E-Book, Deutsch, 138 Seiten
Wallace Der goldene Hades
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1047-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 138 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1047-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Glaubst du, dass dies alles echtes Geld ist?' fragt Frank Alwin seinen Freund Wilbur Smith von der New Yorker Polizei. 'Es gibt keinen Zweifel. Seltsam ist nur, dass jede der Banknoten den Stempel eines Götzenbildes aufweist...'. Aber dann taucht tatsächlich Falschgeld auf. Und ausgerechnet Miss Bertram, die Tochter eines millionenschweren Bankiers, bringt es in Umlauf! (Zitat aus www.krimi-couch.de)
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Als Peter Corelly zu der Firma Rhyburn kam, wurde er sofort zu der Verhafteten geführt. Sie war aufs höchste empört und äußerte das auch in nicht mißzuverstehenden Worten. Aufregung macht manche Frauen häßlich, aber bei Miss Bertram war gerade das Gegenteil der Fall. Peter Corelly hielt den Hut in der Hand und sah sie erstaunt an.
Wie gewöhnlich ließ er die Schultern hängen und stand vornübergebeugt. Sie sah seinen müden Blick und hörte seine melancholische Stimme.
"Der Polizeipräsident bedauert unendlich, Miss Bertram, daß Sie diese unangenehme Erfahrung gemacht haben. Er hat mich hergeschickt, um die Sache in Ordnung zu bringen."
Sie nickte, preßte die Lippen zusammen und sah ihn feindlich an. Im Augenblick war sie entrüstet über alle Organe des Gesetzes und der öffentlichen Ordnung. Langsam zog sie den Handschuh wieder an, den sie vor ein paar Minuten ebenso langsam ausgezogen hatte.
"Es ist empörend, daß ich hier auch nur eine Minute zurückgehalten werde. Das kann natürlich nur in New York passieren und nur auf das Zeugnis eines solchen Menschen hin."
Sie zeigte auf den deprimierten Hausdetektiv der Firma, der ganz zusammengesunken in einer Ecke stand. "Es ist einfach lächerlich, daß so etwas passieren kann!"
"Aber meine liebe Miss –" begann Peter.
"Ich bin nicht Ihre liebe Miss", fuhr sie ihn heftig an. "Ich dulde nicht, daß Sie mich so beleidigen. Mein Vater wird bald hiersein, und ich werde sofort zum Polizeipräsidium gehen und mich beschweren."
Peter seufzte, schloß die Augen und sah sehr unglücklich aus. Selbst Miss Bertram, die doch so aufgebracht und erregt war, hätte beinahe lachen müssen.
Er wandte sich an den Polizeibeamten, der die Verhaftung durchgeführt hatte.
"Sie können die Dame entlassen, sie ist der Polizei bekannt."
Miss Bertram war schon halb beruhigt, aber diese letzten Worte brachten sie wieder in Harnisch.
"Wie können Sie sagen, daß ich der Polizei bekannt bin!" rief sie heftig.
"Also, hören Sie einmal zu", entgegnete Peter, dessen Geduld nun auch zu Ende war. "Hier in dieser großen Stadt gibt es Millionen und aber Millionen von Menschen, und nach der Verfassung ist einer so gut wie der andere. Ein solches Mißverständnis kann einmal vorkommen. Sie gehen in einen Laden, in dem man Sie nicht kennt, und wenn Sie dann mit einem gefälschten Geldschein zahlen, werden Sie eben verhaftet. Wer sind Sie denn, daß Sie nicht verhaftet werden sollten, wenn Sie das Gesetz übertreten? Sie wissen doch, vor dem Gesetz sind wir alle gleich. Ich würde keinen Augenblick zögern, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu verhaften, wenn er sich schuldig machte. Aber Sie tun so, Miss Bertram, als ob Sie etwas Besseres wären als andere Leute, als ob für Sie eine Extrapolizei bestünde. Wenn Sie glauben, daß das den amerikanischen Sitten entspricht, dann ist das eben Ihre Privatmeinung. Ich bin gekommen, um Sie freizulassen, ich behandle Sie höflich, und Sie fangen hier an zu schimpfen!"
Miss Bertram wußte immer noch nicht, was sie sagen sollte. Da stand nun ein Polizeibeamter vor ihr, hatte die Hände in die Hüften gestemmt, sah sie böse und düster an und hielt ihr eine Strafpredigt! Und dabei war sie doch die Tochter eines großen Geschäftsmannes in New York, eines Multimillionärs, der eine führende Stellung in der Gesellschaft einnahm.
Nachdem sie einige Zeit überlegt hatte, antwortete die junge Dame ganz bescheiden und ruhig. Die Umstehenden, die ihr früheres Benehmen miterlebt hatten, sahen sich erstaunt an.
"Ich verlange keine andere Behandlung als irgendein anderer Mensch. Es war ein dummer Fehler, den der Geschäftsführer hier gemacht hat. Ich bin früher niemals in dem Geschäft gewesen, und ich wäre auch nicht hierhergekommen, wenn ich nicht meiner Zofe etwas zum Geburtstag schenken wollte. Sie sagte mir, daß ihr ein Kleid so sehr gefallen hätte, das sie hier im Schaufenster sah. Ich verstehe eigentlich nicht, warum Sie mir Vorwürfe machen", sagte sie, und der letzte Satz klang schon wieder etwas hochfahrend.
"Dafür werde ich ja bezahlt, daß ich die Leute in Ordnung halte und zurechtweise", entgegnete Peter ruhig. "Ich bin da, um die Kinder der Armen zu beschützen und die Übeltäter zu bestrafen. Und dieser Mann hier" – er zeigte auf den nervösen Geschäftsführer – "ist ein Kind der Armen, die ich zu beschützen habe, wenigstens im übertragenen Sinn."
Einen Augenblick sah sie auf den unglücklichen kleinen Herrn, und plötzlich kam ihr die Komik der Situation zum Bewußtsein. Miss Bertram mußte laut lachen.
"Sie haben vollkommen recht, ich habe mich von meiner schlechten Stimmung hinreißen lassen – es tut mir leid, daß ich so viel Unannehmlichkeiten verursachte. Hier kommt mein Vater."
Sie ging schnell durch das Zimmer einem älteren Herrn entgegen.
George Bertram mochte etwa fünfundfünfzig Jahre alt sein, er hatte einen Spitzbart und war tadellos gekleidet. Sein Gesicht wirkte jugendlich, und vor allem faszinierten seine klugen, wohlwollenden Augen. Er gehörte zu den klügsten Finanzleuten der Weltstadt und dachte von dem Augenblick an, wo er das Geschäftsgebäude der Bank betrat, bis zu dem Augenblick, wo er wieder zu seinem Auto ging, an nichts anderes als an Geldwerte und Spekulationen.
"Mein liebes Kind, das ist sicher sehr unangenehm für dich gewesen. Wie war das nur möglich?"
"Es war mein eigener Fehler", erwiderte sie freundlich. "Ich habe mich von meiner Aufregung hinreißen lassen, statt dem Geschäftsführer ruhig zu erklären, wer ich bin."
"Aber was hast du denn eigentlich getan?" fragte er.
Als sie es ihm erklärte, sah er sie überrascht an.
"Eine gefälschte Banknote ...? Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, wie du in den Besitz eines solchen Geldscheins kommen könntest", meinte er ungläubig.
"Das Geld habe ich natürlich von deiner Bank abgeholt. Ehe ich zur Stadt fuhr, bin ich dort gewesen und habe für meine Einkäufe Geld abgehoben."
"Ich möchte den Schein einmal sehen."
Der Detektiv zeigte die beschlagnahmte Banknote, und George Bertram prüfte sie sorgfältig.
"Ja, das ist tatsächlich eine Fälschung. Hast du noch andere Scheine, die du von der Bank abgeholt hast?"
Sie öffnete die Handtasche und nahm noch vier andere Banknoten heraus.
"Die anderen sind echt", erklärte der Bankier, "aber es wäre doch möglich, daß noch weiteres gefälschtes Geld auf der Bank ist. Ich bin erstaunt, daß mein Hauptkassierer Dutton es bei der Auszahlung nicht sofort entdeckt hat. Mein Hauptkassierer ist einer meiner tüchtigsten Beamten. Es ist einfach unglaublich, daß er diesen Schein durchgehen ließ, ohne die Fälschung zu entdecken. Bist du auch ganz sicher, daß du kein anderes Geld in deiner Tasche hattest, als du heute morgen fortgingst?"
Sie zögerte einen Augenblick.
"Doch, das wäre möglich. Nachdem du darüber sprichst, erinnere ich mich ..."
Sie zählte das Geld.
"Ja, ich hatte noch Geld in meiner Tasche. Es war eine Banknote ... Ich müßte mir überlegen, wo ich sie bekommen habe – irgend jemand hat mir einen größeren Schein gewechselt ..." Sie zog die Augenbrauen hoch, während sie scharf nachdachte.
"Es kommt im Augenblick ja auch gar nicht darauf an, wo Sie das falsche Geld her haben, Miss Bertram", sagte Peter gutmütig. "Wenn Sie aber imstande sind, darüber genauere Auskunft zu geben, werde ich mich sehr freuen. Auf jeden Fall spreche ich morgen im Laufe des Tages einmal bei Ihnen vor."
Sie lachte, und Peter klang das wie Musik in den Ohren.
"Ja, bitte, kommen Sie nur. Dann können Sie mir ja wieder einen Vortrag über die Menschenrechte halten."
"Was für Rechte?" fragte Mr. Bertram erstaunt.
"Ach, ich hatte eine kleine Unterhaltung mit Mr. – ich habe Ihren Namen ja noch gar nicht erfahren."
"Ich heiße Peter Corelly. Hier ist meine Karte. Ich komme selten dazu, eine Visitenkarte zu benützen, meistens genügt es, wenn ich die Marke zeige, die mich als Detektiv legitimiert."
"Sie sind ein merkwürdiger Mann", erwiderte sie, als sie ihm die Hand zum Abschied reichte.
Sie interessierte sich für ihn und empfand es unangenehm, daß umgekehrt sein Interesse für sie nicht besonders groß zu sein schien. Sein Beruf und die vornehme Art und Weise, in der er sprach, schienen nicht zusammenzupassen. Er mußte eine gewisse Bildung haben, und vor allem besaß er große Selbstbeherrschung, die sie trotz ihrer impulsiven Art bewunderte.
"Also, vergessen Sie nicht, mich zu besuchen", rief sie, als sie sich noch einmal aus dem Fenster ihres eleganten Autos lehnte. "Ich möchte durch die Unterhaltung mit Ihnen noch viel lernen."
"Das wird nötig sein", entgegnete er.
Sie...




