Wallace | Zwei Afrikaromane: Hüter des Friedens + Unter Buschniggern | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 259 Seiten

Wallace Zwei Afrikaromane: Hüter des Friedens + Unter Buschniggern

Geschichte aus dem afrikanischen Urwald (Abenteuerromane)
1. Auflage 2014
ISBN: 978-80-268-2225-7
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichte aus dem afrikanischen Urwald (Abenteuerromane)

E-Book, Deutsch, 259 Seiten

ISBN: 978-80-268-2225-7
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Zwei Afrikaromane: Hüter des Friedens + Unter Buschniggern' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Edgar Wallace (1875-1932) war ein englischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur, Journalist und Dramatiker. Wallace gehört zu den erfolgreichsten englischsprachigen Kriminalschriftstellern. Wallace wurde unter dem Namen Richard Horatio Edgar als unehelicher Sohn eines Schauspielerpaares geboren und unmittelbar nach seiner Geburt von einem Londoner Fischhändler adoptiert. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und hatte keine abgeschlossene Schulausbildung. Dennoch arbeitete er sich im Burenkrieg bis zum Kriegsberichterstatter in Südafrika hoch. Nach seiner Rückkehr nach London arbeitete er als Journalist und Sonderberichterstatter. Die Romane von Edgar Wallace wurden in vierundvierzig Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er vor allem durch seine journalistische Arbeit und seine Afrikaromane, deren erster 1911 unter dem Titel Sanders vom Strom erschien. Wallaces berühmtester Krimi war Der Hexer, der als Theaterstück am 1. Mai 1926 uraufgeführt wurde und ein riesiger Erfolg war. In Deutschland fand die Uraufführung 1927 am Deutschen Theater in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt statt. Des Weiteren verfasste er zahlreiche Kurzgeschichten, Essays, Gedichte und Theaterstücke. Inhalt: Hüter des Friedens Unter Buschniggern

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Bones ändert seine Religion


Inhaltsverzeichnis

Captain Hamilton mußte sich in seinem Leben um zwei Menschen kümmern: um seine Schwester und um seinen Untergebenen.

Seine Schwester hieß Patricia Agatha, sein Untergebener führte den Familiennamen Tibbetts und den Vornamen Augustus, aber Hamilton hatte ihn in seiner willkürlichen Art »Bones« getauft.

Solange Patricia noch in Bradlesham Thorpe in der Grafschaft Hampshire weilte und Bones etwa dreitausend Meilen davon entfernt an der Westküste Afrikas lebte, empfand Captain Hamilton seine Verantwortlichkeit nicht als eine große Last.

Als Patricia Hamilton den Entschluß faßte, ihrem Bruder einen Besuch zu machen, geschah es mit seiner vollen Zustimmung, denn er wußte nicht, daß das Zusammentreffen seiner beiden Sorgenkinder Veranlassung zu Schwierigkeiten geben könnte.

Patricia war an einem glühendheißen Tropenmorgen angekommen und herzlich von ihrem Bruder empfangen worden. Die Haussa standen in ihren Alltagsuniformen am Ufer und schauten feierlich zu, wie Militini seine Schwester begrüßte.

Distriktsgouverneur Sanders, Ritter des Michael- und Georg-Ordens, war ihr etwas formeller gegenübergetreten, denn er hatte eine gewisse Scheu vor Frauen. Und Bones war damals, wie wir ja wissen, nicht zugegen – was in mehr als einer Beziehung unangenehm war.

Auch die Tatsache, daß Miß Hamilton außerordentlich hübsch war, machte die Lage für den unglücklichen Bones nicht leichter. Männer, die unter Eingeborenen leben und außer schönen Gestalten, die aber nicht auf europäische Art gekleidet sind, nichts sehen, sind geneigt, jede weiße Frau, die ihnen nach langer Zeit zu Gesicht kommt, für eine Schönheit zu halten. Aber es bedurfte weder des Kontrastes noch des Vergleichs mit den Eingeborenen, um Patricia zu bewundern.

Sie war von keltischem Typus und etwas über mittelgroß. Ihre Haltung war aufrecht, und sie hatte einen wunderbaren Gang. Ihr Gesicht bildete ein vollkommenes Oval, ihre schöne, glatte Haut war leicht gebräunt.

Ihre Augen strahlten, und sie war immer zum Lachen bereit. Trotzdem war sie ein ernster Charakter, und aus ihren Blicken und Zügen sprachen angeborene Güte und Zartheit. Drei Menschen verehrten sie an der Küste.

Ihr Bruder bewunderte sie natürlich, sah sie aber etwas kritisch an; Sanders bewunderte sie und fürchtete sie ein wenig; Leutnant Tibbetts bewunderte sie und hielt sich von ihr fern.

Nach jener peinlichen Entdeckung warf Bones die Tür seiner Hütte hinter sich zu und lehnte standhaft alle Nahrung ab. Er hatte sich selbst aus dem Kreis seiner Landsleute ausgeschlossen.

Am nächsten Morgen traf er Hamilton bei den Exerzierübungen. Er sah hohläugig aus (wie er hoffte), denn er hatte eine schlaflose Nacht hinter sich. Aber seine Haltung zeigte nichts von der tiefen Hochachtung und Verehrung seinem Vorgesetzten gegenüber, wie sie eigentlich die Paragraphen der Dienstvorschriften forderten.

»Wie geht es eigentlich Ihrem Kopf, Bones?« fragte Hamilton, nachdem er die Soldaten hatte wegtreten lassen.

»Ich danke Ihnen, Sir«, sagte Bones bitter, obwohl gar kein Grund vorhanden war, über diese freundliche Nachfrage beleidigt zu sein. »Ich danke Ihnen, es ist immer dasselbe. Meine Temperatur ist oder war etwa vierzig Grad Fieber, ich lag im Delirium, und ich kann auch gerade nicht behaupten, daß ich im Moment frei von Wahnvorstellungen bin.«

»Kommen Sie mit zum Mittagessen«, lud ihn Hamilton ein.

Bones salutierte – das war das sichere Vorzeichen, daß er eine größere, dramatische Rede halten würde.

»Sir«, sagte er fest, »Sie sind immer ein netter, alter Offizier mir gegenüber gewesen, bevor dieses schreckliche Ereignis mein junges Leben vernichtete – aber ich werde niemals wieder derselbe werden, der ich früher war.«

»Seien Sie doch kein Esel, Bones!«

»Schmähen Sie mich nicht!« rief Bones entrüstet. »Geben Sie mir lieber einen gefährlichen Auftrag! Einen abenteuerlichen Auftrag, bei dem ein Mann wie ich sein Leben in die eine und den Revolver in die andere Hand nimmt. Aber fragen Sie mich nicht ...«

»Meine Schwester möchte Sie gerne sehen«, unterbrach Hamilton den Strom seiner Beredsamkeit.

»Haha«, lachte Bones hohl und schritt zu seiner Hütte.

»Der Himmel mag wissen, was ich mit ihm anfangen soll«, seufzte Hamilton bei Tisch. »Deine Ankunft hat ihn völlig durcheinander gebracht, Patricia!«

Sie faltete die Serviette zusammen, trat ans Fenster und schaute über den gelben Exerzierplatz hin, der jetzt verlassen dalag.

»Ich werde ihn einmal besuchen«, erklärte sie plötzlich.

»Armer Bones«, murmelte Sanders.

»Das ist recht herzlos von Ihnen!« Sie nahm ihren Tropenhut vom Regal neben der Tür, setzte ihn sorgfältig auf, ging dann durch die offene Tür und pfiff vergnügt.

»Ich hoffe, Sie nehmen das Pfeifen nicht übel«, entschuldigte Hamilton seine Schwester. »Wir haben es Ihr niemals abgewöhnen können.«

Sanders lachte.

»Es wäre ungewöhnlich, wenn sie nicht pfeifen würde«, meinte er geheimnisvoll.

Bones lag auf dem Rücken, hatte die Hände unter dem Kopf verschränkt und dachte nach. Eine halbleere Keksdose und die Überbleibsel einer Pralinenpackung ließen erkennen, daß der Einsiedler nicht die Absicht hatte zu verhungern.

An seinem Geist zog eine lange Folge trauriger, melancholischer Bilder vorüber. Vielleicht würde er fortgehen, weit, weit fort in das Innere. Sogar in das Gebiet des großen Königs, wo das Leben eines Mannes nicht mehr wert war als fünf Pfennige. Wenn dann Tag um Tag dahinging, ohne daß Nachricht von ihm eintraf – wie sollte das auch möglich sein, wenn er unter einem Steinhügel ruhte –, dann würden sie ängstlich werden und sich um ihn sorgen. Und dann würden Boten kommen, die ihr die paar Wertstücke überbrachten, die er ihr vermacht hatte – eine Armbanduhr, einen zerbrochenen Säbel und ein silbernes Zigarettenetui, das die Eindruckstelle des Pfeiles zeigte, der ihn durchbohrt hatte. Und sie würde um ihn trauern und ihn in der Einsamkeit ihres Zimmers beweinen.

Vielleicht auch würde seine Kraft noch reichen, ihr ein paar Worte zu schreiben und sie um Verzeihung zu bitten. Dann würden Tränen in ihre schönen grauen Augen kommen – wie sie jetzt in seinen eigenen Augen standen, als er sich dieses Bild ausmalte. Und sie würde alles wissen und ihm verzeihen.

Draußen pfiff jemand.

Oder er würde von einem schweren Fieber heimgesucht werden und todkrank auf seinem Lager liegen, dann würde sie kommen und ihn pflegen wollen, aber er würde es ablehnen. »Sag ihr, Ali«, würde er mit schwacher, ersterbender, aber tapferer Stimme flüstern, »sag ihr ... ich bitte sie nur um Verzeihung.«

Wieder wurde gepfiffen.

Bones hörte es wohl. Der Pfiff kam von dem offenen Fenster unmittelbar über seinem Kopf. Singvögel waren in diesem Teil des Landes selten, aber er war zu träge und zu sehr in seine traurigen Phantasien vertieft, um aufzustehen.

Aber vielleicht würde sie ihn nie wiedersehen, und vielleicht würde sie niemals die tiefe Ungerechtigkeit ...

Jetzt pfiff man aber sehr laut und sehr lange. Bones hörte es genau und deutlich, wandte den Kopf halb um und schaute nach oben –

Im nächsten Augenblick sprang er auf und wischte sich mit der Hand die feuchte Stirn ab. Sie, bei der alle seine Gedanken weilten, lehnte mit gespitzten Lippen an der Fensterbank.

Patricia schaute ihm fest in die Augen. »Kommen Sie heraus, Sie Unglücksrabe.«

Bones schaute sie bestürzt an, aber er gehorchte.

»Was soll das heißen, daß Sie hier in Ihrer häßlichen, kleinen Hütte Trübsal blasen, während Sie doch auf Händen und Füßen herbeikriechen müßten, um mich um Verzeihung zu bitten?«

Er erwiderte nichts.

»Bones«, fuhr das energische Mädchen fort und schüttelte vorwurfsvoll den Kopf, »Sie verdienen eine gehörige Tracht Prügel!«

Bones hielt sein knochiges Handgelenk hin. »Schlagen Sie mich nur«, trotzte er.

Aber kaum hatte er das gesagt, als ihre fest kleine Hand ihm auf die Finger klopfte. Bones stöhnte.

»Aber Haltung, meine liebe, gute Miß Hamilton«, sagte er und rieb sein Handgelenk.

»Ja, Haltung, mein lieber, alter Bones«, ahmte sie ihn nach, »Sie sollten sich wirklich schämen ...«

»Lassen Sie die Vergangenheit vergessen sein, meine liebe, gute Miß Hamilton«, bat Bones jetzt großzügig. »Ich sehe, daß Sie eine tüchtige junge Sportsdame sind – geben Sie mir Ihre Hand, selbst wenn sie eine Tonne schwer ist.«

Er streckte seine sehnige Hand aus und schüttelte die ihre, daß Patricia ihr Gesicht verzog.

Fünf Minuten später ging er neben ihr her, zeigte ihr die Quartiere der verheirateten Haussa-Soldaten und erzählte ihr die Geschichte seiner ersten Liebe. Sie verstand es ausgezeichnet, zuzuhören, und unterbrach ihn nur durch ein paar Fragen, ob irgendwie Verrücktheit in seiner Familie erblich oder ob die junge Dame kurzsichtig gewesen sei. Es hätte Hamilton selber sein können, der Bones so hänselte.

»Was reden die beiden nur so viel miteinander?« wunderte sich Sanders, der sie von seinem tiefen, bequemen Segeltuchstuhl aus beobachtete.

»Bones erzählt ihr sicher seine Lebensgeschichte«, meinte Hamilton gleichgültig, »und wie er diese Kolonie vor einem Aufstand bewahrt hat. Er bittet sie natürlich auch, weder Ihnen noch mir ein Wort davon zu sagen, denn er fürchtet, daß wir dadurch...



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