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Wagner | Kaira Saltiem und das Amulett des Sonnengottes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 492 Seiten

Reihe: Kaira Saltiem

Wagner Kaira Saltiem und das Amulett des Sonnengottes


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-5962-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 492 Seiten

Reihe: Kaira Saltiem

ISBN: 978-3-7562-5962-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich Ferien. Kaira kann es kaum erwarten Ulf wiederzusehen. Dennoch vermag sie dessen Begeisterung für die Ausstellung zur Kultur und Geschichte der Azteken zunächst gar nicht zu teilen. Aber schon bald entdecken sie bei ihren Vorbereitungen auf den Besuch ein abgründig finsteres Geheimnis. Daher ist es für Kaira auch nicht verwunderlich, wenn plötzlich einige obskure Gestalten auftauchen. Warum sind denen sowohl die alte Sprache als auch die okkulte Riten der Azteken geläufig? Geradezu beängstigend sind jedoch deren wahren Beweggründe. Denn jene selbsternannten Freischärler scheinen vor nichts und niemandem zurückzuschrecken. So bleibt Kaira keine andere Wahl, will sie Ulf nicht im Strudel der Geschichte verlieren.

Der Ausspruch, "du bist ein Träumer", ist selten als Lob gedacht. Doch für Uwe Wagner bedeutete es schon früh so etwas wie eine kleine Auszeichnung. Denn noch immer bereitet es ihm Spaß, das offene Ende einer Geschichte auf unterschiedlichste Weise weiterzuführen. Aber wer hat sich noch nie dabei ertappt, sich auszumalen, wie eine Situation ganz anders hätte verlaufen können, wenn doch nur ein winziges Detail geändert worden wäre? Dieser Gedanke, wie auch das Phänomen und die Paradoxa der Zeitreisen, fasziniert Uwe Wagner bereits seit seiner Jugend. Die Idee, selbst eine jener Parallelwelten zu gestalten, lässt ihn seitdem nicht mehr los. Die wirkliche Faszination bedeutet für ihn dabei die Möglichkeit von Zeitsprüngen mit allen Konsequenzen, wie sie beispielsweise in den Spielfilmen "Thrillseekers" und "Butterfly Effect" anschaulich geschildert werden. Gerade die nahezu unendliche Zahl an Parallelwelten, die sich daraus ergeben, war Motivation genug für seinen Debütroman "Et respice finem!", der letztendlich eine neue Sicht auf diese Thematik eröffnet. Mit der Geschichte von Kaira Saltiem richtet sich Uwe Wagner nun vornehmlich an eine jugendliche oder junggebliebene Leserschaft. Werden doch viele längst vergessen geglaubte Wunschvorstellungen wieder lebendig, die uns wohl alle als Jugendliche bewegten, einschließlich des Wunders der ersten zarten Liebe. Gerade nach Jahren des technischen Studiums, des wissenschaftlichen und rationellen Arbeitens bietet sich für den Autor die Möglichkeit seinem Motto treu zu sein, das Albert Einstein so treffend formulierte: "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."
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Prolog


Paris – Sonntag, 8. Oktober 1307

„B ruder Pierre, kommt nach dem Nachtgebet zum Brunnen im Garten, aber kommt allein“, hatte ihm der Großkomtur und Hüter des Ordensschatzes nach der sonntäglichen Frühmette zugeraunt. Das war nicht so ungewöhnlich, denn schon des Öfteren hatte er, Pierre de Caligny, und seine zwölf getreuen Ritterbrüder für den Großkomtur des Ordens , allgemein unter den Namen Templerorden bekannt, Aufträge der besonderen Art ausgeführt. Zwölf mussten es an der Zahl sein, wie schon zu Zeiten als Christus mit seinen getreuen Jüngern durchs gezogen war.

Auch wenn es nun schon fast unzählige Male geschehen war, konnte er sich an jeden einzelnen Auftrag gut erinnern. Stets war ihm die Verantwortung des Anführers zugefallen. Das verdankte er eindeutig seinem selbstlosen Einsatz vor 16 Jahren. Damals, am Vorabend zum Gedenktag des Bischofs Saint-Germain1 im Jahre des Herrn 1291, hatte ihn Ritter Thibaud Gaudin2, dem bereits zehn Jahre vor dem Kampf um Akkon, des Hauptstützpunktes der Templer im Königreich Jerusalem, das Amt des Großkomturs, des obersten Schatzmeisters des Ordens, zugefallen war, zu sich gerufen.

„Mein lieber Bruder Pierre“, hatte Gaudin begonnen, „wie Ihr wisst, steht es schlecht um unser Akkon. Unser Großmeister ist bereits im Kampf gefallen und die Mameluken wüten seit zehn Tagen in der Stadt. Niemand, weder Weib noch Kind, wird verschont und nun rennen sie gegen unsere letzte Feste an.“ Mit einer Armbewegung wies er auf die massiven Mauern der Eisenburg, die als letzte Zuflucht der Templer im Heiligen Land auch alle Schätze des Ordens barg.

„Gott und König Heinrich sind auf unserer Seite“, hatte Caligny gewagt einzuwerfen, was Gaudin jedoch mit einer herrischen Handbewegung abgetan hatte, als wolle er eine der lästigen Stechfliegen abwehren.

„Die Macht des Teufels Al-Ashraf Khalil ist groß und seine Mameluken sind so zahlreich wie die Sandkörner der Wüste, die alles im Sturm zermalmen.“ Ein Seufzer entrang sich seiner Brust. „Nein, auch unsere Eisenburg werden wir nicht halten können. Wir hätten das Angebot Khalils auf Abzug annehmen sollen.“

„Um Frauen und Kinder den Mameluken überlassen“, hatte Caligny aufgebracht erwidert.

„Natürlich nicht!“, hatte Gaudin wütend gezischt. „Das ist eines Ritters unwürdig. Nur sie alle gleich niedermachen, das war eingedenk ihrer Übermacht sehr unklug.“

„Sie hatten den Tod verdient.“

„Schweigt, Bruder Pierre!“, war Gaudin ihn angefahren. „Wollt Ihr mich belehren?“

„Nichts liegt mir ferner“, hatte Pierre daraufhin klein beigegeben. „Wir handelten nach den Regeln unserer Orden.“

„Aber nicht des Unsrigen“, hatte Gaudin mit aller Macht dagegengehalten. „Für die Ritter des Deutschordens und der Johanniter mag das gelten, aber deren Ordensburg ist auch nicht bedroht. Außerdem haben sie sich seit jeher gegen eine Verständigung mit den Mohammedanern ausgesprochen, die der Christenheit allerdings sehr einträglich war.“

„Kampf bedeutet Ehre.“

„Ganz recht, Bruder Pierre. Doch eine größere Ehre ist es, wenn wir es ohne Kampf erreichen. Außerdem sollte ein jeder Ritter erkennen, wenn ein Kampf verloren ist und dann weise handeln, damit ihm die ehrerbietige Behandlung seitens des Siegers widerfährt, so wie sie Al-Ashraf Khalil gewährte. Doch wir haben die dargebotene Hand abgeschlagen, mit einem Hieb.“

„Und nun regiert das Gesetz der Blutrache?“

„So ist es, Bruder Pierre. Damit ist es ein aussichtsloser Kampf. Und das hat auch König Heinrich erkannt. Sein Schiff ist bald zum Auslaufen bereit, bereit die Blockade der Feinde zu durchbrechen. Er hat nicht vor, bis zum bitteren Ende auszuharren wie unser Großmarschall, dein Namensvetter.3

Betroffen hatte Caligny geschwiegen. Flucht? Dem Kampf ausweichen? Was hätte er darauf erwidern sollen? Irgendwas hielt ihn davon ab zu bemerken, wie ehrenvoll es sei für die Kirche, für das Kreuz, für den Orden zu sterben. Was genau es war, konnte er bis heute nicht sagen, selbst nachdem Thibaud Gaudin zum Großmeister des Ordens aufgestiegen und noch vor Ablauf eines Jahres dahingeschieden war.

„Wir müssen handeln“, hatten ihn die Worte Gaudins aus seinen Grübeleien gerissen, „und zwar noch in dieser Nacht. Wir müssen retten was es zu retten gibt, um den Orden für den Gegenschlag zu rüsten. Damit hat unser Großmarschall mich als den Hüter des Ordensschatzes beauftragt. - Versammle zwölf Getreue um dich und komm nach dem Nachtgebet unten in die Katakomben, an den Eingang des Tunnels zum Hafen.“

„Wir werden zur Stelle sein“, hatte Caligny erwidert, schwankend zwischen Verwirrung und großer Entschlossenheit.

„Und silentium!“, hatte Gaudin ihm eingeschärft. „Die Mameluken haben ihre Ohren schon überall.“

„Nur Gott ist mein Zeuge“, hatte Caligny voller Inbrunst eines jungen Ritters geantwortet.

„Und nun Gott mit Euch, Bruder Pierre.“

„Gott mit euch, Bruder Thibaud.“ Daraufhin hatte er sich traditionell bekreuzigt und verbeugt, um sich sodann schnellen Schrittes zu entfernen.

Fast bis zum Morgengrauen hatten sie dann schwere Kisten aufs Schiff gebracht, das dank den Johannitern und der Leibgarde des Königs bereit zu sein schien, den Durchbruch durch die feindliche Schar der Schiffe zu bestehen.

„Was bringt ihr da, Ritter Gaudin?“, hatte der Kapitän mit begehrlichem Blick auf die Truhen und Kisten gefragt. „Etwa den Schatz des Templerordens?“

„Aber gewiss doch“, hatte Gaudin ruhig geantwortet. „Den größten Schatz der Christenheit. Alte Schriftrollen aus der Zeit unseres Herrn Jesu Christi, Reliquien und Zeugnisse aus dem Heiligen Land. Hundert Jahre lang haben wir sie zusammengetragen und gehütet. Sollen wir sie jetzt etwa den Mameluken überlassen? – Meint ihr, Euer Schiff kann diese Schätze zum Heiligen Vater bringen oder werden diese Teufel obsiegen?“

„Macht Euch keine Gedanken um diese Schätze, Ritter Gaudin“, hatte der Kapitän voller Sarkasmus und mit kaum verhohlener Enttäuschung geantwortet. „Meinen König werde ich sicher in seine Heimat geleiten und wenn Ihr und Gottes Vermächtnis an Bord verbleibt, so soll es Euch auch gelingen.“

Auch wenn sie die Mameluken im Morgengrauen überrumpelt hatten, so waren die Kämpfe auf See doch sehr hart gewesen. Fast alle an Bord waren verwundet worden und drei von Pierres Getreuen waren ihren Verletzungen erlegen. Bei den Johannitern hatten sogar nur sieben überlebt. Die Leibgarde des Königs und die Schiffsbesatzung waren soweit geschwächt worden, dass es an ein Wunder grenzte, dass sie ihren Feinden entkommen waren. Mit Gottes Hilfe hatten sie dann auf verschlungenen Pfaden nach einigen Wochen den neuen Sitz des Templerordens in der Nähe der Stadt Paris erreicht.

Die Zeiten waren danach nicht besser geworden. Der Verlust des Königreiches Jerusalem hatte den Orden stark geschwächt und seitdem die Aufnahme von König Philipp, der zu Unrecht „der Schöne“ gerufen wurde, vom Großmeister Jacques de Molay verweigert worden war, standen die Zeichen auf Sturm.

Und nun dieser besondere Auftrag, bei dem ihn alles an jene Nacht vor sechzehn Jahren erinnerte. Ging es wieder einmal dem Ende entgegen, ging es wieder einmal fluchtartig davon?

Diese Fragen hielten sein Denken noch gefangen als er sich zur angegebenen Zeit beim verwaisten Brunnen einfand, der im spärlichen Licht kaum auszumachen war. Er lauschte, doch es war nur das seichte, beruhigende Geräusch des Wassers zu vernehmen. Es sprudelte wie von Geisterhand aus dem Stein hervor, was viele für ein Wunder Gottes hielten. Niemand widersprach, denn wenn bekannt würde, wie es sich wirklich zutrug, würde der Orden vollends in Ungnade fallen. Pierre de Caligny wusste zwar nicht wie der Baumeister es angestellt hatte, aber er wusste, dass er es sich bei den Mohammedanern abgeschaut hatte, die für ihren Emir dieses Wunder in jedem Palast vollbrachten, um sie in duftende Gärten zu verwandeln.

In seinen Erinnerungen schwelgend sog er genüsslich den Duft des Herbstes in sich ein, in dem noch keine Spur von Moder auszumachen war. Jede Jahreszeit hatte ihre eigenen Gerüche, selbst der Winter. Obwohl alle vom Frühling schwärmten, war ihm der Herbst, mit der reifen Schwere der Ernte am liebsten.

„Bruder Pierre“, hörte er jemanden leise sagen und er drehte sich um. Doch er sah nichts als das Dunkel der umgebenden Pflanzen. „Hier, beim Brunnen“, sagte die Stimme und diesmal meinte Caligny eine schemenhafte Bewegung zu erkennen. Langsam ging er auf jene Stelle zu, legte jedoch seine Hand auf Knauf seines...



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