Wallace | Verdammte Konkurrenz | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 184 Seiten

Wallace Verdammte Konkurrenz


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1063-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 184 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1063-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieser Roman gehört nicht zu den Kriminalromanen des englischen Schriftstellers sondern ist ein humorvoller Unterhaltungsschmöker.

Wallace Verdammte Konkurrenz jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


3



Barbara verließ allem Anschein nach das Geschäft, um zu Tisch zu gehen. In Wirklichkeit aber wollte sie einen geheimen Auftrag ausführen.

Mr. Maber besaß eine kleine, sehr elegante Junggesellenwohnung in der St. James's Street, die manche Annehmlichkeiten hatte. Zum Beispiel brauchte er keine Dienstboten dort zu unterhalten. Wenn man einmal klingelte, kam der Hauskellner, und man konnte das Essen bestellen, das man wünschte. Drückte man den Knopf zweimal, so erschien der Hausdiener, der Anzüge und Wäsche in Ordnung hielt. Und da Mr. Maber Komfort über alles liebte, hatte er überall in seinen Räumen leicht erreichbare Klingeln anbringen lassen.

Barbara öffnete mit dem Schlüssel, den ihr Mr. Maber gegeben hatte, und klingelte nach dem Diener. Der Mann kannte sie, weil sie früher öfter Post für Mr. Maber in die Wohnung gebracht hatte.

"Mr. Maber mußte plötzlich nach Deutschland reisen und hat mich gebeten, ihm einige Kleider nachzusenden. Packen Sie also bitte einen Anzug ein, und ein Oberhemd und ein ..."

"Nur einen Anzug?" Der Diener machte ein bedenkliches Gesicht. "Das ist doch nicht genug!"

"Er kann doch nur einen Anzug zu gleicher Zeit tragen!" erwiderte Barbara geduldig.

"Aber er kann doch nicht alle Tage den gleichen Anzug tragen! Und Wäsche muß er doch auch zum Wechseln haben --"

"Nein, er braucht nur ein Stück von jeder Sorte", erklärte Barbara verzweifelt, die von Herrenkleidung keine Ahnung hatte. "Er hat gewettet, daß er mit einem Anzug eine Reise um die Welt machen wird."

Dem Diener erschien das äußerst merkwürdig, und er sah sie argwöhnisch an.

"Von der Seite habe ich Mr. Maber noch gar nicht kennengelernt", meinte er zweifelnd.

"Bilden Sie sich denn ein, daß Sie ihn von allen Seiten kennen?" fragte Barbara gereizt. "Muß ich Mr. Maber vielleicht nach Deutschland telegraphieren und ihm mitteilen, daß --"

"Beruhigen Sie sich nur, ich werde alles wunschgemäß besorgen", erwiderte er hastig, als Barbara auf die Schlafzimmertür zuging.

Endlich war der Koffer fertig gepackt. Sie verließ damit die Wohnung und fuhr zu der Marlborough-Polizeistation.

"Ja, er ist noch hier", sagte der Inspektor, "und entwickelt gerade einen gewaltigen Appetit." Er nahm ihr den Koffer ab. "Wollen Sie warten, oder soll ich Ihnen die anderen Sachen nachher zuschicken?"

"Es wäre mir sehr lieb, wenn Sie sie später ins Geschäft senden würden."

Nachdem sie Mr. Maber nun mit einem Anzug versorgt hatte, in dem er sich in einem Monat wieder unter seinen Mitmenschen sehen lassen konnte, aß sie unterwegs in einem Restaurant und kehrte dann in die Firma zurück.

Mr. Julius Colesberg ging nicht zu Tisch. Geistesabwesend und verstört saß er in seinem Büro. Der Scheck über siebentausend Pfund lag vor ihm. Immer noch mußte Julius an den entsetzlichen Augenblick denken, als sich Barbara erhoben und die Sitzung geschlossen hatte. Er besann sich auch noch deutlich darauf, daß sie beim Verlassen des Konferenzzimmers ein Stück Papier vom Boden aufgenommen hatte. Barbara liebte Ordnung über alles.

Ebenso erinnerte er sich noch an Mr. Larks verzerrtes Lächeln und an die drohenden Worte, mit denen Mr. Atterman und sein Direktor gegangen waren.

Er schrak zusammen, als seine Sekretärin klopfte und gleich darauf eintrat.

"Was wollen Sie denn?" fuhr er sie an.

"Sie sagten mir doch heute morgen, daß Sie mir später Briefe diktieren wollten."

"Ich diktiere keine Briefe mehr", erwiderte Mr. Colesberg wütend. "Meinetwegen mag das Geschäft gehen, wie es will, ich kümmere mich nicht mehr darum. Es hat ja doch alles keinen Zweck. Ich gehöre nicht mehr zur Firma -- Sie übrigens auch nicht. Sie sind entlassen!"

"Weshalb denn?" fragte sie entrüstet. "Sie können mich doch nicht einfach entlassen, ohne mir vorher zu kündigen!"

"Gehen Sie nur hinüber und lassen Sie sich von ihr kündigen, wenn Sie so großen Wert darauf legen", sagte Julius höhnisch und zeigte mit dem Kopf zum Büro seines Seniorpartners.

"Zu Miß Storr?"

Unkontrollierbare Gerüchte zirkulierten im Hause der Firma Maber & Maber. Der Chef sollte Barbara heimlich geheiratet und ihr das Geschäft als Hochzeitsgeschenk übergeben haben. Einige Verkäuferinnen in der Wäscheabteilung wollten sogar den Hochzeitskuchen gesehen haben. Andere erzählten sich, Mr. Maber schäme sich so sehr über diese gesellschaftliche Entgleisung, daß er sich nicht wieder im Büro zeigen wolle. Wieder andere glaubten der Version, daß sich die Jungvermählten an der Kirchentür wieder getrennt hätten, da Mr. Maber seine voreilige Handlungsweise bereut habe. Mit einer schwarzen Hornbrille, wie sie Mr. Atterman trug, sollte er nach Deutschland entflohen sein.

Julius stützte den Kopf in die Hand und dachte verzweifelt und angestrengt darüber nach, was nun werden sollte. Vorschnell und unüberlegt hatte er eine gute Stellung aufgegeben. Wenn er auch noch keine Dividende erhalten hatte, bezog er doch ein glänzendes Gehalt. Er bekam viermal mehr, als wenn er das Geld auf Zinsen angelegt hätte.

*

Alan Stewart ging mit schnellen Schritten durch die Verkaufsräume, eilte die Treppe hinauf und trat ohne große Anmeldezeremonie bei Barbara ein.

"Sie sind doch wirklich ein Prachtmädel!" begrüßte er sie. "Ist es denn tatsächlich wahr, daß Sie die Leitung des Geschäfts haben?"

"Ich habe Sie herbestellt, um mit Ihnen die nötige Reklame zu besprechen."

"Ja. Ich empfehle Ihnen, sofort eine ganzseitige Anzeige im ›Daily Megaphone‹ aufzugeben. Die erste Seite ist zufällig gerade frei. Haben Sie schon einen Text aufgesetzt?"

"Ja, hier."

Mehrere Konzepte lagen auf dem Schreibtisch herum.

"Was, Sie wollen eine ›Billige Woche‹ veranstalten? Das ist ja bis jetzt in der Geschichte der Firma Maber & Maber überhaupt noch nicht vorgekommen!"

"Nun, dann machen wir eben jetzt den Anfang damit", erklärte sie kurz. "Ich habe mir die Lagerbücher aller Abteilungen kommen lassen. Mit den alten Ladenhütern und dem unnötigen Ballast muß endlich einmal aufgeräumt werden. Würden Sie wohl den Text einmal für mich durchsehen? Ich habe darin noch zu wenig Übung. Vor allem fehlen noch ein paar zugkräftige Worte."

Er las eins der Manuskripte durch und machte einige Korrekturen.

"Das ist ja alles ganz gut und schön", meinte er dann. "Aber Sie können doch einen solchen Plan nicht innerhalb vierundzwanzig Stunden durchführen, mein liebes Kind!"

"Ich bin kein Kind. Nehmen Sie sich mit Ihren Ausdrücken ein wenig in acht, sonst muß ich mir einen anderen Berater für Reklameangelegenheiten kommen lassen. Und ich möchte Ihnen auch den Rat geben, sich lieber kein Urteil über meine Fähigkeiten anzumaßen. Noch vor Ablauf einer Woche werden Sie nichts mehr von den alten Beständen in diesem Hause finden."

Alan Stewart sah auf die Annonce, dann auf Barbara, legte die Stirne in Falten und äußerte dann neue Zweifel und Einwände.

"Die Zeit für Ausverkäufe ist doch schon zu Ende -- haben Sie daran auch gedacht?"

"Unsere Besprechung ist jetzt auch zu Ende", sagte sie und zeigte mit der Hand zur Tür.

Als er durch die Geschäftsräume dem Ausgang zuschritt, kam ihm erst zum Bewußtsein, daß er Barbara doch vor allem nach einer Erklärung für diese revolutionierende Umstellung des ganzen Betriebes hatte fragen wollen.

Kaum war Alan Stewart gegangen, so erschien Mr. Lark im Büro des Chefs. Er wandelte noch immer wie im Traum umher und konnte die Wirklichkeit nicht fassen.

"Ich gebe Ihnen Ihren Posten als Einkäufer vorläufig wieder zurück", erklärte Barbara ruhig,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.