E-Book, Deutsch, Band 1918, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Vlcek Perry Rhodan 1918: Der Traum der Nevever
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1917-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sechste Bote"
E-Book, Deutsch, Band 1918, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1917-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
ERNST VLCEK Ernst Vlcek ist 1941 in Wien geboren. Nach der Schulausbildung und Absolvierung einer kaufmännischen Lehre war er in verschiedenen manuellen Berufen tätig. Schon in jungen Jahren begeisterte sich der Autor für die Science Fiction. Eine seiner ersten Kurzgeschichte hatte den Titel 'Es kommt eine kleine Überraschung'. Für Ernst Vlcek bot sich zunächst die Möglichkeit, seine Werke innerhalb des Fandoms zu veröffentlichen. 1966 erschien sein erster Roman 'Der kosmische Vagabund', weitere Veröffentlichungen folgten. Zwei Jahre später ergab es sich für den Österreicher, bei den PERRY RHODAN-Taschenbüchern mitzuschreiben. Mit diesem erfolgreichen Roman 'Planet unter Quarantäne' (46) schaffte er den Einstieg in die PERRY RHODAN-Heftserie. Sein erster Roman war 'Die Banditen von Terrania'. 1970 folgte der Einstieg bei ATLAN, parallel dazu konzipierte er mit seinem Schriftstellerkollegen Kurt Luif die Horrorserie 'Dämonenkiller'. In den darauffolgenden Jahren seines Schaffens entwickelte er den bekannten SF-Zyklus 'Sternensaga'. 1980 wurde ihm die Exposéarbeit der Fantasyserie 'Mythor' anvertraut und auch an 'Dragon' hat er mitgearbeitet. Bei PERRY RHODAN stieg er ab 'Der gute Geist von Magellan' (1211) mit Thomas Ziegler in die Exposéarbeit ein. Zwei Jahre später bekam er mit Kurt Mahr einen neuen Exposéautor zur Seite gestellt, auf den Robert Feldhoff folgte. Auf dem PERRY RHODAN WeltCon 2000, erklärte er seinen Rücktritt aus der Exposé-Redaktion, im Jahre 2004 schließlich zog er sich schließlich auch aus dem Autorenteam zurück - in einen von eigenen schriftstellerischen Projekten Ruhestand. Am Vormittag des 22. April 2008 ist der ehemalige PERRY RHODAN-Chefautor Ernst Vlcek unerwartet in Wien gestorben.
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1.
Vor bald einem halben Erdzeitalter ...
Upesamee war von kleinem Wuchs und hatte von Kind auf ein Gebrechen. Es war ihm unmöglich, mehr als vierzehn Pseudopodien aus seinem Körper zu bilden. Upesamee empfand das in seiner Jugend als großen Makel und versuchte durch geistiges Training, seine volle Körperbeherrschung zu erlangen.
Doch obwohl Upesamee einen starken Geist hatte, wollte es ihm aus eigener Kraft nicht gelingen, die fehlenden drei Pseudopodien aus sich wachsen zu lassen.
Sein Elter Megosaro tröstete ihn mit den Worten:
»Der Nevever gebraucht ohnehin nie mehr als zwölf Gliedmaßen gleichzeitig. Man kann sich sogar mit nur zehn gut ausdrücken. Und nimm dir den Pantomimen Aroweander zum Vorbild, dessen Kunst ist, mit bloß acht Pseudopodien die ergreifendsten Epen eloquent vorzutragen.«
Doch für Upesamee war Aroweander kein Vorbild; er strebte nicht nach künstlerischen Darbietungen, er wollte einfach vollständig sein. Dafür hatte sein Elter wohl Verständnis und ließ ihn von einem Genetiker untersuchen.
Escasidor war eine Koryphäe auf seinem Gebiet und angesehener Heiler. Keiner konnte so exakt Diagnosen stellen wie er. Er brauchte jemanden bloß für kurze Zeit mit nicht mehr als sechs seiner sensiblen Fühler zu betasten – was ein überaus unangenehmes Prickeln verursachte, denn man kam sich dabei völlig entblößt vor –, und schon hatte er alle deine innersten Geheimnisse nach außen gestülpt. Er nannte dies die Transparentmachung von Guu und Jii, jenen beiden Kräfte, die das Wesen der Nevever bestimmten.
»Tja«, meinte Escasidor nach der Untersuchung mit sparsamer Gestik. »Dein Innenbild ist überaus ungewöhnlich, kleiner Upesamee. Ich fürchte, aus eigener Kraft wirst du die geistige Selbstheilung nicht erreichen können. Deine Gene sind auf eine Art geschädigt, wie man es heutzutage nur noch bei einem unter einer Milliarde antrifft. Du hast Spuren des Roo in dir.«
»Unmöglich!«, begehrte da Megosaro entsetzt auf. »Ich trage keine solchen Genschäden in mir und kann sie darum Upesamee auch nicht vererbt haben.«
»Sag das nicht«, sagte Escasidor daraufhin mahnend. »Das Roo kann über viele Generationen unerkannt in den Nevevern schlummern und dann irgendwann zum Ausbruch kommen. Ich muss dir den Vorwurf machen, Megosaro, dass du mich nicht konsultiert hast, ehe du an die Zeugung eines Nachkommen gedacht hast. Ich hätte deine versteckte Veranlagung entdeckt und dich zuvor geheilt.«
»Und was kannst du für Upesamee tun?«
»Ich werde ihn heilen, wenn er es wünscht«, versprach Escasidor. »Doch ist dies ein langwieriger und schmerzhafter Prozess. Ich würde ihm das in diesem Alter nicht zumuten. Es wäre klüger, noch ein bisschen zu warten, bis er älter und gefestigter ist. Dann soll er sich entscheiden, ob er die Spuren des Roo eliminieren lassen will oder nicht. Es ist ja gar nicht gesagt, dass sich dieser Genschaden negativ auswirken wird – bis auf die Tatsache, dass er in der Zahl seiner Gliedmaßen eingeschränkt ist.«
»Ich will diesen Makel nicht!«, sagte Upesamee fest. »Töte mein Roo, Escasidor. Sofort!«
Megosaro hatte keine andere Wahl, als dem Willen seines Kindes nachzugeben.
Und so geschah es, dass Escasidor mit der Therapie alsbald begann. Er zog sich mit dem kleinen Nevever in eine tief unter der Planetenoberfläche liegende Tropfsteinhöhle zurück. Auf dem Weg dorthin erklärte ihm, dass sie an diesem Ort bleiben würden – nur sie beide ganz allein –, bis Upesamees Roo ausgetilgt war oder er um Abbruch der Therapie flehte.
In einer Grotte, von deren Decke phantastisch geformte Tropfsteine hingen, machte Escasidor halt. Es gab drei Becken, die mit klarem Wasser gefüllt waren. Der Heiler schritt an den Rand des nächsten Beckens und krümmte seinen Körper so weit nach vorne, dass man meinte, er müsse das Gleichgewicht verlieren und vornüber ins Wasser fallen. Doch er hielt die Balance, fuhr zwei lange Tentakel aus, mit denen er sich das Wasser ins Gesicht schöpfte. Er schlürfte es genüsslich mit seinem trichterförmigen Mund.
Upesamee folgte seinem Beispiel und stellte fest: »Dieses Wasser schmeckt viel besser als das in den Oasen der Oberfläche.«
»Du trinkst das Nass, das üblicherweise nur bei den Ashgavanoghi gereicht wird«, erklärte Escasidor knapp. Er wechselte sogleich das Thema: »Du hast noch nicht einmal gefragt, was das Roo eigentlich bedeutet. Oder hast du etwa schon einmal davon gehört?«
»Nein, aber ich will es auch gar nicht so genau wissen«, sagte Upesamee. »Es kann nur etwas Schlimmes sein. Mach es einfach weg.«
»So würde es nicht funktionieren«, meinte Escasidor. »Du musst erfahren, was das Roo ist und welche Bedeutung es einmal für unser Volk hatte, sonst kann ich dich nicht davon heilen.«
»Wenn es sein muss.«
Escasidor richtete den Blick der neun Augen auf Upesamee, als wolle er ihn mit den Blicken durchdringen und ganz tief in ihn hineinsehen. Der Haarkranz um seinen Mund bewegte sich dabei überhaupt nicht, denn er hielt den Atem an, gerade so, als schöpfe er eine geheimnisvolle Kraft aus den Tiefen seines Guu. Erst als er wieder sprach, gerieten die Härchen um den Mundtrichter in wirbelnde Bewegung.
Upesamee hätte sein Gehör schließen können und Escasidors Worte dennoch verstanden. Doch da er im Flaumlesen noch nicht perfekt war und ihm von Escasidors Ausführungen vielleicht gewisse Feinheiten entgangen wären, schenkte er ihm seine volle Aufmerksamkeit.
»So wie unser Tun und Denken, all unser Streben heute von unserem Guu und unserem Jii gelenkt wird, wurden wir früher zusätzlich von einer dritten Kraft getrieben – dem Roo«, begann Escasidor seine Ausführungen.
Upesamee war auf einmal froh, dass er ihm sein Gehör nicht verschloss, denn Escasidor sprach mit nur geringem Volumen, so dass sich sein Mundflaum kaum bewegte.
»Wenn man das Guu vereinfachend als unsere Ratio bezeichnen möchte und das Jii als unsere Phantasie, so könnte man das Roo als den Aggressionstrieb ausgeben. Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber insgesamt war das Roo doch eine destruktive Kraft, die uns in unserer Entwicklung mehr hemmte, als ihr zu nützen. Du musst es so sehen: Wir waren schon damals das am höchsten entwickelte Volk in unserer Galaxis Puydor und hatten es uns zur Aufgabe gemacht, den anderen Völkern Entwicklungshilfe zu geben. Dies in vielfältiger Form, durch moralische wie auch durch materielle Unterstützung. Doch wie sollten wir den anderen Völkern Vorbild sein, Moral und Frieden predigen können, wenn in uns selbst noch das Barbarische in Form des Roo steckte? Darum waren wir bestrebt, gegen diese unbändige Urkraft in uns anzukämpfen und sie zu eliminieren.
Dies war ein langer und mühevoller Weg, aber schließlich gelang es uns, das Roo zu besiegen. Das hat uns verändert und uns erlaubt, das Leben und das Universum mit ganz anderen Augen zu sehen, ihren wahren Stellenwert zu erkennen. Wir haben damit einen Evolutionssprung vollzogen, der uns zumindest ein Stück weit über alle anderen Völker von Puydor erhob, so dass wir fortan mit neuem Schwung unsere Mission fortführen konnten.
Doch völlig war das Roo nicht gebannt. Bei vereinzelten Individuen flackerte es immer wieder auf. Es machte sich jedoch immer seltener und nur dann und wann bemerkbar. In der Gegenwart nur noch im Verhältnis von eins zu einer Milliarde. Du bist eine solche Ausnahme. Doch wie ich schon eingangs erwähnte, ist das Roo nicht absolut negativ. Es kann sich auch in ungewöhnlichem Tatendrang und Mut äußern und im Zusammenwirken mit dem Jii sogar schöpferisch wirken. Es besteht demnach für dich kein Grund, dich als minderwertig zu fühlen. – Das wollte ich dir nur sagen, bevor du dich voreilig dazu entschließt ...«
»Töte das Roo, ich will es nicht. Ich möchte bloß ein ganz normaler Nevever sein.«
»Dann entspanne dich und bereite dich darauf vor, dich durch alle Qualen des fleischlichen Seins führen zu lassen.«
Upesamee empfand diese Worte nicht als Drohung, sie steigerten lediglich seine Erwartungen.
Escasidor berührte Upesamee mit sieben Tentakeln an verschiedenen Stellen seines Körpers gleichzeitig. Upesamee fühlte sich dabei leichter und leichter werden. Als er völlig schwerelos war, drehte ihn Escasidor in die Waagerechte. Upesamees Körper wurde völlig schlaff. Er hatte weder den Willen noch die Kraft, sich zu bewegen, konnte keinen Arm rühren, noch war er imstande, weitere Pseudopodien zu bilden. In seinem Gehirn war Leere.
Escasidor griff mit weiteren Tentakeln nach Upesamees Körper. Er strich sanft über den jungen Nevever und knetete ihn an den empfindlichsten Stellen. Doch Upesamee spürte lediglich eine seltsame Wärme seinen Körper durchfluten. Sein Körper wurde von prickelnder Energie aufgeladen, die ihn immer mehr erwärmte, ihn geradezu erhitzte. Die Hitze wurde bald unerträglich, sie wurde so stark, dass Upesamee bald meinte, in Flammen zu stehen.
Und dann griff Escasidor geradewegs in seinen Körper hinein. Er berührte dabei keine Organe, sondern drang durch diese hindurch in den Mikrokosmos von Upesamees Genlandschaft.
Upesamee konnte es mit ansehen. Er blickte in sich selbst hinein und wurde von Escasidor weiter in die unbekannten, phantastischen Tiefen seines eigenen Körpers geführt. Es war eine fremde, unergründliche Welt, die Upesamee zu sehen bekam. Er hatte noch nichts Schöneres und zugleich Erschreckendes gesehen.
Escasidor sagte irgend etwas, doch drang seine Stimme nicht an Upesamees Bewusstsein. Es mochte eine Warnung gewesen sein, denn im nächsten Moment verspürte Upesamee einen stechenden...




