die Frauen keine Absätze mehr wie in den Fünfzigern und den Sechzigern?«
»Weil die wehtun«, antwortete Josie. Sie musste im Zuge ihrer Arbeit als Testkäuferin auf Absätzen zig Meilen durch die Einkaufszentren zurücklegen. Bleistiftabsätze waren eine Tortur.
»Aber Absätze schmeicheln der Wade und dem Bein so. Ich möchte meinen, die Frauen würden etwas Unbehagen hinnehmen, um attraktiv zu wirken«, sagte Mel.
»Humpeln ist unattraktiv«, erwiderte Josie und fragte sich, ob sie mit ihrer Bemerkung gegen Absätze ihre Deckung verloren hatte. »Ich nehm’ die Bruno Maglis.«
»Darf ich Ihnen einen D’Orsay-Pumps von Kenneth Cole zeigen?« Mel flehte sie praktisch auf Knien an, als er den türkisen Schuh mit den offenen Seiten hervorholte.
»Klar doch.«
Mel ließ ihre Füße in das Paar gleiten. Josie stand auf und machte ein paar Schritte auf den langen Spiegel zu. Der seitlich offene Schuh war zweifellos sexy. Ihre Beine sahen umwerfend aus.
»Hinreißend«, sagte Mel. »Ich bin gleich wieder da.« Er verschwand erneut mit der seltsam gebückten Haltung hinter den rosa Vorhängen.
Josie seufzte. Sie würde den ganzen Tag lang hier sein und nichts vorzuweisen haben als malträtierte Füße. Falls Mel sich ungebührlich verhielt, hatte sie ihn nicht dabei erwischt.
Mel kam einige Minuten später mit einem weiteren schwankenden Stoß Schuhkartons zurück. »Ich hab einen wunderschönen Slingback mit Stiletto-Absatz«, sagte er. »Und eine absolut bezaubernde Sandalette mit Knöchelriemen.«
Mel öffnete die Kartons wie ein Höfling, der seiner Königin Juwelen präsentiert. Josie probierte sie an und wünschte sich, sie trüge sie für Josh und nicht für Mel. Nach beinah einer Stunde saß sie knietief in einem Durcheinander aus abgelehnten Schuhen. Sie konnte in ihrem Bericht nur schreiben, dass Mel mehr Zeit mit ihr verbracht hatte als üblich, und dass es für ihn keine verschwendete Zeit war. Sie kaufte drei Paar Schuhe – Ware im Wert von fast eintausend Dollar – glaubte er...




