Vincent | Soul Screamers 2: Rette meine Seele | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Soul Screamers

Vincent Soul Screamers 2: Rette meine Seele


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-8150-7
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Soul Screamers

ISBN: 978-3-7337-8150-7
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist eine Banshee. Wenn sie schreit, besiegt sie den Tod.
Kaylee hatte sich darauf gefreut, mit Nash zum Konzert zu gehen. Aber schon nach wenigen Songs bricht der Popstar tot auf der Bühne zusammen. Kaylee versteht es nicht. Sie hätte doch wie sonst auch den Tod vorhersehen müssen! Aber da war kein Schatten, kein dunkler Nebel. Von einer Reaperin erfährt sie, dass die Sängerin ihre Seele bereits fortgegeben hatte - und wer als Nächstes sterben wird. Jemand, den sie kennt ...
Kaylee setzt alles daran, diesen Menschen zu retten, und muss dafür sogar ihre Beziehung mit Nash aufs Spiel setzen. Denn immer mehr Teenager schließen mit leuchtenden Augen einen Pakt mit dem Tod: Für Ruhm und Erfolg verkaufen sie ihre Seelen und nehmen ewige Qualen in Kauf. Dem muss Kaylee ein Ende setzen. Auch wenn sie dafür in die Welt der Dämonen muss.



New York Times-Bestsellerautorin Rachel Vincent lebt in San Antonio, Texas. Als Älteste von vier Geschwistern ist sie selten um Worte verlegen - was sicher auch dazu geführt hat, dass sie Schriftstellerin geworden ist. Vincent teilt sich ein Büro mit zwei schwarzen Katzen und ihrem Fan der ersten Stunde. Wenn sie nicht gerade schreibt oder vor Tornados flüchtet, liest sie oder geht ins Kino.

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1. KAPITEL


Die Welt lag Addison Page zu Füßen. Diese Frau hatte wirklich alles – das Aussehen, die Figur, die Stimme und, nicht zu vergessen, das Geld. Aber Privilegien haben ihren Preis, und ich hätte ahnen müssen, dass die Sache zu schön war, um wahr zu sein.

„Wie bitte?“ Ich musste schreien, um die ohrenbetäubende Musik zu übertönen, die aus den riesigen Lautsprechern dröhnte, und in meinem Hals machte sich ein leises Kratzen bemerkbar. Tausende junger Menschen bewegten sich neben uns im Takt der Musik und sangen aus vollem Hals die Lieder mit, die das strahlend schöne Mädchen vorne auf der Bühne zum Besten gab. Auf zwei riesigen Leinwänden konnten Nash und ich jede ihrer Bewegungen in Nahaufnahme verfolgen.

Nashs Bruder Todd hatte uns erstklassige Platzkarten besorgt, doch inzwischen hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Die Aufregung und die Begeisterung der Zuschauer schwollen an, bis der gesamte Saal vor Energie fast zu platzen schien. Auch ich ließ mich von der allgemeinen Euphorie anstecken. Und dabei spielte gerade erst Edens Vorband …

Wie Todd es geschafft hatte, Sitzplätze in der fünfzehnten Reihe zu ergattern, war mir ein Rätsel. Doch egal wie: Diese Chance hatte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Die Chance, Eden live auf der Bühne zu erleben. Dafür opferte ich sogar bereitwillig einen Samstagabend mit Nash allein; auch wenn es ein Abend war, an dem mein Dad bis spät in die Nacht arbeiten musste …

Nash legte mir den Arm um die Hüfte und zog mich an sich. „Ich habe gesagt, dass Todd früher mal mit ihr ausgegangen ist!“, rief er mir ins Ohr.

Als ich seinen vertrauten Duft wahrnahm, schlug mein Herz ein bisschen schneller. Wir waren schon seit sechs Wochen zusammen. Trotzdem musste ich jedes Mal grinsen, wenn er mich anlächelte, und wurde knallrot, wenn er mir richtig tief in die Augen sah. Als ich ihm antwortete, streifte ich mit den Lippen flüchtig sein Ohr. „Mit wem ist Todd ausgegangen?“ Im Saal gab es Tausende möglicher Kandidatinnen.

„Mit ihr!“ Nash deutete über die Köpfe der Umstehenden nach vorne, aber ich konnte nicht so recht glauben, auf wen er zeigte.

Auf der Bühne stand Addison Page und heizte dem Publikum vor dem Auftritt des Stars des Abends ein. Sie trug schmal geschnittene schwarze Stiefel zu einer zerrissenen Hüftjeans und einem eng anliegenden weißen Top, das sie mit einem glitzernden silbernen Gürtel kombiniert hatte. In ihrem weißblond gefärbten Haar glänzte eine blaue Strähne, die bei schnellen Drehungen durch die Luft wirbelte. Gerade besang sie voller Inbrunst eine verlorene Liebe, und ihre Stimme klang so klar und kraftvoll wie auf ihren Alben.

Ich starrte die Sängerin ungläubig an. „Todd ist mit Addison Page ausgegangen?“ Es war so laut, dass Nash mich unmöglich gehört haben konnte, schließlich verstand ich meine eigenen Worte kaum. Doch er nickte mir zu und zog mich an sich, als der Typ neben mir johlte und seine Faust gefährlich dicht vor meinem Gesicht in die Luft riss.

„Vor drei Jahren“, rief er. „Sie ist hier aufgewachsen.“

Viele waren nicht nur wegen Eden gekommen, sondern auch wegen Addison Page, dem Shootingstar aus Texas. „Sie ist aus Hurst, oder?“, fragte ich. Hurst lag weniger als zwanzig Minuten von meiner Heimatstadt Arlington entfernt.

„Ja. Addy und ich sind zusammen in die neunte Klasse gegangen, bevor ich mit Mom nach Arlington gezogen bin. Todd war in der zehnten, und die beiden sind gut ein Jahr lang zusammen gewesen.“ Nashs Atem kitzelte mein Ohr.

„Was ist dann passiert?“ Ich drückte mich noch enger an ihn. „Addy hat eine Rolle in einer Fernsehserie bekommen und ist nach Los Angeles gezogen“, erklärte er schulterzuckend. „Für einen Fünfzehnjährigen ist es schwer genug, eine Fernbeziehung zu führen. Wenn deine Freundin berühmt ist, kannst du es vergessen.“

„Warum ist er dann heute Abend nicht hier?“ Wenn ich von jemand Berühmtem sitzen gelassen worden wäre, hätte ich mir die Gelegenheit sicher nicht entgehen lassen, ihn auf der Bühne zu erleben.

„Er ist hier irgendwo.“ Nash ließ den Blick suchend über die Menge schweifen. „Aber er braucht eben keine Eintrittskarte.“

Reaper wie Todd konnten sich nach Lust und Laune sichtbar oder unsichtbar machen und selbst bestimmen, wer sie sah oder hörte. Theoretisch war es möglich, dass er in diesem Moment direkt neben Addison Page auf der Bühne stand. Und so wie ich Todd kannte, war er genau dort. Als die letzten Takte des Songs verklungen waren, beendete Addison ihren Auftritt und verließ unter großem Applaus die Bühne, die daraufhin in aller Eile für den Star des Abends umgebaut wurde. Ich hatte damit gerechnet, dass Todd in der Pause zu uns stoßen würde, doch er tauchte nicht auf.

Plötzlich gingen die Lichter aus, und im Zuschauerraum wurde es mucksmäuschenstill. Nur vereinzelt wurde aufgeregt geflüstert. Kurz darauf begann die Bühne, dunkelblau zu leuchten, und die Zuschauer brachen spontan in Jubel aus. In der Mitte der Bühne thronte ein von einem einzelnen Scheinwerfer angestrahltes Podest. Hellrote Flammen loderten an beiden Seiten auf, und im nächsten Moment stand eine Gestalt auf der Bühne, so als wäre sie die ganze Zeit schon dort gewesen: Eden!

Die Sängerin trug eine kurze weiße Jacke über einem pinkfarbenen Leder-BH, dazu einen Rock mit Fransen, die hin und her schwangen und damit jede noch so kleine Bewegung ihrer Hüften betonten. Als sie das lange dunkle Haar zurückwarf, schrie die Menge begeistert auf, und Eden ließ sich auf die Knie fallen. Sie hatte das Mikrofon in der Hand. Aufreizend lasziv stand sie zu den ersten Takten ihres Songs auf und ließ dabei die Hüften kreisen. Ihre tiefe, rauchige Stimme, ein in Musik verwandeltes Stöhnen, war unglaublich sexy und anziehend, und man konnte sich dem Klang nur schwer entziehen. Auch mir ging ihre Stimme unter die Haut, und ich ahnte, dass ich sie auch Stunden später, wenn ich längst im Bett läge, noch hören würde.

Auf Nash wirkte Eden noch viel anziehender als auf mich. Er verschlang die Sängerin geradezu mit Blicken, und da wir so nahe an der Bühne saßen, hatte er zu allem Überfluss völlig freie Sicht. Er hatte die Hände zu Fäusten geballt, sodass die langen, starken Armmuskeln hervortraten. Die Lust in seinem Blick galt nicht mir, und als ihm die Schweißperlen auf die Stirn traten, wurde ich plötzlich schrecklich eifersüchtig, auch wenn ich wusste, dass es idiotisch war.

Ich griff nach seiner Hand, doch ich musste seine Faust fast schon gewaltsam öffnen. Als er endlich den Blick von der Bühne losriss und mich anlächelte, verlangsamte sich das Wirbeln in seinen wunderschönen braunen Augen. Die Lust war noch da, aber auf eine andere Art, tiefer gehend und stimmiger als zuvor – und diesmal galt sie mir. Nash begehrte mich, was mir schmeichelte, aber seine Gefühle gingen über die reine Körperlichkeit hinaus. Fürs Erste hatte ich Edens Bann gebrochen. Doch vielleicht hätte ich Todd für die Karten lieber nicht danken sollen.

Auf der Bühne tauchte eine Gruppe Tänzer auf und lief auf Eden zu; auf den riesigen Leinwänden verfolgte ich jedes Detail der Choreografie. Die Tänzer scharten sich um Eden und tanzten sie an, strichen ihr mit den Händen über die Arme, Schultern und den nackten Bauch. Als Eden den Laufsteg entlangstolzierte, der bis in die vordersten Sitzreihen hineinreichte, sprangen sie paarweise zur Seite. Spätestens jetzt war ich froh, dass wir nicht in der ersten Reihe saßen. Sonst hätte Nash bestimmt den Boden vollgesabbert.

Völlig unvermittelt spürte ich einen warmen Lufthauch am Ohr, dann hörte ich eine tiefe Stimme. „Hi, Kaylee!“

Ich zuckte erschrocken zusammen. Todd stand grinsend neben mir, und mein Nachbar wedelte mit dem Arm glatt durch ihn hindurch. Was bedeuten musste, dass ich als Einzige den Reaper sehen konnte. „Lass das gefälligst!“, zischte ich gereizt.

„Schnapp dir Nash und komm mit!“ Aus der Tasche seiner weiten Jeans kramte Todd zwei laminierte und ziemlich offiziell aussehende Ausweise hervor, die an Schlüsselbändern baumelten. Sogar sein verschlagenes Grinsen trübte die engelhaften Züge nicht, die er von seiner Mutter geerbt hatte, aber ich ließ mich davon nicht täuschen. Mit Todd geriet man fast immer in Schwierigkeiten, egal wie unschuldig er aussah.

„Was ist das?“, fragte ich und erntete einen fragenden Blick von meinem Nachbarn. Ich ignorierte ihn geflissentlich und stieß Nash mit dem Ellbogen in die Seite. Mit dem Mund formte ich lautlos das Wort „Todd“. Nash verdrehte die Augen und sah sich suchend um. Anscheinend konnte er seinen Bruder nicht sehen, was ihn ziemlich ankotzte.

„Backstagepässe.“ Todd griff einfach durch den Typen neben mir hindurch und packte mich an der Hand. Hätte ich mich nicht schnell losgerissen, wäre es zu einer ziemlich peinlichen Begegnung gekommen.

Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und schrie Nash ins Ohr: „Er hat Backstagepässe!“

„Wo hat er die her?“ Nash runzelte die Stirn. Auf der Bühne entledigte Eden sich gerade ihrer Jacke und tanzte in Leder-BH und kurzem Rock weiter.

„Willst du das wirklich wissen?“ Reaper wurden für ihre Arbeit nicht bezahlt – zumindest nicht mit Geld –, deshalb hatte Todd die Pässe sicher nicht gekauft. Genauso wenig wie die Karten.

„Nein“, sagte Nash knapp, folgte mir aber, als ich mich umdrehte und Todd nachging.

Es war ein aussichtsloses Unterfangen, mit dem Reaper Schritt zu halten. Schließlich musste er sich nicht an...



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