E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Wallace Die Millionengeschichte
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1054-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1054-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als die entsprungene Strafgefangene Margaret Maliko vom Regen durchnässt an der Landstraße stand, ahnte sie noch nicht, dass sie eine Woche später mit dem Dollarmillionär Harry Leman verheiratet sein würde ...Die Hochzeit wird streng geheimgehalten. Erst nach zwei Jahren stößt ein Reporter auf die Eintragung beim Standesamt. Da aber wird Leman mit Blausäure vergiftet ... (Zitat aus www.krimi-couch.de)
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Es war zwei Uhr morgens, als John Sands zur Haustür ging, weil es draußen heftig pochte. Als er verschlafen öffnete, stand Jimmy Cassidy vor ihm, der sehr elend aussah.
"Treten Sie näher. Was ist denn geschehen? Sie sehen ja aus, als ob es Ihnen recht schlecht ginge."
"Sie haben sie verhaftet", erwiderte Jimmy heiser. "Ist das nicht furchtbar?"
"Wen haben sie verhaftet?"
"Wen?" Miss Leman! Und nur Sie allein sind daran schuld. Warum mußten Sie auch Blessington sagen, daß die beiden miteinander gestritten haben? Warum wollten Sie denn durchaus Miss Faith in Unannehmlichkeiten bringen?"
"Sie sind ja ganz von Sinnen und so aufgeregt, daß Sie nicht mehr klar denken können. Hier, trinken Sie ein Glas Wein."
"Nein, danke."
Jimmy schob das Glas beiseite.
"Ich will Ihren Wein nicht, ich will auch nicht, daß Sie mich beruhigen, Sands. Ich weiß sehr wohl, was hier vorgegangen ist, ich sehe vollkommen klar. In meinem Beruf haben wir keinen Respekt vor der Ehrbarkeit irgendwelcher Leute. Obwohl Sie immer taten, als ob Sie uninteressiert wären, wissen Sie etwas, und ich gehe nicht eher, als bis Sie es mir gesagt haben. Wer war diese Frau?"
"Ich weiß ja noch gar nicht, von welcher Frau Sie sprechen", entgegnete John Sands geduldig. "Aber ich glaube, daß Sie die Dame meinen, die Sie aus der Wohnung kommen sahen. Übrigens haben nur Sie die Frau gesehen."
"Aber die Tür war offen, das können Sie doch nicht abstreiten", erwiderte Jimmy.
Einen Augenblick stutzte John Sands.
"Das stimmt allerdings", sagte er dann, "daran hatte ich nicht gedacht. Niemand hat die Tür aufgelassen, und ich kann mir nicht denken, daß ich es gewesen sein sollte."
"Nein, Sie haben sie wieder zugeschlossen, das habe ich deutlich gesehen. Übrigens habe ich auch das Schloß genau untersucht, bevor ich am Abend das Haus verließ. Es ist ein Yale-Schloß. Verzeihen Sie, wenn ich ein wenig kritisch bin, aber mich hat die ganze Sache furchtbar aufgeregt. Ich weiß ja, daß Sie keine bösen Absichten hatten, aber ich sorge mich so sehr um Miss Leman."
Mr. Sands legte teilnahmsvoll die Hand auf Jimmys Schulter.
"Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Sie sich fühlen."
"Aber Sie haben sich ja verletzt!" bemerkte Jimmy plötzlich.
"Ach, das ist weiter nichts. Ich habe mich heute abend ein wenig gestoßen ... Doch ich will lieber gleich die Wahrheit sagen. Es ist nicht so schlimm, aber ich dachte, es wäre besser, wenn ich einen Verband anlegte, denn ich bin gebissen worden."
"Wer hat Sie denn gebissen?"
"Ein Hund. Merkwürdig, nicht? Das Fenster meiner Speisekammer stand offen, er sprang herein, und als ich dazukam, griff er mich an."
"Aber Sie sind auch im Gesicht zerkratzt."
"Sie sehen aber auch alles", sagte Sands jetzt ungeduldig. "Ich habe mich beim Rasieren geschnitten. Um aber auf Miss Leman zurückzukommen: Glauben Sie mir, ich werde mir alle Mühe geben, ihr zu helfen. Sie können sich auf mich verlassen, und wenn Geld notwendig ist für ihre Verteidigung – ich bin zwar kein reicher Mann, aber ich weiß, daß mein Freund Harry Leman das auch getan hätte, und ich fühle mich dazu verpflichtet.
Im Grunde genommen hatte der alte Leman ein gutes Herz, und seine Unfreundlichkeit war nur angenommen. Ich weiß ganz genau, daß er trotz all seiner äußeren Gehässigkeit seine Nichte sehr gern hatte und sogar stolz auf sie war."
Er sprach ernst, und seine Stimme klang überzeugend.
"Ich selbst zweifle keinen Augenblick daran, daß sie unschuldig ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie ein so schreckliches Verbrechen begangen hat. Ja, ich weiß, daß sie es nicht getan hat – wenn es sich überhaupt um ein Verbrechen handelt."
"Halten Sie es für einen Mord?" fragte Jimmy, der plötzlich ruhig geworden war.
"Ich möchte es bezweifeln. Leman war ein ganz eigentümlicher Charakter. Man konnte ihn beim besten Willen nicht für normal halten. Es gab Augenblicke, in denen er halb und halb den Verstand verloren hatte, und ein solcher Mann kann eventuell auch Selbstmord begangen haben. Ich kann mich besinnen, daß er zuweilen außerordentlich deprimiert war. Er ärgerte sich über Kleinigkeiten. Ein Mann, der ein so großes Vermögen besitzt, würde sich doch nicht darüber aufregen, wenn seine Aktien an der Börse um ein paar Punkte fallen! Wie schwierig war er immer, wenn seine Spekulationen nicht genau nach seinen Erwartungen verliefen! Aber Sie haben mir noch nichts Genaueres von der Verhaftung Miss Lemans erzählt."
Jimmy antwortete nicht gleich. Er nahm sein Etui heraus und steckte sich eine Zigarette an.
"Miss Leman wurde von Blessington verhaftet, weil er eine kleine Flasche mit Blausäure in ihrem Schreibtisch fand."
"Hat sie erklärt, wie sie in den Besitz der Flasche kam?"
"Sie hat gesagt, daß sie ihr per Post zugeschickt wurde. Ihrer Angabe nach war das Fläschchen in einem Reklamezettel eingewickelt, der einen Fleckenreiniger empfahl. Der Inspektor hat gleich bei dem nächsten Drogengeschäft angefragt und festgestellt, daß das Reinigungsmittel, das in dem gedruckten Handzettel empfohlen wurde, weit verbreitet ist. Aber der Drogist zeigte Blessington eine Probe davon, die dunkelbraun und nicht im mindesten so aussah wie die Flüssigkeit in Miss Lemans Schreibtisch. Daraufhin hat sich die Polizei entschlossen, Miss Leman zu verhaften. Vor einer halben Stunde ist sie auf der Polizeistation in der Bow Street eingeliefert worden."
Jimmy gab sich alle Mühe, ruhig zu sprechen, aber seine Stimme zitterte doch leicht.
Mr. Sands schüttelte den Kopf.
"Ein außerordentlicher Fall. Sagen Sie mir nur das eine: Hat irgendeine Frau Veranlassung, auf Miss Leman eifersüchtig zu sein?"
Jimmy sah ihn erstaunt an.
"Wie meinen Sie das? Soviel ich weiß, kennt sie weiter keine Damen."
Plötzlich störte ein schrecklicher Laut die Unterhaltung, ein jammervolles Stöhnen, als ob jemand entsetzliche Schmerzen ausstände. Es schwoll zu einem langanhaltenden, markdurchdringenden Schrei an, dann herrschte wieder tiefe Stille.
Die beiden sahen einander an.
"Was mag das gewesen sein?" fragte Jimmy, der bleich geworden war.
"Ach, das war nur meine Lieblingskatze", erklärte Sands und lächelte ruhig, "manchmal, wenn ich in meinem Zimmer sitze und lese, fängt dieses Biest derartig zu heulen an, daß ich ganz nervös werde. Sie haben das Tier wohl noch nicht gesehen?" fragte er scherzend. "Aber wir kommen ganz von unserem ersten Thema ab. Wenn uns das Vieh noch einmal stören sollte, dann jage ich es aus dem Haus."
Jimmy setzte sich und nahm mit zitternder Hand die Zigarette aus dem Mund. Sands war hinausgegangen, um das Tier zu beruhigen. Jimmy hörte, wie die Tür geöffnet und geschlossen wurde, dann ein leichtes Aufschlagen. Nach kurzer Zeit kam John Sands wieder zurück.
"Es tut mir leid, aber so etwas geht mir auf die Nerven. Besonders Sie müssen darunter leiden, weil Sie es nicht gewöhnt sind."
"Es sieht fast so aus, als ob Sie heute im Krieg gewesen wären, Katzen bei Nacht und Hunde am Tag!"
Sands lachte.
"Ja, ich führe tatsächlich ein Hundeleben", meinte er dann. "Es wäre besser, wenn wir einen kleinen Spaziergang machten. Ich werde Sie ein Stück begleiten, in der freien Luft kann man besser denken. Ich bin noch zu aufgeregt, um schlafen zu können."
Sie gingen also zusammen durch die verlassenen Straßen. Sands sprach unaufhörlich und brachte die seltsamsten Theorien vor.
"Es tut mir furchtbar leid, daß ich in die ganze Affäre gegen meinen Willen hineingezogen worden...




