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E-Book, Deutsch, 236 Seiten

Wagner Muddus


3. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-5949-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 236 Seiten

ISBN: 978-3-7392-5949-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Wald gab ihm Ruhe, inneren Frieden, aber auch Kraft. Hier konnte er sein, wie er war. Hier brauchte er sich nicht zu verstellen. Ein Adoptivsohn zerbricht an dem Wissen, von den leiblichen Eltern abgelehnt worden zu sein und rächt sich an seiner Umwelt. Die Handlung spielt in den Weiten Lapplands im Naturreservat Muddus, der diesem Buch den Titel verleiht.

Autorin lebt in Wilhelmshaven, ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Sie liebt Schweden, sowohl als Urlaubsziel als auch als Tatorte ihrer unzähligen gelesenen Krimis. Vor sieben Jahren schrieb sie die Lebensgeschichte ihres Vaters "Der Weihnachtsgruß" als Roman beim gleichnamigen Verlag.
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Kapitel 1.


Tuva hatte einen langen Weg vor sich, wieder einmal, im Muddus. In Schwedens größtem Nationalpark zu arbeiten, bedeutete alles für sie, Job, Hobby und Lebensfreude zugleich. Wer hatte schon dieses Glück, wie oft hatte sie sich dieses Frage gestellt. Von Kindheit an hielt sie sich lieber draußen in der Natur auf, als vor dem PC oder Fernseher. Mit ihrem Großvater, der damals als Jagdaufseher tätig war, durch die endlosen Wälder Lapplands zu streifen, oder auf den mosaikartig angelegten Seen auf Bibersafari gehen, Höhlen zu erkunden und nachts unter freiem Himmel im Zelt zu schlafen. Aber auch im Winter mit dem Hundeschlitten durch die verschneite Landschaft zu gleiten, wenn die Natur sich unter der massigen Schneedecke ausruhte. Die klirrende Kälte im Gesicht zu spüren, wenn der glitzernde Schnee auf gepflügt wurde und die Hunde in ihrem Element waren. Stian verstand es, wunderbare gruselige Geschichten zu erzählen, aber Angst hatte Tuva nie. Ihr Großvater hatte lachende Augen, die so liebevoll und gutmütig waren, dass er selbst, wenn er ernst redete, nie ernst aussah. Oft hatte Tuva solche Situationen ausgenutzt, insbesondere, wenn er sie „erziehen“ wollte, hatte sie ihn damit aufgezogen. Dann endete das „ernste Gespräch“ wie er es nannte, immer in schallendem Gelächter, seines eingeschlossen.

Heute war sie erwachsen und streifte allein durch den Nationalpark, um nach dem Rechten zu sehen.

Ein kleines Zelt, Verpflegung, ihre Dienstwaffe und das Funktelefon waren ihre einzigen Begleiter. Ihre Aufgabe war es, im Park für Ordnung zu sorgen, Bootsstege zu reparieren, Touristenplätze zu inspizieren und nicht zuletzt die Population der Bären, Luchse und wilden Rentiere zu registrieren.

Funkverbindung hatte sie zur Station im Camp Äventyr in Malmberget, welches ihre Großeltern betrieben, seit dem Stian sein offizielles Amt niedergelegt hatte. In den Ferien kamen manchmal Schüler und Studenten, die sich in der Saison etwas dazuverdienen wollten. Auf dem Gelände standen 15 urige Holzhäuser, jedes gemütlich und individuell eingerichtet, sowie ein Haupthaus mit kleinem Restaurant und Sanitärbereich. Die Aufenthalte wurden einschließlich Verpflegung, Exkursionen mit Rentieren in den Park sowie Hundeschlittenfahrten im Winter angeboten. Zur Sauna gehörte seit kurzem auch ein Jacuzzi. Die Gäste waren hellauf begeistert, wenn sie erschöpft von ihren Wanderungen ins Camp zurückkehrten.

Mittsommer war gerade vorüber, die Natur zeigte sich in ihrer farbenfrohen Pracht und die ersten Moosbeeren leuchteten knallrot in Teppichdichte am Boden. Die Sonne ging nicht unter in dieser Jahreszeit und das glitzernde Wasser des Muddus Jaure funkelte selbst am Tag wie eine überdimensionale Schale voller Silber.

Tuva hatte sich an ihrem Stammplatz des Sees das kleine grüne Zelt aufgestellt und die kleinen Schmeckhappen, wie sie ihre Großmutter nannte, ausgepackt, die vom Mitsommerfest übrig waren. Es trennte sie ca. 25. km vom Camp. Der uralte verbeulte und verrußte Teekessel ihres Großvaters gab den ihr seit Kindertagen vertrauten Pfeifton von sich und sofort wurden die Erinnerungen aus eben dieser Zeit wieder wach, sogar die heimelige Stimme ihres Großvaters pustete er Tuva ins Ohr. Mit dieser Stimme assoziierte sie Schutz, grenzenloses Vertrauen und Geborgenheit. Das hatte sie stark gemacht für ihr Leben.

Dieses war geprägt von Mette und Stian, sie hatten ihr das Zuhause mit einer behüteten, glücklichen Kindheit gegeben, welches ihr von ihren leiblichen Eltern verwehrt blieb. Sie kannte sie nicht einmal. Voller Liebe und Dankbarkeit waren immer die Gedanken an ihre Großeltern. Aber auch jetzt noch bekam sie jedes Mal Verhaltensregeln mit auf den Weg, wenn sie für 2 bis 3 Tage in die Wildnis zog, um ihrer Arbeit nachzugehen. Das Zusammenleben mit ihren Großeltern gestaltete sich stets unkompliziert, denn Tuva wohnte zusammen mit ihnen in ihrem Haus auf dem riesigen Areal und hatte oben ihr eigenes Reich. Es war ein heimeliges Holzhaus mit der typisch nordisch roten Farbe mitten in einem liebevoll gepflegten Garten. Wildwuchs mit leuchtend bunten Stauden und Sträuchern bildeten eine harmonisch geordnete Unordnung. Ein weißer Metallzaun gab diesem Heim die optische Sicherheit und grenzte das Haus ein wenig von den Gästeunterkünften ab. Großeltern und Enkeltochter ließen sich gegenseitig den erforderlichen Freiraum ohne Kontrolle, waren aber stets für einander da. Hin und wieder führte Tuva auch eine Wandergruppe zum Muddus Wasserfall, wo das Schmelzwasser aus 42 m Höhe von den Bergen mit dem ewigen Schnee in einem gewaltigen Strom zu Tal rauscht. Die Luft in unmittelbare Umgebung war ständig mit einem hauchfeinen Nieselfilm durchzogen. In dieser Woche hatte sich keine Gruppe angemeldet und sie konnte in aller Ruhe den Steg für die Kanufahrer in Augenschein nehmen, der schon bessere Zeiten erlebt hatte. Erst zum Ende der Woche hatte eine Hand voll Lehrer aus Stockholm eben diesen Ausflug zum Wasserfall gebucht.

Es war still, sehr still, stiller als sonst, wenn es einfach nur still war. Die Geräusche des Waldes schienen einfach abgestellt. Tuva spürte eine leichte Anspannung. Im Nacken begannen sich die kleinen Haare auf zu richten. . ., sie atmete tief ein, behielt die klare Luft in ihren Lungen und blieb regungslos vor ihrem Zelt sitzen. Wären Elch oder Bär der Grund, gäben die kleineren Tiere Warntöne von sich, sie wusste es sowohl von Stian, als auch aus eigener Erfahrung. Aber auch ihre eigenen kognitiven Wahrnehmungen der vergangenen Jahre ließen jetzt keine Entspannung mehr zu. Ihre Waffe für den Notfall hatte sie griffbereit. Geübt lautlos griff sie nach ihrer Smith & Wesson KAl.38 und entsicherte sie in der rechten länglichen Beintasche ihrer Hose mit einem kurzen kaum wahrzunehmenden Klick, indem sie die linke Hand als Schallschutz darüber hielt. Mette hatte genau für diesen Zweck diese rechte untere Hosentasche vergrößert und mit Flies präpariert, nachdem sie vor nicht allzu langer Zeit eine unangenehme Begegnung mit einem verletzten Bären hatte. Sie arbeitete nun schon fast 3 Jahre in ihrem Job und konnte sich nicht erklären, warum sie diese diffuse Unruhe spürte. Es gab immer eine plausible Erklärung für alles, nur heute erschloss sich ihr keine. Sie saß ca. 30 Minuten in dieser Starre, was ihr ein fast bewegungsloser Blick nach links unten auf ihre Armbanduhr verriet. Nach weiteren 15 Minuten war es, als hätte sich die Natur nach einer überlangen Atempause zurück gemeldet mit allen Geräuschen, die sie zu bieten hatte .Aufgrund der vorausgegangenen fast unheimlichen Stille war dieses Empfinden extrem.

Tuvalus Herzschlag beruhigte sich wieder, sie erhob sich langsam und streckte ihre Beine nach vorn und hinten. Der Blutstrom der Extremitäten machte sich mit starkem Kribbeln bemerkbar und sie ging vorsichtig einige Schritte um ihr Zelt herum. Da es auch ein Vogelschutzgebiet war, in dem sie sich aufhielt, teilten ihr diese kleinen und großen Bewohner in voller Lautstärke mit, dass sie noch da waren. Tuva beschloss daher, nicht weiter umher zu laufen und früh in ihren Schlafsack zu krabbeln, damit sie früh am Morgen mit den Ausbesserungsarbeiten des Steges beginnen konnte. Danach stand noch eine weitere Touristenstation auf dem Plan. Sie löschte das kleine Feuer mit dem restlichen Tee, rollte sich in ihren Schlafsack und sehnte den entspannenden Schlaf herbei, was aber nicht funktionierte. Einerseits bemühte Sie sich, sich dieses Gefühl selbst zu erklären, andererseits begab sie sich damit aber auf ein Terrain, nämlich das unvermeidliche Eingeständnis. . . Angst zu haben. Stian sagte immer: " Kind, Angst ist ein schlechter Begleiter in diesem Beruf, dann solltest du darüber nachdenken, ob es vielleicht nicht der richtige für dich ist.

Als sie ihre Augen öffnete und auf die Uhr blickte, stellte sie fest, dass sie doch eingenickt war. 4.00 Uhr, sie war glücklich, diese unerklärliche Situation hinter sich gelassen, ohne panische oder unkontrollierte Fehlentscheidungen getroffen zu haben. Da es nach wie vor hell war, kochte sie sich einen Tee und aß eine Zimtschnecke. Die Natur gab alle vertrauten Geräusche her, die sie so liebte und doch . . . dieses alte ihr vertraute, unbeschwerte Gefühl war noch nicht in Gänze zurück. In ihren zahllosen Krimis, die sie verschlungen hatte, stand dann dieser banale Satz. . . das Gefühl beobachtet zu werden. Diese Ohnmacht war für Tuva unerträglich, denn sie hasste es, vor irgendjemandem oder irgendetwas Irrationalem Angst zu haben. Machtspiele und Erniedrigungen, all das kannte sie von der Schule zur genüge. Schließlich beobachten doch auch Tiere, mit diesem Gedanken wollte sie den neuen Tag beginnen. War es vielleicht doch nur ein übler Traum?

Tuva war schon immer ein wenig anders als ihre Klassenkameradinnen gewesen, schminkte sich nicht und hatte auch nicht das Bedürfnis in die Disko oder ins Kino zu gehen. Selbst dann wäre es alles nicht mal eben um die Ecke gewesen, dafür lag das Camp zu abgelegen. Sie hatte eine einzige Freundin. Sonja. Sonja hatte die gleichen Interessen wie sie. Aber noch vor Beendigung der Schule zog sie mit ihrer Familie nach...



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