Vitouladitis | Liebe in Sicht | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch

Vitouladitis Liebe in Sicht

Herzklopfen in Rose Viallge
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-451-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Herzklopfen in Rose Viallge

E-Book, Deutsch

ISBN: 978-3-98637-451-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Vom Albtraum zum Frauenschwarm …
Der romantisch-humorvolle Liebesroman zum Wohlfühlen und Verlieben

Als Nami Sawyer das Haus ihrer Tante in Rose Village erbt, nutzt sie diese Chance, um ihrer unschönen Ehe zu entfliehen. Mit ihrem kleinen Bruder Nolan und dem dreijährigen Sohn Codey bricht sie in einer Nacht-und-Nebelaktion in jenes verträumte Dorf auf, in dem sie aufgewachsen ist. Dass sie dort ausgerechnet auf ihren ehemaligen Erzfeind Jack Montgomery trifft und dieser auch noch ihr direkter Nachbar ist, hat ihr gerade noch gefehlt. Doch der ehemalige Albtraum aller Mädchen hat sich zum begehrtesten Junggesellen des Dorfes entwickelt. Nami jedoch traut ihm immer noch nicht. Wäre da nicht dieses Knistern, das sie empfindet, sobald sie in seiner Nähe ist … Doch dann werden die beiden von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt und plötzlich steht viel mehr auf dem Spiel als nur ein gebrochenes Herz …

Erste Leser:innenstimmen
„Zuckersüße, und trotzdem nicht zu kitschige Enemies-to-Lovers-Geschichte – schön!“
„Fans romantischer Komödien müssen einfach zugreifen.“
„Mitreißender und gefühlvoller Liebesroman, von Mitleiden bis Mitlachen habe ich alles durchlebt!“
„Wunderbare Frühlings- und Sommerlektüre fürs Herz.“



Ines Vitouladititis, 1987 geboren, Kinderpflegerin und dreifache Mutter, verfasste schon früh Gedichte und Kurzgeschichten und schreibt seit ihrem dreizehnten Lebensjahr mit viel Herzblut und Leidenschaft Manuskripte unterschiedlichen Genres. Ihr Debütroman Nilah Taro und der Schwarze Flügel erschien als erster Band einer Romantasy-Trilogie im September 2020 im Wortschatten-Verlag. Mit Mitbewohner küsst man nicht, einem humorvollen wie romantischen New-Adult-Roman, veröffentlicht die Autorin ihr erstes Buch im dp Verlag.
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Kapitel 2


Start mit Hindernissen


In einem längst vergangenen Herbst hatte es keinen Quadratmeter Erdboden in Rose Village gegeben, auf dem keine Blätter gelegen hatten. Rot, gelb, orange, braun – in allen Farben, Formen und Größen hatten sie die Straßen geschmückt. Und obwohl meine noch so junge Welt Kopf gestanden hatte und zu zerfallen schien, waren die Gedanken, die in diesem Augenblick in mir aufkamen, umso schlichter und unwichtiger. Sie waren harmlos. Unschuldig.

Und ohne recht darüber nachzudenken, hatte ich eines davon aufgehoben und es sanft zwischen die Seiten meines Buches geschoben, bevor ich in den Wagen gestiegen war. Der Motor war schon gelaufen. Das Fenster hatte ich heruntergekurbelt, denn mir war trotz der immer kühler werdenden Temperaturen warm gewesen.

Gedankenverloren war mein Blick zum Haus geglitten, in welchem ich aufgewachsen war. Zu unserem Haus. Meinem Haus. Ich hatte einen Fehler gemacht. Vielleicht den größten meines Lebens. Doch hatte ich diese Strafe verdient? War es nicht Strafe genug gewesen, diesen Fehler auszusprechen? Ihn zuzugeben?

Es hatte an diesem Tag einen Abschied gegeben. Ein Eis an der Tankstelle, weil mein Magen geknurrt hatte und wir nichts Essbares eingepackt hatten. Eine Menge Tränen, die einen salzigen Geschmack auf meinen Lippen hinterlassen hatten. Anders salzig als die Seeluft. Und es hatte einen Streit gegeben, der eigentlich gar keiner gewesen, sondern grundlos entfacht worden war, um einen Grund zu haben. Einen, der stark genug gewesen war, die Wahrheit zu vertuschen.

„Nami, wieso steigst du nicht endlich aus?“

Es war nicht das erste Mal, dass Nolan mir diese Frage stellte. Schon zwei– oder sogar dreimal hatte ich ihn zu mir sprechen hören, dumpf und wie durch eine dichte Wand aus Nebel. Nur allmählich gelang es mir, meine Hände, die sich an das Lenkrad geklammert hatten, zu entspannen. Finger für Finger musste ich einzeln lösen, während meine Gedanken es nur ganz allmählich schafften, aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurückzukehren. Mit einem unangenehmen Brennen in den Augen wandte ich mich ihm zu. Er hatte die Fahrertür geöffnet und musterte mich ungeduldig, während er seinen Fußball zwischen dem linken und dem rechten Fuß hin und her kickte.

„Codey hat Hunger“, sagte er.

„Es sind noch …“, setzte ich an. Meine Stimme klang irgendwie verwaschen.

„… Waffeln da, ja.“ Nolan nickte. „Davon haben wir auf der Fahrt ungefähr vierzig Stück gegessen.“

„Du hast recht“, pflichtete ich ihm eilig bei. Endlich schaffte ich es, aus dem Minivan zu steigen. Meine Knie zitterten ein wenig. „Lass uns ins Haus gehen und sehen, was wir uns Leckeres zubereiten können, okay?“

„Von mir aus“, murmelte Nolan gleichgültig.

Codey hüpfte bereits vor der Veranda auf einem Bein vor und zurück, wie um die überschüssige Energie, die sich während der Fahrt in ihm angesammelt hatte, abzubauen.

Eine milde Frühlingsbrise umgab uns. Ich steckte meine Nase in den Wind, schloss die Augen und schnupperte. Rose Village roch anders, als ich es in Erinnerung hatte. Weniger intensiv. Weniger salzig. Weniger rosig. Fast nach nichts. Irgendwie enttäuschte mich diese Tatsache. Es fühlte sich an, als hätte ich mein Lieblingsbuch nach langer Zeit wieder aufgeschlagen, nur um festzustellen, dass der Inhalt mich nicht mehr fesseln konnte.

Lautstark schnaubte ich Luft aus. Mit dem Schlüssel in der Hand betrat ich die erste knarzende Stufe der Veranda. Das Holz war mit den Jahren nachgedunkelt und trug Spuren von Regen, Frost und Sonne. Am Geländer, an dem ich mein Fahrrad immer angelehnt hatte, befand sich immer noch dieselbe alte Kerbe wie damals. Bei dem Anblick zog sich mein Herz kurz schmerzvoll zusammen, und ein Bild meiner selbst tauchte vor meinem inneren Auge auf, wie ich das Fahrrad nach der Schule gar nicht schnell genug hatte abstellen können, um zum Mittagessen hineinzulaufen. Zärtlich strich ich mit der Hand über das Holz. Es war rau und unerwartet warm.

Rechts von der Haustür hing eine hölzerne, Schaukel ähnliche Bank an zwei dicken Ketten. Dieser Anblick war mir neu, auch wenn sie aussah, als würde sie bereits seit Jahren dort hängen. Sie bewegte sich im Frühlingswind leicht quietschend vor und zurück, fast als würde ein Unsichtbarer darauf sitzen und nachdenklich mit den Füßen wippen.

Auf der linken Seite standen eine Bank und ein kleiner Tisch. Beinahe konnte ich Tanta Claire sehen, wie sie dasaß, ein Bein über das andere gelegt, ein Glas Wein in der Hand und die langen dunklen Haare zu einem unordentlichen Dutt auf dem Kopf zusammengedreht. Oder waren ihre Haare gar nicht mehr lang gewesen? Waren sie gar nicht mehr dunkel gewesen? Sie war fast fünfundsechzig Jahre alt gewesen, als sie starb. Ich versuchte, mir Tante Claire mit einem grauen, schlichten Flechtzopf und Falten im Gesicht vorzustellen – vergeblich.

Mit einem tiefen Atemzug und zittrigen Fingern steckte ich den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn herum und öffnete die schwere Tür. Nolan und Codey folgten mir schweigend.

Im Gegensatz zu unserem Haus in Salem City hatte dieses weder einen gesonderten Eingangsbereich noch eine Art Flur oder Ähnliches. Man betrat es und stand direkt mitten im Wohnzimmer, mitten im Herzen. Man nennt die Küche das Herz des Hauses, doch in diesem Haus war das Herz das Wohnzimmer. Eindeutig.

Hier hatte sich seit meinem Auszug nur wenig verändert. Dieselben hölzernen Kommoden, derselbe dunkle Laminatboden, sogar dieselben Vorhänge an den Fenstern. Das Sofa war verschwunden und durch ein neueres, kleineres inklusive passendem Sessel ersetzt worden, und auch den hölzernen Esstisch mit den vier weißen Stühlen sah ich zum ersten Mal.

„Hier riecht es nach altem Mensch“, verkündete Nolan und rümpfte die Nase.

„So alt war Tante Claire gar nicht“, entgegnete ich. Doch nach Nolans Ansichten stand auch ich mit meinen dreißig Lebensjahren bereits mit einem Bein im Grab.

„Sucht euch doch oben schon einmal ein Zimmer aus, Jungs. Es sind drei dort und ein Badezimmer – ich nehme das, was übrig bleibt.“ Hilfe suchend wandte ich mich an Nolan. „Ich brauche einen Moment für mich, okay?“, setzte ich etwas leiser hinzu.

Nolan schoss seinen Ball, ohne mir eine Antwort zu geben, in die nächste Ecke und bedeutete Codey mit einem Kopfnicken, ihm zu folgen. Ich verkniff mir den Kommentar, dass im Wohnzimmer kein Fußball gespielt werden sollte. Das hatte er schon in Salem City nicht gedurft.

Gedankenverloren schlenderte ich durch den Raum, der mir auf paradoxe Art und Weise ein ganzes Stück kleiner vorkam als damals, und ließ mich schließlich in den Sessel sinken. Im Gegensatz zum Sofa wirkte er abgenutzter und ein wenig durchgesessen. Offensichtlich hatte ich den Lieblingsplatz meiner Tante gefunden. Das weiche Polster umhüllte mich mit einem Geruch, der mir vertraut vorkam, den ich aber nicht genau zuordnen konnte. Irgendwie blumig. Wie frisch gewaschene Laken. Und ein wenig nach Zimt.

Ich lehnte den Kopf zurück, schloss die Augen und stellte mir vor, wie Tante Claire hier gesessen und den Brief an mich geschrieben hatte, wahrscheinlich nur wenige Tage, bevor sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Oder hatte sie sich dafür vielleicht an den Tisch gesetzt? Hatte sie beim Schreiben bereits gewusst, dass Mom gestorben war?

Nachdenklich glitt mein Blick zum Tisch herüber, an den eine kleine Familie wie wir es waren, kaum gepasst hätte. Tante Claire hatte nie geheiratet, nie Kinder bekommen, und in all den Jahren hatte ich sie nicht ein einziges Mal gefragt wieso. Die Tatsache, dass ich es nie erfahren würde, versetzte mir einen Stich ins Herz. Während meine Mutter erst mich und dann Nolan großgezogen hatte, hatte Tante Claire in der nächsten Stadt als Grundschullehrerin gearbeitet. Sie hatte Marmelade verkauft, Krabbelgruppen geleitet und Nähkurse gegeben. Und obwohl ihr Leben mit allerlei Aktivitäten so gefüllt gewesen war, war sie schlussendlich doch allein gewesen. Von dem Moment an, in dem wir sie verlassen hatten, bis zu dem, in dem sie gestorben war.

Ich erinnerte mich lebhaft an eines unserer letzten Telefongespräche. Ich hatte sie vom Parkplatz eines Supermarktes angerufen, einfach weil mir danach gewesen war, ihre Stimme zu hören. Codey hatte auf der Rückbank in seinem Kindersitz geschlafen, und mir waren unentwegt Tränen über die Wangen gelaufen, während ich mich darum bemüht hatte, mir nichts anmerken zu lassen. Und während wir über Belangloses wie das Wetter gesprochen hatten, hatte sie mich mit ihrer weisen, sanften Stimme auf irgendeine Art und Weise zurück nach Hause gebracht.

Bei Gesprächen mit Tante Claire hatte ich mich nie älter gefühlt, als ich bei unserem Auszug aus Rose Village gewesen war. Wenn sie mir mit munterer Stimme von dem neuen Brotrezept erzählt hatte, das sie am Samstagmorgen ausprobiert hatte, von den jungen Menschen im Nähkurs und der streunenden Katze, der sie immer ein Schälchen Milch auf die Veranda stellte, war ich keine verheiratete Mutter Ende zwanzig. Ich war sechzehn Jahre alt, mochte Bücher und Boygroups und hatte weder mit Verantwortung noch mit schlechtem Gewissen etwas am Hut.

Doch nun war ich dreißig, alleinerziehend und unfähig, richtig zu packen. Und müde. Meine Augenlider fühlten sich heiß und bleiern an. Das Gefühl nahm von Minute zu Minute zu. Die Fahrt hatte an meinen Reserven gezehrt, und die Spuren dieser durchwachten Nacht am Steuer ließen sich auch durch alle Energydrinks der Welt nicht unsichtbar machen.

Aber noch wollte ich nicht schlafen. Es gab...



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