Vogler | Legenden des Grauens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 205 Seiten

Vogler Legenden des Grauens


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96058-324-0
Verlag: Lempertz Edition und Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 205 Seiten

ISBN: 978-3-96058-324-0
Verlag: Lempertz Edition und Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer war die geheimnisvolle Dunkelgräfin? Hat Till Eulenspiegel wirklich gelebt und gab es einen deutschen Robin Hood? Diesen und weiteren Fragen rund um die unbekannteren Aspekte bekannter Sagen geht Mike Vogler in diesem Buch nach. Dabei gibt er Einblicke in vergessene und unheimliche Geschehnisse aus den Geschichtsbüchern Europas: vom Untergang der Insel Rungholt bis zum mysteriösen Fall des bis heute ungeklärten Unglücks am Djatlow-Pass. Der Autor stützt sich bei seinen Erzählungen auf fundierte Erkenntnisse aus historischen Quellen, die sowohl den geschichtsinteressierten Leser als auch den Liebhaber des Düsteren und Geheimnisvollen faszinieren werden.

Mike Vogler wurde 1970 in Dresden geboren und lebt heute mit seiner Frau im Stadtteil Dresden-Klotzsche. Schon seit früher Jugend beschäftigt sich Mike Vogler mit geschichtlichen und grenzwissenschaftlichen Themen. Neben dem Heiligen Gral sind Geschichte und Mythologie unserer germanischen Vorfahren seine bevorzugten Forschungsgebiete. Ergebnisse dieser Forschung waren das Erscheinen der Bücher 'Mysterium Heiliger Gral' (2010) sowie 'Hexen, Teufel und Germanen' (2012). In der Folgezeit wandte sich der Autor verstärkt der historischen Erforschung von Mythen und Legenden zu, die in 'Düstere Legenden' (2014) beschrieben wurden. Neben seiner Arbeit als Verlagsautor veröffentlicht Mike Vogler auch Bücher in Eigenregie, ist an verschiedenen Anthologien zu den Geheimnissen der Menschheitsgeschichte beteiligt und schreibt Artikel für Fachmagazine. Besuchen Sie den Autor auf seiner Webseite mike-vogler.bplaced.de
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Die Teufel von Loudun oder: Der kollektive Wahnsinn

Karl Stülpner – ein sächsischer Robin Hood?

Die Dunkelgräfin – Das Geheimnis von Hildburghausen

Das Strafgericht Gottes II – Der Untergang von Rungholt

Till Eulenspiegel

Glanz und Elend der Gräfin Cosel

Rabbi Löw und der Golem von Prag

Tod am Djatlow-Pass

Der Graf von Saint-Germain – Zeitreisender oder Scharlatan?

Krabat und die Schwarze Mühle

Endnoten

Literaturverzeichnis


KARL STÜLPNER


EIN SÄCHSISCHER ROBIN HOOD


Die Geschichten um den englischen Volkshelden Robin Hood sind weltweit bekannt. Als vogelfreier Wegelagerer beraubte er mit einer Bande wagemutiger Halunken die reiche Obrigkeit und verteilte seine Beute an die arme Bevölkerung. Seine Taten wurden in Balladen besungen, in Büchern beschrieben und später sogar verfilmt. Allerdings ist sich die Geschichtswissenschaft heute ziemlich sicher, dass es den vom Volke so verehrten Helden als historische Person niemals gegeben hat.

Ganz anders der sächsische Volksheld Karl Stülpner, der Robin Hood des Erzgebirges. Auch heute noch erzählt man sich von Stülpner die verwegensten Geschichten und sein Andenken wird weiterhin hochgehalten. Aus ärmsten Verhältnissen stammend nahm Karl Stülpner sein Schicksal frühzeitig selbst in die Hand, begehrte gegen die herrschende Klasse auf und beugte sich nicht vor den adligen Herren. Viele Geschichten über den sächsischen Volkshelden wurden über die Maßen ausgeschmückt, viele davon frei erfunden. Heute ist es im Falle Stülpner fast unmöglich, Wahrheit und Mythos voneinander zu trennen. War er tatsächlich ein Held, der gegen Adel und Gerichtsbarkeit rebellierte oder war er nur ein Gesetzloser, der aus Eigennutz handelte? Um diese Frage klären zu können, müssen wir den Lebenslauf von Karl Stülpner genau betrachten.

Der Volksheld Karl Stülpner, eigentlich Carl Heinrich Stilpner, wurde am 20. September 1762 im erzgebirgischen Scharfenstein geboren. Die weitverzweigte Familie Stülpner bestand seit Generationen hauptsächlich aus Bauern. Da die einzelnen Familien meist mehrere Söhne hatten, die das elterliche Erbe nicht alle ernähren konnte, mussten sich die jüngeren Söhne oft in anderen Berufen verdingen. So erging es auch Karls Vater Johann Christoph Stülpner, der als Müllerbursche arbeitete. Dessen Frau Marie Sophie, geborene Schuberth, hatte etwas Geld mit in die Ehe gebracht, so dass sich die Familie ein bescheidenes Haus und ein kleines Stück Land mit Wald leisten konnte. Die Familie Stülpner hatte bereits sieben Kinder, Karl war ein Nachzügler, seine Mutter bei der Geburt schon 45 Jahre alt. Eigentlich konnte sich die Familie nicht noch ein Kind leisten, doch zum Glück wurden Taufpaten gefunden. Bei den armen Leuten im Erzgebirge war es üblich, als Taufpaten für die Kinder Freunde und Bekannte auszuwählen, denen es finanziell besser ging und die so freigiebig waren, dem Taufkind eine gewisse Summe Geld in das Taufkissen zu stecken, um die Familie zu unterstützen. Im Falle des kleinen Karl waren die Taufpaten die Tochter eines wohlhabenden Bauern aus dem benachbarten Ort Venusberg, ein Kleinbauer aus Grießbach und ein wohlhabender Zimmermann aus Krumhermersdorf.

Karl Stülpner wurde in eine schwere Zeit hineingeboren. Der Siebenjährige Krieg hatte das Land ausgeblutet, die ohnehin schon arme Landbevölkerung verelendete immer mehr. Die breite Masse der Menschen im Erzgebirge ergab sich stumm ihrem Schicksal, viele lebten von den Almosen des Staates. Ein kleiner Teil der Bevölkerung revoltierte jedoch gegen dieses erbärmliche Leben. Es waren Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialen Standes, die sich zu Banden zusammenschlossen. Entlassene Soldaten, Deserteure, verarmte Bauern und selbst Adlige, die im Krieg ihr Hab und Gut verloren hatten, taten sich zusammen, um ihren Lebensunterhalt mit Diebstahl, Raub und Wilderei zu bestreiten. Obwohl diese Menschen außerhalb des Gesetzes standen, wurden sie im Volk bewundert. Ihr Leben schien so frei und unabhängig, sie nahmen sich, was sie zum Leben brauchten, bettelten nicht um Almosen. Im Volk wurden die tolldreisten Geschichten von den Raubzügen gefeiert und weitererzählt. Es war die Sehnsucht nach einem besseren Leben ohne Sorgen und Nöte, die aus Gesetzlosen Helden werden ließ.

Auch der junge Karl Stülpner wuchs mit den Geschichten um die vogelfreien Wegelagerer auf und träumte wohl schon als Kind davon, später ebenfalls mal ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit zu führen. Zunächst lernte er jedoch das Leben in Armut und bescheidenen Verhältnissen kennen. Die Herrschaften von Burg Scharfenstein gaben den Menschen im Ort zwar Lohn und Brot, erwarteten aber dafür, dass schon die Kinder des Dorfes Gesindedienste leisteten. Auch Karl musste frühzeitig mit zum Unterhalt der Familie beitragen. Auch wenn die Stülpners arme Leute waren, galten sie in Scharfenstein doch als ehrliche und rechtschaffene Familie. Bis zum Jahre 1769, als Johann Christoph Stülpner des Diebstahls angeklagt wurde. Er hatte bei seinem Dienstherrn Leinöl gestohlen, das sich die armen Leute aufs Brot strichen, um die unerschwingliche Butter zu ersetzen. Später wurde auch die Mutter Stülpner beim Stehlen erwischt. In ihrer Not hatte sie aus der übervollen Speisekammer der Burg ein wenig Fleisch entwendet, um ihre vielen Kinder satt zu kriegen. Die Stülpners waren nun geächtet in Scharfenstein, dem Vater wollte niemand mehr Arbeit geben und die Familie musste oft hungern. Da schien es fast wie ein Wunder, dass der Förster Müller aus dem benachbarten Ehrenfriedersdorf einen Gehilfen suchte und seine Wahl auf den jungen Karl Stülpner fiel. Er hatte wohl von den Problemen der Familie gehört und wollte helfen. Für Karl ging ein Traum in Erfüllung. Schon als kleines Kind hatte er sich für die Jagd interessiert, lag doch das Waidhandwerk in der Familie. Großvater Stülpner war herrschaftlicher Jäger gewesen und hatte an unzähligen kurfürstlichen Hofjagden teilgenommen. Stundenlang hatte der Junge sich begeistert die Jagdgeschichten angehört, die seine Großmutter von ihrem verstorbenen Mann berichten konnte, und sich in den Jagdbildern verloren, die das Haus der Großeltern schmückten. Es war nicht verwunderlich, dass ein Junge sich für das Jägerhandwerk begeisterte. Der Alltag war eintönig, die herrschaftlichen Jagden dementsprechend ein Großereignis. Der Berufswunsch des Jägers war für einen heranwachsenden Burschen im Erzgebirge des 18. Jahrhunderts somit etwas, das Abenteuer und den Ausbruch aus dem bäuerlichen Leben der Landbevölkerung zu bieten schien. Bei Förster Müller in Ehrenfriedersdorf lernte Karl Stülpner das Waidhandwerk nun von der Pike auf. Er kümmerte sich um den Vogelherd, den Platz, an dem die Wildvögel gefangen werden, und lernte das Führen des Jagdhundes sowie das Fährtenlesen und alle weiteren Dinge, die einen guten Jäger und Förster ausmachten. Nur schießen durfte er nicht, was Stülpner sehr verdross. Doch er erinnerte sich an die alte Flinte seines Großvaters auf dem Dachboden und fieberte dem Tag entgegen, an dem er sie endlich ausprobieren würde. Der Förster schickte seinen Zögling auch für drei Jahre auf die Knabenschule in Ehrenfriedersdorf, wo Karl allerdings nicht durch besonderen Lerneifer auffiel.

Während der Junge ein unbeschwertes Leben bei seinem Lehrmeister genoss, wurde das Erzgebirge von einer großen Hungersnot heimgesucht. Zwei aufeinanderfolgende Missernten in den Jahren 1771/72 hatten die Lage der Landbevölkerung im Erzgebirge dramatisch verschlechtert. Karl Stülpner bekam davon im Hause des Försters Müller wenig mit. Erst als ihn die Mutter zurück nach Scharfenstein rief, bekam er den Ernst der Lage zu spüren. Der Vater war gestorben und die Familie fast mittellos. Am Ende kam es so schlimm, dass das elterliche Haus und das Stück Land zwangsversteigert werden musste.

Um der Not zu entgehen, meldete sich Stülpner freiwillig zum Militär und nahm als Trossknecht am Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 teil. Ein Jahr später meldete er sich freiwillig zum Regiment „Prinz Maximilian“ in Chemnitz. Zwischenzeitlich hielt sich Stülpner wieder in seinem Heimatdorf Scharfenstein auf, wo er zum ersten Mal die Wilderei betrieb, um die Not seiner Familie zu lindern. Wilderei war zur damaligen Zeit ein schweres Verbrechen, auf das der Tod stand. Der Wald war übervoll mit Wild, doch das gehörte den adeligen Herren. Karl Stülpner, der im Krieg das Schießen gelernt und es in kürzester Zeit zum Meisterschützen gebracht hatte, scherte sich nicht um die Gesetze. Frisches Wildbret auf dem Tisch verdrängte die Angst vor harten Strafen. Bei seinen Vorgesetzten im Regiment „Prinz Maximilian“ sprach sich schnell herum, dass Stülpner ein guter Jäger war. Den Offizieren behagte die fade Militärkost wenig und Rekrut Stülpner erhielt den dienstlichen Befehl zur Jagd.

Der trutzige Bergfried von Burg Scharfenstein

Das Leben schien es mit Stülpner zur Abwechslung mal wieder gut zu meinen, durfte er doch nun uneingeschränkt seiner Jagdleidenschaft frönen und erhielt auch noch Sold dafür. Doch sein unsteter Charakter und seine Abneigung gegen Vorschriften ließen ihn schnell wieder in Schwierigkeit geraten. Mit dem örtlichen Forstmeister war von Seiten der Offiziere genauestens abgesprochen worden, wie viel Wild Stülpner für die Regimentsküche erlegen durfte....


Mike Vogler wurde 1970 in Dresden geboren und lebt heute mit seiner Frau im Stadtteil Dresden-Klotzsche. Schon seit früher Jugend beschäftigt sich Mike Vogler mit geschichtlichen und grenzwissenschaftlichen Themen. Neben dem Heiligen Gral sind Geschichte und Mythologie unserer germanischen Vorfahren seine bevorzugten Forschungsgebiete. Ergebnisse dieser Forschung waren das Erscheinen der Bücher "Mysterium Heiliger Gral" (2010) sowie "Hexen, Teufel und Germanen" (2012). In der Folgezeit wandte sich der Autor verstärkt der historischen Erforschung von Mythen und Legenden zu, die in "Düstere Legenden" (2014) beschrieben wurden. Neben seiner Arbeit als Verlagsautor veröffentlicht Mike Vogler auch Bücher in Eigenregie, ist an verschiedenen Anthologien zu den Geheimnissen der Menschheitsgeschichte beteiligt und schreibt Artikel für Fachmagazine.

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