Vitouladitis | Nilah Taro und die Boten des Unheils | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 236 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 210 mm, Gewicht: 279 g

Reihe: Nilah Taro

Vitouladitis Nilah Taro und die Boten des Unheils


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96964-037-1
Verlag: Wortschatten Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 3, 236 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 210 mm, Gewicht: 279 g

Reihe: Nilah Taro

ISBN: 978-3-96964-037-1
Verlag: Wortschatten Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Obwohl ich mit dem Rücken zum Fenster saß, konnte ich die Dunkelheit spüren, die sich langsam über den Wald legte. Es war eine Finsternis ohnegleichen. Eine rabenschwarze, stumme, seelenlose Finsternis. Schwärzer als schwarz. Dunkelschwarz.

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Nilahs Leben auseinandergerissen und wieder zusammengesetzt wurde. Das prophezeite Unheil kann sie einfach nicht vergessen. Jeder Versuch, die Visionen zu entschlüsseln, lässt sie mehr und mehr an ihrem eigenen Verstand zweifeln. Bevor Nilah nach dem rettenden Licht greifen kann, hat sich die Dunkelheit bereits in die Akademie geschlichen. Allein wird Nilah diese Bedrohung nicht besiegen können. Doch niemand sonst scheint die Gefahr zu sehen.

Das fulminante Finale der Nilah-Taro-Trilogie!

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IMPRESSUM
1. Auflage 2023 © Wortschatten Verlag In der Verlagsgruppe Mainz
Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany
Wortschatten Verlag Verlagsgruppe Mainz Süsterfeldstraße 83 52072 Aachen
info@wortschatten.de 0049 (0)241 87343400 www.wortschatten.de
Gestaltung, Druck und Vertrieb: Druckerei und Verlagshaus Mainz Süsterfeldstraße 83 52072 Aachen
www.verlag-mainz.de
Lektorat: Julia Huntscha Umschlaggestaltung: Dietrich Betcher
Druckbuch: ISBN-10: 3-96964-036-9 ISBN-13: 978-3-96964-036-4
E-Book: ISBN-10: 3-96964-037-7 ISBN-13: 978-3-96964-037-1
Ines Vitouladitis Nilah Taro und die Boten des Unheils

Prolog Elvira
Der Geruch von Moos und aufgewühlter Erde lag in der Luft. Der Waldboden war taugetränkt, und das Licht der aufgehenden Sonne brach sich in tausenden und abertausenden feinen Tropfen, die alles ringsum benetzten. Elviras Flügel trugen sie lautlos durch den anbrechenden Morgen, während ihre scharfen Augen jede Bewegung im Umkreis unzähliger Meilen wahrnahmen. So lange schon hatte sie auf diesen Moment gewartet, und nun, endlich, schien er zum Greifen nah. Elvira überquerte den Schattenwald, schwebte über die sieben Inseln und erreichte schließlich nach Stunden, derer sie müde geworden war, zu zählen, nahe den Klippen von Tenebris, jene steinerne Höhle, die ihr endlich das offenbaren würde, wonach ihr erkaltetes Herz sich einzig sehnte. Mit einem katzenähnlichen Sprung landete sie lautlos neben der Höhle, richtete sich auf und strich mit beiden Händen ihr schwarzes Gewand glatt. Auch ihre Haare, beinahe knielang und von betörendem Glanz, waren schwarz, ebenso wie ihre Flügel, ihre Augen und – wie einige scharfe Zungen zu sagen beliebten – ihre Seele. Erwartungsvoll ließ sie ihre Zunge über die von Durst rauen Lippen gleiten. Jede Faser ihres Körpers war zum Zerbersten gespannt, als sie endlich mit einer einzigen, lautlosen Bewegung geduckt in das Innere der Höhle glitt, um Runa Gideon das zu stehlen, womit sie selbst nicht gesegnet worden war. Runa Gideon … beim Gedanken an sie und daran, dass diese Aussätzige den größten Schatz besaß, den Elvira sich je zu wünschen gewagt hatte, musste sie einen wütenden Aufschrei unterdrücken. Sie ballte die Hände zu Fäusten, so fest, dass sich ihre spitzen Fingernägel in die weiche Haut des Handballens bohrten, und einen Schmerz in ihr aufkeimen ließen, der jedoch nicht annähernd jenen Schmerz erreichte, den ihr Innerstes verspürte. Runa hatte einst wahre Größe besessen. Besonders war sie gewesen, mächtig, klug und wunderschön. Eine der Stärksten unter den Starken. Doch seither waren viele Jahre ins Land gegangen. Runa hatte dem Rudel Untreue angetan und war verbannt worden, lange bevor sie sich auf diese jämmerliche, fünfsinnige Kreatur eingelassen und einen Mischling geboren hatte. Einen Bastard. Aber, und das war es, was Elvira an jenem Morgen durch Nebel und Kälte, über Wälder und Seen, hin zu diesem kargen Ort getrieben hatte, einen Sohn. Sie hatte einen Sohn geboren. Runa, bleich, noch sichtlich entkräftet von der Geburt und durchweg recht hager, aber dennoch schön wie eh und je, richtete sich auf, als der Schatten Elviras sich jäh über sie legte. Ihr braunes Haar fiel ihr in samtigen Wellen über ihre Schulter und über das kleine Bündel in ihrem Arm, das sie nun instinktiv fester an sich drückte. Ihr müdes, von Sommersprossen übersätes Gesicht und ihre klaren, grünen Augen waren gezeichnet von Misstrauen, als Elvira ohne ein Wort des Grußes nähertrat, sich über sie beugte und mit langen Fingern Runas Haare beiseiteschob, um das Bündel ansehen zu können. »Was willst du nach all den Jahren?«, fragte Runa mit fester Stimme und wandte sich leicht von Elvira ab, um sich zwischen sie und das Kind zu schieben. »Oh, Runa! Dumme, kleine, ängstliche Runa.« Elvira lachte glockenhell auf und tätschelte ihr mit einer herablassenden Geste den Kopf. Ihre Stimme war süßlich und zischend, und hin und wieder betonte sie ein Wort auf so merkwürdige Art und Weise, als trüge es eine ganz besondere Bedeutung für die gesamte Aussage. »Sei nicht immer so argwöhnisch, du dummes Mädchen. Ich komme bloß, um dir beizustehen in dieser schweren Zeit. So etwas tun Freunde!« »Wir sind keine Freunde, Elvira.« Runa erhob sich und begann, mit dem inzwischen leise wimmernden Neugeborenen durch die Höhle zu wandern, auf und ab, und ab und auf, während sie ihm, in einem behutsam sanften Rhythmus, fortwährend den Rücken tätschelte. Dabei gab sie sich sichtlich Mühe, nicht allzu nahe an Elvira heranzutreten, die sich inzwischen mit vor der Brust verschränkten Armen und einem aufgesetzten Lächeln im Gesicht in der Höhle umsah. »Geräumig ist es hier nun nicht gerade«, schnurrte Elvira. »Er wird sich nie richtig entfalten können. Nie lernen. Nie stark werden. Armer Junge.« Runa, die den Worten Elviras nicht zu lauschen schien, sondern eher abwesend wirkte, kam am Eingang der Höhle zum Stehen, blickte in die Ferne, und für den Bruchteil eines Augenblicks schien es, als wolle sie die Flügel ausbreiten und fliehen. Doch dann seufzte sie und ließ sich im Schneidersitz nieder, um ihr Kind an die Brust zu legen. War es Resignation, die sie dazu bewegt hatte? Wusste sie, dass sie es in ihrem Zustand niemals schaffen würde, Elvira zu entkommen? Elvira war es gleich; das einzig Wichtige war, dass das Kind, der Junge, ihr Junge, endlich zum Greifen nahe war. Als sie sich hinzuschlich und sich mit gebleckten Zähnen und begierigen Blicken nur wenige Zentimeter neben die stillende Mutter kauerte, spannte Runa ihren Kiefernknochen sichtlich an. »Wie hast du mich gefunden?«, fragte sie tonlos. »Oh, das war leicht. Viele der Neuen haben nützliche Gaben.« Elvira zog erneut am Tuch, in das das Neugeborene eingewickelt war, und entblößte dessen mit rotem Flaum besetzten Kopf. »Ein Rothaariger. Wie ungewöhnlich. Wie ist sein Name?« »Er soll Flynn heißen.« Zärtlich strich Runa über den kleinen Kopf, bevor sie ihn wieder mit dem Tuch bedeckte. Elvira rümpfte die Nase. »Flynn? Was ist das denn für ein Name?« »Es ist sein Name.« Runa lächelte milde, ohne den Blick von ihrem trinkenden Sohn abzuwenden oder sich gar von der harschen Kritik der ungebetenen Besucherin verunsichern zu lassen. Elvira schnalzte mit der Zunge. »Du könntest zurückkehren«, sagte sie sanft. »Er könnte eine glänzende Zukunft haben im Rudel. Niemand müsste erfahren, dass er ein Bastard ist. Ihm werden Flügel wachsen, das weißt du! Unser Blut ist um so vieles stärker als das der gewöhnlichen Menschen.« Das letzte Wort spuckte sie voll Abscheu aus. »Du kannst ihm das, was er braucht, nicht alleine bieten. Nicht hier. Nicht in deinem jämmerlichen, untrainierten Zustand. Sieh ihn dir doch an, Runa! Eingewickelt in ein dreckiges, stinkendes Stück Stoff, frierend, hungrig, ohne eine Familie, ohne ein Rudel, das ihn beschützen könnte, wie er beschützt werden sollte! Und sieh dir dich an; ein bloßer Schatten jener Person, die du einst warst. Ausgezehrt und kränklich und isoliert vom Rest der Welt! Niemand sollte so leben.« Runa schwieg eine ganze Weile, dann nahm sie ihren inzwischen schlafenden Sohn von der Brust, wickelte ihn fester in das Tuch und wog ihn sachte im Arm, bevor sie Elvira in die Augen blickte. Pure Entschlossenheit lag in ihrem Blick. Obwohl sie zarter, wesentlich schmaler und auch einen guten Kopf kleiner war als Elvira, wirkte sie stärker. »Wir haben einander, und das genügt. Ich werde niemals zum Rudel zurückkehren«, sagte sie fest. Elvira fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, lächelte und entblößte dabei zwei Reihen perfekter, perlweißer Zähne. Runas Entgegnung schien...



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