Pont-Canal und Emaille-Kunst
Briare
Das geschäftige kleine Städtchen am rechten Ufer der Loire hat Flair: Malerische Kanäle durchziehen den 5100-Einwohner-Ort mit seinen beiden Häfen, einer alten Reede, den kleinen Brücken und Schleusen. Besonders ein Monument zieht Besucher magisch an: der Pont-Canal - die 662 m lange Kanalbrücke über den Fluss.
Beliebtes Ziel bei Radtouristen: die Kanalbrücke von Briare
Durch seine günstige Lage an der Loire florierte Briare schon früh als Handelsstadt. Und seit der Eröffnung des Briare-Kanals, auch Canal de Henri IV. genannt, erlebte das Städtchen dank der Kanalschifffahrt einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. Heinrich IV. hatte den Bau 1604 angestoßen, der Kanal sollte die Seine mit dem Loire-Becken verbinden, damit die wachsende Pariser Bevölkerung besser mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln versorgt werden konnte. Doch erst unter Ludwig XIII. wurde der Kanal fertiggestellt und im Jahr 1642 eröffnet. Die Wasserstraße war so bedeutsam, dass nach dem Tod des Monarchen zu seinen Ehren 1000 Boote und Schiffe von Briare nach Paris fuhren.
Mit dem Pont-Canal gewannen Handel und Wassertransport im späten 19. Jh. nochmals eine neue Dimension, denn mit der Kanalbrücke ging auch der Bau des neuen Loire-Seitenkanals einher. Dieser war notwendig geworden, weil der alte Seitenkanal beim Nachbarort Châtillon-sur-Loire durch die Loire unterbrochen war, sodass Schiffe zwischen den Schleusen Mantelot und Combles ein kurzes Stück die Loire passieren mussten, was witterungsbedingt ein gefährliches Unterfangen war. Briare zählt seither drei Kanäle - den Briare-Kanal, den alten, nur noch zum Angeln genutzten und den neuen Loire-Seitenkanal - und trägt daher den Beinamen Briare-le-Canal.
Der Ort ist außerdem als Cité des Émaux und Cité des Perles bekannt, denn das Städtchen war auch eine Hochburg der Produktion von Porzellanknöpfen sowie von Perlen und Mosaiken aus Emaille. Dem Industriellen Jean-Félix Bapterosses, der das Kunsthandwerk forcierte, widmete man 1897 denn auch ein Denkmal auf der Place de la République vor der Kirche Saint-Étienne. Um den belebten Platz und entlang der D 957, die den Ort passiert, befindet sich das Zentrum mit Geschäften und Restaurants.
Gemütlicher lässt es sich am Ufer der Loire oder entlang der Kanäle flanieren. Der Briare-Kanal führt durch den Port de Plaisance, wo vornehmlich einfache Boote, Hausboote und Yachten liegen. Am Ufer erinnert ein altes Fischerboot mit Häuschen, eine toue cabanée, an frühere Zeiten. Kleine Bogenbrücken überspannen die Wasserläufe. Zur Loire hin liegt neben dem kleinen Hafen die alte Reede, wo Boote früher auf die Weiterfahrt warteten. Zwischen diesem Halteplatz und der Loire kann man die Schleuse Baraban bewundern. Eine weitere befindet sich beim Port de Plaisance neben der Hafenmeisterei (capitainerie). Daneben fallen Skulpturen von Marceau Jacazzi auf, die der Künstler aus Châtillon-sur-Loire der Stadt Briare schenkte. In der Ferne ragt ein Eisenbahnviadukt empor, auf dem Züge den Briare-Kanal überqueren, und seitlich des Briare-Kanals ein Kriegerdenkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs mit Sonnenmosaik. Weitere solcher Mosaiken sind im Emaille-Museum ausgestellt, es ist dem Kunsthandwerk gewidmet. Nur ein paar Fußminuten davon entfernt liegt das Backsteinschlösschen Trousse-Barrière aus dem 19. Jh. mit einer hübschen Parkanlage davor. Darin finden Kunstausstellungen statt, und im ersten Stock sind Ateliers eingerichtet.
Das zweite Schloss von Briare ist von einem Wassergraben umgeben, hier ist das Rathaus untergebracht. Einst war es Sitz der Compagnie des Seigneurs du Canal de Loyre en Seyne, Frankreichs erster Kapitalgesellschaft. Das Städtchen verfügt zudem über einen alten Handelshafen (Port de Commerce), inzwischen ankern dort Touristenschiffe. Von hier ist es nur einen Katzensprung zur gigantischen Kanalbrücke.
| GPS-Tour 1: Kanalrunde über den Pont-Canal von Briare zur Schleuse von Mantelot Gemütliche Rundtour auf Deichen und alten Treidelrouten.
Sightseeing
Pont-Canal: Das faszinierende Bauwerk überspannt die Loire rund 8 m über dem Normalpegel und verbindet Briare mit Saint-Firmin-sur-Loire auf der anderen Uferseite. Man kann die Brücke zu Fuß entlanggehen und die Sicht auf die Loire und Briare genießen. Zwei Pfeiler mit Löwenbüsten begrüßen die Besucher und 72 Laternen säumen den Weg von einem zum anderen Ufer. Sie wurden von Anfang an elektrisch betrieben, während die Lichter in Briare selbst noch einige Zeit auf Gas angewiesen waren. Der eigentliche Zweck der Brücke ist es aber nicht, Fußgänger sicher von Briare nach Saint-Firmin-sur-Loire zu bringen und umgekehrt. Der Pont-Canal ist ein Aquädukt, der den Canal Latéral à la Loire (Loire-Seitenkanal) über die Loire leitet und so den alten „ebenerdigen“ Kanalabschnitt zwischen Châtillon-sur-Loire und Briare ersetzt - eine Wasserleitung im tatsächlichen Wortsinn also. Entstanden ist die Brücke mit der gut 6 m breiten Wasserstraße zwischen 1890 und 1896 unter der Leitung von Abel Mazoyer, einem der berühmtesten Straßen- und Brückenbauingenieure Frankreichs seiner Zeit. Sie ruht auf zwei Widerlagern am rechten Ufer, auf 14 Pfeilern im Wasser und auf Deichen auf der linken Uferseite.
Mosaike im neobyzantinischen Stil an der Kirche Saint-Étienne
Bis 2003 war der Pont-Canal mit 662,69 m die längste aus Metall errichtete Kanalbrücke weltweit, seitdem führt die Kanalbrücke Magdeburg (918 m) das Ranking an. Der Kanal selbst hat mittlerweile kaum noch wirtschaftliche Bedeutung, genutzt wird er hauptsächlich von Touristenschiffen und Hausbooten.
Église Saint-Étienne: Nachdem eine starke Überschwemmung die vorherige Kirche zerstört hatte, entstand das jetzige Bauwerk in der Zeit von 1890 bis 1895. Hübsch überragt das Gotteshaus im romanisch-neobyzantinischen Stil das Zentrum von Briare, der Kirchturm befindet sich rechts neben den drei Eingangsportalen. Grüne Flechten bedecken teilweise das helle Mauerwerk, doch das herrliche Mosaik am Giebel über der Rosette ist gut sichtbar. Es zeigt den hl. Stephanus mit zwei Steinen - er kam durch Steinigung zu Tode - und einer Märtyrerpalme in den Händen. Die Darstellungen um die Turmuhr, die Friese unterhalb des Giebelmosaiks und der Uhr sowie unterhalb der Rosette bilden Pflanzenmotive ab, wobei die Friese um die komplette Kirche verlaufen. Der Boden im Innenraum gleicht einem Mosaikteppich, die Medaillons darin zeigen die vier Elemente, die vier Lebensalter des Menschen und die fünf Sinne. Die feinen Mosaikarbeiten setzen sich an den Altären fort. Sie und die Kuppel der Kirche erinnern an die Hagia Sofia in Istanbul. Tatsächlich reisten Experten der Mosaikherstellung extra dorthin, um sich für den Neubau der Kirche in Briare inspirieren zu lassen. Sämtliche Mosaiken im Innen- und Außenbereich von Saint-Étienne entwarf der Künstler Eugène Grasset, die örtliche Emaille-Manufaktur ließ eigens Handwerker von der venezianischen Inselgruppe Murano anreisen, um die Kunstwerke umzusetzen.
Musée des Deux Marines et du Pont-Canal: Das von außen eher unscheinbare Museum beschäftigt sich mit der Fracht- und Handelsschifffahrt, dem Bau von Kanälen und den verschiedenen Berufen rund um die Schifffahrt (vom Schmied, Seiler und Weber über den Fischer bis hin zum Kapitän), z. T. in szenischen Nachbildungen. Neben einem alten Kran, Motoren oder Harpunen zeigt das Museum auch Modelle verschiedener Lastenschiffe, einen Lastkahn, Fangnetze und andere Utensilien der Schifffahrt. Ein Bereich widmet sich mit einem beeindruckenden 1:30-Modell der Kanalbrücke von Briare, ein anderer der Loire im Wandel verschiedener Epochen von den Römern über Mittelalter und Renaissance bis heute - der Schwerpunkt liegt auf Briare. Ein Film ergänzt Wissenswertes über den längsten Fluss Frankreichs, im Untergeschoss reihen sich Aquarien mit Süßwasserfischen aneinander.
Musée des Émaux et de la Mosaïque (MEMO): Das MEMO liegt schräg gegenüber dem Marinemuseum auf dem ehemaligen Fabrikgelände und im damaligen Wohnhaus von Jean-Félix Bapterosses - einst Inhaber der Manufaktur. Der Unternehmer hatte die alte Fayencerie aufgekauft und dem Kunsthandwerk ab 1837 zu neuem Glanz verholfen. Das Museum, das sich der industriellen Entwicklung der Fabrik im 19. Jh. und dem Übergang ins 20. Jh. widmet, reist 160 Jahre zurück in die Vergangenheit. Neben Maschinen, Skizzen und Fotos besitzt das Memo eine reiche Sammlung an Porzellanknöpfen, die hier hergestellt wurden. Aber auch Perlen aus Emaille, die die Optik von Perlmutt, Elfenbein oder Horn imitierten und viele Abnehmer v. a. auf dem afrikanischen Markt fanden. Mit der Plastikschwemme Ende der 1960er- und 1970er-Jahre und der Dekolonisierung afrikanischer Staaten nahmen Interesse und Nachfrage stark ab, und die Produktion wurde eingestellt. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Mosaikkunst aus Emaille, u. a. mit zeitgenössischen Werken. Die Herstellung startete 1885, als der...