Wallace | Mary Ferrera spielt System | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 108 Seiten

Wallace Mary Ferrera spielt System


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1034-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 108 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1034-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein bezauberndes, elegantes Mädchen taucht im Kasino von Monte Carlo auf und setzt dauernd den Höchstbetrag. Sie scheint ein festes System zu haben. ... (Zitat aus www.krimi-couch.de)

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Ich habe mir oft überlegt, ob Dawkes wirklich nur das System von Miss Ferrera erfahren wollte. Er war ein reicher Mann, aber das machte natürlich kaum einen Unterschied. Es gibt nur wenig vermögende. Leute, die nicht jede Gelegenheit ergreifen, um ihren Besitz noch zu vergrößern.

Am nächsten Morgen ging ich nicht direkt zu Billys Büro. Erst wollte ich mit Leslie Jones sprechen. Er war in viel besserer Stimmung, als ich erwartet hatte, weil es ihm gelungen war, den Versicherungsbetrug aufzudecken. Er hatte der Polizei bereits eine Anzahl wichtiger Tatsachen mitgeteilt, so daß die Schuldigen verhaftet werden konnten.

"Billy hat es aber ordentlich gepackt", meinte er kopfschüttelnd. "Wir sind nun schon vierzehn Tage in diesem verdammten neuen Büro, und Billy hat bisher noch keine Ruhe gefunden, sich ein einziges Mal für längere Zeit an den Schreibtisch zu setzen und wirklich zu arbeiten."

"Was macht er denn augenblicklich?"

"Er rennt wie ein gefangener Löwe auf dem neuen Teppich auf und ab. Der wird ja bald durchgetreten sein!" Leslie machte ein betrübtes Gesicht. "Und nach seinem wilden Gesichtsausdruck zu schließen, überlegt er sich allerhand Unangenehmes, das er Dawkes an den Kopf werfen will."

"Hat er Ihnen etwas darüber gesagt?" fragte ich schnell.

"Er sagte mir nur soviel, als er es für gut hielt." Leslie seufzte. "Aber daran bin ich schon gewöhnt, und ich lasse mir deshalb keine grauen Haare wachsen." Trotzdem seufzte er wieder.

"Ich würde ja gar nichts sagen, wenn es ein anständiges Mädchen wäre", begann er und schüttelte aufs neue den Kopf.

"Sie ist aber wirklich eine entzückende junge Dame", verteidigte ich Miss Ferrera.

Er sah mich erstaunt an.

"Sie haben sich also auch von ihr einfangen lassen?" fragte er traurig. "Nun, die Sache wird ja bald vorüber sein. Ich habe einen feinen Fall für Billy. Hoffentlich beißt er an, und wenn er erst einmal wieder an der Arbeit ist, dann ist er in Sicherheit."

Billington war in Verlegenheit um einen Ausweg. Das sah ich sofort, als ich in sein Büro trat. Er stand am Fenster und schaute düster hinaus. Wie es Leute tun, die zerstreut sind, beschäftigte er sich mit allerhand gleichgültigen Dingen. Zum Beispiel befand sich eine kleine Öffnung in der Täfelung am Fenster. Gerade, als ich hereinkam, sprang eine kleine Tür auf, und ich sah einen Hohlraum, der hinten von Mauerwerk begrenzt wurde.

"Was mag das nur sein?" fragte Billy.

Er schaute hinein, und es zeigte sich, daß ein Schacht nach unten führte. Schließlich fiel ihm die Erklärung ein.

"Ach, das war die frühere Zentralheizung. Die Warmwasserrohre kamen hier vom Keller herauf." Er schloß die kleine Holztür.

Einige Zeit starrte er darauf, dann öffnete er sie wieder. Da kein Handgriff vorhanden war, steckte er sein Taschenmesser in den Spalt und zog den beweglichen Flügel auf.

"Eigentlich ein großartiges Versteck, wenn man etwas verbergen will."

"Ja, man kann es nachher unten im Keller wiederfinden."

Billy schlug die kleine Tür zu, legte das Messer auf den Schreibtisch und ging zum Kamin mit den zwei Löwen. Er stützte sich mit dem Ellbogen auf den Kopf des einen und vergrub das Gesicht in den Händen.

"Wenn sie nun tatsächlich das Geld bei der Bank unterschlagen hat – aber es ist ja nicht möglich!"

Ich sah ihn fragend an.

"Nehmen Sie einmal an", fuhr er fort, "daß Miss Mary das Geld von der Bank geliehen hat, um ihrem Bruder zu helfen, der in Schwierigkeiten geraten ist –"

"Oder einem Freund oder einem Liebhaber."

"Ach, seien Sie doch nicht so roh!" rief er laut. "Was denken Sie sich denn! Sie hat doch keinen Liebhaber!"

"Soviel wir wissen, hat sie auch keinen Bruder", protestierte ich, nahm mir eine Zigarre und steckte sie an. "Also nehmen wir einmal an, daß sie tatsächlich das Geld von der Bank geliehen hat."

Eine Weile schwieg er.

"Das wäre wirklich tragisch", sagte er bedrückt.

Ich setzte mich und betrachtete ihn verwundert.

"Geht es Ihnen eigentlich immer so, wenn es sich um eine Frau handelt?"

Ich erwartete eine heftige Erwiderung, aber sie kam nicht.

"Ich habe stets großes Mitleid mit den Frauen gehabt, aber bis jetzt habe ich noch keine Frau geliebt", entgegnete er ruhig.

Die Schlichtheit dieses Bekenntnisses brachte mich zum Schweigen. Er ging zum Schreibtisch, blieb neben mir stehen und legte eine Hand auf die Kante.

"Mont, wenn Thomson Dawkes heute abend beleidigend gegen sie wird, schieße ich ihn einfach nieder!" erklärte er sachlich und entschlossen.

"Aber das ist doch Unsinn! Erstens wird er nicht beleidigend, und zweitens schießen Sie ihn nicht nieder."

"Er hat mich heute morgen angerufen und erklärt, daß er Mary allein sprechen will."

"Das ist doch weiter nicht gefährlich. Wenn er mit der Drohung, sie bloßzustellen, etwas von ihr erreichen will, wünscht er doch sicher nicht, daß ich als Kriminalbeamter von Scotland Yard und Sie als Detektiv als Zeugen zugegen sind."

"Mir gefällt die ganze Sache nicht."

"Haben Sie denn schon Ihre Einwilligung zu dieser Privatunterhaltung gegeben?"

Er nickte.

"Darauf kommt es auch nicht so sehr an. Ich halte mich währenddessen in Leslies Raum auf, und sobald sie schreit, gehe ich hinein. Und ich sage Ihnen, Mont, wenn dieser gemeine Kerl sie beleidigt, mache ich ihn kalt." Er schlug mit der Faust auf den Tisch. "Wollen Sie etwas von mir, Leslie?" Jones hatte die letzten Worte gehört.

"Wen bringen Sie denn jetzt schon wieder um?" fragte er freundlich.

Billy lachte.

"Kommen Sie herein, Leslie, und bleiben Sie nicht an der Tür stehen."

"Also, wen haben Sie eben erledigt?" fragte Leslie noch einmal, als er nähertrat.

"Dawkes."

"Großartig!" entgegnete Leslie ironisch. "Ich werde Lilien schicken, Mont kann die Rosen besorgen. Dann machen wir beide Ihnen einen Abschiedsbesuch, bevor der Henker Sie an den Galgen knüpft."

Er machte den Versuch, von dem neuen Fall zu erzählen, aber Billy wollte nichts hören, klopfte ihm nur gutmütig auf die Schulter und schickte ihn wieder fort.

"Erinnern Sie sich noch an die Fahrkarte dritter Klasse, die Dawkes in Miss Ferreras Tasche fand?" fragte er, als Leslie verschwunden war.

"Ach, meinen Sie das Billett nach Brixton? Ja, natürlich."

"Sie hat eine Kusine in Brixton, die sie auf ihrem Weg von London nach Monte Carlo gelegentlich besucht. Diese Sache hat sich vollkommen harmlos aufgeklärt."

Ich bemühte mich, über ein anderes Thema mit ihm zu sprechen, hatte aber nur wenig Erfolg. Immer wieder sprach er von Miss Ferrera und dem Geheimnis, das sie umgab.

"Sie trägt einen Revolver in ihrer Handtasche", sagte er. "Aber auch das läßt sich erklären, denn sie hat immer so viel Geld bei sich, daß sie vorsichtig sein muß. Das habe ich in Monte Carlo an dem Abend erfahren, als ich mit ihr auf der Terrasse sprach. Die Tasche stieß zufällig an meine Hand, und ich fühlte die Waffe."

"Ein tüchtiges junges Mädchen", entgegnete ich geduldig.

Seine Einladung zum Mittagessen lehnte ich ab und versprach, um halb acht wiederzukommen. Ich erschien aber erst um Viertel vor acht, und Miss Ferrera war inzwischen schon eingetroffen.

...



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