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E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Wagner Kaputte Seelen

Die Auswirkungen von Kriegen, Pandemien und Existenzängsten auf die kindliche Psyche
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98641-060-5
Verlag: Mentoren-Media-Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Auswirkungen von Kriegen, Pandemien und Existenzängsten auf die kindliche Psyche

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-98641-060-5
Verlag: Mentoren-Media-Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Pandemien, Existenzängste, Naturkatastrophen, aber auch häusliche Gewalt, Mobbing und Armut belasten nicht nur Erwachsene, sondern vor allem die Kinder, die diese Auswirkungen direkt zu spüren bekommen. Gerade unser Nachwuchs muss neue Herausforderungen meistern, bei denen wir Erwachsene keine große Hilfe sind, da wir selbst damit zu kämpfen haben. Das belastet nicht nur das Miteinander in unserer Gesellschaft, sondern zerstört auch langsam die Psyche unserer Kinder. Sie können nicht mehr Kinder sein und gehen daran kaputt. Erfahren Sie in diesem Buch, was Sie als Eltern und Pädagogen unternehmen können, um Kinder vor solchen Bedrohungen zu schützen. Ines Wagner zeigt in diesem hilfreichen Buch auf, was die Gefahren unserer Gegenwart bei Kindern anrichten und wie Sie Ihren Nachwuchs idealerweise darauf vorbereiten können, mögliche Traumata erkennen und diese verhindern. Unsere Gesellschaft ist vielfältig. Lernen Sie, mit dieser Vielfalt umzugehen und die Zukunft unserer Kinder zu fördern.

Ines Wagner ist seit über 30 Jahren in der Pädagogik tätig. Neben ihrer Ausbildung zur Erzieherin, Heilpädagogin und Sozialpädagogin absolvierte sie 2012 die Fortbildung in Integrierter Lösungsorientierter Psychologie sowie 2021 die Ausbildung zum zertifizierten Neurocoach. Seit März 2023 macht sie eine Ausbildung zum Master of cognitive neuroscience. Heute ist Ines Wagner vorwiegend in der Lehre tätig, um ihr Fachwissen in der Entwicklungspsychologie in Verbindung mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen weiterzugeben. Ihre Mission ist es, gerade Pädagogen dafür zu sensibilisieren, mit herausfordernden (traumatisierten) Kindern zu arbeiten, sich an dieses schwierige Thema heranzuwagen und die eigene Angst davor zu besiegen.
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Einleitung


Seitdem ich weiß, dass sich ein Verlag für mein Buch interessiert, schreibe ich, wo immer ich bin. Heute sitze ich bei herrlichstem Sonnenschein am Cospudener See bei Leipzig.

Während ich überlege, was alles zum Thema Kind und Trauma gehören könnte, spielt sich am Nachbartisch folgende Szene ab:

Mutter: »So, kommt jetzt. Das Schiff legt gleich ab.«

Die zwei Jungs stürmen los, das Mädchen bleibt sitzen.

»Los, Clara, das Schiff wartet nicht auf dich Bummelliese!«

»Ich will nicht mit dem Schiff fahren.«

Mutter: »Natürlich willst du mit dem Schiff fahren.«

Clara: »Nein, will ich nicht.«

Mutter: »Doch, du willst!«

Die Stimme des Mädchens wird weinerlich.

Wird hier gerade ein Kind traumatisiert? Was glauben Sie, macht so ein Disput mit einem Kind?

Ich höre förmlich die Diskussion, die jetzt losgeht, mit. Erziehung hat heute sehr verschiedene Definitionen. Da sind zum einen die Eltern, die überbeschützend über ihre Kinder kreisen – im Volksmund als Helikoptereltern bekannt –, die würden ganz klar erstmal versuchen, das Kind mit überaus liebevollen Worten so lange zu überzeugen, bis es vor geistiger Erschöpfung mit auf das Boot will und die Eltern das Gefühl haben, mit Worten kann man ein Kind erziehen. Zum anderen gibt es dann auch die Eltern, die sagen: »Früher hätte es da keine Diskussion gegeben. Ab aufs Boot und fertig.« Und nicht zu vergessen sind die, die an der Stelle erkunden wollen, welche Bedürfnisse das Kind in dem Moment hat und wie sie zu befriedigen sind, sodass das Kind keinen Schaden nimmt für die weitere Entwicklung.

In jedem Fall passiert etwas mit dem Kind in dieser Situation. Es ist ein Lernprozess für Kind und Eltern:

Variante 1: Das Kind lernt, dass es einen eigenen Willen hat, der von den Erwachsenen nicht respektiert wird.

Variante 2: Das Kind lernt, dass es manchmal seine Privatinteressen dem der Mehrheit unterordnen muss

Im ersten Fall könnte das tatsächlich als traumatisches Erlebnis abgespeichert werden. Im zweiten Fall lernt das Kind die Grundregeln der Demokratie.

Was wir nicht vorhersehen können, ist das, was unsere Worte, unsere Intervention nun genau beim Kind bewirken. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, wie Resilienz, Frustrationstoleranz und vor allem eine sichere Bindungserfahrung.

Der Dialog geht weiter:

Mutter: »Auf dem Schiff gibt’s leckeres Eis.«

Clara: »Okay, ich will mit dem Schiff fahren.«

Sie sehen also: alles halb so schlimm. Kinder leben nach dem Lustprinzip. Sie denken nicht wie Erwachsene und sehen die Welt auch nicht wie Erwachsene.

Kaputte Seelen entstehen in der Regel davon nicht. Wir dürfen aus meiner Sicht den Begriff der Traumatisierung nicht so inflationär benutzen, wie es seit einiger Zeit Mode ist.

Wir müssen wieder lernen, zwischen Konflikten und Meinungsverschiedenheiten, die wir mit ein bisschen Anstrengung selbst lösen können, und den wirklichen Traumatisierungen, die unsere Seele kaputt machen und deren Auswirkungen wir ein Leben lang mit uns herumtragen, zu unterscheiden. Der Titel meines Buches soll genau das ausdrücken. Es beschreibt Traumatisierungen, die vor allem bei Kindern schwere Schäden an der Seele anrichten können. Ich möchte dabei besonders auf die neuen Herausforderungen eingehen, die unsere Kinder aktuell meistern müssen und bei denen wir Erwachsene nicht wirklich eine Hilfe sind, weil wir selbst damit zu kämpfen haben, diese Herausforderungen zu bewältigen. Damit meine ich beispielsweise die derzeitigen Kriege oder die Corona-Pandemie, die Auswirkungen auf uns haben und Existenzängste hervorbringen.

Die Kindheit und auch das spätere Leben sind niemals frei von Szenen, Worten oder Gesten, die uns missfallen und die uns sogar sehr weh tun. Ein wirkliches Trauma entsteht dadurch aber nicht. Das müssen wir unbedingt berücksichtigen. Ich möchte in diesem Buch ganz klar Traumatisierung von Konflikten abgrenzen. Ich möchte dafür sensibilisieren, die Psyche unserer Kinder (und auch die der Erwachsenen) zu stärken, statt sie weiter zu destabilisieren. Dafür ist es notwendig zu erklären, was genau die Abgrenzung zwischen Traumatisierung und Konflikt ist. Und vor allem, wie wir die Psyche der Kinder wieder stärken. Deshalb widme ich auch ein Kapitel dem Erziehungsverhalten. Starke Kinder bekommen wir nur, wenn wir ihnen etwas zutrauen. Und nicht dadurch, indem wir ihnen jeden Stein aus dem Weg räumen.

Wir leben in einer Zeit, in der wir keine täglichen Kämpfe ums blanke Überleben führen müssen. Säbelzahntiger und Mammuts, bei deren Anblick ich in Stress geraten könnte, gibt es nicht. Uns steht ein hohes Maß an Bildung zu. Die Forschung macht in den letzten Jahren große Entdeckungen, die uns das Leben erleichtern. Körperlich gesehen hat sich im Vergleich zum Leben meiner Eltern sehr viel getan. Möglicherweise verlieren wir dadurch aber einen Ausgleich, der uns dabei hilft, mit den vielen kleinen Mammuts im Alltag gelassener umgehen zu können.

Die Zahl der Menschen mit psychischen Auffälligkeiten nimmt seit Jahren stetig zu. Seit der Corona-Pandemie erst recht. Die Seelen unserer Kinder sind kaputter als in früheren Generationen. In meiner über 30-jährigen Berufspraxis kann und muss ich feststellen, dass die Seelen unserer Kinder kaputter sind als in früheren Generationen. Sie sind überempfindlich und sehr auf sich bezogen.

Als Therapeutin sehe ich diese kaputten Seelen auch bei meinen Klienten. Die Klienten sind nicht psychisch krank, haben keine Diagnosen – sie sind aber trotzdem kaputt. Wirre, ohne Plan, rastlos! Sie haben keine Handlungsstrategien mehr, können nicht mehr reagieren. Sie lassen sich steuern, haben schon längst ihre Eigenverantwortung aufgegeben, sind resigniert.

In Teams herrscht kollektive Depression. Die Arbeit ist schwer, die Bedingungen kaum noch zu ertragen. Man schleppt sich zur Rente oder zum Arbeitsamt. Man ist erschöpft, nicht nur abends nach der Arbeit.

Die Gesellschaft ist kaputt: Gespalten, verängstigt und verbittert. Wir wollten Flowerpower und haben Hass. Im Netz, im Straßenverkehr, in der Nachbarschaft, überall.

Wir beobachten zum wiederholten Mal unsere Nachbarn und weisen sie zurecht. Einfach so. Weil wir es können. Und weil es wieder gesellschaftsfähig ist. Unter dem Deckmantel Aufeinander aufzupassen werden wir gebeten zu petzen. Das abzuschaffen war ein Grund, weshalb ich 1989 auf die Straße gegangen bin. Nun ist es wieder da. Denunziantentum! Das macht uns kaputt. Vertrauen geht verloren, unser Sicherheitsempfinden müssen wir fast täglich neu justieren. Nichts ist verlässlich.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn wir für uns neue Werte festlegen und diese wie Löwen verteidigen. Unsere Werte kann uns keiner nehmen, die sind in meinem Kopf. Ob die Werte nun gut, also demokratisch sind oder ob die mich zum Diktator machen, ist egal. Hauptsache, ich habe für mich etwas Verlässliches. Und wenn der Nachbar auf dem Fußweg parkt, muss er eins auf die Mütze kriegen. So geht das doch nicht! Kaputte Welt – wohin man sieht!

Kinder leiden da besonders. Kaputte Eltern erziehen kaputte Kinder! Kinder brauchen starke Erwachsene, um zu starken Kindern heranzuwachsen. Stattdessen wachsen sie partnerschaftlich auf als Prinzessinnen und Prinzen mit eigener Bedienungsanleitung. Normalerweise bereiten wir die Kinder auf die Welt vor. Heute bereiten Eltern die Welt auf ihr Kind vor. Unsere Toleranz wird auf eine harte Probe gestellt. Vielfalt kennt keine Grenzen! Das alles zu verarbeiten, macht uns kaputt!

Nun kommen neue Bedrohungen: Pandemie, Krieg, Energiekrise, Klimaschutz, Klimaaktivismus … Wie soll man bei all dem noch resilient bleiben? Wir kriegen immer mehr auf die Mütze und sollen dabei noch fröhlich sein? Wem sollen wir glauben? Was sollen wir denken? Was dürfen wir sagen?

Ein bekannter Medienpädagoge hat mir neulich erzählt, dass wir in Deutschland zwar Meinungsfreiheit haben, aber keine Redefreiheit! Aha, so soll das also sein … da weiß man einfach nicht, was man sagen soll! Kaputte Seelen – überall!

Dabei geht es uns so gut wie nie. Wir haben keine existenziellen Ängste in unserem Sozialstaat. Wir müssen nicht hungern, haben ein Dach über dem Kopf. In der Bedürfnispyramide stehen wir ganz oben. Wir können uns selbst verwirklichen. Uns stehen alle Türen offen. Ich kann als Frau sogar Jobs machen, für die ich gar nicht kompetent bin. Es gibt ja die Geschlechterquote.

Also was macht uns dann so kaputt? Haben wir zu viel? Zu viel Zeit? Zu viel Wohlstand? Zu viel Bildung? Heute sind wir so viel schlauer als unsere Vorfahren. Studierende sind eingefahren in ihrer gelernten Ideologie, denken kaum noch über den Tellerrand hinaus. Ideologie geht über Gemeinwohl. Das macht kaputt! Wir gendern bis zur Ohnmacht, kleben uns für das Klima auf...



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