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E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Wallenda / Gruber Landser an der Ostfront - Zwischen Tod und Stacheldraht
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-6070-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach den Erinnerungen des Soldaten Hans Gruber
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7412-6070-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bereits der Debütroman von Wolfgang Wallenda: "Die Frontsoldaten von Monte Cassino" wurde ein kleiner internationaler Erfolg. Erzählt wird der Werdegang des 1939 zwangsrekrutierten Mathias Wallenda, der an Kriegsschauplätzen in Frankreich, dem Balkan, Afrika und Italien eingesetzt war. Es folgten rund 40 Romanhefte unterschiedlicher Genres, die der Autor für zwei große deutsche Verlage schrieb. Schwierige Zeitgeschichte behandelt er informativ: Der Autor hierzu: "Der Zweite Weltkrieg war eines der dunkelsten Kapitel der Menschheit. Es darf nie wieder einen Holocaust oder Genozid, wie z.B. in Ruanda, geben. Wie vergesslich die Menschheit ist, zeigt u.a. das traurige Beispiel des blutigen Bürgerkriegs in Jugoslawien, der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ganz Europa in Atem hielt. Man muss aufklären, darf nichts verleugnen und muss rigoros gegen Unrecht vorgehen.
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Zwischen Tod und Stacheldraht
Gutes und Böses wurden der Menschheit seit Anbeginn ihrer Existenz in die Wiege gelegt. Auch wenn die böse Seite dominiert, ist es am Ende die Gute, die stets triumphiert.
Ich hatte das Pech, in einer turbulenten Zeit an einem Ort geboren zu werden, an dem das Böse gerade dabei war sich unter die Menschen zu mischen. Im Jahr 1924 erblickte ich in Stettin das Licht der Welt. Fünf Jahre zuvor war der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen und eine Krise jagte die nächste im besiegten Deutschland.
Diesen Umstand machte sich das Böse zunutze. Adolf Hitler und ein paar seiner Getreuen gründeten 1923 die NSDAP. Durch ihre breit adressatendifferenzierte Propaganda gelang es der Partei, eine breite Wählergemeinschaft anzusprechen und zu gewinnen.
Mit falschen Versprechungen, Gewalt, List und Tücke gelangten sie schließlich an die Macht.
Durch die Gleichschaltung der Medien wurde die Masse des Volkes permanent mit dem nationalsozialistischen Gedankengut gefüttert. Lügen, Betrug am Volk und immer wieder Gewalt manifestierten die Macht der Nazis. Widerstand wurde im Keim erstickt, das Volk mit den perfiden Gedanken der Nationalsozialisten infiziert. Mit glühenden Reden wurde Hass gegenüber dem gesät, der anders war. Unaufhaltsam lief die Kriegsmaschinerie an. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges öffnete der Teufel die Pforten zur Hölle.
Wie viele andere Millionen Deutsche, war auch ich seit meiner Jugend von der Nazi-Politik fasziniert. Die uniformierten Waffen-Paraden, die abenteuerlichen Unternehmungen bei der Hitler-Jugend, die absolute Kameradschaft zwischen den Burschen und letztendlich die vorgegaukelte heile Welt hatten mich, schleichend und irgendwann vollends, in den Bann den nationalsozialistischen Gedankenguts gezogen.
Die sog. Jugenddienstpflicht betraf alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren und war seit Anfang 1939 gesetzlich geregelt. In der nach dem Führerprinzip geordneten HJ standen sowohl körperliche als auch ideologische Schulungen auf dem Tagesprogramm. Aus den Kindern von „heute“ wurden bereits die Soldaten von „morgen“ geformt. Ein Leitspruch der HJ lautete: „Was sind wir? Pimpfe! Was wollen wir werden? Soldaten!“
So folgte ich dem Ruf des Führers, folgte dem Fingerwink eines skrupellosen Diktators, der es geschafft hatte, sich mit seinen Ideen in meinen Kopf zu schleichen und mein Gehirn auszuschalten. Das Gift der Nationalsozialisten hatte mich im Denken und Handeln gelähmt. Ich glaubte das, was man mir erzählte. Ich war davon überzeugt, dass wir die Schmach von Versailles überwunden hatten. Die waffenlose Heimführung des Sudetenlandes und der Anschluss Österreichs bestätigten den Erfolgskurs Hitlers.
Die jahrelange Hatz in den Medien gegen das Judentum, gegen Zigeuner, der Kampf gegen den Bolschewismus und alles andere, das nicht in die heroische Nazi-Welt passte, verinnerlichte sich. Wir wurden diesbezüglich auf beiden Augen blind. Wir waren das, was wir sein sollten. Gefügige Marionetten, die für das Deutsche Reich alles geben würden. Auch ihr Leben.
Nachdem ich die Höhere Schule abgeschlossen hatte, begann ich Architektur zu studieren. Nach zwei Semestern in der Lehranstalt für Hoch- und Tiefbau zog ich nach Frankfurt/ Oder und setzte dort mein Studium fort. Nach weiteren 1 ½ Semestern wurde meine Studienzeit abrupt unterbrochen, da ich 1942 meinen Einrückbescheid zum Reichsarbeitsdienst (RAD) erhielt.
Seit Juni 1935 musste jeder junge Mann eine sechsmonatige, dem Wehrdienst vorgelagerte Arbeitspflicht im Rahmen eines Arbeitsdienstes ableisten. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs dehnte man den Reichsarbeitsdienst auch auf die weibliche Jugend aus.
Im nationalsozialistischen Deutschland war der RAD ein wichtiger Bestandteil sowohl der Wirtschaft als auch der Erziehung
So trat ich im Juli 1942 in Westpreußen meinen Dienst an. Ich war als Erntehelfer eingesetzt. Tagsüber schufteten wir hart, doch an manchen Abenden, und vor allem an den Wochenenden genossen wir die Zeit, denn außer uns jungen Männern waren auch Musik-Studentinnen aus Wien beim RAD zur Erntehilfe eingesetzt. Musik, Tanz und so mancher Flirt ließen die Tage und Wochen nur so verfliegen. Der Krieg war weit weg.
Meine Zeit beim RAD war jedoch schneller vorbei als mir lieb war. Bereits nach drei Monaten Arbeitsdienst bekam ich meinen Einberufungsbefehl.
Der Dienst in der Wehrmacht wurde von mir immer noch als großes Abenteuer betrachtet. In diesen Tagen dachte keiner von uns Rekruten daran, dass wir lediglich die Lücken derer füllen sollten, die an den Fronten ihr Leben ließen.
Dass auch meine Mutter einmal einen schwarz umrandeten Brief mit diesem Spruch erhalten sollte, wäre mir zu diesem Zeitpunkt niemals in den Sinn gekommen. Aber davon möchte ich später berichten.
Nach einer abenteuerlichen Eisenbahnfahrt in einem Güterwaggon trat ich frisch rasiert und mit vorbildlichem Kurzhaarschnitt in der Pionier-Kaserne in Aschaffenburg meinen Dienst in der Wehrmacht an.
In den folgenden Wochen lernte ich den militärischen Drill beim Barras kennen und hassen. Wir wurden gedrillt, geschliffen, geformt. Vor allem die Geländeübungen auf dem Pionier-Übungsplatz, südlich des Aschaffenburger Ortsteils Schweinheim, brannten sich in mein Gedächtnis ein.
Die Grundausbildung in der Wehrmacht betrug normalerweise zwölf Wochen. Während des Krieges, zumindest war das bei meinem Jahrgang so, verkürzte man diese Zeit nochmals auf acht Wochen.
Warum die ohnehin verkürzte Grundausbildung bei uns Pionieren nochmals auf lediglich fünf Wochen reduziert wurde, weiß ich nicht. Vielleicht lag es daran, dass man an den Fronten neue Soldaten benötigte, vielleicht waren es auch nur organisatorische Gründe.
Während dieser 35 Tage durchlebten wir allerdings die größten Strapazen und Qualen, die uns bis dahin in unserem Leben widerfuhren. Uns kam es vor, dass wir die für zwölf Wochen ausgelegten Schindereien der Ausbilder binnen dieser fünf Wochen komplett abbekamen.
Die Ausbildung unterteilte sich in
- Waffen- und Schießausbildung, Karabiner 98k, möglichst auch an der Pistole, Maschinenpistole, lMG sowie Hand- und Nebelgranaten
- Grundtätigkeiten im Gefechtsdienst
- Wachausbildung
- Verhalten bei Einsatz vom chemischen Kampfstoffen
- Formalausbildung
- Sportausbildung
Als Pioniere war uns glücklicherweise ein großer Ausbildungsteil der Infanteriegruppe erspart geblieben. Diese Kameraden mussten zusätzlich alle Gefechtsarten sowie Spähtrupp, Vorposten, Spitzengruppe beim Marsch usw. üben.
Dagegen nahmen uns die Ausbilder beim Bau von Feldbefestigungen hart ran. Es gab keinen Rekruten ohne Blasen an den Händen. Sogar Heinrich Schäfer, den alle nur Heini nannten, beschwerte sich über die Schufterei. Heini war im Steigerwald beheimatet und als Holzfäller hartes Arbeiten gewohnt. Er war ein Büffel von Mann und wuchtete die schweren Holzbohlen, die normalerweise zwei Männer hoben, alleine herum. Ich war froh, dass er in meiner Gruppe war, denn Heini war nicht nur bärenstark und ein Arbeitstier, sondern auch sehr kameradschaftlich. Er half, wo es vonnöten war und hätte sein letztes Hemd für jeden von uns hergegeben.
Den obligatorisch schlimmsten Unteroffizier, den Schleifer aller Schleifer, wie ihn wohl jeder Rekrut aus jeder Armee der Welt in Erinnerung behalten hat, gab es bei uns nicht. Sie waren alle gleich schlimm. Keiner der altgedienten Pioniere, die uns zu Soldaten formten, war gutmütiger oder härter als ein anderer, weshalb sie durchwegs alle in schlechter Erinnerung blieben. Ehrlicherweise muss ich hierzu erwähnen, dass wir während dieser Zeit richtig fit gemacht wurden und nicht nur ein Rekrut das eine oder andere Kilo an überschüssigem Körpergewicht verlor und ein paar Muskeln aufbaute.
Unser Tagesplan war hart. Geweckt wurde um 5 Uhr. Es folgte Frühsport bis 5:30 Uhr, anschließend waschen und Frühstück, gefolgt vom Reinigungsdienst und dem pünktlich um 7 Uhr stattfindenden...




