E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten
Reihe: Sagenhaft
Waldlohe Sagenhaft
4. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-1823-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei Welten
E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten
Reihe: Sagenhaft
ISBN: 978-3-7557-1823-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine einsame Landstraße, mitten im Irgendwo. Seltsame Vorkommnisse, bei denen sich die Nackenhärchen aufstellen. Nach einem Unfall erwacht Sie in einer anderen Welt. Dort ist alles so vertraut und zugleich so fremd. Sie begegnet neuen Freunden und unheilvollen, dunklen Wesen, denen es sich zu erwehren gilt. Ein großes Abenteuer muss bestanden werden, um in die eigene Welt zurückkehren zu können und am Ende wartet eine überraschende Auflösung ... Sagenhaft - Zwei Welten ist der erste Teil der neuen Urban Fantasy Romanreihe von der Autorin Ellie von der Waldlohe. Diese Geschichte entführt den Leser / die Leserin auf eine ungewöhnliche und abenteuerliche Reise durch die Welt der Märchen- und Sagengestalten des deutschsprachigen Raumes. Hier treffen sich alte und unbekannte Wesen, von denen nicht alle zu den Guten gehören und mischen sich mit einer modernen Story, die ein unerwartetes Ende birgt, um sich in weiteren Episoden weiter zu entfalten. Erlebe diese interessante Komposition aus dem Heute und dem Aberglauben der Vorfahren.
Wie beschreibt man sich selbst? Ich bin ein lustiges Winterkind, das im Februar 1980 am Rosenmontagsabend zum ersten Mal in dieser Welt zu blinzeln begann. Im Land herrschten im Schnitt 1,2 Grad. Auf meinem abwechslungsreichen Lebensweg habe ich an einigen Orten Halt gemacht, um dort zu verweilen und mich an Erfahrungen zu bereichern. Mein Startpunkt war der Ort mit dem größten zusammenhängenden Hochmoor Deutschlands, welches sich in den Tiefen Niedersachsens befindet. Von dort aus wanderte ich nach Sachsen, in den wunderschönen, ungestümen Osten ab, zog weiter ins, mit Weinbergen durchzogene, Baden-Württemberg und durchquerte das ganze Land, um mir im echten Norden eine frische Brise um die Nase wehen zu lassen. Gestalten, Malen, Zeichnen.. Ganz gleich in welchem Alter - es hat mir immer unglaublich Spaß gemacht, meinen Ideenreichtum umzusetzen. So war es nicht verwunderlich, dass ich mit 16 Jahren eine Lehre im Handwerk aufnahm und erfolgreich abschloss. Ich hatte so viel Freude an meinem Beruf, dass ich im Alter von 34 Jahren den Titel "Malermeisterin" erlangte. Stiefmütterlich hingegen war mein Umgang mit Worten. Zwar hatte ich in jungen Jahren eine Zeit, in der jede Menge Gedichte in Reimform nur so aus mir herausflossen. Doch hätte ich nie erwartet je einen Roman zu schreiben, geschweige denn, diesen zu veröffentlichen. Wenn man im Handwerk arbeitet, beschäftigt man sich fast wie von selbst mit Formensprache der vergangenen Epochen. Dadurch begann ich mich für den Aberglauben sowie die Sagen, die dahinterstanden zu interessieren. Je tiefer ich in das Thema eintauchte, umso mehr wuchs die Idee zu dieser einzigartigen und spannenden Buchreihe. Und nun wünsche ich viel Freude beim Lesen.
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* * * … Frieda schloss für einen Moment ihre Augen und schnaubte tief durch. Sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass Frau Holle ihr noch immer nicht die volle, umfängliche Wahrheit gesagt hatte, aber was blieb ihr anderes übrig? Sie konnte doch nicht so viele Wesen enttäuschen, die händeringend auf ihre Hilfe hofften. Sie glaubte kaum, was sie als nächstes sagen würde, aber es war ihr ernst und sie würde keinen Rückzieher machen. Schließlich stand sie stets für ihr Wort ein und das würde sie auch diesmal, komme, was da wolle. Nickend stimmte sie zu: „Also gut, ich werde versuchen, euch zu helfen.“ Schlagartig brach ein tosender Jubel unter all den anwesenden Zuschauern aus. Sie hüpften, fielen sich in die Arme, klatschten, schrien vor Glück und waren berauscht ob dieser wundervollen Zusage, mit der niemand so richtig gerechnet hatte. Frieda errötete leicht vor Scham, dass sie so umjubelt wurde. Bua und Tosk umarmten sie glücklich, und auch Frau Holle lächelte sie erleichtert an, wozu sie ein leises „Danke“ flüsterte. Nun wanderten auch Friedas Mundwinkel von ganz allein nach oben, wenn auch sie sich nicht sicher war, das Richtige getan zu haben. Aber das würde die Zeit zeigen. Aus dem Hintergrund ertönte Musik, die immer lauter und lauter zu werden schien. Kurzerhand entwickelte sich aus dem sie umgebenden Freudensturm ein rauschendes Fest, mit Tanz und Speis´ und Trank. Frieda wurde von vielen angesprochen oder musste mit ihnen das Tanzbein schwingen und sich mit ihnen Hand in Hand im Kreise drehen oder hüpfen und springen. Es war seltsam, es wurde bereits gefeiert, obwohl sich noch überhaupt nichts verändert hatte. Wie konnten all diese Geschöpfe so viel Zutrauen zu ihr haben? Frieda wusste ja selbst nicht, ob alles glücken würde. Im Gegenteil, insgeheim überwogen ihre Zweifel. War sie wirklich die Einzige, die sich sorgte? Der Grübelei überdrüssig, ließ sie sich nur allzu gern von dem Freudenrausch mitreißen. Sie hatte viel Spaß auf dem Fest! * * * Mittlerweile war es spät geworden, und das Licht hatte sich mit der Dunkelheit abgewechselt. Frieda hatte sich von dem Trubel und dem wilden Treiben zurückgezogen und saß still auf einem Baumstamm nahe des Sees, aus dem die Baumwesen sie aus den Fängen des Blutschinks gerettet hatten. Ihr Gesicht hatte sie grübelnd in die Hände gestützt. Sehr wohl fühlte sie sich nicht, aber es war im Augenblick der ruhigste Ort, den sie finden konnte und zudem richtig schön. Wenngleich sie beständig mit einem Ohr auf alle Geräusche achtete. Der See wirkte herrlich ursprünglich. Selbst, dass sie keine Zigarette in der Hand hatte, störte sie nicht. Vielleicht sollte sie die Gelegenheit nutzen und aufhören? Wer weiß, wann und ob sie je wieder nach Hause käme? Seufzend sah sie sich um: Linker Hand gab es eine kleine, Steingruppe, die aus dem Wasser hervorragte und auf der ein junger Baum dabei war zu wachsen. Ansonsten war der See überwiegend von dichten Binsenfeldern umgeben, die unregelmäßig von kleinen Buchten unterbrochen wurden. Die zurückliegenden Wiesen wirkten, wie gemütliche Badeplätze. Hier und da war ein Baum zu sehen, der an heißen Tagen angenehmen Schatten spenden könnte. Einige der Laubbäume standen direkt am Wasserrand, andere wuchsen erst hinter den Wiesen und bildeten den Rand eines dichten Waldes. Ihr gegenüber blickte Frieda auf massige Felsen, die steil hervorragten. Ihr unterer Teil war mit einigen Sträuchern bewachsen, doch je höher sie wurden, umso karger war ihr Aussehen. Nichtsdestotrotz wirkten sie sehr beeindruckend. Es mussten die Felsen sein, in deren Innern sich die Höhle des Blutschinks befindet. Nicht allzu weit von den Felsen entfernt sah Frieda eine Wiese, auf der Korn- und Mohnblumen wuchsen. Frieda fragte sich, was mit dem Blutschink geschehen war, nachdem sie von den Baumwesen gerettet worden war? Ihre Erinnerung war verschwommen. Sie würde Tosk oder am Besten gleich Frau Holle fragen, wenn sie zurückginge. Vorerst wollte sie für sich sein. Mit leichter Beklommenheit betrachtete sie das ruhige Wasser, auf dem das silbrige Licht des Mondes schimmerte. Es sah alles so harmlos und friedlich aus. Doch Frieda wusste es nun besser. Sie hatte erfahren, dass diese Welt, die Welt, wie sie sie kannte, lange nicht so harmlos und unscheinbar war, wie sie bisher immer angenommen hatte. Im Gegenteil, es gab Dinge, Wesen … ach, dafür würde man sie vermutlich ratzfatz in eine Anstalt einweisen und für immer den Schlüssel wegwerfen, sollte sie je versuchen, jemandem dies alles als glaubhaft zu verkaufen. Vor allem hatte sie keine Idee, wie sie an diesen „Hemann“ herantreten sollte. Kleine Lichtpunkte blitzten über dem Wasser auf. Erst waren es nur einzelne, bald jedoch eine große Menge. Sie hüpften auf und ab, sausten von links nach rechts, sammelten sich und stoben kurz darauf wieder auseinander. Zwischendrin hatte sie das Gefühl, als würden die Lichtpunkte regelmäßige Muster bilden. Sie schienen zu pulsieren. Frieda war wie verzaubert von diesem herrlichen Schauspiel. Sie fühlte sich leicht und innerlich zufrieden. Was mochte das nur sein, dass sich dort so entzückend bewegte? Frieda überlegte und für einen kurzen Augenblick vergaß sie all ihre Sorgen und stierte träumerisch vor sich hin, während sie den Lichtern zu sah. Dann zog sie die Augen angestrengt zusammen und sah genau hin. Nun erkannte sie, dass dort Glühwürmchen ihren Paarungstanz abhielten. Das war es, was ihre Aufmerksamkeit so gefesselt hatte. Allein durch die Erkenntnis hatte sich der betörende Zauber des Unbekannten in einen schönen Anblick verwandelt. Frieda hatte mal gelesen, dass sie auch als „Johanniswürmchen“ bezeichnet werden und dass ihr Erscheinen etwas mit der Jahreszeit und der Sonnenwende zu tun hat. In dem Bericht gab es verschiedene Auffassungen: Zum einen sollten sie Irrlichter sein, aber das war wohl nur eine Verwechslung. Genau bekam Frieda das nicht mehr richtig zusammen. Was ihr noch einfiel, war, dass man sie zu verstorbenen Seelen erklärte, denen man Fürbitte leisten sollte. Als Schutzengel dienten sie zugleich auch, und nicht zu vergessen sollte an dem Ort, an dem sie leuchteten, ein Schatz verborgen sein. Bei dem Gedanken musste Frieda unwillkürlich lachen. „Als Orakeltier“, drang eine helle, raunende Stimme an ihr Ohr. „Was!?“, sagte Frieda leicht erschrocken und verdutzt zugleich. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, dass sie ihre Gedanken laut ausgesprochen hatte. „Hast du auch nicht. Und ich sagte Orakeltier“, meinte die rätselhafte, gütig klingende Stimme. Frieda schaute um sich und konnte weiterhin niemanden entdecken. „Wo bist du?“ „Hier“, bekam sie zur Antwort. Frieda kniff angestrengt die Augen zusammen. Niemand war zu sehen. „Wo ist hier?“, fragte Frieda neugierig. „Dummerchen, ich bin direkt vor deiner Nase“, kicherte die Stimme. Jetzt erkannte Frieda ein Glühwürmchen direkt vor sich. „Du kannst sprechen?“ „Natürlich! Ich kann dir sogar deine Fragen beantworten. Ich bin ein Orakeltier, du Dummerchen.“ Wieder kicherte der kleine Käfer schnippisch. „Warum sagst du das?“, wollte Frieda wissen. „Was?“, stellte das Glühwürmchen als Gegenfrage. „Dummerchen? Ich finde das beleidigend, ich bin kein Dummerchen“, sprach Frieda und beobachtete das flatterhafte Wesen vor ihrem Gesicht. „Weil es niedlich ist, Dummerchen“, lautete die freche Antwort. Frieda bat das Glühwürmchen, dies doch bitte zu unterlassen, worauf der Leuchtkäfer zwar ungern einging, es aber dennoch tat. Eine Frage hatte Frieda, und warum sollte sie diese nicht dem selbst ernannten Orakeltierchen stellen? Bevor sie die Frage ausgesprochen hatte, begann das Glühwürmchen, nicht nur am Unterleib zu leuchten. Es wurde immer heller. Frieda musste die Augen zusammen kneifen, da sie so stark von dem Strahlen des kleinen Tierchens geblendet wurde. Erst, als das Glühwürmchen am gesamten Körper erstrahlte, sprach es: „Mach dir nicht so große Sorgen. Du wirst dein Vorhaben bestehen. Jeden Schritt, den du setzt, mache willensstark und entschlossen und schaue nicht zurück. Gehe tief in den Wald hinein und folgte der Schneise bis zur Brücke über der Weggabelung. Dein Herz weist dir den Weg. Durchquere das Wasser und halte dich der Sonne folgend bis zum Mittag, warte dort drei Stunden und wirf drei Steine in die Richtung, aus der das Donnern zu hören ist. Nach jedem Wurf tue einen Riesenschritt. Danach überspringe die kleinen Hügel und pfeife dabei. Bücke dich hinab und sammle eine Pusteblume. Ihre Samen werden dich zu deinem Ziel leiten. Zum Schluss klopfe dreimal auf Holz.“ Nun war Frieda gänzlich verwirrt. Was sollte das nur alles bedeuten? Gerade, als sie nachfragen wollte, sagte das Glühwürmchen: „Oh, ein Mmmännchen.“ Ohne sich zu verabschieden, flog es im Eiltempo davon. Frieda...




