Walker Black Knights Inc. - Um jeden Preis
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9491-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-9491-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rebecca Reichart ist die Besitzerin einer Motorradwerkstatt, die als Fassade für ein geheimes Einsatzteam von Spezialagenten dient. Als Becky von somalischen Piraten entführt wird, kommt ihr der Ex-SEAL Frank Knight zu Hilfe, in den Becky schon seit Längerem insgeheim verliebt ist. Doch schnell stellt sich heraus, dass hinter Beckys Entführung weit mehr steckt, als sie hätten ahnen können ...
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»Wir ändern auf jeden Fall den Namen.« Frank »Boss« Knight stoppte den Hummer vor dem schäbigen kleinen Fertighaus und musterte das handgemalte Holzschild, das über der Eingangstür hing: BECKYS BOMBIGE BIKES.
»Zu viele Alliterationen für deinen Geschmack?« Bill Reichert, der auf dem Beifahrersitz saß, schnallte sich grinsend ab und öffnete die Tür. Der kalte Winterwind kühlte das Wageninnere augenblicklich ab, und Frank nahm seine schwarze Wollmütze vom Armaturenbrett und setzte sie auf, um dann den Reißverschluss seines Parkas bis zum Kinn hochzuziehen.
Wenn die Sache hier funktionierte, dann würde er sich an die kalten Winter in Chicago gewöhnen müssen. Natürlich waren die niedrigen Temperaturen ein geringer Preis, den er für eine gute, solide Tarnung seines neuen Sicherheitsunternehmens zahlen musste. Noch dazu war es der perfekte Deckmantel, alle Männer, die er aus den verschiedenen Bereichen der Streitkräfte rekrutiert hatte, als Mechaniker und Motorradfreaks bei Bills kleiner Schwester in ihrem Laden für maßgefertigte Harleys unterzubringen. Vor allem, da die meisten von ihnen muskulöse, tätowierte und – nun, da sie keinen militärischen Haarschnitt mehr tragen mussten – heruntergekommen wirkende Typen waren, die selbst bei den Hell’s Angels nicht groß aufgefallen wären.
Er stieg aus dem Wagen aus und senkte den Kopf, als ihn der Wind wie eine eisige Faust ins Gesicht traf. Die Hände tief in den Manteltaschen, ging er über den Weg, den jemand durch die dicke Schneedecke geschaufelt hatte, zur Eingangstür.
Bill drückte auf die Klingel, und fünf Sekunden später war hinter der Metalltür ein vertrautes Geräusch zu hören, bei dem sich alle Härchen in Franks Nacken aufstellten.
»Wer ist da?«, kam eine tiefe, vorsichtige Stimme aus dem Gebäudeinneren.
»Ich dachte, du hättest uns angekündigt«, zischte Frank über Bills Schulter hinweg.
»Das habe ich auch.« Bill grinste. »Aber sie weiß auch, dass sie in dieser Gegend nicht vorsichtig genug sein kann.«
Da hatte er recht. Die Graffitis, die auf jeder vertikalen Fläche sechs Blocks in alle Richtungen zu sehen waren, gaben ihnen deutlich zu verstehen, dass sie sich mitten im Territorium einer ernst zu nehmenden Gang befanden. Hier hatten die Vice Lords das Sagen, und sie hatten dafür gesorgt, dass man das auch ja nie vergaß.
»Mach die verdammte Tür auf, du Pappnase!«, rief Bill über den kreischenden Wind hinweg. »Wir frieren uns hier die Ärsche ab!«
Das war nicht gelogen. Frank hatte nicht die leiseste Ahnung, warum er an diesem Morgen keine warme Unterhose angezogen, sondern stattdessen komplett darauf verzichtet hatte.
Das war ein Fehler gewesen. Ein .
Den würde er bestimmt nie wieder machen.
Die Eingangstür wurde mit lautem Klappern geöffnet, und sie standen einem riesigen rothaarigen Mann gegenüber, der aussah, als sollte er eigentlich eine Gesichtsmaske und ein Trikot tragen und in einem Wrestlingring stehen.
Frank konnte Michael Buffer schon fast brüllen hören: »?«
»Manus«, sagte Bill, machte einen Schritt über die Türschwelle und bedeutete Frank, ihm zu folgen. »Das ist Boss. Boss, das ist Manus. Er und seine Brüder arbeiten als Security für meine Schwester.«
Frank wartete, bis sich Manus die 45er in den Bund seiner Jeans gesteckt hatte, bevor er den kleinen gekachelten Vorraum vorsichtig betrat. Die Wände waren bedeckt mit verrosteten Motorradnummernschildern, und ihm stieg der beißende Geruch von Motoröl und brennendem Metall in die Nase, sobald sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte.
»Sie sind der Kerl, der Beckys Partner werden will? Sie möchten Geld investieren und lernen, wie man Motorräder baut?«, fragte Manus und schüttelte Franks Hand, während das rötliche Gesicht des großen Mannes strahlte, sodass seine Sommersprossen miteinander zu verschmelzen schienen.
Ja, das war die Geschichte, die sie rumerzählten, bis er sich ein Urteil gebildet hatte …
»Ich habe mich noch nicht entschieden«, antwortete er unverbindlich, doch Manus’ Grinsen wurde nur noch breiter.
»Das liegt nur daran, dass Sie Beckys Bikes noch nicht gesehen haben«, prahlte er. »Danach werden Sie ihr Ihre gesamten Ersparnisse geben wollen, damit sie Ihnen alles beibringt, was sie weiß.«
Frank zog eine Schulter hoch, als wollte er sagen: , und sah Bill zu, der die zweite gläserne Doppeltür öffnete.
Augenblicklich wurde er von ohrenbetäubendem Lärm überwältigt.
Die donnernden Beats knallharter Rockmusik wetteiferten mit dem höllischen Kreischen und Jaulen von Metall. Frank widerstand dem Drang, sich die Ohren zuzuhalten, während er Bill in die Werkstatt folgte und um einige der maßgefertigten Hightech-Maschinen herumging.
Doch auf einmal waren ihm seine blutenden Ohren völlig egal.
Denn er erblickte das schönste und zugleich fremdartigste Motorrad, das er je gesehen hatte.
Es stand auf einer Hebebühne. Der Tank und die Schutzbleche waren in leuchtendem Neonblau lackiert, das im grellen Licht der Deckenlampen schillerte und funkelte. Das Motorrad hatte einen komplex aussehenden Doppelauspuff, war ungeheuer lang und besaß gebogene, fast schon skurril wirkende Gabeln. Außerdem war es mit so viel Chrom ausgestattet, dass es fast schon blendete.
Kurz gesagt: Es war ein .
Dagegen sah seine 1952 Harley-Davidson FL, die er selbst restauriert hatte, aus, als hätte sich ein Amateur ausgetobt.
Gerade als er dachte, es könnte nicht mehr besser werden, wurde das Geräusch bearbeiteten Metalls langsam leiser, und eine junge Frau kam mit einer Schleifmaschine in der einen und einer Metallklemme in der anderen Hand hinter der Maschine hervor.
Frank hätte beinahe seine Zunge verschluckt.
Das konnte doch nicht wahr sein …
Offensichtlich doch. Denn in dem Moment, in dem die Frau die beiden Männer erblickte, schrie sie auf, schaltete die Musik aus, die aus dem altmodischen Gettoblaster kam, und ließ beide Werkzeuge fallen, um sich in Bills Arme zu werfen, ihn fest zu drücken und ihn so laut auf die Wange zu küssen, dass das Schmatzen in der jetzt plötzlich ruhigen Werkstatt widerhallte.
Das war Rebecca »Rebel« Reichert, Wild Bills kleine Schwester.
Wobei das »klein« wörtlich zu verstehen war. Frank hätte seine Bikerstiefel gefressen, wenn sie auch nur an die eins sechzig herankam.
Er hatte nicht gewusst, wie er sich eine Frau vorstellen sollte, die eine Motorradwerkstatt führte, aber so definitiv nicht. Ihr langes blondes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, und sie besaß strahlende braune Augen, umrahmt von üppigen dunklen Wimpern, und ein hübsches, natürliches Gesicht, womit sie genau seinen persönlichen Vorlieben entsprach, was Frauen betraf.
Etwas an diesem »netten Mädchen von nebenan« hatte ihn schon immer angesprochen.
Endlich setzte Bill sie wieder auf dem Boden ab, und sie baute sich vor Frank auf, wobei sie ihre kleinen, schmutzigen Hände in ihre schlanken, jeansbedeckten Hüften stemmte. Aus irgendeinem Grund hatte er auf einmal das Gefühl, sich kerzengerade hinstellen zu müssen.
Vermutlich lag es daran, dass sie den gleichen unnachgiebigen Blick in den Augen hatte, wie er ihn von seinem beinharten Drill Sergeant aus der Grundausbildung kannte.
»So.« Sie legte ihren Kopf schräg, bis ihr Pferdeschwanz wie ein glattes goldenes Seil über ihrer Schulter hing. »Sie sind also der unbezwingbare Frank Knight. Billy hat mir über Sie erzählt.«
Und diese Stimme …
Sie war sanft und rau. Genau die Art von Stimme, die ins Schlafzimmer gehörte.
»Man nennt mich Boss«, brachte er gerade so hervor.
»Ich bleibe lieber bei Frank«, erwiderte sie mit einem Augenzwinkern. Aus irgendeinem Grund zuckte eines seiner Augenlider. »Schließlich kann es hier nur einen Boss geben, und der bin ich. Ich habe gehört, Sie wollen ins Motorradgeschäft einsteigen?«
»Ich denke darüber nach.« Er konnte gar nicht anders, als zur Kenntnis zu nehmen, wie sich ihre Nasenspitze leicht nach oben bog oder wie sich ihre kleinen Brüste gegen den weichen Stoff ihres mit Farbklecksen bedeckten langärmligen T-Shirts drückten.
»Tja«, sie nickte und ging an ihm vorbei zur Eingangstür, »dann zeigen Sie mir doch mal das Motorrad, das Sie mitgebracht haben, damit ich sehen kann, wie es um Ihr Talent bestellt ist.«
Für den Bruchteil einer Sekunde wanderte sein Blick zu ihren sich wiegenden Hüften hinunter, bevor er sich zwang, einen Punkt über ihrem Kopf anzustarren, während er ihr folgte. Bill ging direkt hinter ihm, und dieses Wissen erleichterte es ihm, sie nicht anzuglotzen. Dass Bill ihn dabei erwischte, wie er seine Schwester anstarrte, hätte ihm gerade noch gefehlt.
Das war ein absolutes No-Go. Insbesondere da ihm die Vorstellung missfiel, Bill könnte ihn mit einem seiner Biker-Stiefel Größe vierundvierzig in den Hintern treten.
Als sie an der ersten gläsernen Doppeltür ankamen, nahm Rebecca einen dicken rosafarbenen Overall vom Haken....




