Vlcek / Davenport / Warren | Dorian Hunter 27 - Der Grabräuber | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 27, 416 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

Vlcek / Davenport / Warren Dorian Hunter 27 - Der Grabräuber


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95572-027-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 27, 416 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

ISBN: 978-3-95572-027-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Mächte der Finsternis lassen dem Dämonenkiller-Team keine Zeit zum Verschnaufen. Im Auftrag Dorian Hunters geht der Privatdetektiv Fred Archer einer heißen Spur nach, die ihn zum seit Monaten verschollenen Jeff Parker führen soll. Bei seinen Ermittlungen lernt er eine ebenso verführerische wie gefährliche Frau kennen - und bevor er sich versieht, findet er sich in den Fängen einer blutrünstigen Sekte wieder, die ihm nach dem Leben trachtet ... Der 27. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 124: 'Der Grabräuber' 125: 'Der Tempel im Dschungel' 126: 'Die Königin der Nacht' 127: 'Im Netz der Todesspinnen' 128: 'Der Vampir vom roten Mond'

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Der Grabräuber

von Roy Palmer

1. Kapitel


Der Regen machte seine ureigene nervtötende Musik. Prasselnd stürzte er auf die Stadt herab und wusch die Häuser, die Straßen und die Gehsteige. Er spülte den Staub fort, ertränkte ihn. Er rauschte in den Abflussrohren der Gebäude und warf einen düsteren Umhang über San Francisco.

Das Haus in der Larkin Street sah verrottet aus. Fred Archer hatte keineswegs ein Luxusquartier erwartet. Deshalb machte er keine überraschte Miene, als er den Blick über die Fassade wandern ließ.

Er schlug den Mantelkragen hoch, zog den Hut tiefer in die Stirn und verließ seinen Wagen. Er lief durch den Regen und fragte sich im Stillen, ob der Wolkenbruch es wohl schaffen würde, den hässlichen roten Steinbau zum Einsturz zu bringen.

Er trat ein. Das Wasser lief von seiner Kleidung ab und tropfte zu Boden.

Fred war im Besitz von Adressen, hinter denen sich möglicherweise Menschen verbargen, die Auskunft über den Verbleib von Jeff Parker geben konnten. Er war durch die ganze Welt gereist und hatte nach dem verschollenen Freund geforscht – ohne Erfolg. Doch er war hartnäckig. Jeff war zuletzt in San Francisco gesehen worden. Deshalb fügte sich Fred bereitwillig dem unabwendbaren Los eines Privatdetektivs, solche Adressen der Reihe nach abzuklappern.

Er stand in einem dunklen Hausflur. Kein Mensch ließ sich blicken. Eine Dunstwolke schlug ihm entgegen. Er definierte sie als eine Mischung aus Schweißgeruch und dem Gestank von kalter Zigarettenasche, Essensresten und anderen Relikten der menschlichen Zivilisation.

Fred öffnete eine Tür und blickte in einen Raum, in dem heilloses Durcheinander herrschte. Im Zentrum saß auf einem Stuhl ein schnarchender Mann – offenbar der Hausverwalter.

Fred ignorierte ihn und stieg in den ersten Stock hinauf. Auf halber Strecke vernahm er die ersten gemurmelten Worte. Er gelangte in eine schmutzige kleine Wohnung, deren sämtliche Türen sperrangelweit offen standen. Im Korridor lungerten ein paar Leute herum, die auf irgendetwas zu warten schienen. Sie hatten sich mit verschränkten Armen gegen eine Wand gelehnt und beachteten ihn kaum.

Fred schritt an der Küche vorüber. Er sah ein blasses Mädchen, das gerade einen Wasserkessel aufsetzte; wahrscheinlich wollte sie Kaffee oder Tee zubereiten.

Ein paar Schritte weiter, und der Detektiv stand im Wohnraum.

Ungefähr zwei Dutzend Menschen hatten sich hier versammelt. Sie schwiegen und schauten auf eine beleibte, wie eine Zigeunerin gekleidete Matrone, die in einer Ecke auf einem Polsterstuhl thronte und den Blick auf eine Kristallkugel gerichtet hielt. Der Raum war in trübes Halbdunkel getaucht; die Luft war zum Schneiden dick.

Fred lockerte den Knoten seiner Alltagskrawatte, öffnete den Hemdkragen und atmete tief durch.

Die Matrone breitete die Finger über der Kugel aus. Scharf blickte sie über den Rand hinweg und fixierte einen hageren, nachlässig gekleideten Mann.

»Geh!«, sagte sie. »Geh zu ihr und bitte sie notfalls auf Knien, zu dir zurückzukehren! Was willst du sonst machen? Du bist arbeitslos, dem Suff verfallen, hast sonst keinen, der dir hilft. Wer soll dich aus dem Sumpf herausreißen?«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte er.

»Geh zu ihr!«

»Sie verachtet mich.«

»Geh trotzdem!«

»Also gut, ich werde es versuchen.«

»Das macht zehn Dollar.« Die dicke Frau streckte eine Hand aus. Der Mann drückte ihr mit einem Seufzer einen Schein in die Hand.

In diesem Augenblick trat das blasse Mädchen ein und trug ein Tablett mit einer Tasse zwischen den Wartenden hindurch. Fred folgte ihr. Das Mädchen servierte. Die Matrone schlürfte heißen, gut riechenden Tee aus der Tasse.

»Trink, Tante!«, sagte das Mädchen. »Du musst dich stärken. Du arbeitest zu viel.«

Fred Archer beugte sich vor. »Hören Sie, Tante, ich suche einen Freund. Er heißt Stanton Hagar. Man hat mir gesagt, dass er in diesem Haus wohnt.«

Sie setzte die Tasse hart ab. »Hier?« Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. »Hier nicht.«

Das Mädchen wandte plötzlich den Kopf und schaute Fred aus großen, dunklen Rehaugen an. »Einen Stock höher, Mister. Im zweiten. Dort finden Sie ihn bestimmt.«

»Danke.« Fred registrierte den zurechtweisenden Blick, den die Wahrsagerin auf ihre Nichte abschoss. Er grinste, tippte mit zwei Fingern an den Hutrand und setzte seinen Weg durch das Haus fort.

Alle Informationen waren nicht exakt. Man hatte ihm gesagt, Stanton Hagar wohne im ersten Stock dieses Hauses.

Versonnen stieg Fred in den zweiten Stock hinauf. War er auf der richtigen Spur? Seitdem er seine Recherchen in San Francisco betrieb, hatte er bereits viele Schlappen erlitten. Trotzdem ließ er sich nicht entmutigen. Er arbeitete geradezu verbissen an seiner Aufgabe, Jeffs derzeitigen Aufenthaltsort herauszubekommen. Dass er nicht tot war, war ziemlich sicher, denn die Freunde aus dem Castillo Basajaun in Andorra hatten Zeichen von ihm erhalten. Ira Marginter sagte, sie hätte eigentümliche Aufnahmen geschossen, als sie sich den Restaurationsarbeiten im Kastell widmete. Sie hatte versprochen, eines dieser »Geisterfotos« nach San Francisco, an Freds Adresse, zu schicken. Es musste bereits unterwegs sein.

Fred Archer forschte seit Anfang August dieses Jahres nach Jeff Parkers Verbleib. Er hatte herausgefunden, dass Jeff, der verwöhnte Playboy, sich zuletzt in San Francisco im Kreis von Hippies und Ausgeflippten befunden hatte. Allem Anschein nach war er Drogen, dem Alkohol oder irgendwelchen anderen Lastern verfallen. Er musste über das Schicksal des Dämonenkillers sehr verzweifelt sein. Schließlich hielt er ihn immer noch für tot. Nachdem bekannt geworden war, dass Coco Zamis ihren Geliebten Dorian Hunter getötet hatte, hatte Jeff sich zurückgezogen und nichts mehr von sich hören lassen. Seine Freunde machten sich die allergrößten Sorgen.

Fred war es gelungen, ein Foto aus Jeffs Hippiezeit zu beschaffen. Bei Ausschreitungen von Demonstranten, die sich im Zentrum von San Francisco abgespielt hatten, war es von einem Zeitungsreporter gemacht worden. Jeff war darauf zu sehen – schmal, bleich, mit stoppelkurzen Haaren; ein Schatten seiner selbst. Anhand dieses Bildes hatte Fred in Polizeiarchiven und allen anderen verfügbaren Quellen nachgeforscht und die Namen der jungen Leute herausbekommen, die mit Jeff an dem Aufmarsch teilgenommen hatten. Über die Hälfte hatte er bereits aufgesucht, größtenteils Typen, die ihr Zuhause in Kommunen, in den Slums oder im Gefängnis hatten, also ein Schattendasein in der Gesellschaft führten. Einen, den er noch besuchen wollte, hatte der Drogenkonsum sogar in die Heil- und Pflegeanstalt gebracht.

Fred Archer betätigte die Türklingel der Wohnung in der zweiten Etage. Sie funktionierte nicht. Ein Namensschild unter dem Klingelknopf existierte nicht. Er verzog den Mund. Im Gegensatz zu den unteren Räumen, wo die Wahrsagerin ein einträgliches Geschäft betrieb, indem sie die Leute verschaukelte, gab es hier keine offenen Türen. Er wollte die Tür aufdrücken, aber sie war fest verriegelt. Fred klopfte zweimal energisch an, doch niemand antwortete ihm. Kurz entschlossen nestelte er einen Dietrich mit verstellbaren Bärten aus einer seiner Taschen hervor.

Während er ihn in das Schlüsselloch steckte, dachte er über die dicke Matrone im ersten Stock nach. Irgendwie kam sie ihm gefährlich vor – aber nicht, weil sie Hilfesuchenden das Geld aus der Tasche lockte. Da war noch etwas anderes. Was? Besaß sie eine dämonische Ausstrahlung? Gehörte sie etwa der Schwarzen Familie an?

Er drehte den Dietrich herum. Das Schloss sprang auf. Vorsichtig schob er sich ins Innere der Wohnung und drückte die Tür wieder hinter sich zu. Der Flur hatte keine Möbel und keinerlei Bodenbelag. Auf den ersten Blick schien hier niemand zu wohnen. Dann bemerkte Fred jedoch flackernden Lichtschein, der aus einem der Räume fiel. Er trat ein und sah sechs junge Menschen: drei Mädchen und drei Jungen, teils halb nackt, teils völlig unbekleidet. Sie beachteten ihn nicht, blickten nur starr vor sich hin. Ein herber Geruch hing im Zimmer. Einer der Burschen, nur mit Jeans angetan, lag auf einer Matratze vor der rückwärtigen Wand.

»Ich suche Stanton Hagar«, sagte Fred.

Als er keine Antwort erhielt, trat er zu einem der jungen Männer und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er wiederholte seinen Satz.

Der Typ tastete ihn mit einem flackernden Blick ab; es war, als schaute er durch ihn hindurch.

»Stanton Hagar?«, sagte eines der nackten Mädchen.

Fred wandte sich ihr zu. »Welcher von euch ist es?«

»Die Sonne ist blass, und die Vögel haben kleine Köpfe. Würden die Menschen die Köpfe über die Wolken erheben, so wären sie auch Vögel.« Sie kicherte und wies auf den auf der Matratze Liegenden.

Fred ging an ihr vorüber und hörte, wie sie monoton vor sich hinsummte.

Der Junge auf der Matratze lag auf der Seite. Fred drehte ihn auf den Rücken und blickte in zwei glasige Augen. Entsetzt fasste er nach einem der Arme, der unzählige Einstiche aufwies, fühlte nach dem Puls, der nicht mehr vorhanden war.

Er wirbelte herum.

»Tot!«, rief er. »Stanton Hagar hat sich eine Überdosis geschossen – oder jemand hat sie ihm verabreicht. Verfluchtes Rauschgift! Zum Teufel mit euch Narren!«

Die fünf Süchtigen schwiegen, doch unter dem Türpfosten ertönte eine kehlige Stimme. »Zum Teufel? Sie sind nicht mehr weit entfernt von ihm, diese...



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