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E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Wagner Oachkatzlkiller

Kriminalroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98707-265-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-98707-265-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Herrlich komisch, spannend und mit einer Prise Romantik. Doro wurde gerade von ihrem Ehemann verlassen, und Gabi hadert mit dem Auszug ihrer Tochter. Beide wollen im Wellnesshotel »Oachkatzlhof« ihre Probleme für ein paar Tage vergessen. Doch dann erschüttert ein Mord die Idylle, und Gabi ist die Einzige, die mit Sicherheit weiß, dass der Hauptverdächtige unschuldig ist. Heimlich machen sich die Freundinnen auf die Suche nach dem wahren Täter und entdecken hinter der heimeligen Fassade des Hotels so manches sündige Geheimnis ...

Marion Wagner lebt mit ihrer Familie, zwei Katzen und vier Hühnern in der niederbayerischen Gemeinde Thyrnau, nahe der Dreiflüssestadt Passau. Bereits in der Grundschule prophezeite eine Lehrerin: »Das Kind wird mal ein Buch schreiben.« Sie hat recht behalten.
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3


»Na, ausgeschlafen?«

»Hm.«

Gabi ist ein wenig blass. Unter ihren Augen zeichnen sich dunkle Schatten ab. Oje, das sieht nach einem üblen Kater aus.

»Ich hol dir einen Kaffee.«

»Hm.«

Gabi blickt kaum auf, als ich die Tasse mit dem dampfenden schwarzen Getränk vor ihr auf dem Tisch abstelle. Sie bestreicht gerade eine halbe Semmel mit Nutella. Eine Tätigkeit, die offenbar ihre volle Aufmerksamkeit erfordert.

»Kopfweh?«

»Hm.«

»Dann war der zweite Aperol gestern wohl schlecht, oder?«

Endlich erscheint ein schwaches Lächeln auf Gabis Gesicht. Die Nutella-Semmel ist anscheinend zu ihrer Zufriedenheit bestrichen, und sie beißt hinein.

»Rührei? Riech mal, wie phantastisch der Speck duftet …«

Gabi gibt ein leichtes Würgen von sich. Das heißt wohl: eher nicht.

Ich stehe auf und gehe zum Büfett. Hach, Hotelbüfetts sind doch was Wunderbares! Wenn ich mit Michi unterwegs war, gab es morgens immer Unstimmigkeiten zwischen uns. Während er vollauf damit zufrieden war, eine Scheibe Vollkorntoast mit Butter mit einer Tasse schwarzem Kaffee hinunterzuspülen, schwelgte ich in den farbenfrohen Wurst-, Käse- und Obstarrangements und wollte einfach alles probieren. Eier in sämtlichen Zubereitungsvariationen, verschiedenste Müslimischungen, Marmeladen, raffinierte Aufstriche, entzückende Küchlein, frisch gepresste Fruchtsäfte, in Schokoladensoße ertränkte Windbeutelchen, knusprige Semmeln, fluffiges Weißbrot, kunstvoll verzierte Melonenscheibchen, Ananas, Mango und Apfelstückchen. An der Tiefe der Furche auf Michis Stirn konnte ich in etwa ablesen, wann es Zeit war, das Besteck zur Seite zu legen. Heute habe ich kein vorwurfsvolles Stirnrunzeln im Genick, darum nehme ich mir Zeit. Ein Scheibchen Lachs liegt bereits auf meinem Teller. Ich kleckse einen kleinen Tupfer Meerrettich daneben und dekoriere das Ganze mit einem Petersiliensträußchen.

Während ich eine Scheibe Toastbrot durch den Röster schicke, wandert mein Blick durch den Frühstücksraum. Jeder Platz scheint besetzt. Es herrscht gerade Hochbetrieb im Hotel Oachkatzlhof. Es gehört Gabis Bruder Alois, aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb Gabi und ich hier jedes Jahr ein paar Freundinnentage verbringen. Das Hotel punktet neben der Verwandtschaftsbeziehung mit einer traumhaften Lage im Bayerischen Wald, einem phantastischen Wellnessbereich und einer hervorragenden Küche. Und einen Ironman a. D. als Poolnudel-Trainer hat schließlich auch nicht jeder.

Michi und ich sind immer in Adults-only-Häusern abgestiegen. Es war ihm wichtig, seine Vollkornbrotscheibe nicht in Anwesenheit von plärrenden, herumrennenden Kindern verzehren zu müssen, die das Muffinkörbchen plünderten und sich mit Tomaten bewarfen. Und noch wichtiger: Er wollte keine Belästigung durch keifende Eltern, die ständig damit beschäftigt sind, Klein Jolanthe und Pierre-Elvis davon abzuhalten, alle vorhandenen Brötchen auszuhöhlen, weil das Innere viel besser schmeckt als die Kruste. Ich habe nichts gegen Kinder, kann aber durchaus auf den Anblick von Gurkenstiften in Nasenlöchern verzichten, weshalb ich mit dem Arrangement auch immer sehr zufrieden war. Ich habe sowieso nie verstanden, weshalb sich die Gemüter an dieser Adults-only-Diskussion stets so erhitzen. Mal ehrlich: Diejenigen Häuser, die beschließen, sich auf erwachsene Gäste zu beschränken, sind in der Regel ohnehin selten mit einem Outdoor-Funpark inklusive Superbuddelsandkiste, extralanger Wellenrutsche und XXL-Trampolin ausgestattet und bieten weder Ponyreiten noch T-Shirt-Malaktionen an. Hätte ich Kinder, würde ich vermutlich kein Hotel in Erwägung ziehen, das beim Abendbüfett Schalentiere, exotisch gewürzten Gemüsepamp, Tintenfischringe oder gar Rosenkohl auftischt anstatt einer großen Schüssel Pommes mit Ketchup. Aber »Du darfst hier nicht rein« hört wahrscheinlich niemand gern. Und schon gar nicht, wenn der Grund dafür die entzückende kleine Amelie-Rose ist, die sich stets tadellos benimmt und für ihr Leben gern Rosenkohl mit Schalentieren isst.

Hier im Frühstücksraum des Oachkatzlhofs sehe ich einige Kinder, aber soweit ich es erkennen kann, hat keines davon Gurkenstifte in der Nase. Auch fliegende Tomaten sind nicht zu sehen.

»Guten Morgen«, höre ich plötzlich eine Stimme neben mir, ungefähr in Höhe meines Ellbogens.

Ich senke den Blick. Ein Mädchen. Mangels Erfahrung tue ich mich schwer, das Alter von Kindern einzuschätzen. Fünf Jahre vielleicht? Zwei blonde Zöpfe stehen links und rechts von ihrem Kopf ab. Sie sieht sehr niedlich aus in ihrem hellblauen Kleidchen. Auf der Brust ist ein Bild aufgedruckt von der … der Blonden aus dem Disney-Film. Der, die dauernd alles einfriert und dabei singt.

»Ich weiß, wer du bist«, flüstert sie verschwörerisch.

»Echt?« Mehr fällt mir im Moment nicht ein.

Die Kleine wirft einen Blick über die Schulter. Dann flüstert sie: »Ja. Aber keine Sorge. Ich sag nix.«

»Okay …«

»Ich bin die Antonia. Aber du darfst Toni zu mir sagen. Hach, wenn ich das dem Papi erzähle!« Dann fällt ihr offenbar ein, dass sie mir vor zehn Sekunden noch Stillschweigen versprochen hat. Worüber auch immer. »Dem Papi darf ich doch … Ich sag meinem Papi immer alles. Aber sonst niemandem. Ich schwöre! Auch nicht der Karlotta. Die ist eh doof. Und auch nicht dem Finn-Ole. Und auch nicht der Luise …«

Ich hebe die Hand. »Schon gut.« Mein Toastbrot purzelt aus dem Röster, und ich lege es auf meinen Teller. »Nett, dich kennenzulernen, Toni. Ich bin die …«

»Pssssst!«, fällt mir das Kind ins Wort. »Mein Papi sagt, berühmte Leute sind oft ganz arme Schweine, weil die nie ihre Ruhe haben und dauernd fotografiert werden. Aber ich sag nix«, bekräftigt sie noch einmal.

Ich habe keine Ahnung, was das Mädchen von mir will. Als Modefotografin schafft man es in der Regel weder auf Kinoleinwände noch in Hochglanzzeitschriften. Das Blitzlichtgewitter findet in der Regel vor meiner Linse statt und spart mich dabei aus. Also woher glaubt das Mädchen mich zu kennen?

»Aha. Wo ist denn dein Papi?«, erkundige ich mich.

Die Kleine blickt sich suchend um. »Er wollte sich einen Obstsalat holen. Ah, da!«

Sie deutet auf einen hochgewachsenen, etwas mageren Mann im gestreiften Poloshirt. Er trägt eine silberne Brille mit runden Gläsern, die ihm von der Nase rutscht, als er versucht, den kleinen Hebel der Milchkanne umzulegen, während er in einer Hand einen Teller mit gelber Masse – ich denke, es ist Rührei – und in der anderen eine Schüssel mit Melonenstückchen und Haferflocken balanciert. Die Milch soll wohl über die Haferflocken. Ich beobachte, wie das Rührei bei der einhändigen Bedienung des Milchhebels ebenso ins Schlingern gerät wie seine Brille, und sehe eine Riesensauerei auf seine beige Leinenhose zukommen.

»Warten Sie, ich helfe Ihnen!«

Mit ein paar Schritten bin ich bei dem Mann und drücke den kleinen silbernen Hebel an der Kanne. Die Milch ergießt sich freundlich über die Haferflocken. Rührei und Leinenhose sind gerettet. Nur die Brille hängt noch etwas schief auf seiner Nase.

»Darf ich?« Ich lächle freundlich und stupse das Gestell an seinen bestimmungsgemäßen Platz zurück. Bernsteinfarbene Augen blicken mich durch silberne Ränder überrascht an.

»Äh, danke. Vielen Dank. Ich war … ich bin … also, hier ist aber auch nirgendwo Platz …«, stammelt er und macht eine hilflose Geste mit seinen beiden tellerbeladenen Händen.

»Das hätte jetzt eine ziemliche Sauerei geben können«, stelle ich lachend fest. »Aber ist ja noch mal gut gegangen. Ich bin übrigens …«

»Papiii!« Toni taucht neben ihrem Papa auf und umschlingt seine Hüfte mit den Armen. »Erkennst du sie? Erkennst du sie? Ist es nicht der Wahnsinn, dass sie hier ist? Ich bin so aufgeregt!«

Tonis Papa guckt etwas ratlos. »Spätzchen, ja … ich … äh …« Es ist ihm offenbar unfassbar peinlich, eine derart berühmte Persönlichkeit wie mich nicht zu erkennen.

»Papiiii!« Tonis Zöpfe zittern vor Aufregung. Sie nimmt meine Hand und verkündet feierlich: »Papi, das ist Schneewittchen. Ich habe sie sofort erkannt, an dem Zopf und dem käsigen Gesicht. Schau!« Sie deutet auf meinen Kopf. Unwillkürlich umfasse ich den dicken Zopf, mit dem ich mein langes schwarzes Haar zusammengefasst habe. Das Kind hält mich für eine Märchenprinzessin. Ich sollte mich wohl geschmeichelt fühlen. Immerhin hätte sie auch sagen können: »Das ist Ursula, die Meerhexe.«

»Äh, weißt du …« Wie reagiert man in so einer Situation pädagogisch wertvoll? Das Kind ist außer sich vor Freude über seine Entdeckung. Es hüpft von einem Bein aufs andere und blickt erwartungsvoll zwischen seinem Papa und mir hin und her. Darf ich dem Mädchen sagen, dass ich zwar dunkelhaarig und von eher blasser Hautfarbe sein mag, jedoch keine Bekanntschaft mit Zwergen pflege? Würde die Enttäuschung die zarte Kinderseele schädigen, sodass es später das Trauma in einem bequemen Ledersessel aufarbeiten muss, während ein älterer Herr mit Stirnglatze sich Notizen macht? Andererseits, wo kommen wir denn hin, wenn man einem Kind alles erzählt, was es hören will, nur weil es einen mit großen bernsteinfarbenen Augen – übrigens exakt die gleiche Farbe wie beim Vater – anstrahlt? Echt jetzt!

»Also, ich … weißt du … da hast du mich aber jetzt erwischt. Erzähl es bitte nicht weiter, okay? Wenn ich nicht daheim bin, in … also im Wald … dann nenne ich mich Doro. Magst du mich auch so nennen?«

»Doro«, flüstert Toni sichtlich...


Wagner, Marion
Marion Wagner lebt mit ihrer Familie, zwei Katzen und vier Hühnern in der niederbayerischen Gemeinde Thyrnau, nahe der Dreiflüssestadt Passau. Bereits in der Grundschule prophezeite eine Lehrerin: »Das Kind wird mal ein Buch schreiben.« Sie hat recht behalten.

Marion Wagner lebt mit ihrer Familie, zwei Katzen und vier Hühnern in der niederbayerischen Gemeinde Thyrnau, nahe der Dreiflüssestadt Passau. Bereits in der Grundschule prophezeite eine Lehrerin: »Das Kind wird mal ein Buch schreiben.« Sie hat recht behalten.



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