E-Book, Deutsch, Band 1812, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Vlcek Perry Rhodan 1812: Camelot
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1811-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Tolkander"
E-Book, Deutsch, Band 1812, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1811-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
ERNST VLCEK Ernst Vlcek ist 1941 in Wien geboren. Nach der Schulausbildung und Absolvierung einer kaufmännischen Lehre war er in verschiedenen manuellen Berufen tätig. Schon in jungen Jahren begeisterte sich der Autor für die Science Fiction. Eine seiner ersten Kurzgeschichte hatte den Titel 'Es kommt eine kleine Überraschung'. Für Ernst Vlcek bot sich zunächst die Möglichkeit, seine Werke innerhalb des Fandoms zu veröffentlichen. 1966 erschien sein erster Roman 'Der kosmische Vagabund', weitere Veröffentlichungen folgten. Zwei Jahre später ergab es sich für den Österreicher, bei den PERRY RHODAN-Taschenbüchern mitzuschreiben. Mit diesem erfolgreichen Roman 'Planet unter Quarantäne' (46) schaffte er den Einstieg in die PERRY RHODAN-Heftserie. Sein erster Roman war 'Die Banditen von Terrania'. 1970 folgte der Einstieg bei ATLAN, parallel dazu konzipierte er mit seinem Schriftstellerkollegen Kurt Luif die Horrorserie 'Dämonenkiller'. In den darauffolgenden Jahren seines Schaffens entwickelte er den bekannten SF-Zyklus 'Sternensaga'. 1980 wurde ihm die Exposéarbeit der Fantasyserie 'Mythor' anvertraut und auch an 'Dragon' hat er mitgearbeitet. Bei PERRY RHODAN stieg er ab 'Der gute Geist von Magellan' (1211) mit Thomas Ziegler in die Exposéarbeit ein. Zwei Jahre später bekam er mit Kurt Mahr einen neuen Exposéautor zur Seite gestellt, auf den Robert Feldhoff folgte. Auf dem PERRY RHODAN WeltCon 2000, erklärte er seinen Rücktritt aus der Exposé-Redaktion, im Jahre 2004 schließlich zog er sich schließlich auch aus dem Autorenteam zurück - in einen von eigenen schriftstellerischen Projekten Ruhestand. Am Vormittag des 22. April 2008 ist der ehemalige PERRY RHODAN-Chefautor Ernst Vlcek unerwartet in Wien gestorben.
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1.
»Was ist das für ein Schrotthaufen?«, sagte Kummerog abfällig, fast zornig, über diese Zumutung, als sie mit der Space-Jet die Zielkoordinaten im Orion-Sektor erreichten.
»Es handelt sich um ein altes Raumfort«, antwortete Bruno Drenderbaum.
Obwohl von der Station nicht mehr viel übrig und der Rest ziemlich deformiert war und so wirkte, als hätten darauf heftige Kämpfe stattgefunden, war noch genug übrig, dass Bruno sie an dem Skelett als Raumfort erkennen konnte.
Bruno hätte Kummerog die Geschichte dieser Weltraumstationen erzählen können, wenn der Cantrell es gewollt hätte.
Im sechsten Jahrhundert NGZ, als die Cantaro zu einer Bedrohung für die Milchstraße wurden, bauten die Galaktiker diese Raumforts in großer Zahl, zu Tausenden. Sie wurden für die Bewachung der Milchstraße und – nachdem bekannt geworden war, dass die Cantaro Schwarze Löcher als Transportmedien benutzten – der Milchstraßen-Black Holes eingesetzt.
Nach der Eroberung der Galaxis durch die Cantaro wurden die ehemaligen Raumforts von den neuen Machthabern als Wach- und Schaltstationen für die Wälle der Milchstraße eingesetzt. Bruno wusste auch, dass die Cantaro ihre Schaltstationen in der Regel aus acht ehemaligen Wachforts zusammensetzten, die so eine Höhe von 1500 Metern erreichten.
Aber hier hatten sie es mit einem einzelnen Raumfort zu tun, gut 1000 Meter lang und 200 Meter breit.
Trotz der Zerstörungen war eine der beiden Gabeln mit den beiden Zacken erhalten, die die Enden der Plattformen bildeten und bei denen es sich um abkoppelbare Wartungseinheiten gehandelt hatte. Auch waren mittschiffs noch zwei der vier zylindrischen, turmartigen Aufbauten erhalten, im Quadrat angeordnet, hundert Meter in die Höhe und in die Tiefe reichend. Bei diesen Zylindern mit kuppelförmigem Dach handelte es sich gleichzeitig um die Kupplungen, mit denen die Plattformen aneinandergehängt wurden. Über die gesamte Plattform waren ineinander verschachtelte Aufbauten verteilt.
Das Wrack eines solchen Wachforts lag vor ihnen.
Bei diesem Raumfort waren jedoch fast alle Anlagen durch Explosionen aufgeplatzt und unter starker Thermoeinwirkung verbogen oder geschmolzen worden. Auf der halbzerstörten Kuppel eines der beiden erhaltenen Zylinder war die Bezeichnung des Raumforts zu erkennen. Man konnte sie mühelos als ORION-738 entziffern. Die ehemals grüne Leuchtschrift war matt und verrußt.
Bruno konnte sich gut ausmalen, welche Kämpfe hier einst, vor fast 125 Jahren, stattgefunden hatten, als Perry Rhodan und seine Freunde den Sturm auf die die Milchstraße umgebenden Wälle führten und den Sturz von Monos einleiteten.
Das alles war Geschichte, die Bruno bei seiner Ausbildung gepaukt hatte und die ihm noch frisch im Gedächtnis war. Er hätte ausführlich darüber referieren können.
Bruno hätte Kummerog auch erklären können, dass jede dieser Wachstationen damals, zur Zeit von Monos, zumindest von einem Nakk als Schaltmeister besetzt gewesen war. Aber Bruno war Empath genug – und zudem noch Träger von Kummerogs Haut –, um zu merken, dass sein Meister an solchen Geschichtsdaten nicht interessiert war …
»Könnte es sich um eine Falle handeln?«, sinnierte Kummerog beim Anflug auf das Wrack. »Ist es möglich, dass bei unserem Coup etwas schiefgelaufen ist? Hätten die Camelot-Leute durch die Vorgänge auf der BASIS Verdacht schöpfen können?«
»Unmöglich«, sagte Bruno voller Überzeugung. Er war sich da ganz sicher. »Du hast keinen Fehler gemacht, Kummerog. Es war eine runde Sache. Du bist Andor Felsch, ich bin Simon Dury. Unsere Erkennungschips lauten auf diese Namen – aber sie tragen unsere persönlichen Merkmale, wie ID-Muster und …«
Kummerog winkte ungeduldig ab, das war ihm alles bekannt. Schließlich hatte er dafür gesorgt, dass Felsch und Dury mit allen Mitwissern beseitigt wurden, so dass sie beide ihre Stelle einnehmen konnten.
Kummerog prüfte aufmerksam die von den Ortungsgeräten einlaufenden Daten vom Weltraumfort. Dort rührte sich nichts. Es gab keinerlei messbare Normalenergie- oder Hyperemissionen. Die Masse stimmte – es gab keine versteckten Maschinen oder Raumschiffe. Dennoch blieb der Cantrell misstrauisch.
»Unsere körperlichen Merkmale«, murmelte er. Er blickte zu Bruno. »Schau mich an. Was siehst du?«
Bruno wusste, worauf Kummerog bei seinem Aussehen anspielte. Der nur 1,55 Meter große und in den Schultern einen Meter breite, leicht gebeugte Hominide mit der schwarzen, rissig wirkenden Haut und den krummen, muskulösen Beinen sah ihn aus seinen völlig weißen Augen herausfordernd an. Er fletschte den runden, lippenlosen Mund, so dass seine sechs einzelnen, gelben Reißzähne sichtbar wurden. Und er blähte die Nasenflügel, so dass die drei Nasenlöcher deutlich zum Vorschein traten. Er hob die Hand, die linke, die er verloren hatte und die ihm innerhalb kurzer Zeit wieder nachgewachsen war, und er spreizte die zwei Finger und die beiden Daumen.
»Du könntest als Umweltangepasster durchgehen«, sagte Bruno ohne rechte Überzeugung. »Als mutierter Epsaler vielleicht. Warum nicht?«
»Und du, mein Freund?«, fragte Kummerog spöttisch. »Du bist Träger meiner Haut. Ein überaus markantes Merkmal, wenn man genauer hinsieht.«
»Ich sehe für mich kein Problem«, antwortete Bruno leichthin und versuchte zu scherzen. »Einer der Zellaktivatorträger, Ronald Tekener, hat die Lashat-Pocken. Im Vergleich zu ihm habe ich es noch gut getroffen.«
Kummerog wurde zornig.
»Du sollst mich beraten und nicht in den Leichtsinn treiben, mein Freund!«, schrie er außer sich. Er fasste sich aber schnell wieder. »Jeder Eingeweihte, der uns sieht, würde uns auf Anhieb als die Flüchtigen von Mimas identifizieren. Und wir dürfen voraussetzen, dass die Cameloter über die Vorgänge im Solsystem informiert sind. Schließlich bin ich der, der an Stelle dieses Perry Rhodan auf Trokan aus dem Pilzdom kam.«
»Es wird erst gar nicht passieren, dass uns jemand identifiziert«, sagte Bruno zuversichtlich. »Um das zu verhindern, haben wir diesen Weg gewählt.«
Ihre persönlichen Daten waren ausschließlich in ihren Passagechips gespeichert, die auf die Namen von Andor Felsch und Simon Dury ausgestellt waren. Nur diese beiden Namen waren in Umlauf gebracht worden. Das hieß, dass vom Camelot-Büro der BASIS nur diese beiden Namen weitergegeben wurden. Bevor Details hatten weitergeleitet werden können, hatte Kummerog zugeschlagen und den Beauftragten Olaf Grindgen mitsamt seinem Büro in die Luft gejagt.
Die Passagechips nach Camelot hatten ihnen zwei Möglichkeiten zur Auswahl gestellt:
Die erste war die, dass die beiden auf der BASIS hätten bleiben können, um sich von einem Zubringerschiff abholen und nach Camelot fliegen zu lassen. Dies war nicht in Frage gekommen; aus dem einfachen Grund nicht, da die Flüchtenden nach der Zerstörung des Camelot-Büros und dem Tod aller Mitwisser nicht länger auf der BASIS hatten bleiben können.
Die zweite Möglichkeit war da schon vielversprechender. Da sie ein eigenes Raumschiff besaßen, konnten sie bestimmte Koordinaten im Orion-Sektor anfliegen, wo sie ein Lotse erwarten würde, von dem sie alles andere erfahren sollten.
An den angegebenen Koordinaten fanden sie nun das Wrack des Raumforts ORION-738 vor. Aber von einem Lotsen war vorerst nichts zu sehen. Und wenn der Lotse kam und mit ihnen konfrontiert wurde, würde er, selbst wenn er sie nicht sofort identifizieren konnte, zumindest misstrauisch werden. Kummerogs äußere Erscheinung war denn doch zu fremdartig.
Dem musste Bruno Drenderbaum zustimmen, wollte er sich und Kummerog nicht etwas vormachen. Seit er von der Haut einiges über Kummerog erfahren hatte, war ihm dessen Gefährlichkeit bewusst.
Kummerog wollte um jeden Preis nach Camelot. Über den genauen Grund darüber war Bruno nicht informiert, aber er konnte sich viele Gründe denken. Camelot war im Moment das bestgehütete Geheimnis der Milchstraße. Und was immer sich Kummerog erwartete, so hoffte er, es dort am ehesten – und vielleicht auch am leichtesten – bekommen zu können.
»Ganz im Vertrauen, mein Freund«, sagte Kummerog mit unverhohlener Enttäuschung. »Du bist mir insgesamt keine große Hilfe.«
Er nannte ihn neuerdings »Freund«, obwohl sich Bruno darüber völlig im Klaren war, dass er nichts weiter als ein höriger Sklave war. Aber eben weil er nicht anders konnte, als Kummerog hörig zu sein, änderte dieses Wissen nichts an seiner Treue zu ihm.
Bruno Drenderbaum war sich über seine Position völlig im Klaren. Er hätte dennoch nicht anders gekonnt, als Kummerog notfalls sein Leben zu opfern. Seine Existenz hatte er durch seine Flucht von Mimas für den Cantrell bereits aufs Spiel gesetzt. Schuld daran war Kummerogs Haut, die Bruno sicher im psychischen Griff hielt.
In diesem Moment erreichte die Space-Jet ein Funkspruch vom Wachfort.
»Space-Jet, bitte identifizieren!«
»Wer will das wissen?«, erkundigte sich Kummerog argwöhnisch.
»Der Lotse Kerom.«
»Hier sind Andor Felsch und Simon Dury.«
»Willkommen auf dieser Zwischenstation. Bitte landet auf ORION-738! Ich werde zu euch kommen.«
*
Kerom war eine durchschnittliche Erscheinung. Knapp 1,80 Meter groß, schlank, schmales Gesicht mit gerader Nase, braunes Haar, leicht fliehendes Kinn. Humanoid, ohne Zweifel terrastämmig.
Er hatte etwas puppenhaft Glattes an sich und machte den Eindruck, als sei er ein Klon, den man auf Durchschnittsmensch gezüchtet hatte. Diese Einzelheiten waren so deutlich zu erkennen, weil er keinen Raumanzug trug,...




