E-Book, Deutsch, 100 Seiten
Voss Alicia. Erotischer Roman
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-88769-869-0
Verlag: konkursbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 100 Seiten
ISBN: 978-3-88769-869-0
Verlag: konkursbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Anna verliebt sich in Alicia. Eine langjährige Liebesgeschichte beginnt, beide haben viel Lust an Sex, probieren viel miteinander aus. Doch auf einem Urlaub in La Gomera beginnt Anna eine heimliche Affäre, dies ist nur die erste – Anna glaubt, beides leben zu können, die große Liebe und ihre heimlichen Abenteuer.
Eines Tages macht Alicia das nicht mehr mit. Sie verschwindet spurlos. Werden sie sich wiedersehen ?
Ein erotischer Thriller über Liebe, Sex, Sehnsucht, Abenteuer und Angst. „Erfrischend ehrlich und aufregend erzählt.“
Autoren/Hrsg.
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Fast zwei Jahre
waren vergangen, seit wir uns kennengelernt hatten, wieder war es Frühjahr, Ende März, als sie mich feierlich ins Gartenhaus einlud, eine Flasche teuren Bordeaux öffnete und sagte: „Ich habe mir ein Häuschen gekauft. Du wirst dich wundern, wo. Und ich werde dieses Gartenhaus aufgeben und in die Stadt ziehen.“ Ich wohnte noch immer in der WG. Susi hatte sich inzwischen von Frauen ab- und Männern zugewandt. Der erste Freund war ebenso schnell weg, wie sie ihn kennengelernt hatte. Sie lag jetzt noch häufiger als früher leicht leidend, mit Genuss am Faulsein und mit dem älter gewordenen Hund im Bett. Gabriele, die Referendarin, war fertige Lehrerin und ausgezogen in eine eigene Wohnung, so dass wir ein Gemeinschaftszimmer eingerichtet hatten. Ich wollte es sofort Alicia anbieten, als sie mich im Ansatz unterbrach und sagte: „Ich weiß, dass ihr ein Zimmer übrig habt. Ich möchte nicht zu dir ziehen. Ich glaube, zu viel Nähe verdirbt die Liebe, ich habe schon eine kleine Wohnung gemietet.“ Und dann eröffnete sie mir, dass es mit Sabine ganz vorbei sei. Das Kind sei nun alt genug zu verstehen, dass ihre beiden Mamas sich nicht mehr regelmäßig sehen müssten. Ich war sprachlos. Fast hatte ich mich inzwischen ja daran gewöhnt, dass es Sabine gab. Ich fragte nur: „Und was hast du dir für ein Häuschen gekauft und wo und wie hast du das Geld dafür aufgetrieben?“ Sie verriet es mir nicht. „Lass dich überraschen.“ In dieser Nacht erzählte sie mir das erste Mal mehr von sich. Dass Sabine für sie Stabilität bedeutet habe, ein Ruhepol in einem ansonsten recht zerrissenen Leben. Sie erzählte diesmal auch etwas aus ihrer Kindheit. Sie hatte noch vier Geschwister, zwei ältere und zwei jüngere, sie war mittendrin und habe sich immer als eine zu viel empfunden. Die Mutter habe häufig gesagt: „Schau mal, der tolle Junge, was der schon wieder geschafft hat!“, und meinte damit ihren ältesten Bruder. Die Mutter habe eigentlich nur Söhne gewollt und dann kamen die Mädchen. Eins war kurz nach der Geburt gestorben. Sie konnte ihrer Mutter nichts recht machen, immer wurde gemeckert, immer hieß es, schau mal, was diese oder jener erreicht haben, schau mal, wie ordentlich ich bin und wie chaotisch du. Sie reagierte darauf, indem sie sich wie ein Clown benahm und ihre Verletztheit durch die Zurückweisungen nicht zeigte. Schon als kleines Mädchen hatte sie es geschafft, komplizierte Gedichte auswendig zu lernen und familiäre Geburtstagsgesellschaften zu unterhalten. Auf der anderen Seite habe sie ihre Mutter bewundert. Eine kluge Frau. Die Lust am Lesen habe sie ihr vermittelt. Ihr Vater sei – trotz der Kinder – eines Tages mit einer anderen abgehauen und die Mutter habe sie alleine versorgt, schon nicht mehr auf dem Hof, den hatten sie vorher aufgegeben, sie habe in der Stadt gejobbt. Als Sekretärin. Eine vom Dorf Sekretärin in der Stadt! Das Gerede. Die schrecklichen Vereine, Hausschlachtungen, Dorffeste. Aber im Dorf gab es in jeder Familie eine kleine oder größere Katastrophe. In der Anonymität verstecken ließ sich nichts. „Das Einzige, was ich im Musikverein wenigstens gelernt habe, ist Singen“, fügte sie einen Hauch versöhnlicher hinzu. Ich bat sie, mir etwas vorzusingen, und sie sang mit tiefer Stimme ein spanisches Lied und riss mich beim Singen in einen schnellen Tanz. Ich war verwirrt und hingerissen. Und hörte hier das erste Mal, dass sie auch Spanisch konnte. Dieses Lied aus den Vierzigern, La Zarzamora, und andere Lieder von Lola Flores würde sie mir noch oft vorsingen. Lola Flores sei eine ihrer Lieblingssängerinnen. Danach erzählte sie mir noch, wie sie sich kurz nach der Pubertät, da habe sie eine längere Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, wieso, verriet sie mir nicht, in Krankenschwestern verliebt habe und dass sie vor mir auch andere Geliebte neben Sabine gehabt habe. Und dann sagte sie mir sogar, wen alles. Eine davon kannte ich. Die knallblonde Buchhändlerin aus dem Unibuchladen. Ich erinnerte mich, dass die mich einmal gefragt hatte, ob ich Alicia in letzter Zeit gesehen habe. Wahrscheinlich brauchte Alicia Abwechslung von dieser Sabine. Und schlief mit wem auch immer, unter anderem mit mir. Ich bedauerte die Blonde sogar ein wenig. Ich dachte an Sabine und wie sie ins Haus geplatzt war in jener Nacht. „Diese blonde Tussi!“, konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen und hatte plötzlich Angst vor dem, was sie mir noch erzählen könnte, auch ein wenig vor der Verantwortung. Stabilität in ein zerrissenes Leben bringen? Auf der anderen Seite durchströmte mich eine Welle von Glück, dass sie, wie es schien, sich ganz für mich entschieden hatte, sich wegen mir endlich von Sabine getrennt hatte, das war es doch, was ich wollte? Am Morgen wurde sie noch feierlicher und schenkte mir einen Ring, einen breiten Silberring, einen ähnlichen wie den, den sie an ihrem rechten Daumen trug, an ihrem schönen, gebräunten, nach außen gebogenen Daumen. Mehr als einmal hatte ich diesen Ring schon in mir gespürt. Wenn sie in mich griff, einfach so. Manchmal nach dem Aufstehen, wenn ich noch nackt auf meinem Schreibtischstuhl saß, weil mir im Aufwachen etwas eingefallen war, was ich sofort aufschreiben musste. Da kam sie auf mich zu, drehte den Stuhl zu sich, fasste in mich und hielt mich, Daumen in der Möse, die Finger auf dem Venushügel, die andere Hand an meinem Hinterkopf, und küsste mich, ach, wie zärtlich sie war! Dann ließ sie mich weiterschreiben. An den Fingern trug sie keine Ringe. Ich hatte diesen Ring an ihrem Daumen schon immer bewundert. Die wenigen Ringe, die ich je getragen hatte, hatte ich alle verloren. Auch Ohrstecker hielten sich nicht lange bei mir, den zweiten der blauen hatte ich längst verloren, doch ich trug trotzdem noch Ohrstecker, zurzeit zwei Bernsteinperlen. Ich hatte Angst, auch Alicias Ring sofort zu verlieren, wenn ich ihn trüge, und wusste nicht, was ich sagen sollte. So feierlich kannte ich Alicia gar nicht. Sie spürte meine Unsicherheit und lächelte und sagte: „Du musst ihn nicht tragen. Ich möchte ihn dir nur schenken.“ Natürlich versuchte ich, ihn die erste Zeit nach Alicias Eröffnung zu tragen. Das erste Mal verlor ich ihn im Salat. Wir waren bei mir und ich hatte Salat gemacht. Dass der Ring weg war, hatte ich nicht bemerkt. Alicia fand ihn und lachte. „Wolltest du ihn mir zurückgeben?“, fragte sie. Ich wurde rot. Dann verlor ich ihn im Wald, beim Sex, im Spülbecken, im Auto, in der Sofaritze. Ich fand ihn zwar immer wieder, aber ich gab es auf, ihn tragen zu wollen. Alicia war in die Stadt gezogen, ziemlich weit weg von mir. Kurz darauf lud sie mich zu einer ersten langen Reise ein. Sie sagte: „Nimm allen Urlaub, den du noch hast, und komm mit mir.“ Ich organisierte meinen Urlaub und sie nahm mich das erste Mal mit in ihr Haus. Ich hatte es nach ihren Andeutungen irgendwo in Frankreich auf dem Land vermutet, doch es war auf einer Kanarischen Insel, auf La Gomera. Unsere erste lange gemeinsame Reise. Drei Wochen. Es war wie eine Hochzeitsreise. Ein bisschen suspekt war mir La Gomera schon. Galt es doch als Hippie-Insel, auf die Idioten reisten, die Sonnenuntergänge anbeteten. Aber Alicia hatte ein Faible für Natur. Trotzdem, warum Gomera? Ich fragte vorsichtig, wollte die Vorfreude auf die Reise nicht verderben. Sie sagte, es gebe eine Geschichte mit der Insel, aus ihrer Vergangenheit, und sie möge darüber jetzt nicht reden, küsste mich und sagte: „Es wird dir schon gefallen, meine große Kleine!“ Dabei verzog sie ihre zauberhaften Augenbrauen in den mir inzwischen sehr vertrauten ironischen Schwung. Ihr schmales Gesicht mit den langen schwarzen Wimpern um die schillernden Augen, den dunklen Brauen, den feinen Lachfältchen, dem purpurfarbenen Mund! Ich schaute sie an wie ein erstes Mal, ich küsste sie zurück, öffnete ihre Lippen, die noch etwas sagen wollten, und saugte mich fest in sie hinein. Mir wurde wieder einmal heiß vor Gefühl. Meine zarte Große! Mich beunruhigte die Andeutung trotzdem, aber ich ging dieser Beunruhigung nicht nach. Dachte kurz an Fussel-Sabine und die blonde Buchhandlungs-Tussi und fragte mich, was da vielleicht noch alles aus der Vergangenheit an unsympathischen Weibern auftauchen würde, vielleicht eine Flatterhosenrucksackreisende auf La Gomera, unter deren gemustertem Seidengeflatter sich ein supersexy Körper verbarg? Alicia sah mir meine Gedanken an und sagte: „Sabine war eine wichtige Geschichte in meinem Leben, aber sie ist vorbei. Und die anderen auch. Und du hattest doch auch schon Geschichten.“ Ich wurde wieder rot. Klar, Alicia war älter als ich, sie war schon dreiunddreißig, als wir uns kennengelernt hatten, und ich erst vierundzwanzig, knapp vor fünfundzwanzig. Sie konnte vor Sabine und nach dem Mann, von dem sie mir noch gar nichts Genaueres erzählt hatte, andere wichtige Geschichten gehabt haben. Müssten mir nicht auch die wichtigen Frauen vor mir wenigstens ansatzweise gefallen? Warum war mir diese Sabine so unsympathisch? Die blonde Tussi war ja vielleicht noch ganz nett, wenn man ihr Weibchengehabe abzog. Oder war das eine irrationale Abwehr und mir wäre die Frau vielleicht sympathischer, wenn Alicia und ich nicht zusammen wären? Ich versuchte, meine idiotischen Gedankengänge zu stoppen, wir begannen doch gerade eine neue Phase in unserer Liebesgeschichte. Alicia sagte noch, dass ich Wanderkleidung mitnehmen solle. Badesachen natürlich auch. Wir flogen nach Teneriffa und fuhren dann mit dem Boot nach San Sebastian de La Gomera, wo wir ein Auto mieteten. Ihr Häuschen lag im Norden, in der Nähe von Hermigua. Auf dem Weg erzählte sie mir, wie sie an das Häuschen gekommen war. Sie war nach ihrem Abitur nach Spanien gereist und von dort aus...




