Wallace | Feuer im Schloss | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Wallace Feuer im Schloss


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1035-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1035-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Der Alte' heißt ein geisteskranker Verbrecher, der aus der Irrenanstalt von Sketchley Hill in der Nähe von London ausbricht. Kurze Zeit später stellt Lord Arranway einen nächtlichen Einbrecher in seinem Schloss. Als er seine Waffe auf den Mann richtet, verhindert Lady Arranway einen Mord. Und doch brennt das Schloss einige Zeit später bis auf die Grundmauern nieder. (Zitat aus www.krimi-couch.de)

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6



Schon nach den ersten vierundzwanzig Stunden ihrer Bekanntschaft hatte Dick Mayford feststellen müssen, daß Anna Jeans ganz anders war als die jungen Damen, die er bisher getroffen hatte. Sie gab ihm selten recht und hatte überhaupt einen äußerst eigenwilligen Charakter. Das brachte ihn etwas aus der Fassung, denn bisher war er immer von einem Kranz bewundernder Weiblichkeit umgeben gewesen.

Eines Tages hatte er sich mit Anna verabredet, zu den Mailley-Ruinen zu reiten, und kam eine Viertelstunde zu spät zu dem ausgemachten Treffpunkt. Dort erfuhr er, daß sie pünktlich allein fortgeritten war. Als er sie nach einem scharfen Galopp eingeholt hatte, sah er sie vorwurfsvoll an und sagte, daß sie ruhig ein bißchen hätte auf ihn warten können.

Aber sie schaute ihn nur belustigt mit ihren grauen Augen an und bereute offensichtlich nichts.

"Daran werden Sie sich gewöhnen müssen", meinte sie. "Ich habe mir schon in frühester Jugend geschworen, nie auf einen Mann zu warten. Wenn es Ihnen nicht gegen den Strich geht, sich für Ihr Zuspätkommen zu entschuldigen, können wir ja auch weiterreiten."

Und Dick fügte sich tatsächlich und bat sie um Verzeihung, die ihm auch gewährt wurde.

"Ich habe die ganze Nacht fest durchgeschlafen", erklärte sie, als er ihr von dem Brand im Schloß erzählte.

"Lorney hätte Sie aufwecken sollen –", fügte er hinzu.

"Ach, warum denn das? Wozu soll ich mir ansehen, wie ein Haus abbrennt? Mrs. Harris hat mir so schon eine haarsträubende Schilderung davon gegeben. – Es muß entsetzlich gewesen sein für Ihre Schwester."

Ihm kam es vor, als ob sie das etwas nüchtern und spöttisch gesagt hätte, und er warf ihr einen mißtrauischen Blick zu.

"Es war für uns alle unangenehm", entgegnete er steif. "Glücklicherweise habe ich einen leichten Schlaf und hörte Mr. Lorney, wie er mit den Fäusten gegen die Tür schlug." Nach einer Weile fragte er etwas zusammenhanglos: "Wie lange bleiben Sie eigentlich noch hier?"

"Ein paar Wochen."

"Warum sind Sie überhaupt hergekommen?"

Sie sah ihn von der Seite an.

"Weil ich hoffte, Sie hier zu treffen", sagte sie dann. "Ich habe Sie schon bewundert, als ich noch ein Kind war. – Es muß eigentlich herrlich sein, wenn man so heimlich verehrt wird. Ja, so bin ich nun einmal, wenn ich einen Mann sehe und ihn gern habe, dann kann mich nichts mehr von ihm abbringen."

Dick räusperte sich unbehaglich, obwohl gar kein Grund zur Verlegenheit da war. Sie schien seine schwache Seite berührt zu haben. "Bitte, sagen Sie mir doch ehrlich, warum Sie hierhergekommen sind."

"Erstens, weil ich Mr. Lorney gern habe; zweitens, weil mein Leben mehr oder weniger durch einen alten Rechtsanwalt bestimmt wird, der in London wohnt. Wenn er sagt: ›Gehen Sie in ein Internat!‹ dann muß ich in ein Internat gehen. Und wenn er mir rät, meine Ferien in einem Gasthaus in einer gottverlassenen Gegend zu verbringen, dann muß ich das auch tun."

"Ist er Ihr Familienanwalt?"

Sie wandte sich im Sattel halb zu ihm.

"Habe ich Ihnen meine Lebensgeschichte noch nicht erzählt? Das ist aber wirklich nicht nett von mir ..."

Und sie berichtete ausführlich, während sie weiterritten. Dick hatte kaum Gelegenheit, selbst; etwas zu sagen, bis sie zum Gasthaus zurückkamen.

"Ich kann diesen Romeo nicht ausstehen", erklärte sie plötzlich ohne jeden Zusammenhang.

"Welchen Romeo?"

"Ich mag ihn einfach nicht", fuhr sie fort, ohne auf seine Frage einzugehen, "selbst wenn er noch so schicke Pyjamas hat und mir die schönsten Rosen aus Mr. Lorneys Garten zuwirft. Das gibt noch was, wenn er erfährt, daß sie abgerissen worden sind. – Die ganze Sache war beinah romantisch: Ich schaute heute morgen so gegen sieben Uhr zum Fenster hinaus. Allerdings hatte ich ein süßes hellblaues Nachthemd an, und so kann man natürlich dem jungen Mann keinen großen Vorwurf machen. Jung ist andererseits auch wieder übertrieben: Am Hinterkopf hat er schon eine ganz schön dünne Stelle. Männer sollten doch lieber einen Hut aufsetzen, wenn man auf sie herunterschauen kann."

"Ach, meinen Sie Keller?" fragte Dick überrascht.

"Ja, so heißt er wohl."

"Warum mögen Sie ihn denn nicht?"

Sie schüttelte den Kopf.

"Ach, ich weiß nicht. Wahrscheinlich ist es ein Instinkt, der mich vor ihm warnt. Ich möchte nicht wissen, was er von mir dachte, als ich die Rose auffing und sie ihm wieder zuwarf. – Gefällt er Ihnen denn?"

Dick sagte nichts, aber plötzlich wurde er sich vollkommen bewußt, daß er diesen Keller ohne weiteres hätte umbringen können.

"Eigentlich sieht er gar nicht so schlecht aus, nicht wahr? – Haben Sie übrigens den ›Alten‹ zu Gesicht bekommen? Mrs. Harris sagt, er wäre in der vergangenen Nacht draußen auf dem freien Platz vor dem Schloß gesehen worden. Wollen wir nicht einmal die Höhlen durchsuchen, ob wir ihm begegnen? Es heißt, er wäre total verrückt und hätte seinen Wärter mit dem Hammer erschlagen. Aber mir kann ja nichts passieren, wenn Sie dabei sind!"

"Nehmen Sie überhaupt irgend etwas ernst?" fragte er gereizt. Sie schaute ihn bewundernd an.

"Sie nehme ich ernst. Viel ernster als sonst jemanden, der mir bisher den Hof gemacht hat."

"Aber ich denke ja gar nicht daran, Ihnen den Hof zu machen", protestierte er entrüstet.

"Nein, dazu hatten Sie ja niemals Gelegenheit. Man kann eine junge Dame schließlich nicht auf dem Tennisplatz umarmen, und auch ein Ritt in die schöne Gegend ist zu dem Zweck nicht gerade praktisch. Nein, hätte heute morgen der Mond statt der Sonne geschienen, so hätte ich wahrscheinlich eine tadellose Julia abgegeben – das heißt, wenn mein Partner nicht gerade Mr. Keller gewesen wäre."

Kurz vor dem Gasthaus wurde sie wieder ernst und erzählte Dick, wie nett Mr. Lorney zu ihr war. Sie konnte sich erinnern, daß er jedesmal an ihren Geburtstag gedacht hatte, als sie noch ein kleines Kind war, und ihr auch später immer wieder Geschenke geschickt hatte, oft ohne äußeren Anlaß.

Auch im vorigen Jahr hatte sie ihre Ferien bei ihm verbracht. Sie merkte, daß er auch abweisend und rauh sein konnte, aber ihr gegenüber war er immer von der gleichen Freundlichkeit. Es war eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften, daß er alten Freunden unbedingt treu war.

"Meiner Meinung nach kann er Mr. Keller nicht leiden", sagte sie abschließend.

Dick wunderte sich darüber, denn er konnte nicht wissen, daß die beiden sich schon von früher kannten.

"Wenn Mr. Lorney Mr. Keller zufällig irgendwo sieht, wendet er kein Auge von ihm. Wenn er erst herausbekommt, daß er seine Rosen abgerissen hat, gibt es Krach."

Keller stand in der Diele, als die beiden zurückkamen. Wie gewöhnlich war er äußerst elegant angezogen. Dick suchte auf seinem Hinterkopf nach Anzeichen einer beginnenden Glatze, konnte aber nichts dergleichen feststellen.

"Hallo, sind Sie ausgeritten?" fragte Keller unnötigerweise, nickte Dick zu und wandte sich dann mit einem gequälten Lächeln an Anna.

"Ich habe Sie heute morgen schon gesehen."

Anna übersah seine ihr entgegengestreckte Hand.

"Essen Sie im großen Speisezimmer zu Mittag?" fragte sie.

"Ja", entgegnete Keller schnell.

"Na, dann sehen Sie mich heute noch dreimal", tröstete sie ihn und ging die Treppe hinauf, um sich umzuziehen.

Keller sah ihr nach, bis sie oben angekommen war.

"Wer ist das eigentlich?" erkundigte er sich dann bei Dick.

...



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