E-Book, Deutsch, 217 Seiten
Wallace Die drei von Cordova
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1031-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 217 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1031-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dreimal haben die vier Gerechten den ehrenwerten Mr. Black gewarnt. Jedesmal hat er die Warnung in den Wind geschlagen. Als Black die geheimnisvolle Tür öffnet, fährt er entsetzt zurück - angesichts der tödlichen Gefahr, die auf ihn lauert. (Zitat aus www.krimi-couch.de)
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5
Frank hörte ein leises Geräusch im Flur und wußte, daß sich die Leute, die ihn beobachtet hatten, hier versteckt hielten. Er fürchtete sich nicht, obgleich er keine Waffe bei sich trug; er vertraute auf seine Stärke und Klugheit.
Black trat nach ihm ein und schloß die Tür. Im Dunkel wurde ein Riegel vorgeschoben, dann drehte der Oberst das Licht an.
"Wir führen nichts Böses im Schilde, Mr. Fellowe", sagte er mit einem liebenswürdigen Lächeln. "Sie sehen, wir versuchen keine Tricks mit Ihnen, es geht offen und ehrlich bei uns zu."
Er ging auf einer mit einem dicken, weichen Läufer belegten Treppe voran, und Frank folgte ihm.
Das Haus war luxuriös ausgestattet. Kostbare Radierungen hingen an den Wänden, schwere seidene Vorhänge bedeckten die Fenster im Treppenhaus; kleine Glasvitrinen mit chinesischem Porzellan schmückten die Nischen.
Black führte ihn in ein kleineres Zimmer im ersten Stock; es lag neben dem Raum, in dem er vorhin die Besprechung mit Sir Isaac Tramber abgehalten hatte.
Hier war die Einrichtung weniger verschwenderisch. Zwei Schreibtische standen in dem Raum; auf dem Boden lag ein einfacher Teppich, wie man ihn häufig in Büros findet. Ein großer Gobelin, der eine Wand bedeckte, war der einzige Luxusgegenstand. Von der Decke hing ein Kronleuchter herab und erhellte das Zimmer.
Im Kamin brannte ein kleines Feuer, und auf einem Tischchen in der Nähe der Schreibtische stand ein Abendessen für zwei Personen bereit. Frank sah es sofort, und Black, der sich wegen seiner Unvorsichtigkeit innerlich verwünschte, zwang sich zu einem Lächeln.
"Es sieht fast so aus, als ob ich Sie erwartet hätte", sagte er leichthin. "Aber ich sehe heute abend noch einige Freunde bei mir, und einer von ihnen wird mit mir speisen."
Frank nickte. Die Bedeutung des gedeckten Tisches und der gebrauchsfertigen Blocks auf den Schreibtischen war ihm klar.
"Nehmen Sie bitte Platz", sagte der Oberst; er selbst setzte sich an einen der Schreibtische.
Frank ließ sich langsam in einiger Entfernung von ihm nieder und wandte das Gesicht dem Manne zu, den er überführen wollte.
"Nun wollen wir einmal geschäftlich miteinander reden", begann Black. "Ich sehe nicht ein, warum wir nicht zu einer Verständigung kommen sollten. Ich bin ein vernünftiger Mensch, Sie auch. – Und außerdem sind Sie sehr tüchtig", fügte er anerkennend hinzu.
Frank erwiderte nichts. Er wußte, was jetzt kommen würde.
"Nehmen wir einmal an", fuhr Black nachdenklich fort, "wir kämen zu folgender Verständigung: Sie bilden sich ein, ich machte unsaubere Geschäfte. Ich weiß es ganz genau! Sie stehen unter dem Eindruck, daß ich die Leute auf schändliche Art betrüge. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, wie sehr es mich verletzt, daß Sie so niedrig von mir denken."
Seine Stimme klang jedoch in keiner Weise verletzt oder empört. Im Gegenteil – er sprach so gelassen, als ob es ihm Genugtuung bereitete, seine Methoden zu erörtern.
"Ich bin ganz damit einverstanden, wenn Sie meine Geschäftspraktiken einmal nachprüfen wollen. Sie wissen, daß wir eine große Zahl von Aufträgen aus allen Teilen des Kontinents erhalten und daß wir ungeheure Summen an unsere Kunden auszahlen, die – wie soll ich es gleich nennen? – auf Hausse spekulieren."
"Sie können es ruhig so nennen", erwiderte Frank.
"Nun, nehmen wir einmal an, Sie gehen nach Paris. Sie könnten doch leicht Urlaub bekommen. Oder Sie gehen in die Provinz, in eine der großen Städte Englands, wo Kunden von uns wohnen. Sie besuchen die Leute und fragen sie aus, um festzustellen, ob unsere Geschäftsprinzipien ehrlich sind. Das können Sie ruhig tun. Ich werde Ihnen eine Liste mitgeben. Natürlich sollen Sie diese Reise nicht auf Ihre eigenen Kosten machen." Black streckte die Hände abwehrend aus. "Ich glaube nicht, daß Sie viel Geld für solche Ausflüge haben. Ich werde Ihnen also heute abend, wenn Sie wollen, ein paar hundert Pfund aushändigen, und Sie können dieses Geld nach eigenem Gutdünken verwenden, um Nachforschungen über mich und meine Geschäfte anzustellen. Was sagen Sie dazu?"
"Das kommt mir verteufelt genial vor. Ich nehme die paar hundert Pfund, und es steht mir frei, sie entweder für den angedeuteten Zweck oder für mich privat zu verwenden. Und ich brauche darüber niemand Rechenschaft abzulegen. Habe ich Sie richtig verstanden?"
Oberst Black lächelte und nickte. Er war mit dem Erfolg der Unterredung durchaus zufrieden.
"Sie besitzen wirklich eine gute Auffassungsgabe."
Frank erhob sich.
"Daraus kann nichts werden."
Black runzelte die Stirn.
"Ganz entschieden. Sie können mich nicht mit zweihundert Pfund bestechen, auch nicht mit zweitausend, Oberst Black. Ich bin nicht käuflich. Es ist meine Überzeugung, daß Sie einer der gefährlichsten Menschen sind, die die menschliche Gesellschaft je gekannt hat, und ich glaube, daß Sie sowohl hier in diesem Hause als auch in der City auf verbotenen Wegen wandeln. Ich werde nicht eher ruhen, als bis ich Sie hinter Schloß und Riegel habe!"
Black erhob sich langsam.
"So, so – das ist also Ihre Absicht?"
Blacks Stimme klang jetzt feindlich und boshaft, und er sah Fellowe mit einem haßerfüllten Blick an.
"Das wird Ihnen noch leid tun", sagte er dann schroff. "Ich habe Ihnen eine Chance gegeben, die die meisten anderen jungen Leute mit Freuden ergriffen hätten. Ich könnte Ihnen ja auch dreihundert Pfund –"
"Und wenn Sie die Summe auf dreitausend oder dreißigtausend erhöhten", erwiderte Frank ungeduldig, "würden wir uns doch nicht verständigen können. Ich kenne Sie zu gut. Ich weiß viel mehr von Ihnen, als Sie selbst für möglich halten."
Er griff nach seinem Hut und sah sich gedankenvoll in dem Raum um.
"In Frankreich wird ein Mann gesucht – ein genialer Mensch, der im ganzen Lande, besonders im Süden, Gesellschaften gegründet hat, durch die man schnell reich werden kann. Er ist unter dem Namen ›Olloroff‹ bekannt", sagte Frank langsam. "Auf seine Ergreifung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Er hatte auch einen Partner, der plötzlich starb ..."
Blacks Gesicht wurde weiß, und seine Hände zitterten plötzlich.
"Sie wissen zuviel für mich."
Schnell wandte sich der Oberst um und verließ das Zimmer. Frank eilte ihm nach, denn er fürchtete eine Falle. Aber bevor er die Tür erreichen konnte, fiel sie schon ins Schloß.
Er drückte die Klinke herunter und zog an ihr, aber die Tür ließ sich nicht mehr öffnen.
Schnell sah er sich in dem Raum um. Auf der anderen Seite befand sich noch eine Tür. Er ging auf sie zu, aber plötzlich verlosch das Licht, und er stand in vollkommener Dunkelheit. Vorher hatte er ein Fenster in der Wand bemerkt, aber er mußte bald erkennen, daß es ein blindes Fenster war. Er hatte sich durch geschickt drapierte Vorhänge und Gardinen täuschen lassen. Das einzige wirkliche Fenster, das auf die Straße hinausführte, war schwer vergittert und mit Fensterläden versehen.
Die Dunkelheit machte ihm keine besonderen Schwierigkeiten, da er mit seiner Taschenlampe den Raum ableuchten konnte. Es war ein taktischer Fehler gewesen, Black zu warnen, aber er hatte der Versuchung nicht widerstehen können, diesen selbstbewußten Mann ein wenig zu erschrecken.
Es wurde ihm klar, daß er sich in einer gefährlichen Lage befand. Mit Ausnahme des jungen Mannes, mit dem er auf der Straße gesprochen und der ihn seltsamerweise erkannt hatte, wußte niemand, daß er sich in diesem Hause aufhielt.
Er durchsuchte das Zimmer rasch und lauschte angestrengt nach beiden Türen, aber er konnte kein Geräusch wahrnehmen.
An der Wand des Treppenabsatzes hatten mehrere asiatische Waffen gehangen, und Frank hoffte, daß dieser Raum vielleicht ähnlich...




