E-Book, Deutsch, 252 Seiten
Wagner Königsstrafe
2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-7890-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 252 Seiten
ISBN: 978-3-7412-7890-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marion Wagner lebt in Wilhelmshaven und hat erst mit 50 Jahren angefangen zu schreiben. Mit "Der Weihnachtsgruß" hatte sie sich an einem Wettbewerb beteiligt und die Geschichte ihres Vaters als Roman geschrieben. "Königsstrafe" ist der Folgeband von "Muddus", erschienen 2015 beim gleichnamigen Verlag. Die Handlungen spielen in den endlosen Weiten Schwedens und Lapplands.
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K2
Liza hatte kein gutes Gefühl und dachte nur, warum habe ich hier noch aufgeräumt, warum bin ich nicht sofort in den Wagen gesprungen und weggefahren.
"Hey Ole," sagte sie und bemühte sich um einen Ton, der ihre Angst nicht durchdringen lassen durfte. Die Station ist zur Zeit nicht besetzt
"Wieso, fragte er, nach meinen Informationen.....,"
"Ja, bestätigte sie, aber ich muss dringend zur Uni nach Stockholm, ich kann jetzt doch mein Praxissemester in Deutschland absolvieren, ist das nicht toll?"
"Für dich vielleicht, aber nicht für mich," sagte Gus. Der Ton gefiel Liza nicht, genauso wie sein fieser Gesichtsausdruck.
"Ja, mein Lieber.... sie wollte ihm zuerst anbieten, mit ihr zu fahren, ließ es dann aber. Wie gesagt, es tut mir sehr leid, aber mein Studium ist mir schon sehr wichtig, wenn du verstehst, was ich meine?"
"Ich verstehe dich durchaus, aber ich glaube, du verstehst mich nicht, könnte das sein? Du wirst mir jetzt die Tür aufschließen, denn ich habe Hunger und Durst und mein Fuß tut weh. Du hast doch bestimmt auch Verbandszeug, so was muss doch in einer Touristenstation sein?" Liza überlegte, wie sie ihn überlisten konnte.
"Dein Funktelefon, gib es mir, sagte er, ich muss meine Mutter anrufen. Ich habe ihr versprochen, mich regelmäßig bei ihr zu melden. Mit meinem Handy habe ich hier im Wald kein Glück." Liza schöpfte daraus für einen kurzen Augenblick die Hoffnung, dass alles stimmte, was er sagte und gab ihm ihr Funktelefon. Sie ärgerte sich über seinen rüden Ton.
Er nahm es, schmiss es auf den Boden und trat mit dem gesunden Fuß mehrfach darauf, dass es zerbrach.
"Was tust du da, was soll das?" Ihre Stimme wurde laut und schrill.
"Das brauchen wir nicht. Du wirst mir jetzt erst einmal meine Wunde versorgen und ich habe Hunger, was haben wir denn hier alles zu essen? Was siehst du mich so an, hast du etwa Angst vor mir?" Ihr Gesichtsausdruck gefiel ihm.
"Wieso sollte ich Angst vor dir haben, gibt es denn einen Grund?"
"Wenn du das machst, was ich dir sage, brauchst du keine Angst zu haben.
Ach ja, falls du auf dumme Gedanken kommen solltest, er zog die Waffe aus seiner Jackentasche, verschwende nicht den kleinsten."
Liza bemühte sich, keine Panik aufkommen zu lassen.
"Was willst du denn von mir, iss, trink, nimm den Wagen und verpiss dich."
"Wie redest du eigentlich mit mir." Er schlug ihr mit der Waffe ins Gesicht.
Der Schlag war so heftig und unvermittelt, dass Liza rückwärts stolperte und über einen Stuhl fiel.
"Merke dir eines, so redet man nicht mit mir." Liza hielt sich die Wange und versuchte, aufzustehen. Gus humpelte zu ihr und trat immer wieder nach ihr, während sie am Boden umher krabbelte.
"Lass mich in Ruhe, du Arschloch, was hast du für Probleme? Ich habe dir nichts getan."
"Du bist ungezogen, merkst du das nicht?"
"Ich bin ungezogen, schrie sie? Was bist du denn?" Es gefiel ihm, wie sie da vor ihm auf dem Boden lag zu winseln.
"Ich habe dir gesagt, was du machen sollst, aber du tust es einfach nicht. Du gibst freche Widerworte, schreist hier rum, das kann ich nicht durchgehen lassen."
"Wer bist du, dass du über mich bestimmst, häh?" Sie spuckte ihm die Worte förmlich entgegen. Ich werde dir jetzt Verbandszeug geben, Lebensmittel sind hier, sie zeigte auf den Herd und die Küchenzeile und dann verschwinden. Meinetwegen kannst du hier bleiben, bis du ver......"Sie beendete den Satz nicht, weil sie ihn nicht weiter provozieren wollte.
"Was kann ich, spuck es aus!"
"Na, bis du fertig bist mit dem Essen," kriegte sie gerade noch die Kurve.
"Nichts dergleichen, ich werde dir sagen, was du tun darfst, so läuft das nun mal." Sein Ton war bedrohlich und gemein.
Angst und Wut steigerten sich, dass Liza gar nicht mehr klar denken konnte.
"Du wirst mir jetzt zuerst meine Wunde versorgen und dann eine Pfanne Rühreier machen, hast du mich verstanden?" Liza stand langsam auf, behielt Gus aber im Auge, da sie eine weitere Attacke befürchtete. Der Erste-Hilfe-Kasten hing neben der Küchenzeile an der Wand. Er folgte ihrem Blick, hatte sich an den Tisch gesetzt und die Waffe sichtbar darauf gelegt. Schmerzverzerrt versuchte er, den Schuh auszuziehen. Er biss die Zähne zusammen und bemühte sich, keinen Ton von sich zu geben. Als Liza mit dem Verbandszeug neben ihm stand und den Fuß sah, tat sie einen tiefen Atemzug.
"Du musst zu einem Arzt. Ich habe einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, der Fuß ist schwer entzündet, Antibiotikum haben wir hier nicht".
"Du wirst doch eine Salbe haben, so was gegen Entzündungen, stelle dich nicht so beschissen an." Der Fuß stank bestialisch und Liza ekelte sich vor dem matschigen Anblick, ihr Magen drehte sich und sie musste würgen. Die Waffe greifen und einfach abdrücken, dachte sie. Sie hätte keine Skrupel. Vor kurzem, in einer hitzigen Diskussion, hatte sie noch den Standpunkt vertreten, selbst in Notwehr, sei man keinen Deut besser als potenzielle Täter. Nun musste sie es revidieren, diese eigene Erfahrung belehrte sie eines Besseren. Nur, was passiert, wenn die Waffe nicht echt oder sie gar nicht geladen ist, er nur blufft, dachte Liza. Er ist äußerst brutal, das hatte er ihr ja gerade bewiesen.
Wie weit würde er gehen? Liza zog sich Einmalhandschuhe an und holte tief Luft, als sie mit einer Schere den verdreckten, blutigen Strumpf aufschnitt. Dieser war an der Wunde festgeklebt. Mit einer Pinzette versuchte sie, die Wunde freizulegen. Gus gab keinen Laut von sich, Schweißperlen bildeten sich in seinem Gesicht, was Liza nicht verborgen blieb. Mit einem Alkohol getränkten Wattebausch reinigte sie den Rand der Wunde und tropfte Jod darauf, ohne ihn vorher zu warnen. Ruppig legte sie einen neuen Verband an.
"Du altes Miststück, willst du mich umbringen, schrie er sie an?" Jetzt, hier, gleich, sofort, dachte sie und sah ihn hasserfüllt an. Ihre Augen versprühten Blitze, der Blick auf die Smith & Wesson war seine Antwort.
"Du weißt, dass diese unbehandelte Entzündung dazu führen kann, Fuß oder das ganze Bein zu verlieren?" Wäre er ein ganz normaler Typ gewesen, hätte sie ihm von ihrem Antibiotikum gegeben, was sie immer für den Notfall in ihrer Handtasche hatte. Dieses war zwar für ihre labile Blase bestimmt, aber hätte evtl. auch ihm Linderung verschaffen können.
"War doch gar nicht so schlimm, sagte er und jetzt habe ich Hunger."
Liza überlegte, ob sie ihm von hinten mit der Pfanne eins über den Schädel ziehen konnte, war sich aber bewusst, dass er sie nicht aus den Augen ließ. Vielleicht wird er nach dem Essen müde und schläft ein, es waren noch nicht alle Chancen vertan.
Als sie die restlichen Eier in eine Schüssel geschlagen hatte, vermischte sie diese mit Milch und goss die Flüssigkeit in die Pfanne. Ich könnte sie ihm auch heiß ins Gesicht knallen. . Bitte, bitte, ein paar unangemeldete Wanderer, schickte sie ein Stoßgebet mit Blick nach oben auf den Weg. Der frisst und schmatzt wie ein Neandertaler, dachte Liza, als hätte er Tage nichts zu essen bekommen und sah ihm dabei angewidert zu.
"Was ist da unter dem Teppich?"
"Unter dem Teppich, was soll da sein, die Holzdielen, wie in diesem ganzen Raum."
" Hältst du mich für blöde? Nimm den Teppich hoch, ich will es sehen". Liza erstarrte und bewegte sich ganz langsam auf den Teppich zu. Sie hob ihn an ihrer äußeren rechten Seite an, sodass Gus nicht darunter sehen konnte.
"Holzdielen, sag ich doch, unter dem Teppich ist nichts, wie kommst du darauf?"
"Du zeigst mir doch auch in diesem Augenblick, wie böse du wirklich bist. Du nimmst den hinteren Teil des Teppichs, hebst die Ecke bewusst dort an, damit ich die Kellerluke nicht sehen kann, ist das richtig?" Liza bekam einen roten Kopf.
"Sag mal, kennst du das
"Bist du völlig durchgeknallt, du Idiot, was willst du? Ich fahre jetzt nach Stockholm, ich lasse mir von dir doch nicht meine Chance versauen."
Gus erhob sich und ging auf Liza zu. Drohend stand er vor ihr und schlug sie genau so unvermittelt ins Gesicht, wie beim ersten Mal. Jetzt aber so stark, dass sie mit dem Kopf gegen den Holzkorb fiel und regungslos am Boden liegen blieb. Blut lief aus Nase und Mund. Gus hatte höllische Schmerzen in seinem Fuß, das Herunterbeugen steigerte diese noch, er zog den Teppich zur Seite und öffnete die Luke. Ein feuchtes, erdiges Schimmelgemisch bahnte sich seinen Weg hinauf in die Küche. Aus seinem Rucksack nahm er zwei reißfeste Nylonbänder , band Hände und Füße des Mädchens zusammen und stieß sie die Stufen hinunter. Mit einem dumpfen Gepolter fiel sie auf den feuchtkalten Boden des Kriechkellers. Eine Tüte mit alten Brötchen und 6 Tetra Packs Apfelsaft von der Küchenzeile schmiss er hinterher. Die Pfanne mit den angebrannten Rühreiern ebenfalls. . Gus schloss die Luke und legte den Teppich wieder ordentlich darüber. Er nahm Waffe, Rucksack, Verbandskasten und verließ die...




