Voss | Das dritte Mal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Voss Das dritte Mal

Erotischer Roman
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-88769-844-7
Verlag: konkursbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Erotischer Roman

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-88769-844-7
Verlag: konkursbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Anna und Beate begegnen sich bei einem Wochenendseminar. Eine heiße Sommernacht, Gewitter, als die Liebe losgeht. Ein Roman mit dramatischen Wendungen, heißem Sex und einer düsteren Vergangenheit, die die Liebe bedroht. Es geht auch um besondere Augenblicke, die das Leben auf den Kopf stellen können. Es ist schwül. Anna realisiert, dass sie Beate schon einmal gesehen hat. Die beiden kommen sich näher und verbringen eine aufregende Nacht miteinander. Doch beide sind liiert. Ein One-Night-Stand, fürchtet Anna, und so ist es auch. Beate verschwindet nach dem Seminar aus ihrem Leben. Eines Tages, Anna ist inzwischen mit ihrem Studium fertig und auf Arbeitssuche, treffen sie einander zufällig wieder. Jetzt geht die Liebesgeschichte erst richtig los. Doch Beate wird von düsteren Erinnerungen verfolgt. Auch ihre vorige Beziehung ist noch nicht beendet. Als Beates Vater stirbt, erbt sie das verfallene Elternhaus. Unheimliches verbirgt sich darin. Vergangenheit lässt sich nicht verdrängen. Ulrike Voss schreibt mitreißend über Sex, Liebe und doppelbödige Gefühle. (Eisenherz)

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1 Für Brigitte & Andrea und alle anderen Ich hatte sie schon einmal gesehen. Als ich das realisierte, errötete ich. Versuchte zu lächeln. Sie sah aus, als würde sie sich über etwas lustig machen. Mein angestrengt nettes Lächeln war mir sofort peinlich. Sie kam ernst auf mich zu. Verkrampft lächelte ich weiter. Ich wäre am liebsten verschwunden. »Guten Abend, Sie sind sicher Anna Schmidt.« Sie begrüßte mich als neu angekommene Teilnehmerin. Woher wusste sie, wer von den angemeldeten Teilnehmerinnen ich war? Sie hatte den Namen pointiert betont. Er klang aus ihrem Mund entsetzlich altmodisch. Meine Mutter hatte mir den Namen einer Großtante verpasst, die sie als Kind besonders gemocht hatte. Meinen zweiten Vornamen, der noch altmodischer klingt, verschweige ich grundsätzlich. Und wieso war mir bei der Anmeldung nicht aufgefallen, dass sie das Seminar leitete? Beate. Ihr Name war sofort wieder da. Hatte sie mich erkannt? Wie sollte das möglich sein? Während ich mich das noch fragte, erklärte sie, dass Frau Prof. Kammerer erkrankt sei und sie ihre Vertretung. »Hoffentlich nichts Ernstes«, kam mir über die Lippen. »Nein, eine Grippe.« Die anderen seien alle schon angekommen und hätten ihre Zimmer bezogen. Anna Schmidt, die Letzte. Daher wusste sie meinen Namen. Die anderen auf der Teilnehmerliste waren schon da. Sie konnte mich nicht erkannt haben. Selten kam ich pünktlich. Immer war vor einer Abfahrt auf einmal so viel zu erledigen, vergessene Mailantworten, nicht enden wollende Telefonate. Ich hatte einen Zug später nehmen müssen. Sie erklärte mir den Ablauf. In zwanzig Minuten solle der erste Teil des Seminars beginnen, Vorstellungsrunde, Austauschen von Erwartungen, die Einführung. Danach Abendessen, Freizeit. Die Kleinstadt sei nett, sie würde uns nachher einige Tipps geben, was sich hier unternehmen lasse. Außerdem sollten wir den Reader mit den eingesandten Texten lesen. Morgen und übermorgen ab zehn, den ganzen Tag, gemeinsames Mittagessen, abends wieder zur freien Verfügung. Abreise Sonntag am Abend oder Montag früh. Sie gab mir den Reader, eine Kopie der eingereichten Texte der Teilnehmer und einige Seiten Hintergrundinfo. Beim Reden sah sie mich ernst an. Kein Lächeln. Ich wurde mir fremd unter diesem Blick. Fühlte mich ertappt. Wobei? Ich dachte Unsinn. Mir war noch immer klar, sie konnte mich nicht erkennen. Zugleich blitzte ein völlig irrationaler Wunschgedanke auf. Dass sie ihre sachliche Rede unterbräche und sagte, »ach du bist es, jetzt erkenne ich dich erst!«, und mich kurz umarmte. Ich flüchtete ins Zimmer. Schöner Ausblick von oben über Häuser, Terrassen, kleine Vorgärten auf den Fluss. Sollte ich noch duschen? Die Zeit war knapp. Ich fühlte mich verschwitzt. Statt zu duschen schippte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht und unter die Achseln. Mein Hemd wurde nass. Ich fröstelte. Dann warf ich noch einen kurzen Blick auf die Papiere. Strengte mich an, nicht an meine Fantasien mit ihr zu denken. Versuchte, mich abzulenken, und dachte über ihre Arbeit nach. War sie nicht Hiwi bei Prof. Kammerer? Oder war sie inzwischen mehr? Sie war kaum älter als ich. Allerdings hatte sie, anders als ich, wenn ich die homepage richtig im Kopf hatte, schon lange ihrem Magisterabschluss. Kann sie das Seminar überhaupt professionell leiten? Es gab inzwischen eine inflationäre Flut von Literaturwochenendseminaren und Schreibwerkstätten. Ob Frau Kammerer wirklich krank war? Wahrscheinlich macht sie solche Seminare nicht mehr selbst, wie noch vor ein paar Jahren, als ich das Stipendium für das Kurzprosawochenende im Schwarzwald gewonnen hatte und sie das Seminar leitete, sondern schickt grundsätzlich Vertretungen. Oder sie hat zu viel zu tun. Als sie zu dem Vortrag bei uns war, hatte sie über die unsägliche Verwaltungsarbeit geklagt. Das Leben als Dozentin im Zeitalter von Bachelor und Master bestehe nur noch aus Stress, da muss man ja krank werden, so hatte sie sich ausgedrückt. Gut, dass ich noch mit Magister abschließen konnte. Aber alle meine Versuche, mich gedanklich abzulenken, waren vergeblich. Als wäre es gestern gewesen, dabei lag es schon eine Weile zurück, mehr als ein Jahr. Ich riss mich zusammen und ging in den Seminarraum. Dachte, dass ich wohl erwachsen genug wäre, um mich nicht von albernen längst vergessenen spätpubertären Einschlaffantasien ablenken zu lassen!  Zwölf Teilnehmerinnen, kein Mann hatte sich angemeldet. So wenige! Ich fürchtete mich etwas. Ich war nicht gerne ausgesetzt; in einer größeren Gruppe ist es einfacher, unauffällig im Hintergrund zu bleiben, zuzuhören, ohne selbst viel beitragen zu müssen. Mein eingereichter Text kam mir schon jetzt schlecht vor. Wir saßen an einem großen Tisch, Beate mitten unter uns. Vorstellungsrunde. Wir duzten uns. Jede erklärte, wo sie gerade im Studium, in der Ausbildung oder im Leben überhaupt stand und warum sie an diesem Seminar teilnehmen wollte. Die meisten arbeiteten an ersten Romanen. Eine war Volontärin bei einer Zeitung und wollte lernen, Reportagen spannungsreicher aufzubauen. Daraufhin äußerte eine andere, dass das hier ein Literaturseminar sei und keins für journalistische Texte, außerdem glaube sie nicht, dass man Schreiben lernen könne, sondern entweder begabt sei oder nicht. »Wieso sind Sie dann in dem Seminar?«, fragte Beate. »Ich wollte mir sowas mal anhören. Wie andere schreiben, die eine Karriere als Autorin planen, interessiert mich auch«, gab sie zurück, »und sollten wir uns nicht duzen?« Sie hatte sich mit »Candy, mein Nickname« vorgestellt und war mir auf Anhieb unsympathisch. Ihre Finger waren gespickt mit auffälligen Ringen, sicher an jedem zwei. Beate gab eine Hausaufgabe: Wir sollten die Texte lesen und kritische Bemerkungen formulieren, und verteilte eine Liste mit Kriterien, auf die zu achten sei. Morgen werde sie vormittags einen Einführungsvortrag mit Beispielen aus der Literatur halten. Anschließend Kaffeepause und Fragerunde. Nachmittags würden wir die eingereichten Texte diskutieren. Die Aufgabe bei der Ausschreibung war gewesen, die ersten drei Seiten einer längeren Erzählung oder eines Romans einzureichen. Nur Beate wusste, welcher Text von welcher Teilnehmerin war, im Reader standen sie anonym. Ein einziges Mal hatte sie die Andeutung eines Lächelns im Gesicht. Oder war es Belustigung? Als Candy sich vorstellte. Als ich dran war, errötete ich wieder. »Ich bin Anna, lebe in Berlin, studiere Komparatistik und Anglistik, habe einen Hiwijob, schreibe gerade meine Magisterarbeit und möchte mich als Lektorin in einem Verlag bewerben und schreibe auch privat gerne …« Klang wie auswendiggelernt, außerdem langweilig. Ich verhaspelte mich, als ich anfügte, warum ich an diesem Seminar teilnehmen wollte. »Ich verheddere mich, also ich schreibe in Nebensträngen, also ich komme immer wieder vom Thema ab, verliere mich in unwesentlichen Argumentationsketten. Als ich … das ist nicht wichtig.« Zweimal »also« in einem Satz, peinlich, Beates Blick auf mir brannte. Sie sagte, »wir möchten das aber hören.« Ich hatte erwähnen wollen, was die Begründung für das kleine Förderstipendium damals gewesen war, es kam mir auf einmal unnötig und angeberisch vor, ich ließ es und sagte: »Meiner Meinung nach reichen Inspiration und eventuelle Begabung allein nicht aus. Handwerkliches Können gehört auch dazu, und das lässt sich lernen …« Candy, die mir direkt gegenüber saß, bemerkte die Spitze und reagierte prompt: »Vielleicht musst du was lernen.« Sie grinste mich an. Dass ich schon ein paar Lyrikveröffentlichungen in abgelegenen Anthologien hatte, erwähnte ich nicht. Auch nicht, dass mein Chef die Professorin, die unser Seminar eigentlich hatte halten sollen, zu einem Gastseminar ins Institut einladen wollte und mir zugeredet hatte, hinzufahren und vorzufühlen. Ihm hatte der Vortrag, den sie bei uns gehalten hatte, gut gefallen. Ein weiterer, der wichtigste, Grund für meine Anmeldung zu diesem Seminar war, dass ich endlich einmal raus aus Berlin wollte, möglichst weit weg, und keine Lust hatte, alleine zu verreisen und einsam Landschaften oder Kirchen anzuschauen. Das alles macht nur Spaß, wenn es geteilt werden kann. Und Vera hatte überraschend ihre Familie besuchen müssen, weil ihre Mutter erkrankt war. So konnten wir nicht zusammen, wie wir uns vorgenommen hatten, ein paar Tage an die Ostsee fahren. Berlin ging mir gerade gewaltig auf die Nerven. Ja, ich wollte weg aus der Enge meines Berliner Lebens. Allerdings kamen zwei Drittel der Seminarteilnehmerinnen auch aus Berlin. Beate wandte sich der Letzten in der Runde zu. Sie hieß Dorothea und war älter als wir anderen. Sie arbeitete schon seit Langem als freie Lektorin und Korrektorin und hatte bereits viel veröffentlicht. Vor allem in Anthologien, auch Romane in unterschiedlichen kleinen Verlagen. Keines ihrer Bücher sei über ein paar Hundert verkaufte herausgekommen, erzählte sie. Sie gefiel mir auf den ersten Blick. Eine schmale große Person mit grauschwarzem lockigem elegant geschnittenem Haar, Lesebrille und einem verführerischen Lächeln. Ihre selbstironischen Bemerkungen zu den Gründen, warum auch jemand Schreiberfahrenes wie sie an einem solchen Seminar teilnehmen könne, waren sehr sympathisch. Ich nahm mir vor, mich auf sie zu konzentrieren. Bloß nicht an Beate denken. Nach der Einführungsrunde würde ich Dorothea fragen, ob wir zusammen die Stadt erkunden wollten. Oder würde etwa die gesamte Gruppe gemeinsam zu einer Stadtbesichtigung aufbrechen? Das wäre schrecklich. Ich lenkte mich die restliche Sitzungszeit von Beate ab, indem ich Dorothea beobachtete. Sie schien, wie die meisten anderen auch, alleine hier zu sein. Nur Candy hatte Begleitschutz mit. Eine unscheinbare blasse Frau mit...



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