E-Book, Deutsch, Band 3
Viets Shopping mit Mord
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-672-7
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3
Reihe: Mord in der High Society-Reihe
ISBN: 978-3-98637-672-7
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Halstücher, Mystery Shopping und ein Mord …
Die Cosy Crime-Reihe um Josie Marcus geht spannend weiter!
Als Josie Marcus’ beste Freundin Alyce in die noble Gemeinde Wood Winds zieht, freut sich Josie für sie. Nichts scheint hier, in dieser ruhigen Wohngegend der Reichen und Schönen passieren zu können. Doch der Eindruck täuscht, denn kurz nach dem Umzug wird die berühmte Tuch-Designerin und Alyces neue Nachbarin Halley Hardwicke ermordet. Plötzlich steht Alyces Mann Jack unter Verdacht und Josie steckt mitten in ihrem neuen Fall. Für ihre Freundin sucht sie nach dem wahren Täter und stößt dabei auf pikante Details, die alles verändern …
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Mord als Accessoire.
Alle Bände der Mord in der High Society-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.
Erste Leser:innenstimmen
„Elaine Viets konnte mich auch mit diesem Roman wieder vollkommen überzeugen.“
„Zwischen den Reichen und Schönen wird eine Leiche gefunden – einfach unterhaltsam!“
„Cosy Crime vom Feinsten: spannend, humorvoll und mitreißend.“
„Endlich ein neuer Fall für Josie Marcus und die Modewelt.“
„Ein toller Roman, der mich wunderbar unterhalten hat.“
Elaine Viets hat 34 Krimis in vier verschiedenen Serien geschrieben. Mit ihrer Angela Richman-Reihe kehrt Elaine zu ihren Wurzeln zurück und nutzt dafür ihre Erfahrung als Schlaganfallüberlebende und ihre medizinrechtliche Weiterbildung über Todesursachen. Elaine war als Regisseurin für die Mystery Writers of America tätig und arbeitet häufig am Alfred Hitchcocks Mystery Magazine mit.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
»Ich kann nicht glauben, dass jemand tausend Dollar für nen Schal bezahlen würde«, meinte Alyce Bohannon.
»Sag mal«, entgegnete Josie Marcus, »bist du nicht die, die tausend Mücken für Küchenmesser ausgegeben hat?«
»Das waren keine Küchenmesser«, sagte Alyce. »Das waren Williams-Sonoma-Klingen aus Karbonstahl. Die waren Kunstwerke.«
»Und dieser Schal ist keins?«, fragte Josie. »Sieh dir die Farbe an: Halleyblau. Die ist dreidimensional. Fühl mal. Das ist italienische Seide. Das Gewicht ist perfekt. Er legt sich wunderschön an.«
Josie liebte Halleyblau. Es war intensiver als Himmelblau und reicher als die Farbe, die durch Maxfield Parrish berühmt geworden war. Es war das Blau eines bodenlosen Sees. Die Farbe passte zauberhaft zu jedem Hautton von »Vanilleweiß« bis »Dunkle Schokolade«.
Josie hielt den Schal vor ihr Gesicht und erfreute sich daran, wie luxuriös er sich anfühlte. Neben einem halleyblauen Schal hatten ihre einfachen, braunen Haare glamouröse, rote Strähnchen und ihre braunen Augen wirkten tiefgründig und exotisch. Ihr schlichtes Äußeres war ihr Kapital, oder zumindest ihr Unterhalt. Josie war die ideale Testkäuferin; sie konnte in jedem Einkaufszentrum untergehen. Sie konnte keinen Schal tragen, mit dem sie auffiel.
Sie fuhr mit einem manikürten Finger über das Muster mit dem Vogel und dem Hasenglöckchen. Wie alle guten Muster war es einfach, aber raffiniert.
»Josie, hör auf, den Schal zu begrapschen, bevor der Sicherheitsdienst uns abholt«, sagte Alyce. »Er ist hübsch, aber ich könnt ‘nen beinah gleich guten um dreißig Dollar bei Target kaufen.«
»Ich könnt mir dort ‘ne ganze Schublade voller Messer zum gleichen Preis kaufen«, meinte Josie.
Alyce zuckte zusammen. »Okay, bin ich halt altmodisch. Ich mag meine Kunst in ‘nem Rahmen.«
Josie hielt den blau-weißen Schal gegen Alyces milchweiße Haut. Der märchenhafte Stoff machte ihre Augen rauchig blau und ihre Haut silberseidig.
»Wenn man etwas so Schönes trägt,« sagte Josie, »ist man selbst der Rahmen für die Kunst.«
»Schätzchen, ich bin die ganze Ausstellung.« Alyce blickte auf ihre üppigen Kurven hinab. »Ich bin nicht zur Modepuppe geboren, Josie. Ich bin zu praktisch, als dass ich Geld für etwas ausgeben würde, was nicht nützlich ist.«
»Bei Pretty Things ist nichts nützlich«, sagte Josie. »Darum geht’s ja bei dieser Boutique. Ich wünschte, ich könnt ihn mir leisten.«
»Also gibt man dir keine tausend Dollar, die du als Testkäuferin hier ausgeben kannst?«
»Nicht so laut«, sagte Josie. »Ich bin hier als käuferin.«
»Wir sind Hausfrauen«, entgegnete Alyce. »Wir sind unsichtbar. Die dürren Verkaufsangestellten da sind zu sehr damit beschäftigt, hip zu sein, um uns zu bemerken.«
»Keine Sorge. Die krieg ich noch«, meinte Josie. »Ich hab dreißig Dollar, die ich hier ausgeben kann, und es wird nicht einfach sein, was zu finden.«
»Wir wär’s mit den Goldohrringen da?«, schlug Alyce vor.
»Du hast ‘nen ausgezeichneten Geschmack. Die kosten zweihundert Dollar«, sagte Josie. »Ich könnt mir vielleicht ‘nen Schalring zu dem Schal kaufen, den ich mir nicht leisten kann. Der kostet achtundzwanzig Dollar.«
»Sie wohnt bei uns in der Straße, weißt du?«, sagte Alyce.
»Wer?«, fragte Josie.
»Halley. Ihr Haus ist halleyblau ausgeschmückt. Die Farbe ist etwas grell für die Fensterläden.«
»Ich kauf nur kurz den Schalring, dann können wir hier raus und reden«, meinte Josie.
Nur eine Verkaufsangestellte war verfügbar. Auf ihrem Namensschild stand »SABER«. Sie hatte dunkelrote Haare und den Anschein schicker Ermüdung. Saber ignorierte Josie und starrte geradeaus.
Josie kannte ihren Typ. Saber war eine gefangene Prinzessin. Die gefangene Prinzessin wusste, dass das Universum einen furchtbaren Fehler begangen hatte. Sie war keine Verkäuferin. Sie war Adel jenseits seiner Stellung. Sie tat den Kunden einen Gefallen damit, sie zu bedienen. Sie sollten stattdessen ihr dienen. Die gefangene Prinzessin ließ es sich nie entgehen, den Kunden klarzumachen, dass sie unter ihr standen.
Eine geringere Käuferin hätte sie angefleht: »Können Sie mir helfen?«
Josie bleib still. Sie zählte die Minuten, die auf ihrer Uhr vergingen. Eins. Zwei. Drei. Bei drei Minuten und zweiundfünfzig Sekunden fragte Saber endlich: »Kann ich Ihnen helfen?«
»Ich nehm das hier«, sagte Josie.
Saber hob den günstigen Schalring mit zwei Fingern auf, als wäre er eine Küchenschabe. »Sonst noch was?« Saber war vor lauter Langeweile beinah gelähmt.
»Das reicht.« Josie lächelte süßlich. Sie konnte es kaum erwarten, ihren Bericht zu schreiben.
»Sind Sie aus New York?«, fragte Saber.
»Nein«, antwortete Josie.
»Ich wusste, dass Sie das nicht hier gekauft haben«, sagte sie mit einem Nicken auf Josies Escada aus dem Garagenflohmarkt. »St. Louis ist zu deutsch und zu dämlich.«
»Das ist nicht gerade fair«, platzte es Alyce heraus.
Josie war überrascht. Alyce sprach nur selten, wenn sie mit Josie testkaufen ging, doch sie verteidigte St. Louis nur zu gern. Sie hasste es zuzugeben, dass ihre Stadt Fehler hatte.
Saber starrte auf Alyces blauen, seidenen Hosenanzug. »Wie alt ist der?« Sie machte sich keine Mühe, ihre Verachtung zu kaschieren.
»Ich kauf klassische Stilrichtungen«, sagte Alyce. »Er ist fünf Jahre alt. Okay, sechs.«
»Alt genug, um in die Schule zu gehen«, meinte Saber. »Zu alt, um ihn zu tragen. Deshalb zieht Halley mit ihrem Geschäft auch nach New York. In St. Louis hat man keinen Stil. Die New Yorker kennen sich mit Mode aus. Dieses Kuhkaff weiß nix davon.«
Saber schlurfte in den Hinterraum und knallte die Tür zu.
»Danke für Ihren Einkauf bei Pretty Things«, sagte Josie in die Luft.
Alyce stand mit offenem Mund da. »Hast du gehört, was die kleine Ziege gesagt hat?«
»Das gibt die Tiefstpunktzahl beim persönlichen Service«, sagte Josie.
»Wie kann sie das über St. Louis sagen?«, fragte Alyce.
»Äh, ich stimm Saber ja nur ungern zu, aber uns würd niemand als Modehauptstadt bezeichnen.«
»Einige der reichsten Frauen der Welt wohnen hier«, protestierte Alyce.
»Und kaufen ihre Sachen in New York und Paris«, ergänzte Josie. »Wo holen sich deine reichen Freunde ihre Klamotten? Chico’s, Ann Taylor oder Talbots?«
»An den Läden gibt’s nichts auszusetzen«, meinte Alyce. »Da bekommt man was für sein Geld.«
»Völlig richtig«, sagte Josie. »Aber der letzte Schrei sind sie nicht. Find mal eine einzige hochmodische Frau in diesem Einkaufszentrum.«
»Gleich da am Ende vom Tresen.« Alyce war zu höflich, um zu deuten, doch sie strahlte voll wohlerzogenen Triumphes. Josie folgte ihrem Blick zu einem klassischen Typus, der Lady beim Mittagessen. Ihre aschblonden Haare waren zu unmöglichen Wirbeln gesprüht. Ihre patrizische Nase war so stark gepudert, dass Josie sich fragte, ob sie die verräterischen Adern einer Trinkerin versteckte. Manche ihrer Mittagessen mussten feuchtfröhlich sein.
»Das ist doch ‘n Designer-Anzug, oder nicht?«, fragte Alyce. »Das klumpige rosa, grüne und gelbe Gewebe sieht wie Haferflocken mit Streuseln aus. Sie hat dazu ‘ne senffarbene Bluse an. Die Farben sind so bizarr, dass sie einfach reich sein muss.«
»Ihr Anzug ist von Chanel«, sagte Josie. »Die Tasche ist von Kate Spade.«
»Und der Schal?«, fragte Alyce.
»Welcher Schal?«, fragte Josie entgegen.
»Sie hatte vor ‘ner Minute ‘nen halleyblauen Schal in der Hand. Den hat sie vom Tresen genommen.«
»Alyce, auf dem Tresen lagen drei Schals«, sagte Josie. »Ich hab mir einen angesehen und zurückgelegt. Du meinst, sie hatte den anderen. Jetzt liegen da zwei. Ich wette, sie hat ihn mitgenommen.«
»Bist du dir sicher?«
»Ich glaub, sie hat ihn sich in die Handtasche gesteckt«, meinte Josie.
»Sag’s jemandem. Du bist doch als Testkäuferin in dem Laden.«
»Nicht nötig. Die Wachleute sind schon alarmiert.«
»Wo denn?«, fragte Alyce.
»Siehst du die Frau, die da an der Tür die Abendschals betastet? Ihre Haare sind zu schwarz, als dass sie hier ‘ne Kundin sein könnte. Sie färbt sich selbst die Haare. Kein hochkarätiger Salon würde ‘ne Frau über vierzig mit kohlrabenschwarzen Haaren vor die Tür lassen. Das entzieht der Haut die Farbe und lässt sie gelb erscheinen. Außerdem sind sie zu kurz und schmeicheln ihrem Gesicht nicht.«
»Warum lässt sie sie nicht länger wachsen?«, fragte Alyce.
»Wenn sie kurz sind, können die Ladendiebe sie nicht packen. Außerdem hat sie Schnürsenkel an den Schuhen.«
»Dann mag sie eben komfortable Schuhe«, entgegnete Alyce. »Sie trägt ‘n schönes Kostüm.«
»Das kommt aus zweiter Hand, wie meines. Der Saum ist ausgelassen worden. Sie ist wahrscheinlich ‘ne ehemalige Polizistin. Ihre Schuhe sind zum Schnüren, damit sie Dieben hinterherjagen kann. Slipper würden abrutschen, wenn sie rennt.«
»Sie lässt Ms. Chanel davonkommen«, sagte Alyce. »Die Ladendiebin geht auf den Ausgang zu.«
»Das Wachpersonal geht geschickt vor, um falsche Verhaftungen zu vermeiden«, erklärte Josie. »Die Verdächtige muss den Laden verlassen haben, sonst kann sie behaupten, sie wollte für den Schal bezahlen. Siehst du die Blonde mit dem harten Gesicht da an der Kasse? Sie ist die andere Wachfrau.«
»Woher weißt du das?«, fragte Alyce.
»Die Einkaufszentren sind mein Leben«, sagte Josie. »Ich kann dir nicht sagen, wie viele Verhaftungen ich schon miterlebt...




