E-Book, Deutsch, 279 Seiten
Wagner Gruftglück
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7368-7835-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 279 Seiten
ISBN: 978-3-7368-7835-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nach einem lauten und chaotischen Leben beschließt Werner Dünnkirchen, in die Gruft seines Vaters zu ziehen. Erst an diesem ungewöhnlichen Wohnort findet er jene Ruhe, die er auf seiner jahrelangen Weltreise an keinem Ort finden konnte. Doch mit der langersehnten Ruhe ist es vorüber, als er den zwölfjährigen Ilja kennenlernt, einen hochbegabten Klugscheißer. Zusammen erleben sie berührende, erstaunliche, skurrile und aberwitzige Geschichten, die so lebendig wohl nur auf einem Zentralfriedhof geschehen können. Wem beim Lesen dieser Geschichte nicht die Lachtränen kommen, der hat wohl keinen Humor. Wer nicht die ein oder andere Träne des Mitgefühls vergießt, der hat wohl kein Herz. 'Gruftglück' ist eine ungewöhnliche Geschichte, die den Leser noch beschäftigen wird, wenn er das Buch längst verschlungen hat. 'Seit langem wieder mal ein fesselndes Buch! Skurril, spannend, amüsant! Einfach lesenswert! Bin schon auf die beiden anderen Bücher des Autors gespannt!' 'Die Geschichte zeichnet ein überraschend lebendiges Bild über einen Ort des Todes. Der Leser lernt sehr witzige Figuren kennen, aber auch nachdenkliche Passagen der Story beschäftigen auch noch lange Zeit nach dem Schmökern....Uneingeschränkter Lesespaß! 5 Sterne!' 'Neugierig geworden durch den ungewöhnlichen Titel und die Buchbeschreibung habe ich sofort mit dem Lesen begonnen. Und wurde nicht enttäuscht. Es hat sehr viel Spaß gemacht der ungewöhnlichen WG in der Gruft bei ihren kleinen Abenteuern zu folgen.' ' Die sympathischen Hauptfiguren, zu denen auch ein Hund gehört, haben abenteuerliche Erlebnisse mit oft kauzigen Personen und meistern souverän alle Schwierigkeiten. Das Buch regt zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken an. Ich glaube, dass Leser zwischen 11 und 111 Jahren ihre Freude an 'Gruftglück' haben werden.' 'Der Titel verspricht so einiges. Und er hält es auch. Doch man muss schon ein wenig absonderlich gelten, zieht man in eine Gruft.Aber der Held des Buches wohnt dort. Und bald ist er nicht allein. Dialoge sind sehr tiefsinnig, vergleichbar in unsere heutige Zeit.' '....so richtig schön schräg,tolle ideen,coole typen,gemässigt kritisch,am besten hat mir das kapitel mit dem alten totengräber (ähem) gefallen,die geschichte ist nicht düster oder morbide,eher heiter,ein bisschen nachdenklich,volle 5 sterne...' 'Was für eine geniale und phantasievolle Idee, einen Menschen auf einem Friedhof, und dann auch noch in einer Gruft, wohnen zu lassen! Der Roman ist ein realistisches Märchen, mitten in unserer Zeit und Welt angesiedelt. Die Handlung ist luftig-leicht verpackt und lässt immer wieder schmunzeln, ohne oberflächlich zu sein, denn es gibt durchaus auch nachdenkliche und anrührende Augenblicke, Beschreibungen und kleine Weisheiten. So etwas gefällt mir. Außerdem habe ich mich in Knight, der so humorvoll beschrieben wird, schier verliebt!'
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 4: Ignaz, Ludwig, Johannes, Ambrosius von der Wiesenhain
Mittlerweile waren einige Monate vergangen, Werner hatte erfolgreich und unbeschadet den ersten Winter in seinem neuen Domizil überstanden. Dank der üppigen Ausstattung in der väterlichen Gruft war es weit komfortabler gewesen als er zuerst befürchtet hatte. Die alten Gussheizkörper hatten eine wohlige Wärme geschaffen und die Luft war erstaunlich frisch. Die Gruft hatte gar nichts von dem Muff eines feuchten, modrigen Kellerraumes. Werner hatte sich dahingehend ganz überflüssige Sorgen gemacht. Die Gesellschaft seines toten Vaters störte ihn nicht weiter. Sein Alter hatte völlig unnötig die lebensverlängernden Vorkehrungen getroffen. Entgegen seiner Befürchtungen war er nicht wieder auferstanden. So hatten beide Bewohner der Familiengruft das, was sie sich gewünscht hatten. Ihre Ruhe. Werners Vater hatte immer von einem Segelschiff geträumt. Nicht, dass er es sich nicht hätte leisten können. Mit Schrauben konnte man ein erstaunlich großes Vermögen anhäufen. Aber er hatte einfach nie die nötige Zeit gefunden, um den Segelschein zu machen, geschweige denn eine ausgiebige Segeltour zu unternehmen. Sein Vater hatte nie Urlaub gemacht, selbst an den meisten Wochenenden hatte er in seiner Fabrik geschuftet. Aber seine Sehnsucht nach den Meeren war ihm über den Tod hinaus geblieben. So hatte er bei dem Bau der Familiengruft darauf bestanden, dass man den Eingang wie die Türen eines Schiffsunterdecks gestaltete. Also hatte der Bauunternehmer zwei tonnenschwere Eisentüren über den Grufteingang legen lassen. Die rechte schmückte eine überdimensionierte Schraube, die linke eine entsprechende Mutter. Die beiden Flügeltüren waren so schwer, dass bei der Beerdigung acht muskelbepackte Bestattungsarbeiter nötig gewesen waren, um sie zu schließen. Das hatte Werner bereits während der Zeremonie verwundert, denn dies passte so gar nicht zu der Paranoia seines Alten. Wie hätte der lebendig begrabene Schraubenkönig die schmiedeeiserne Türen alleine wieder von innen öffnen sollen? Es machte doch keinen Sinn, das Innere der Gruft mit allem auszustatten, was eine notwendige Flucht ermöglichen würde, wenn der zu vorschnell Begrabene dann die Türen nicht aufbekommen hätte! Es hatte aber nicht lange gedauert, bis Werner die Lösung dieses Problems entdeckt hatte. Als er bei seinem ersten Besuch der Gruft vor den geschlossenen Eisentoren gestanden hatte, war ihm ein eigentümlicher Geruch aufgefallen. Selbst an der Gruft seines Alten hatte es noch nach Maschinenöl gerochen. Dieser Geruch hatte Werner sein ganzes Leben begleitet. Sein Vater hatte diesen Geruch stets an sich gehabt, egal, wie intensiv er sich nach Feierabend auch duschte, egal wie viel exklusives Rasierwasser er auch benutzt hatte. In seiner Nähe hatte es immer nach Fabrik, Schrauben und Öl gerochen. Zu Anfang seiner Weltreise hatte es Wochen gedauert, bis der Gestank aus Werners Nase verschwunden war. Und kaum stand er vor der Ruhestätte seines Vaters, hatte ihn dieser Geruch wieder eingefangen. Nachdem die letzten Trauergäste sich gierig auf dem Weg zum Leichenschmaus gemacht hatten, hatte Werner sich vor den Grufteingang gekniet um ihn näher zu untersuchen. Und tatsächlich, je näher seine Nase den Türen kam, umso intensiver wurde der Geruch. Hydrauliköl! Sein Alter hatte die schweren Flügeltüren mit einem Mechanismus versehen lassen, der es ermöglichte, ohne jegliche Muskelkraft die Türen zu öffnen. Knopfdruck genügte! Sein Alter war ein verdammter Fuchs gewesen, der nichts dem Zufall überlassen hatte. Werner hatte die Türen noch eingehender untersucht und tatsächlich einen kleinen Knopf entdeckt, der geschickt in die modellierte Schraube der rechten Flügeltür eingearbeitet worden war. Mit einem raschen Blick hatte Werner festgestellt, dass er alleine in diesem abgelegenen Teil des Friedhofes war und hatte gespannt auf den Knopf gedrückt. Wie von Zauberhand, ohne auch nur das geringste Quietschen zu verursachen, öffneten sich die beiden Flügeltüren. Werner blickte die Treppe hinunter und wunderte sich nicht ein bisschen, dass das Innere hell erleuchtet war. Bevor er entdeckt werden konnte, drückte er schnell wieder auf den Knopf. Fürs Erste hatte er genug gesehen. Die Türen schlossen sich wieder lautlos. Ein graubärtiger Seemann hätte das Schiffsunterdeck einer Yacht kaum eleganter vor einem nahenden Sturm verschließen können. Werner schaute auf seine Armbanduhr. Fast schon Mitternacht, Zeit für seinen nächtlichen Rundgang. Er streifte sich seine Hochleistungsstirnlampe über die langen Haare und schaltete sie ein. Der bereits ausreichend beleuchtete Raum war nun taghell erleuchtet. Die Kirche bewies zwar ihr treffsicheres Gefühl für Geldverschwendung, indem sie den Friedhof mit unzähligen Laternen ausgestattet hatte, die an diesem öden Ort genauso viel Sinn machten wie Sonnenöl bei einer Höhlenexpedition, aber dennoch verließ sich Werner gerne auf seine eigene Lichtquelle. Nicht, dass er sich im Dunklen gefürchtet hätte. Dann wäre der Friedhof wohl kaum der richtige Ort für seine Residenz gewesen. Aber er wollte bei einem plötzlichen Stromausfall nicht völlig im Dunklen dastehen. Bevor er den Toröffner betätigte, schaute er durch sein selbstgebasteltes Periskop, das die Umgebung der Gruft absuchte. Auch wenn es tiefste Nacht war, wollte Werner nicht plötzlich vor einem ungebetenem Gast stehen, wenn er die Gruft verließ. Er benutzte den Knopf, der elegant in einer der Engelsfiguren eingearbeitet war, die hier zuhauf rumstanden. Auch ein Fabrikbesitzer konnte dem Wahnsinn der Kitschsucht verfallen, das bewies die Einrichtung der Gruft eindrucksvoll. Trompete spielende Engelchen, flatternde Schmetterlinge aus Plastik, Kunststoffrosen, Jesus am Holzkreuz. Werners Vater hatte nichts ausgelassen. Nur von dem Bild eines röhrenden Hirsches, der in einer sonnendurchfluteten Waldlichtung thronte, blieben Werners Augen verschont. Langsam ging er die Stufen der kleinen Treppe hinauf und verließ sein Heim. Zufrieden lächelnd atmete er die nächtliche Frühlingsluft ein. Eine Mischung aus Moder, Moos und Lavendel schlängelte sich in seine Nase. Schon möglich, dass die Rose die Blume der Verliebten war, trotz ihrer blutbringenden Dornen. Wenn dies so war, dann war das Moos die Pflanze der Toten. Jede einzelne Grabstätte auf diesem Friedhof war mit Moos überwachsen. Die Pflanze machte keine Standesunterschiede. Egal ob millionenschwerer Bankmanager oder verarmte Rentnerin. Wenn sie alle eines Tages hier landeten, (und da ist das Leben mehr als gerecht, jeder landete am Ende hier!), dann dauerte es nicht lange, und diese geduldige Pflanze bemächtigte sich der Ruhestätten. Zuerst bildete sich am Fuß des Grabsteins eine kleine grüne Siedlung. Und obwohl eine Moospflanze ausgesprochen langsam wuchs, bahnte sie sich selbstbewusst ihren Weg nach oben. Wenn die erste Aufregung über das Dahinscheiden eines (mal mehr, mal weniger) geliebten Menschen erst einmal vorübergegangen war und die Grabstätte für ein paar Tage ohne trauernden Besuch dahinsiechen musste, hätte ein aufmerksamer Beobachter erkennen können, dass ein grüner Untermieter unauffällig Einzug gehalten hatte. Ein Untermieter mit Mietrecht auf Lebenszeit. Und dieser kleine Untermieter wuchs langsam aber beharrlich. Nach wenigen Monaten schon nahm er den Großteil des Heimes für sich in Anspruch. Nach nur wenigen Jahren würde es das Namensschild des Mitbewohners bis zur Unkenntlichkeit überwuchert haben, sollte sich niemand finden, der es regelmäßig entfernte. Doch es würde sich immer wieder seinen Weg bahnen. Es war der stumme, grüne Herr über den Friedhof. Das Moos wird noch dort sein, wenn auch der letzte Verstorbene viel weniger als ein einzelnes Staubkorn sein wird. Werner schloss seine Augen und lauschte den Geräuschen der Nacht. Da ein Mäuserascheln, dort das Schwirren eines Fledermausflügels. Falls der Fuchs mal wieder einen Abstecher auf den Friedhof gemacht hatte, so tat er dies wie immer völlig lautlos. Werner hatte ihn erst ein paar mal, und auch nur aus größerer Distanz, zu Gesicht bekommen. Das Rotfell machte seinem Ruf alle Ehren, es war tatsächlich äußerst schlau. Aus der Ferne hörte er wie immer die Geräusche der Großstadt, die hier eher wie das Rauschen eines nahen Meeres als das Dröhnen von stinkenden Blechkisten klangen. Erst einmal war Werner daran erinnert worden, dass es sich doch um die Hauptstraße seiner Stadt und nicht um den Pazifik gehandelt hatte. Statt der Brandung lauschen zu können, war ein Auto mit geöffneten Fensterscheiben durch die schlafende Stadt gebrettert. Der Fahrer schien ein ausgesprochener Schlagerfan gewesen zu sein. Sein Autoradio dröhnte:“...denn ich lieebe das Leeben!“ Ein ziemlich unpassender Text für einen Friedhof, doch das hatte den Fahrer natürlich nicht gejuckt. Und Werner war es damals auch egal gewesen. Wie alles im Leben ging auch diese Störung wieder vorbei. Der Wagen war mit samt seinem Schlagerradio weiter gefahren und schon bald hatte wieder das...




