E-Book, Deutsch, 317 Seiten
Wagner Gnadenlose Gedanken - Thriller
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7309-7670-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 317 Seiten
ISBN: 978-3-7309-7670-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
'Das Buch ist ein Nervenhammer!!' 'Nach 'Gott ist eine Ratte' das zweite Buch von Peter Wagner, das ich verschlungen habe.' 'Ein klasse Buch das richtige Horrorstimmung verbreitet und eine Verfilmung verdient' ' Der irre 'Jesus' ist nichts für sanfte Gemüter und kommt an Pennywise von 'Es' heran.' 'Ein tolles Buch das einen beim Lesen das Blut gefrieren lässt.Es zeigte uns die Abgründie der menschlichen Gedanken.Für Leute mit starken Nerven sehr zu empfehlen.' 'Das Buch war wirklich sehr gut zu lesen und spannend dazu, kann es mit guten Gewissen weiter empfehlen.' 'Konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Der Autor weiss wie man die Leser fesselt. *Gnadenlose Gedanken* ist eine Thriller-Perle, die im öden Meer der unzähligen Neuerscheinungen strahlend glänzt. Respekt !! 'Spannung vom Anfang bis zum bitteren Ende Würde gerne eine Fortsetzung lesen.' ' Ein nervenaufreibendes uns spannendes Buch! Ich musste einige Szenen erst verdauen.' Ein junger Rollstuhlfahrer entdeckt seine Fähigkeit, die Gedanken fremder Menschen lesen zu können. Sehr schnell muss er begreifen, dass dies keineswegs eine begnadete Gabe, sondern ein gnadenloser Fluch für ihn ist. Die Phantasien seiner Mitmenschen sind so bestialisch und widerwärtig, wie er es sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausgemalt hätte. Doch erst, als er seinem übermächtigen Mörder begegnet, erfährt der Behinderte, was es wirklich heisst, gnadenlose Gedanken lesen zu müssen. Sein Mörder schreckt vor keiner Tat zurück, er kennt keine ernstzunehmende Gegner. Hat der junge Rollstuhlfahrer eine reelle Chance gegen das Biest in Menschengestalt? WICHTIGER HINWEIS: Der Autor möchte eindringlich darauf hinweisen, dass die empfohlene Altersbeschränkung eingehalten wird, da der Inhalt dieses Buches wirklich nichts für sensible Nerven ist.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Ich weiß noch sehr genau, wann und wo es das erste Mal geschah. Eigentlich geschah es nicht, es ereignete sich. Das erste Mal, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hatte ich mich ohne Begleitung aus dem Haus getraut. Auch nach den vielen Wochen in der Reha-Klinik hatte ich mich immer noch nicht an den Rollstuhl gewöhnen können. Nun stand ich an der Supermarktkasse, hatte ein paar Waren, die ich mehr oder weniger dringend benötigte, auf meinem Schoß deponiert, und versuchte die neugierigen Blicke der anderen Kunden zu ignorieren. In wenigen Tagen würde ich meinen zwanzigsten Geburtstag feiern, obwohl ich eigentlich tot sein müsste. Nach dem Unfall hatte ich mehr als nur Glück gehabt. Im Grunde hätte ich doch sterben müssen. Dies hatte ich mir auch in den vielen Wochen, die ich voller Selbstmitleid im Krankenbett gelegen hatte, immer wieder gewünscht. Dass ich nicht gestorben war, hielt ich damals eher für eine Strafe als für einen Glücksfall. Ich tat mir so leid! Drei Monate vor den Europameisterschaften war innerhalb von wenigen Augenblicken meine Karriere als Schwimmer beendet gewesen. Ausgerechnet im Wasser fand sie ihr Ende. Wie hatte ich nur so dämlich sein können?! Es war nach der Abiturfeier gewesen. Mit ein paar Kumpeln hatte ich den Heimweg angetreten, irgendwann erreichten wir die kleine Brücke, die schon so oft eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hatte. Hier hatte ich mich das erste Mal in meinem Leben geprügelt, (und natürlich das erste blaue Auge kassiert!), hier hatte ich das erste Mal ein Mädchen geküsst. Und unter dieser kleinen Brücke hatte ich vor über fünfzehn Jahren meine ersten Schwimmversuche unternommen. Mittlerweile war ich schon zweimal Deutscher Jugendmeister geworden, und ich galt als sicherer Kandidat für eine Medaille bei den kommenden Jugendeuropameisterschaften. Doch mein Übermut und mein Stolz hatten diese Hoffnungen jäh zerstört. Als Jürgen anzweifelte, dass ich nach den zehn oder elf Bieren noch in der Lage sei, von der Brücke zu springen, konnte ich natürlich nicht anders, als ihm das Gegenteil beweisen zu müssen. Obwohl ich wusste, dass er es nicht allzu ernst gemeint hatte, nahm ich die Herausforderung an, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern. Als ein junger Mann mit einem erstklassigen Abitur, welches ihm alle Türen öffnen würde, und als die Hoffnung des Deutschen Schwimmverbandes, sprang ich in den kleinen Fluss. Aber als Krüppel, der nie wieder seine Beine benutzen würde, wachte ich im Krankenhaus wieder auf. Mein junges Leben war mit einem Schlag auf den Kopf gestellt worden. Was gestern noch weiß war, das war heute plötzlich schwarz. Und ich war nicht in der Lage, dies auch nur ein wenig zu beeinflussen. Ich sah noch nicht einmal eine Chance, mir ein trübes Grau mischen zu können. Die Ärzte waren von Anfang an offen zu mir gewesen. Sie machten mir keine falschen Hoffnungen, ich würde nie wieder Laufen können, auch nicht mit Hilfe von Krücken. Keine Chance. Was mir blieb, waren mein Selbstmitleid und mein Rollstuhl. Eine Querschnittslähmung verändert nicht nur deinen Körper, deine Mobilität. Nein, vor allen Dingen verändert sie deinen Kopf. Da bist du wirklich behindert! Dein Hirn sagt dir, dass du eine Null bist, die absolut unbrauchbar ist. Dein Kopf rät dir, mit dem Leben Schluss zu machen, da du doch eigentlich sowieso schon am Ende bist. Dein Kopf sagt dir, dass du aus dem achten Stock des Krankenhauses springen sollst, und dein Kopf sagt dir dann auch, dass du es nicht machen kannst, weil deine Beine dich bei dem Versuch im Stich lassen würden. Ich hatte nur noch meine Eltern, die allerdings noch hilfloser waren als ich. Wenn sie mich besuchten, dann konnte ich in den Augen meiner Mutter sehr genau erkennen, dass sie die gesamte Fahrt über Tränen des Mitleides geweint hatte. In den Blicken meines Vaters erkannte ich nur stumme Vorwürfe. Vorwürfe, die er mir natürlich, schon alleine aus Rücksicht auf meine Mutter, nie laut machte. Wahrscheinlich gestand er sie sich noch nicht einmal selber ein. Sie waren ihm wohl gar nicht bewusst. Doch seine Augen klagten mich an. Deshalb konnten wir uns auch nicht in die Augen sehen. Meine Mutter war eigentlich ganz tapfer, wenn man bedachte, wie sehr sie an mir hing. Schließlich war ich ein typisches Einzelkind, und kostete dies auch mit allen Annehmlichkeiten aus. Ich bewohnte zwar eine eigene Wohnung, das hielt mich aber nicht davon ab, mir von ihr meine Wäsche machen zu lassen, oder mich von meinem Vater finanziell unterstützen zu lassen. Natürlich hatte der Nebenjob als Bademeister schon damals nicht ausgereicht, um meine Bedürfnisse befriedigen zu können. Seit ich den nicht mehr ausüben konnte, war ich noch mehr auf die Finanzspritzen meiner Eltern angewiesen. Seit dem Unfall sind sie natürlich nicht kleiner geworden. Wahrscheinlich wollten sie sich mit dem Geld von ihrem schlechten Gewissen freikaufen. Heute glaubten sie, dass sie mich viel zu früh hatten ausziehen lassen, obwohl vor allen Dingen mein Dad mich immer dafür gelobt hatte, dass ich unbedingt unabhängiger leben wollte. Heute war ich abhängiger als je zuvor, welche Ironie! Verdammt! Ohne fremde Hilfe konnte ich noch nicht einmal pissen, außer ich hätte es in Kauf genommen, diese grässlichen Windeln zu tragen, in denen man sich fühlte, als wäre die Selbstachtung in einem Knäuel Mull gefangen. Lieber hätte ich mir die Hosen nass gemacht, als diese Dinger noch einmal zu tragen. Die Krankenkasse hatte mir einen Pfleger zugewiesen. Der wischte mir nun den Arsch ab, badete mich, wie man einen kleinen Säugling badete. Er hieß Manfred, und er hatte mehrere Gemeinsamkeiten mit mir. Auch er war knapp zwanzig, und auch er hatte ein gutes Abi gebaut. Er lebte auch nicht mehr bei seinen Eltern, sondern mit drei anderen Pflegern in einer Wohngemeinschaft. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie ihr gemeinsames Leben aussah, obwohl Manfred nicht viel davon erzählte. Sie würden wohl den ganzen Tag kiffen, und über die Übel der Welt philosophieren. Dabei verzehrten sie Unmengen von Müsli, das sie sich mit Kakerlaken teilen mussten, da Hygiene ein Fremdwort für sie war. Aber eigentlich war Manfred ganz in Ordnung, obwohl er manchmal ziemlich stur sein konnte. Heute Morgen hatte er zum Beispiel darauf bestanden, dass ich die fehlenden Lebensmittel einkaufen müsste. Er wäre lediglich bei mir, um mir bei den Dingen zu helfen, die ich nicht alleine bewältigen konnte. Da er noch alle Fenster zu putzen hätte, wäre es langsam an der Zeit, dass ich auch einmal in unserer Zwangsgemeinschaft mit anpackte. Ich wusste genau, was seine Intention war, deshalb hatte ich mich auch nur halbherzig gewehrt, denn im Stillen war ich ihm dankbar, dass er mir in den Hintern getreten hatte. Natürlich war ich nicht absolut unselbstständig und ausschließlich auf Hilfe angewiesen, ich traute mich nur einfach nicht. Heute Morgen hatte ich also den ersten Schritt gewagt, (sehr gute Beschreibung für die erste Solofahrt mit dem Rollstuhl!), und war zu dem großen Abenteuer Einkauf gestartet. Dabei hatte ich einen kleinen Umweg gewählt, denn ich wollte nicht in den Supermarkt, der direkt neben unserem Haus war, da dieser zwei Stufen im Eingangsbereich hatte. Zwar hatte ich in der Reha-Klinik gelernt, solche Barrieren zu überwinden, doch ich fürchtete, es heute nicht zu schaffen, und dann wohlmöglich auf die Hilfe eines Passanten angewiesen zu sein. Ich wollte es auf jeden Fall vermeiden, jemanden um Unterstützung bitten zu müssen, egal, ob auf der Strasse oder im Geschäft. Mir waren diese Situationen einfach zuwider. Die unsicheren und mitleidigen Blicke der Menschen konnte ich nicht ertragen. Also hatte ich den Supermarkt gewählt, der fünf Strassen weiter lag, in der Hoffnung, dort ohne Hilfe reinzukommen. Tatsächlich war ich auch ohne Komplikationen in den Laden gelangt. Allerdings bekam ich dort dann doch einige Schwierigkeiten. Direkt nach meinem Eintreten, (schon wieder so eine treffende Umschreibung!), bot mir der Filialleiter seine Mithilfe an, die ich jedoch erfolgreich ablehnen konnte. Innerhalb des Ladens musste ich dann nur noch eine Hausfrau bitten, ihren Einkaufswagen etwas bei Seite zu schieben, was sie mit dem karitativen Lächeln einer mehrfachen Mutter tat. Natürlich konnte ich von meinem Rollstuhl aus nicht die gesamte Höhe der Regale erreichen, so dass ich auf den Erwerb einiger Waren verzichten musste, aber ich würde Manfred einfach sagen, sie seien ausverkauft gewesen. Bestimmt würde er meine Lüge bemerken, sie aber ignorieren und die fehlenden Lebensmittel später selber besorgen. Daran musste ich gerade denken, (und dass die kalte Milch auf meinem Schoss, meine Eier auf die Größe von Haselnüssen hatte zusammenschrumpfen lassen), als es sich das erste Mal ereignete. Zuerst konnte ich die Stimme nicht genau zuordnen, vielleicht weil ich gleichzeitig von dem kleinen Stich abgelenkt war, den ich plötzlich hinter meinem rechten Ohr verspürte. Doch dann wusste ich, wer gesprochen hatte....




