E-Book, Deutsch, Band 2010, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Vlcek Perry Rhodan 2010: Morkheros Prophet
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2009-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Solare Residenz"
E-Book, Deutsch, Band 2010, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2009-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
ERNST VLCEK Ernst Vlcek ist 1941 in Wien geboren. Nach der Schulausbildung und Absolvierung einer kaufmännischen Lehre war er in verschiedenen manuellen Berufen tätig. Schon in jungen Jahren begeisterte sich der Autor für die Science Fiction. Eine seiner ersten Kurzgeschichte hatte den Titel 'Es kommt eine kleine Überraschung'. Für Ernst Vlcek bot sich zunächst die Möglichkeit, seine Werke innerhalb des Fandoms zu veröffentlichen. 1966 erschien sein erster Roman 'Der kosmische Vagabund', weitere Veröffentlichungen folgten. Zwei Jahre später ergab es sich für den Österreicher, bei den PERRY RHODAN-Taschenbüchern mitzuschreiben. Mit diesem erfolgreichen Roman 'Planet unter Quarantäne' (46) schaffte er den Einstieg in die PERRY RHODAN-Heftserie. Sein erster Roman war 'Die Banditen von Terrania'. 1970 folgte der Einstieg bei ATLAN, parallel dazu konzipierte er mit seinem Schriftstellerkollegen Kurt Luif die Horrorserie 'Dämonenkiller'. In den darauffolgenden Jahren seines Schaffens entwickelte er den bekannten SF-Zyklus 'Sternensaga'. 1980 wurde ihm die Exposéarbeit der Fantasyserie 'Mythor' anvertraut und auch an 'Dragon' hat er mitgearbeitet. Bei PERRY RHODAN stieg er ab 'Der gute Geist von Magellan' (1211) mit Thomas Ziegler in die Exposéarbeit ein. Zwei Jahre später bekam er mit Kurt Mahr einen neuen Exposéautor zur Seite gestellt, auf den Robert Feldhoff folgte. Auf dem PERRY RHODAN WeltCon 2000, erklärte er seinen Rücktritt aus der Exposé-Redaktion, im Jahre 2004 schließlich zog er sich schließlich auch aus dem Autorenteam zurück - in einen von eigenen schriftstellerischen Projekten Ruhestand. Am Vormittag des 22. April 2008 ist der ehemalige PERRY RHODAN-Chefautor Ernst Vlcek unerwartet in Wien gestorben.
Autoren/Hrsg.
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1.
Kellmi sieht ein Licht
Die Jäger vom Stamm der Ruy hatten einen schlechten Tag hinter sich. Entsprechend gedrückt war die Stimmung.
Die zehnköpfige Gruppe und ihre Kravve Mosho-sika waren an diesem Morgen mit den größten Erwartungen in Richtung der Sümpfe von Morrwo-Morrwo aufgebrochen. Nun war es Abend, das blaue Yuna-Cum versank als violette Scheibe hinter den Wäldern, und sie hatten bis auf einen Brenner noch keine Beute gemacht. Entsprechend unruhig war die Kravve und klagte der hereinbrechenden Dämmerung ihren Hunger mit kehligen Grunzlauten.
Loscho, ihr Kravventreiber, hatte alle Mühe, das Weibchen zu beruhigen. Ihm blieb schließlich nichts anderes übrig, als ihm in den Schnabel zu greifen und seinen Rachen zu massieren. Mosho-sika gab danach schmatzende Laute von sich, dumm genug zu glauben, dass sie fraß, ohne Nahrung zu schlucken. Aber wenigstens verstummte sie und lockte so keine Nachträuber mehr an.
Sie hatten den Tag über genug damit zu tun gehabt, sich ihrer Feinde zu erwehren, anstatt selbst zu jagen.
Als sie am Morgen mit drei anderen Jagdtrupps aus der Stadt auszogen, jeder in eine andere Richtung, waren sie noch guter Dinge gewesen. Hochschamake Tenniki und seine sechs Schamaken hatten ihnen bis hinter den Stadtwall das Geleit und die besten Wünsche auf reiche Beute mit auf den Weg gegeben. Eine große Menge Schaulustiger jubelte ihnen zu, bis sie ihrer Sicht entschwanden.
Ewoschno, ihr Jagdführer, hatte noch großsprecherisch verkündet: »Wir werden es den anderen Jägern zeigen. Auf reiche Beute!«
»Auf reiche Beute!«, stimmten die anderen in den Jagdruf ein.
Nur Kellmi nicht. Zwischen dem jungen Jäger und Ewoschno schwelte eine an Hass grenzende Rivalität. Diese kam daher, dass Kellmi ein erfolgreicherer Jäger war als der Jagdführer. Ewoschno sah sich zudem wegen mancher Fehlentscheidung Kellmis Kritik ausgesetzt. Kellmi hielt Ewoschno als Anführer für unfähig und verhehlte seine Meinung nicht. Ewoschno wiederum sah durch diese seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kritik seine Autorität untergraben und zahlte das Kellmi heim, wann immer sich die Gelegenheit bot.
Einmal hatte Ewoschno sogar schon versucht, Kellmi hinterrücks zu erschlagen, es dann aber, als er sich von Kellmi ertappt sah, so hinzudrehen versucht, als richte sich seine Attacke gegen einen Brenner, den Kellmi übersehen hatte. Nur war weit und breit keiner der gefährlichen Hüpfer zu entdecken gewesen.
Kellmi verschwieg damals den Vorfall, weil er nichts beweisen konnte und Ewoschnos Wort gegen das seine gestanden hätte. Und einem Jagdführer glaubte man mehr als einem einfachen Jäger. Aber das änderte nichts an Kellmis Meinung, dass Ewoschno nicht die Befähigung für einen Anführer hatte.
Er machte ihn auch für die schlimme Lage verantwortlich, in der sie sich befanden. Er bekam von den anderen Jägern jedoch keine Unterstützung, weil sie Ewoschno fürchteten. Ewoschno war größer und stärker als jeder von ihnen – und heimtückischer und gemeiner.
Als die Stadt, die wunderbare Olmo Hirkulum, ihren Blicken entschwand, vom dichten Grün des Dschungels verschluckt wurde, schickte Ewoschno Rimuli als Kundschafter voraus. Rimuli kam bald darauf zu ihrer Gruppe zurück und berichtete aufgeregt, dass er an einer Wasserstelle die Fährte einiger roter Kersher entdeckt habe. Die Spuren seien noch ziemlich frisch und stammten wahrscheinlich von der Morgentränke der Herde.
Als die Jäger die Wasserstelle erreichten, sahen sie Rimulis Angaben bestätigt. Die Spuren stammten von etwa zwanzig Tieren, drei davon Junge.
»Wenn wir uns beeilen, können wir die Herde noch vor Mittag einholen«, sagte Ewoschno. »Dann machen wir reiche Beute und können mit einer satten Kravve vorzeitig nach Olmo Hirkulum zurückkehren. Das wird ein Fest!«
Die Jäger jubelten und nahmen die Fährte auf. Kellmi schloss sich ihnen ohne Begeisterung an. Er wusste, ebenso wie alle Jäger, dass rote Kersher keine so leichte Beute waren, wie Ewoschno tat.
Kersher waren zwar behäbige, kravvenschwere Tiere, die sich unter normalen Umständen an Land nur langsam fortbewegen konnten. Dagegen waren sie ausgezeichnete Schwimmer, und wenn sie einmal ein tieferes Gewässer erreichten, waren sie nicht mehr zu erwischen.
Sie waren ohnehin nicht leicht zu erlegen, denn sie hatten stachelige Rückenpanzer, die mit keiner Waffe zu knacken waren. Es musste einem schon gelingen, sie auf den Rücken zu drehen, dann waren sie hilflos und verwundbar, konnten mühelos erschlagen und ausgeweidet werden.
Es gab verschiedene Tricks, um dies bewerkstelligen zu können. Es kam jedoch auf die jeweilige Situation an, welcher von ihnen angewendet werden konnte.
In jedem Fall musst du dich aber nahe genug an die roten Kersher heranpirschen, ohne dass sie deine Witterung wahrnehmen können. Denn in Momenten größter Bedrohung können die roten Kersher unglaubliche Kräfte frei machen – und dann erheben sie sich in die Lüfte und fliegen dir einfach davon.
Sie können nicht wirklich fliegen wie Vögel, aber das Fluut gibt ihnen für kurze Zeit die Fähigkeit, sich so leicht zu machen, dass sie vom Boden abheben und davonschweben können. Weit genug jedenfalls, um außer Reichweite ihrer Jäger zu gelangen.
Jungtiere besitzen diese Gabe des Schwebens jedoch nicht, können aber von ihren Elterntieren gepackt und mitgetragen werden. Und als Jäger hast du dann das Nachsehen.
Na ja, so leicht, wie der angeberische Ewoschno es darstellen wollte, ist es nicht, eine Herde roter Kersher zu überraschen.
Es war lange vor Mittag, als die Jäger auf eine Lichtung kamen, auf der die Spuren der roten Kersher plötzlich in alle Richtungen führten. Fast alle der Spuren endeten im Nichts, was bedeutete, dass die Kersher auf dem Luftweg geflohen waren. Ewoschno fluchte blätterwelkend.
Es war Kellmi, der die entscheidende Frage stellte: »Was mag die Kersher-Herde gesprengt haben?«
Sie suchten das umliegende Dickicht ab, und es war Ronso der Schlächter, der den leeren, in zwei Hälften gebrochenen Stachelpanzer eines Kershers fand.
»Das kann nur das Werk von Tivern gewesen sein«, stellte Rimuli betroffen fest und blickte sich ängstlich um. Er fand tatsächlich eine einzelne Spur, die eindeutig von einem Kriechtier mit langgestrecktem Körper stammte.
»Wo ein Tiver ist, müssen weitere sein«, stellte Ewoschno fest.
»Lass uns besser verschwinden!«, schlug Rimuli vor.
»Damit wir den Tivern geradewegs in die Rachen laufen?«, herrschte Ewoschno ihn an. »Sucht das Gelände nach weiteren Tiver-Spuren ab! Tiver sind keine Einzelgänger. Wir müssen herausfinden, wohin sie sich gewandt haben, damit wir eine andere Richtung einschlagen.«
Kellmi musste Ewoschno in diesem Fall recht geben. Man machte um Tiver besser einen großen Bogen. Denn wenn man ihnen zu nahe kam, war man verloren.
Da sie immer in Herden auftreten und sie eine ganze Jagdgruppe umzingeln können, gibt es kaum ein Entrinnen, wenn sie dich erst einmal wahrgenommen haben. Denn sie können dich mit ihren Blicken bannen, dich völlig wehrlos machen und dich förmlich lähmen. Jedes Tier, jeder Jäger ist ihnen hilflos ausgeliefert, wenn der unsichtbare Schwall aus einschläfernden Gedanken sie erst einmal erreicht hat.
Es war Kellmi, der die Spur der Herde fand. Das Dickicht war über eine große Fläche förmlich niedergewalzt, der Boden aufgewühlt, und überall lagen die zerbrochenen, leeren Stachelpanzer von Kershern herum. Die Tiver hatten ein bestialisches Schlachtmahl gehalten. Insgesamt sieben Kersher waren ihnen zum Opfer gefallen, aber es war kein Jungtier darunter.
Die Spur der Tiver-Herde führte von diesem Schlachtplatz nach Westen in das hügelige, felsige Gelände von Awor-Wasor. Offenbar waren diese Tiver nicht ortskundig, sondern von einem fernen Revier hier eingewandert, sonst hätten sie sich nicht nach Westen gewandt. Tiver liebten feuchte und schattige Dschungel, weil sie aus dem Schutz des Dickichts erfolgreicher jagten. Karges, felsiges Gelände wie Awor-Wasor dagegen mieden sie, weil sie dort hungern mussten. Das wiederum bedeutete, dass die Tiver-Herde bald kehrtmachen und aus der eingeschlagenen Richtung in dieses Gebiet zurückkehren würde.
»Besser, wir kehren nach Olmo Hirkulum zurück«, meinte Kellmi. »Hier wird es für uns zu gefährlich.«
»Hört, hört, unser Schlaurüssel hat gesprochen«, verkündete Ewoschno spöttisch. »Oder sollte ich nicht besser Angstrüssel sagen?«
»So unrecht hat Kellmi nicht«, wagte der Spurenleser Rimuli einzuwenden, der selbst nicht mit zuviel Mut geschlagen war.
»Du machst dich besser daran, die Spur der Jung-Kersher zu finden!«, herrschte Ewoschno ihn an, und Rimuli beeilte sich daraufhin, diesem Befehl nachzukommen.
Es stellte sich heraus, dass die Spuren aller drei Jungtiere, zusammen mit denen von fünf ausgewachsenen Kershern, im Nichts endeten. Das konnte nur bedeuten, dass die drei Jungen von den Alttieren auf ihre Reise durch die Lüfte mitgenommen worden waren. Und die Spuren, die so abrupt endeten, wiesen nach Süden.
»Das ist die Richtung, die wir nehmen«, beschloss Ewoschno. »Kersher können sich höchstens zweitausend Körperlängen in der Luft halten. Mit dem zusätzlichen Gewicht der Jungen noch weniger. Wir schnappen sie uns, wenn sie ermattet und geschwächt sind und keine Fluutkraft zum Fliegen mehr haben.«
*
Es wurde so gemacht, wie Ewoschno es als Jagdführer befahl. Später am Nachmittag stieß die Jagdgruppe wieder auf die Spur der verfolgten Kersher. Einige der Tiere hatten gleich nach der Landung ihre Därme...




