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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Reihe: Reclam XL ? Text und Kontext
Petala-Weber / Leis Der zerbrochne Krug. Textausgabe mit Kommentar und Materialien
2. Auflage 2014
ISBN: 978-3-15-960582-1
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Reclam XL - Text und Kontext
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Reihe: Reclam XL ? Text und Kontext
ISBN: 978-3-15-960582-1
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Welcher nächtliche Eindringling hat den Krug im Zimmer der jungen Eve zerbrochen - ihr Verlobter, ein heimlicher Geliebter oder gar der Teufel? Dorfrichter Adam, der den Fall klären soll, entlarvt sich in einem ebenso absurden wie komischen Prozess schließlich selbst als Täter. Klassenlektüre und Textarbeit einfach gemacht: Die Reihe »Reclam XL - Text und Kontext« erfüllt alle Anforderungen an Schullektüre und Bedürfnisse des Deutschunterrichts: * Reclam XL bietet den sorgfältig edierten Werktext - seiten- und zeilengleich mit der entsprechenden Ausgabe aus Reclams Universal-Bibliothek. * Schwierige Wörter werden am Fuß jeder Seite erklärt, ausführlichere Wort- und Sacherläuterungen stehen im Anhang. * Ein Materialienteil mit Text- und Bilddokumenten erleichtert die Einordnung und Deutung des Werkes im Unterricht. * Natürlich passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu! E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.
Heinrich von Kleist (18. 10. 1777 Frankfurt a. d. O. - 21. 11. 1811 zwischen Potsdam und Berlin am heutigen Kleinen Wannsee) bewegte sich in romantischen Dichterkreisen, seine bis heute modern wirkenden Dramen und Erzählungen entziehen sich allerdings schematischen Stil- und Epochenzuordnungen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
[5]Szene: Die Gerichtsstube Erster Auftritt
Adam sitzt und verbindet sich ein Bein. Licht tritt auf. LICHT. Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam! Was ist mit Euch geschehn? Wie seht Ihr aus? ADAM. Ja, seht. Zum Straucheln braucht’s doch nichts, als Füße. Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier? Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt Den leidgen Stein zum Anstoß in sich selbst. LICHT. Nein, sagt mir, Freund! Den Stein trüg jeglicher –? ADAM. Ja, in sich selbst! LICHT. Verflucht das! ADAM. Was beliebt? LICHT. Ihr stammt von einem lockern Ältervater, 10Der so beim Anbeginn der Dinge fiel, Und wegen seines Falls berühmt geworden; Ihr seid doch nicht –? ADAM. Nun? LICHT. Gleichfalls –? ADAM. Ob ich –? Ich glaube –! Hier bin ich hingefallen, sag ich Euch. LICHT. Unbildlich hingeschlagen? ADAM. Ja, unbildlich. Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein. LICHT. Wann trug sich die Begebenheit denn zu? ADAM. Jetzt, in dem Augenblick, da ich dem Bett Entsteig. Ich hatte noch das Morgenlied Im Mund, da stolpr’ ich in den Morgen schon, 20Und eh ich noch den Lauf des Tags beginne, Renkt unser Herrgott mir den Fuß schon aus. LICHT. Und wohl den linken obenein? ADAM. Den linken? [6]LICHT. Hier, den gesetzten? ADAM. Freilich! LICHT. Allgerechter! Der ohnhin schwer den Weg der Sünde wandelt. ADAM. Der Fuß! Was! Schwer! Warum? LICHT. Der Klumpfuß? ADAM. Klumpfuß! Ein Fuß ist, wie der andere, ein Klumpen. LICHT. Erlaubt! Da tut Ihr Eurem rechten Unrecht. Der rechte kann sich dieser – Wucht nicht rühmen, Und wagt sich eh’r aufs Schlüpfrige. ADAM. Ach, was! 30Wo sich der eine hinwagt, folgt der andre. LICHT. Und was hat das Gesicht Euch so verrenkt? ADAM. Mir das Gesicht? LICHT. Wie? Davon wisst Ihr nichts? ADAM. Ich müsst ein Lügner sein – wie sieht’s denn aus? LICHT. Wie’s aussieht? ADAM. Ja, Gevatterchen. LICHT. Abscheulich! ADAM. Erklärt Euch deutlicher. LICHT. Geschunden ist’s, Ein Greu’l zu sehn. Ein Stück fehlt von der Wange, Wie groß? Nicht ohne Waage kann ich’s schätzen. ADAM. Den Teufel auch! LICHT (bringt einen Spiegel). Hier! Überzeugt Euch selbst! Ein Schaf, das, eingehetzt von Hunden, sich 40Durch Dornen drängt, lässt nicht mehr Wolle sitzen, Als Ihr, Gott weiß wo? Fleisch habt sitzen lassen. ADAM. Hm! Ja! ’s ist wahr. Unlieblich sieht es aus. Die Nas hat auch gelitten. LICHT. Und das Auge. ADAM. Das Auge nicht, Gevatter. LICHT. Ei, hier liegt Querfeld ein Schlag, blutrünstig, straf mich Gott, Als hätt ein Großknecht wütend ihn geführt. [7]ADAM. Das ist der Augenknochen. – Ja, nun seht, Das alles hatt ich nicht einmal gespürt. LICHT. Ja, ja! So geht’s im Feuer des Gefechts. 50ADAM. Gefecht! Was! – Mit dem verfluchten Ziegenbock, Am Ofen focht ich, wenn Ihr wollt. Jetzt weiß ich’s. Da ich das Gleichgewicht verlier, und gleichsam Ertrunken in den Lüften um mich greife, Fass ich die Hosen, die ich gestern abend Durchnässt an das Gestell des Ofens hing. Nun fass ich sie, versteht Ihr, denke mich, Ich Tor, daran zu halten, und nun reißt Der Bund; Bund jetzt und Hos und ich, wir stürzen, Und häuptlings mit dem Stirnblatt schmettr’ ich auf 60Den Ofen hin, just wo ein Ziegenbock Die Nase an der Ecke vorgestreckt. LICHT (lacht). Gut, gut. ADAM. Verdammt! LICHT. Der erste Adamsfall, Den Ihr aus einem Bett hinaus getan. ADAM. Mein Seel! – Doch, was ich sagen wollte, was gibt’s Neues? LICHT. Ja, was es Neues gibt! Der Henker hol’s, Hätt ich’s doch bald vergessen. ADAM. Nun? LICHT. Macht Euch bereit auf unerwarteten Besuch aus Utrecht. ADAM. So? LICHT. Der Herr Gerichtsrat kömmt. ADAM. Wer kömmt? LICHT. Der Herr Gerichtsrat Walter kömmt, aus Utrecht. 70Er ist in Revisionsbereisung auf den Ämtern Und heut noch trifft er bei uns ein. ADAM. Noch heut! Seid Ihr bei Trost? LICHT. So wahr ich lebe. [8]Er war in Holla, auf dem Grenzdorf, gestern, Hat das Justizamt dort schon revidiert. Ein Bauer sah zur Fahrt nach Huisum schon Die Vorspannpferde vor den Wagen schirren. ADAM. Heut noch, er, der Gerichtsrat, her, aus Utrecht! Zur Revision, der wackre Mann, der selbst Sein Schäfchen schiert, dergleichen Fratzen hasst. 80Nach Huisum kommen, und uns kujonieren! LICHT. Kam er bis Holla, kommt er auch bis Huisum. Nehmt Euch in Acht. ADAM. Ach geht! LICHT. Ich sag es Euch. ADAM. Geht mir mit Eurem Märchen, sag ich Euch. LICHT. Der Bauer hat ihn selbst gesehn, zum Henker. ADAM. Wer weiß, wen der triefäugige Schuft gesehn. Die Kerle unterscheiden ein Gesicht Von einem Hinterkopf nicht, wenn er kahl ist. Setzt einen Hut dreieckig auf mein Rohr, Hängt ihm den Mantel um, zwei Stiefeln drunter, 90So hält so’n Schubiack ihn für wen Ihr wollt. LICHT. Wohlan, so zweifelt fort, ins Teufels Namen, Bis er zur Tür hier eintritt. ADAM. Er, eintreten! – Ohn uns ein Wort vorher gesteckt zu haben. LICHT. Der Unverstand! Als ob’s der vorige Revisor noch, der Rat Wachholder, wäre! Es ist Rat Walter jetzt, der revidiert. ADAM. Wenngleich Rat Walter! Geht, lasst mich zufrieden. Der Mann hat seinen Amtseid ja geschworen, Und praktisiert, wie wir, nach den 100Bestehenden Edikten und Gebräuchen. LICHT. Nun, ich versichr’ Euch, der Gerichtsrat Walter Erschien in Holla unvermutet gestern, Vis’tierte Kassen und Registraturen, Und suspendierte Richter dort und Schreiber, Warum? ich weiß nicht, ab...




