Walker | Ins All | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 592 Seiten

Walker Ins All

Die faszinierende Geschichte vom ersten Flug in den Weltraum
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-455-01112-8
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die faszinierende Geschichte vom ersten Flug in den Weltraum

E-Book, Deutsch, 592 Seiten

ISBN: 978-3-455-01112-8
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Brillant geschrieben, atemberaubend spannend und unglaublich gut recherchiert.« The Sunday Times Als Jurij Gagarin 1961 als erster Mensch ins All flog, hatte er nicht nur die Schwerkraft, sondern auch den Eisernen Vorhang überwunden, der auf der Erde den Kommunismus vom Kapitalismus trennte. Die USA befanden sich nach diesem Coup in wilder Panik, die Sowjetunion triumphierte. Basierend auf neuen Quellen erzählt dieses packende Buch vom aberwitzigen »Race to Space« der Supermächte: von den unmenschlichen Vorbereitungen der Kosmonauten, Bomben im Cockpit, dilettantischer Technik sowie von  Hunden und Schimpansen in Raketen .  'Stephen Walker hat es geschafft, die unglaubliche Reise meines Vaters nacherlebbar zu machen!' - Jelena Gagarina, Tochter von Jurij Gagarin 'Fesselnd, faszinierend und unglaublich gut recherchiert. Ich habe jede Seite verschlungen.' - Laura Shepard-Churchley, Tochter von Alan Shepard

Stephen Walker ist Autor und Dokumentarfilmer und arbeitet hauptsächlich für die BBC. Sein Buch Hiroshima. Countdown der Katastrophe (2005) war ein internationaler Bestseller und wird derzeit von Cary Fukunaga verfilmt.
Walker Ins All jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Cover
Verlagslogo
Titelseite
Widmung
Hinweis des Autors
Prolog Fünfzehn Minuten vor dem Start
Erster Akt Vier Monate zuvor
Zweiter Akt Die Entscheidung
Dritter Akt Letzter Countdown
Vierter Akt Start
Epilog Was danach kam
Dank
Anhang
Bildteil
Endnoten
Bibliographien
Impressum


Kapitel 1 Pallos Hunde


24. Dezember 1960

60 Kilometer westlich von Tura in Sibirien, UdSSR

Nichts als die Taiga, so weit das Auge reicht, dichte, dunkle sibirische Fichten-, Birken- und Tannenwälder, die sich bis zum Horizont und darüber hinaus erstreckten. Der Helikopter flog tief, das dumpfe Geräusch der Rotorblätter war das Einzige, was die einsame Stille dieser urzeitlichen Landschaft durchbrach, die ansonsten menschenleer und in tiefen Schnee gehüllt war. Der Schnee war überall. Er blendete die Sicht, bedeckte die Baumwipfel und machte es, wenn das denn überhaupt möglich war, für Arvid Wladimirowitsch Pallo[7] noch schwieriger, das zu finden, wonach er suchte. Das zur Neige gehende Tageslicht ließ die Sache auch nicht einfacher werden. In dieser Region Sibiriens und zu dieser Jahreszeit waren die Tage kaum vier Stunden lang. Der Flug dauerte jetzt fast 30 Minuten, und in zwei Stunden würde sich der Wald unter ihnen wieder in eine lange subarktische Nacht hüllen. Und dann könnte es für Pallo und sein Team bereits zu spät sein.

Irgendwo da draußen, an einem der entlegensten Orte auf dem Planeten, lag im Schnee eine leere Aluminiumkugel, knapp über zwei Meter im Durchmesser und mit einem Gewicht von zweieinhalb Tonnen. Und irgendwo ganz in der Nähe, so hoffte Pallo, befand sich eine versiegelte Metallkiste mit zwei Hunden darin. Er hoffte außerdem, dass die Hunde noch lebten, obwohl sie dafür die letzten zwei Tage in der extremen Kälte des sibirischen Winters hätten überstehen müssen, bei Temperaturen, die auf minus 40 °C fallen konnten, ganz zu schweigen von dem zutiefst traumatischen Geschehen, das sie zufällig überhaupt erst an diesen gottverlassenen Winkel der Erde verschlagen hatte.

Pallos Abenteuer hatte zwei Tage zuvor begonnen, am 22. Dezember, als eine R-7 die Kugel von der geheimen Raketenbasis im sowjetischen Kasachstan ins Weltall katapultiert hatte. In der Kugel befand sich die Metallbox mit den beiden Hunden. Die Geheimhaltung, die diese Mission umgab, ging so weit, dass man bis heute die Namen der Tiere nicht sicher weiß. Je nach Quelle waren es entweder Kometa und Schutka, oder Schulka und Schemtschuschina, oder, wie Pallo selbst schrieb, Schulka und Alfa. Wir wollen uns an Pallo halten und bleiben daher bei diesen Namen. Beide waren Mischlinge, Straßenhunde, die man in Moskau aufgelesen hatte. Der Zweck der Mission war es, die beiden Tiere in die Erdumlaufbahn und sicher wieder zurück auf die Erde zu bringen. Die Kugel hatte immerhin einen Namen: Für die Öffentlichkeit war es ein , ein »Raumschiff-Satellit« oder einfach Raumfahrzeug, die Konstrukteure des Geräts nannten es dagegen Wostok 1 – Wostok bedeutet Osten, und dieser Name war Geheimsache. Die Wostok 1 war ein Prototyp, im Prinzip die erste Version des Raumschifftyps, der, so hoffte man, eines Tages – eines nicht mehr fernen Tages – einen sowjetischen Genossen in den Weltraum befördern sollte, bevor den Amerikanern dasselbe gelingen würde. Schulka und Alfa sollten helfen, den Weg zu bereiten.

Das Schicksal ihrer Vorgänger war allerdings wenig ermutigend gewesen. Als sich Pallo am 24. Dezember in der eisigen Wildnis Sibiriens mit seinem Helikopter auf die Suche nach den beiden Hunden begab, hatte es seit Mai bereits fünf Wostok-Missionen gegeben, und bis auf eine waren alle fehlgeschlagen. Zwei Hunde waren beim zweiten Wostok-Flug zu Tode gekommen, als ihre Rakete 28,5 Sekunden nach dem Start explodierte. Beim vierten Flug hatten weitere zwei Hunde den Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht überlebt. Das einzige Erfolgserlebnis hatte es im August gegeben, als zwei weitere Hunde, Belka und Strelka, zusammen mit 40 Mäusen, zwei Ratten, zahlreichen Fruchtfliegen und einem Kaninchen erstaunliche 18 Erdumrundungen hinter sich brachten und lebend wieder auf der Erde landeten. Dieser Flug, der dritte Wostok-Start, war ein sensationeller Erfolg gewesen. Erstmals war es gelungen, Lebewesen in eine Erdumlaufbahn und sicher wieder zurückzubringen. Die Amerikaner hatten noch nichts Vergleichbares zuwege gebracht, und natürlich feierten die sowjetischen Medien diese Tatsache gebührend. Doch abseits vom Glanz des medialen Erfolgs blieb die unausgesprochene Wahrheit, dass die Tiere nur durch Glück am Leben geblieben waren. Während der vierten Erdumrundung konnte man über eine eingebaute Fernsehkamera sehen, wie Belka sich übergab und offensichtlich leidend und verzweifelt an ihrem Gurtzeug zerrte, mit dem sie festgeschnallt war. Vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre war das Hauptorientierungssystem des Raumfahrzeugs ausgefallen, und man musste auf das Reservesystem zurückgreifen. Ohne dieses System wären Belka und Strelka zu einem langsamen und einsamen Tod verurteilt gewesen, hilflos gestrandet im Weltall.

Und nun, als anderswo in der Welt gerade das erste Weihnachtsfest des neuen Jahrzehnts begangen wurde, war auch dieser letzte, fünfte Wostok-Flug mit Schulka und Alfa aus dem Ruder gelaufen.

Exakt 425 Sekunden nach dem Start schaltete die dritte Antriebsstufe der R-7-Trägerrakete der Wostok-Mission zu früh ab. Die Folge war, dass das Raumfahrzeug die Erdumlaufbahn nicht erreichte. Stattdessen trennte sich die Kapsel automatisch von der Rakete, bevor sie in einem ballistischen Bogen über mehrere Zeitzonen der Sowjetunion hinwegrauschte. Doch als die Wostok mit den beiden in ihrer kleinen Box festgeschnallten Hunden mit mehreren Tausend Stundenkilometern Geschwindigkeit wieder zurück in die Atmosphäre stürzte, ging noch mehr schief. Zunächst einmal zündete die an Bord befindliche Bombe nicht.

Diese Bombe gehörte zur Ausstattung jedes Wostok-Hundeflugs und war der extremen Paranoia eines Regimes geschuldet, das auf keinen Fall seine technologischen Geheimnisse preisgeben wollte, schon gar nicht gegenüber den Amerikanern. Bekannt unter dem Codenamen A.P. O. für – zu Deutsch »Notfallzerstörung des Objekts« – hatte sie die Funktion, genau dies zu tun, nämlich das Objekt, sprich: die Wostok zu zerstören für den Fall, dass sie abseits des geplanten Kurses, möglicherweise in einem fremden und vielleicht sogar kapitalistischen Land zu landen drohte. Für die sowjetische Führung galt das bereits als Notfall, auch wenn die Hunde an Bord da möglicherweise anderer Ansicht gewesen wären. Und genau dies war nur drei Wochen zuvor bei der vierten Wostok-Mission tatsächlich passiert, als ein Problem mit dem Bremstriebwerk anzeigte, dass die Kapsel außerhalb der Grenzen der UdSSR niedergehen würde. In diesem Fall hatte ein Sensor an der Bombe festgestellt, dass die Kapsel an einer falschen Stelle die Rückkehr zur Erde antrat. Die beiden Hunde an Bord, Ptscholka und Muschka – Kleine Biene und Kleine Fliege – wurden zusammen mit sämtlichen Spuren ihres Raumschiffs in die Luft gesprengt. Die staatliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS ließ in einer kurzen Mitteilung verlauten, das Fahrzeug wäre aufgrund einer »nicht berechneten Flugbahn«[8] beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht. Von Bomben war nicht die Rede.

Und jetzt, als Schulka und Alfa nach dem Ausfall der dritten Triebwerksstufe zunächst in Richtung eines unbekannten Orts auf dem Planeten rasten, löste die Notfall-Objektzerstörung nicht aus – die Gründe sind bis heute nicht ganz klar. Es gab allerdings eine Reserve-Zeitschaltung, die die Sprengung nach sechzig Stunden aktivieren sollte, wobei allerdings auch hier die Details im Dunkeln blieben.[9] Wahrscheinlich ist, dass der Countdown zur Detonation einsetzte, sobald die Kapsel in intaktem Zustand auf der Erde gelandet war – sie denn intakt gelandet war.

Die Krümmung der ballistischen Kurve wird immer steiler, je näher das Objekt in den letzten Flugminuten dem Erdboden kommt, daher stürzte die Wostok auf den Fluss Podkamennaja Tunguska zu, der in einem der unzugänglichsten Gebiete Sibiriens liegt. Das Ganze hatte etwas von einer Ironie des Schicksals: Das letzte Mal war anno 1908 ein Objekt aus dem All in dieser Gegend niedergegangen, ein Meteoriteneinschlag hatte damals mit der Zerstörungskraft einer Atombombe geschätzte 80 Millionen Bäume umgelegt. Derweil durchlebten die Hunde in ihrer versiegelten Box einen entsetzlichen Horror, als ihre kleine Kapsel auf ihrem Sturzflug durch die immer dichter werdende Atmosphäre gewaltig durchgeschüttelt wurde. Aber das war erst der Anfang ihres Albtraums.

In einer Höhe von sieben Kilometern hätte die Luke der Wostok eigentlich abgesprengt werden sollen, zweieinhalb Sekunden später wäre planmäßig der Behälter mit den Hunden ausgeworfen worden und am eigenen Fallschirm sicher in Richtung Erdboden geschwebt. Es war ein ähnliches System wie jenes, das eines Tages einen menschlichen Kosmonauten sicher zur Erde zurückbringen sollte; nur dass hier das System versagte. Die Luke und die Hunde wurden gleichzeitig abgesprengt, was zur Folge hatte, dass der Hundebehälter heftig gegen die Öffnung krachte, die Luke beschädigte und am Ende nicht mehr aus dem Fluggerät herauskam. Nun saßen die Hunde in der zur Erde stürzenden Kugel fest. Letztere war zwar auch mit Bremsfallschirmen ausgestattet, die den Aufprall dämpfen sollten, allerdings war das Gerät...


Remmler, Hans-Peter
Hans-Peter Remmler, geboren 1957, übersetzt Sachbücher aus dem Englischen und Spanischen, u.a. von Hans Rosling, Neil deGrasse Tyson und Ronan Farrow.

Walker, Stephen
Stephen Walker ist Autor und Dokumentarfilmer und arbeitet hauptsächlich für die BBC. Sein Buch Hiroshima. Countdown der Katastrophe (2005) war ein internationaler Bestseller und wird derzeit von Cary Fukunaga verfilmt.

Stephen Walker ist Autor und Dokumentarfilmer und arbeitet hauptsächlich für die BBC. Sein Buch Hiroshima. Countdown der Katastrophe (2005) war ein internationaler Bestseller und wird derzeit von Cary Fukunaga verfilmt.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.