Wallner | Mordsg'schicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Wallner Mordsg'schicht

Ein Fall für Ahnenforscherin Juliana Kallberger
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95819-158-7
Verlag: Ullstein Midnight
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Ahnenforscherin Juliana Kallberger

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-95819-158-7
Verlag: Ullstein Midnight
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Schlafende Hunde soll man nicht wecken Juliana Kallberger ist froh, in das gemütliche Dörfchen Zwirnbach gezogen zu sein. Hier, in der Heimat ihres Mannes, kann sie in Ruhe ihrem Lieblingshobby nachgehen: Der Ahnenforschung. Doch als sie einen Eintrag in ihrem Familienstammbuch ergänzen will, stolpert sie über einen Skandal. 1902 wurde ein  Urahne ihres Mannes erhängt in Zwirnbach aufgefunden, kurz nachdem auch seine Frau gestorben ist. War das ein Selbstmord? Juliana kommt der Eintrag ungewöhnlich vor und sie beginnt zu recherchieren, was damals vorgefallen sein könnte. Doch schlafende Hunde soll man nicht wecken und die Stimmung im Dorf kippt, als Juliana beginnt herumzuschnüffeln. Dann wird auch sie selbst bedroht ... LeserInnenstimmen:  Freunde gemütlicherer Krimis à la Kluftinger werden Juliana Kallberger lieben! (Silvia K., Buchhändlerin)  Das ist einmal ein origineller Plot - und ganz unterhaltsam lernt man noch etwas dazu über Ahnenforschung ... (Stefanie F. auf NetGalley.de)    

Julia Wallner ist das Pseudonym einer in Wien lebenden Autorin. Seit dem Ende ihres Wirtschaftsstudiums arbeitet sie in einer Bank. Nachdem sie im Jahr 2014 zufällig über ein Stammbaumprogramm stolperte, begann sie mit der Erforschung ihrer Vorfahren - ein Hobby, das mittlerweile zur Passion geworden ist. Seit 2017 ist sie auch Autorin des Genealogieblogs 'Julies Schatzkiste', in dem neben praktischen Ahnenforschungstipps auch ihre Ahnen vorgestellt werden. Julia Wallner ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.
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Kapitel 3


Am nächsten Tag begann Juliana mit der Erstellung des Businessplans für den Bäckermeister. Es war schon fast Mittag, als sie alles zu ihrer Zufriedenheit fertiggestellt hatte. Sie schickte die Datei per E-Mail zur Durchsicht an ihren Kunden.

Da sie schon am Computer saß, beschloss sie, die Statistiken ihres Blogs zur prüfen. 547 Ansichten am gestrigen Tag. Nicht schlecht! Drei Leser hatten auch Kommentare zum ihrem aktuellsten Post hinterlassen:

»Danke für die Zusammenfassung. Ich habe das Wort Fraißen schon öfter gelesen, wusste aber nicht, was genau dahintersteckt! Marie«

»Hallo Juliana. Interessant, wie die Leute früher an Magie geglaubt haben! lg, Hans«

»Wie furchtbar, dass so viele Kinder sterben mussten, bevor der Grund dafür herausgefunden wurde! lg, Siegrid«

Ein Magenknurren verriet ihr schließlich, dass es Zeit zum Essen war. Georg war unterwegs bei Kunden, daher hatte sie zwei Möglichkeiten: Entweder machte sie sich selbst irgendetwas Ungesundes aus der Tiefkühltruhe warm oder sie stattete ihren Schwiegereltern einen Besuch ab. Da gab es meistens etwas Feines zu Mittag, und wenn sie Glück hatte, war es genug für eine uneingeladene Besucherin. Das Haus von Rudi und Franziska Kallberger, Georgs Eltern, lag nur wenige Meter entfernt, der Marsch war also nicht lange.

Sie liebte es, die »Hauptstraße« von Zwirnbach entlangzuschlendern. Man traf dabei oft Nachbarn, mit denen man Neuigkeiten austauschen oder auch nur über das Wetter plaudern konnte. Heute allerdings wagte sich niemand in die Mittagshitze, also kam sie kurz nach 12 Uhr bei ihren Schwiegereltern an.

Ihre Schwiegereltern hatten nach ihrer Hochzeit beschlossen, ein neues Haus zu bauen, um in Zwirnbach bleiben zu können. In diesem Haus war auch ihr Mann Georg aufgewachsen, woran immer noch die Schaukel und Rutsche im Garten erinnerten.

»Juliana, was für eine Überraschung!«, wurde sie von Franziska, die alle »Franzi« riefen, freudig empfangen. »Hast du Hunger? Ich hab noch ein paar Schnitzerl übrig, die wollte ich euch sowieso vorbeibringen.«

Jawohl!, dachte Juliana, Jackpot! Sie liebte Franzis Schnitzerl. Da hatte sie den richtigen Riecher gehabt. »Du kannst Gedanken lesen, ich habe Riesenhunger!«, antwortete sie ihrer Schwiegermutter und beide gingen ins Esszimmer, wo noch die Schnitzerl und der Erdäpflsalat am Tisch standen. Rudi, ihr Schwiegervater, verzehrte genüsslich die letzten Bissen seiner Portion.

»Na, hast du oben bei euch im Haus die Schnitzerl gerochen?«, begrüßte er sie. »Hast Glück, dass ich dir welche übrig gelassen hab, die schmecken wieder mal hervorragend!«

»Da freut sich nicht nur Juliana, sondern auch dein Cholesterinwert!«, wurde er gleich von seiner Frau ermahnt.

»Wenn du nicht so gut kochen würdest, Franzi, hätt ich auch kein Problem mit meinem Cholesterin!«, sagte er schelmisch.

»Ja, ja, immer sind die anderen schuld!«, entgegnete Franzi lachend, die sich aber insgeheim über das Lob ihrer Kochkünste zu freuen schien.

Franzi war klein und schmal, die mittlerweile grauen Haare färbte sie sich hellbraun. Die blauen Augen waren voll regem Interesse für alles, was rund um sie geschah. Ihre guten Kochkünste hatten sich nie auf ihre Hüfte geschlagen, dafür aber umso mehr auf den Bauch ihres Ehemannes, der nicht zu übersehen war. Die beiden waren seit fast fünfzig Jahren verheiratet und lebten ebenso lang gemeinsam in Zwirnbach. Franzi war eigentlich keine Zwirnbacherin. Ihren zukünftigen Mann hatte sie am Kirtag in Wolkersdorf kennengelernt. Sie hatte damals ausgeholfen und die Brathenderln serviert. Weder den Henderln noch der Franzi hatte Rudolf widerstehen können und wenig später waren die beiden verlobt. Obwohl sie keine eingeborene Ortsbewohnerin war, lebte Franzi schon lange genug im Ort, um die Geschichten und Verwandtschaften der Ortsbewohner zu kennen. Juliana versuchte ihr Glück: »Sag mal, Franzi, ich hab einen komischen Eintrag im Sterbebuch von Zwirnbach bei meinen Recherchen für einen Artikel gefunden. Sagt dir der Name Joseph Mayerhofer etwas?«

»Ach, du und deine Recherchen! Du bist eine richtige Kirchenbuchratte!«, meinte Franzi schmunzelnd. »Lass mich nachdenken. Mayerhofer – warte, das war doch der Mord in Zwirnbach, der nie aufgeklärt wurde, oder?«

»Mord? Also im Kirchenbuch steht eigentlich, dass der arme Mann erhängt aufgefunden wurde. Ich hätte da auf Selbstmord geschlossen.« Juliana war erstaunt.

»Ja, ja so irgendwie war das. Zuerst dachten alle, dass der Herr Mayerhofer sich erhängt hat, aus Kummer über den Tod seiner Frau. Aber dann hat die Polizei angeblich doch wegen Mordes ermittelt. Ich weiß nicht mehr, wer mir das erzählt hat. Muss schon lange her sein, aber vielleicht fällt es mir noch ein.«

»Das wird ja immer interessanter. Ich muss unbedingt versuchen, mehr herauszufinden!« Julianas Spürsinn war geweckt.

»Rudis Großvater ist irgendwie sogar verwandt gewesen mit dem Joseph Mayerhofer. Großcousins oder so, glaub ich«, ergänzte Franzi.

»Wirklich? Ich glaub nicht, dass ich das in meinem Stammbaum schon erfasst habe. Da muss ich wohl auch noch meine Daten prüfen. Ich wusste ja, warum ich dich fragen wollte. Du bist der Quell des Wissens, Franzi, danke!«

»Ja, ja schon gut. Ich find es ja auch spannend. Wenn ich mit dem Computer nicht so auf Kriegsfuß stehen würde, würde ich wahrscheinlich Tag und Nacht nur in digitalen Kirchenbüchern schmökern. Magst du noch eine Nachspeise oder musst du gleich wieder weg? Es gibt Schokotorte.«

»Hmm, ist eine schwierige Entscheidung, aber ich glaube, deine Schokotorte gewinnt!«

Eine Stunde und zwei Schokotortenstücke später machte sich Juliana auf den Weg nach Hause. Dort notierte sie sich gleich die neuen Informationen, die sie prüfen wollte:

  • Joseph Mayerhofer war angeblich ein Verwandter von Georg – wo war die Verbindung?
  • War Joseph Mayerhofers Tod Selbstmord oder Mord?

Sie begann mit ihren Nachforschungen da, wo sie gestern Abend von der Müdigkeit übermannt gestoppt hatte: bei den alten Zeitungen.

In guter Gewohnheit mit einem Glas Eistee ausgerüstet, startete sie ihren Computer und ging wieder zur Homepage von ANNO. Sie gab wieder die Suchworte »Mayerhofer« und »Zwirnbach« ein. Neben dem Artikel, den sie gestern schon gelesen hatte, fand sie im März 1902 noch zwei kürzere Notizen zum Tod von Joseph Mayerhofer, die allerdings keine wirklich neuen Informationen enthielten.

Etwa einen Monat nach dem Todeszeitpunkt fand sie, was sie gesucht hatte:

Wiener Zeitung vom Dienstag, den 8. April 1902:

Zwirnbach: Selbstmord oder Mord?


Wie heute von der Polizeibehörde bestätigt wurde, gibt es nach der Vernehmung von Familienmitgliedern Hinweise, daß es sich beim Tod des Zwirnbacher Einwohners Joseph Mayerhofer nicht um Selbstmord, sondern um kaltblütigen Mord handeln könnte. Täter für die grausame Tat konnte noch keiner ermittelt werden. Die Einwohner von Zwirnbach sind entsetzt, möglicherweise einen Mörder in ihrer Mitte zu haben.

Es könnte also tatsächlich Mord gewesen sein. Leider geizte der Zeitungsartikel mit Informationen. Wo war Joseph Mayerhofer genau gestorben? Warum könnte es Mord gewesen sein und kein Selbstmord? Wer waren die möglichen Verdächtigen? Konnte der Mord letztendlich aufgeklärt werden?

Weitere Zeitungsartikel konnte sie bei der Suche nicht finden. Als routinierte Ahnenforscherin wusste Juliana allerdings, dass man bei scheinbaren Sackgassen nicht sofort aufgeben durfte. Namen wurden unterschiedlich geschrieben, die Texterkennung bei der Digitalisierung konnte ebenfalls Lücken enthalten. Also variierte sie die Schreibweise und tippte »Maierhofer« und »Zwirnbach« in das Suchfeld ein. Darauf erschien ein Artikel aus dem neuen Wiener Tagblatt vom Mittwoch, den 9. April 1902, der wesentlich mehr Informationen enthielt, welche sie zusammen mit ihren anderen Erkenntnissen sofort in einen Post für ihren Blog verarbeitete. Sie hatte beschlossen, ihre Leser an ihren Nachforschungen teilhaben zu lassen.

Mord in Zwirnbach?


Genealogie ist oft ein Detektivspiel, man muss kreativ sein und Spuren folgen, um seine Ahnen zu finden.

In diesem Blogbeitrag wird aber noch mehr detektivischer Spürsinn erforderlich sein als sonst. Als ich die Vorfahren meines Mannes erforscht habe, bin ich im Sterbebuch über einen ungewöhnlichen Eintrag gestolpert:
Joseph Mayerhofer, ein Bauer aus Zwirnbach, starb am Donnerstag, den 27.2.1902. Als Todesursache war angeführt: »Tod durch Ersticken, wurde erhängt aufgefunden.«

Nach dem Lesen habe ich sofort einen Selbstmord vermutet und konnte dies auch in der Wiener Zeitung vom 5.3.1902 nachlesen. Nachdem die Frau von Joseph Mayerhofer nur wenige Tage zuvor unerwartet verstorben war, war ein klares Motiv für die Verzweiflungstat vorhanden.

Einen Monat später ist jedoch ein weiterer Zeitungsartikel erschienen, der besagt, dass die Polizei inzwischen von einem Mord ausgehen würde.

Hier fängt unsere Detektivgeschichte an, denn ein...


Wallner, Julia
Julia Wallner ist das Pseudonym einer in Wien lebenden Autorin. Seit dem Ende ihres Wirtschaftsstudiums arbeitet sie in einer Bank. Nachdem sie im Jahr 2014 zufällig über ein Stammbaumprogramm stolperte, begann sie mit der Erforschung ihrer Vorfahren - ein Hobby, das mittlerweile zur Passion geworden ist. Seit 2017 ist sie auch Autorin des Genealogieblogs "Julies Schatzkiste", in dem neben praktischen Ahnenforschungstipps auch ihre Ahnen vorgestellt werden. Julia Wallner ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.



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