Wallace | Der Brigant | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 203 Seiten

Wallace Der Brigant


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1023-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 203 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1023-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mr. Anthony Newton hatte den Grundsatz, seine Räubereien auf möglichst höfliche Weise auszuführen. Nur einmal musste er davon abweichen. Als er in das Haus des Millionärs Poltue einbrach, fand er Poltue tot in seinem Bett - mit einem Küchenmesser erstochen. Anthony wusste es so einzurichten, dass Poltues japanischer Diener vom Londoner Schwurgericht wegen Mordes verurteilt wurde ...

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"Die menschliche Natur", erklärte Anthony Newton, "wird von zwei bösen Fehlern beherrscht – von Leichtgläubigkeit und Dummheit. Man sagt, daß jede Minute ein Narr geboren wird – und das stimmt auch. Aber es dauert sehr lange, bis er aufgewachsen ist, und wahrscheinlich hat ihm schon jemand das Fell über die Ohren gezogen, bevor du ihm begegnest."

"Das hast du gesagt wie ein alter, herzloser Verbrecher", erwiderte Bill Farrel lässig. Sie saßen gerade bei einem opulenten Abendessen im Empress-Hotel.

"Ich mache diese Bemerkung nur, weil ich gerade von einer Unterredung mit dem liebenswürdigen Polizeiinspektor Parrit von Scotland Yard komme. Der Polizei ist eine merkwürdige Heldentat berichtet worden, die von Leuten ausgeführt wurde, die anscheinend wenig Respekt vor dem Gesetz haben. Mit anderen Worten, man erzählt sich in den offiziellen Kreisen des Polizeipräsidiums, daß eine inoffizielle Polizeitruppe in zwei Spielhäusern eine Razzia abhielt und dabei achthundert Pfund erbeutete. Außerdem haben die Leute Mr. Jepburn, den vornehmen Eigentümer, noch um gewisse Kunstgegenstände bestohlen, die ihren Gefallen erregten, als sie ihn in seiner Wohnung besuchten."

"Ich habe doch aber nicht die goldene Schnupftabaksdose genommen", rief Bill Farrel.

"Das habe ich getan", sagte Anthony seelenruhig. "Ich habe eine gewisse Vorliebe für kleine goldene Dosen, die mit Rubinen besetzt sind. Nebenbei bemerkt, soll sie auch noch ein gewisses historisches Interesse haben. Ich glaube, sie stammt von einem der Zaren. Es war ein Geschenk Friedrichs des Großen an einen Vorfahren Mr. Jepburns. Ich will damit nicht behaupten, daß dieser Jepburn überhaupt einen Vorfahren hatte, den zu erwähnen sich lohnte. Aber es ist eine Schwäche reicher Leute, sich zu ihren Lebzeiten eine ganze Reihe von Ahnen zuzulegen."

"Was hat denn die Polizei gesagt?" fragte Farrel interessiert.

"Man weiß ganz genau, daß ich für die Sache verantwortlich bin", erwiderte Anthony kühl. "Und man hat mich davon verständigt, daß man nicht hoffe, daß ich noch einmal die Polizei nachahme. Ich habe gefragt, ob die Leute, die in die Spielhöllen eindrangen, sich denn selbst als Polizei bezeichnet hätten, und man mußte zugeben, daß das nicht der Fall war. Nur das schlechte Gewissen der Damen und Herren, die Mr. Jepburns Spielhöllen besuchten, führte zu der Annahme, daß die acht wetterharten, gut aussehenden früheren Infanterieoffiziere, die so bestimmt auftraten und das Spiel so rauh unterbrachen, von Scotland Yard kommen müßten." Er schüttelte sich vor Lachen.

"Die Sache ist aber weniger zum Lachen", sagte Bill Farrel ernst. "Ich bin fest davon überzeugt, daß der wahnsinnige Grieche, der dich neulich auf der Straße anfiel, von Jepburn gedungen war."

"Das steht fest. Ich war heute morgen bei Mr. Jepburn und habe ihm mitgeteilt, daß ich ihn mit meinen Freunden wieder in seiner Wohnung besuchen würde, wenn noch einmal ein verrückter Ausländer versuchen sollte, mir auf offener Straße ein Messer zwischen die Rippen zu jagen. Ich habe ihm versprochen, ihn ans Bett zu binden und seine Fußsohlen so lange mit Federn zu kitzeln, bis er verrückt würde."

Farrel sah ihn atemlos an.

"Das ist aber eine schreckliche Drohung!"

"Anders kann man mit solchen Kreaturen nicht sprechen. Wie geht es denn unseren Kameraden?"

Bill grinste.

"Die freuen sich über ihre unrechtmäßig erworbenen Gelder je nach ihrer Veranlagung. Dinky Brown wird einen Hutladen in der Regent Street aufmachen, Tommy Barlow hat sich ein neues System ausgedacht, wodurch er beim Rennen verdienen will, Foreman, der frühere Oberst des 112. Regimentes, hat sich eine kleine Farm gekauft."

Anthony nickte.

"Und was hast du selbst mit deinem Gelde angefangen?" fragte Bill.

"Ich habe meinen Anteil angelegt. Es reichte gerade dazu."

"Wo hast du ihn denn angelegt?"

Anthony faßte in seine Westentasche und zog einen Zeitungsausschnitt hervor. Bill nahm ihn und las.

Stiller Teilhaber gesucht mit etwa tausend Pfund Einlage. Große Verdienste. Kein Risiko. Anfragen unter Box 943 Megaphone.

"Der Herr heißt Yarrow", erklärte Anthony. Dabei blies er den Rauch seiner Zigarre zur Decke empor. "Er betreibt das Geschäft eines Buchmachers."

"Eines Buchmachers?" fragte Bill ungläubig.

Anthony bejahte.

"Er hat eine etwas bewegte Vergangenheit und hat früher schon andere Teilhaber gehabt, die sich mit tausend Pfund an seinem Geschäft beteiligten. Aber diesmal bekommt er keinen stillen Teilhaber."

"Welchen Zweck hat es denn, tausend Pfund in dem Geschäft eines obskuren Buchmachers anzulegen? Wahrscheinlich wird der Mann auch nicht genügend Kunden haben?"

"Yarrows Vater hat einen großen Namen an der Börse. Er hat sehr viel Geld, aber er ist ein schlechter Mensch, geradezu ein Verbrecher. Er ist genauso ein Schwindler und Schuft wie sein Sohn. Aber vergiß das eine nicht, Bill, Yarrow senior ist ein vermögender Mann."

"Ich fürchte, du wirst dabei zu Schaden kommen", warnte ihn Bill.

Aber Anthony lächelte nur.

Am nächsten Morgen ging er zu Silvester Yarrow, der zwei Geschäftsräume im dritten Stockwerk eines Hauses in der Nähe von Piccadilly unterhielt. Die Büros waren sehr hübsch möbliert, auch die übliche Schreibmaschine und das Telefon waren zu sehen.

Mr. Yarrow selbst war ein geschniegelter, tadellos gekleideter junger Mann, der sich viel Pomade in die Haare gestrichen hatte, so daß sie glänzten. Als er in das Büro trat, brachte er ein feines Parfüm mit sich, irgendeinen exotischen Duft, den er besonders bevorzugte. Er reichte Anthony eine weiße, wohlmanikürte Hand.

"Guten Morgen, Mr. Newton", sagte er lächelnd. "Wollen Sie bitte näher treten."

Anthony folgte ihm in den inneren Raum, den man eigentlich nach seiner Einrichtung eher für ein Boudoir als ein Büro hätte halten können. Mr. Yarrow liebte schöne Dinge, Gemälde von Kunstwert, dicke Teppiche, dickes Briefpapier und purpurroten Siegellack.

Er war geschmeidig, sah etwas melancholisch aus, hatte glänzende, dunkle Augen und sprach sehr liebenswürdig mit einer weichen, fast frauenhaften Stimme.

"Ich halte mir weder einen Sekretär noch eine Sekretärin. Man kann solchen Leuten niemals trauen", erklärte er. "Nun, Mr. Newton, Sie haben ja meinen Vorschlag gelesen. Sind Sie entschlossen, in mein Geschäft einzutreten?"

"Ja, das ist meine Absicht. Nur.."

Mr. Yarrow sah ihn schnell von der Seite an.

"Nur möchte ich kein stiller Teilhaber sein, ich möchte aktiv in dem Geschäft tätig sein."

Mr. Yarrow schaute zur Decke empor.

"Kennen Sie denn das Buchmachergeschäft? Das ist ein ganz schrecklicher Beruf, und ich schäme mich fast, daß ich selbst ihn ergriffen habe. Aber man muß schließlich leben."

"Ich weiß von all diesen Dingen sehr wenig", erwiderte Anthony. "Es ist mir nur bekannt, daß die Leute Ihnen telegrafieren und Geld auf Pferde setzen. Wenn sie gewinnen, dann haben Sie den Gewinn auszuzählen, und wenn sie verlieren, dann müssen die Leute Ihnen zahlen."

Mr. Yarrow lächelte glücklich.

"Ja, es ist ein verteufelt anziehendes Metier, das gebe ich zu. Verteufelt interessant. Nun gut, wenn Sie gern tätig mitarbeiten wollen und nichts dagegen haben, daß Sie draußen an dem Schreibtisch in dem anderen Räume Platz nehmen, dann soll es mich freuen, wenn Sie tätigen Anteil am Geschäft nehmen. Wie gesagt, ich habe keinen Sekretär, und Sie können ja das Telefon bedienen, die Telegramme öffnen und auf ein Formular alle Wetten eintragen."

Es schien Anthony ein trostlos langweiliges Geschäft zu sein, denn den ganzen Nachmittag rief niemand an, und es kamen auch keine Telegramme.

"Es...



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