Wallon | Civil War Chronicles 02: Krieg am Mississippi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 286 Seiten

Reihe: Civil War Chronicles

Wallon Civil War Chronicles 02: Krieg am Mississippi


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7579-4838-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 2, 286 Seiten

Reihe: Civil War Chronicles

ISBN: 978-3-7579-4838-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Nach der Schlacht am Antietam Creek spitzen sich die Ereignisse in dem grausamen Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd weiter zu. General Major Ulysses S. Grant, der neue Oberkommandierende der Unionsarmee, will die Konföderation strategisch weiter schwächen. Der Mississippi, die Lebensader des Südens, ist das nächste Ziel.

Alfred Wallon wurde am 20.05.1957 in Marburg / Lahn geboren und interessierte sich schon sehr früh für das Western-Genre. Im Dezember 1981 erhielt er seinen ersten Autorenvertrag für einen historischen Western. Im Laufe der letzten 40 Jahre war Wallon auch in anderen Genres präsent. So veröffentlichte er bei verschiedenen deutschen Verlagen um die 200 Romane incl. eBooks und Neuauflagen in allen gängigen Genres der Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. ?? Sein favorisiertes Genre ist der historische Western. So entstanden für den BLITZ-Verlag die Serien DIE FORTS AM BOZEMAN TRAIL und TEXAS RANGER, beides Serien mit historischem Hintergrund. Alfred Wallon setzte darüber hinaus die Serie KAPITÄN NEMOS NEUE ABENTEUER bei BLITZ fort und wirkte auch mit neuen Romanen bei RED ROCK RANCH und LOBO mit. Bei BLITZ erschienen auch Regionalkrimis von ihm und abgeschlossene historische Western.
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Kapitel 1: In geheimer Mission


Sergeant Sean McCafferty murmelte einen leisen Fluch, als am fernen Horizont erneut graue Wolken aufzogen. Das trübe Wetter verdichtete sich zusehends und erschwerte das Vorwärtskommen. Der Big Black River war durch die Regenflut der letzten Tage zu einem reißenden Fluss geworden, und ihn zu durchqueren, stellte ein Risiko dar, das die Männer jetzt besser nicht eingehen wollten.

»Hört das denn gar nicht mehr auf?«, beklagte sich McCafferty, als der Wind ihm die ersten Regentropfen ins Gesicht blies. »Mein Gott, wie lange dauert das denn noch? In dieser feuchten Luft ist das ja kaum zum Aushalten.«

Damit sprach er genau das aus, was auch seine Kameraden dachten. Seit sie vor knapp drei Wochen Richmond verlassen hatten und einen großen Teil des Weges mit der Mississippi Central Railroad zurückgelegt hatten, war viel geschehen. Die Fahrt in einem mit konföderierten Truppen voll besetzten Zug war harmlos im Vergleich zu dem gewesen, was die Männer jetzt durchmachen mussten.

Das feuchtheiße Klima, das in diesen Landstrichen vorherrschte, setzte ihnen arg zu. Ganz zu schweigen von den permanenten Regengüssen, die die Gegend in eine gigantische Sumpflandschaft verwandelt hatten. Zahlreiche Flüsse waren über die Ufer getreten und hatten teilweise sogar die Bahngleise überspült und das Gleisbett an mehreren Stellen zerstört.

»Denk einfach, du wärst in der Wüste, Mac«, konnte sich Lieutenant Jay Durango einen ironischen Kommentar nicht verkneifen. »Dann empfindest du den Regen sogar noch als Wohltat.«

Die Soldaten Tom Higgins, Neil Vance, Frank Porter und Ben Fisher grinsten, als sie die Worte des Lieutenants hörten. Ein Scherz in dieser ungemütlichen Umgebung war genau richtig, um die schlechte Laune zu vertreiben. Denn seit sie die Eisenbahnlinie nördlich des Big Black River verlassen hatten, war ihnen mit jedem weiteren Tag immer deutlicher bewusst geworden, was es bedeutete, während der großen Frühjahrsstürme in Mississippi unterwegs zu sein.

»Ich bin ja schon still«, brummte McCafferty und zog sich den Kragen seines Mantels etwas höher. Aber das half auch nicht viel, denn der Mantel war noch feucht vom letzten Regenguss, der die Soldaten heute Morgen heimgesucht hatte. Und jetzt regnete es schon wieder, nein, es goss wie aus Kübeln.

»Da drüben!«, rief Lieutenant Durango und zeigte auf eine Gruppe besonders dicht wachsender Bäume. »Wir warten dort ab, bis der Regen nachlässt!«

Die Soldaten lenkten ihre Pferde in die betreffende Richtung. Aber bevor sie die schützenden Wipfel der Bäume erreichen konnten, hatte der Wolkenbruch schon eingesetzt und durchnässte die Männer im Nu bis auf die Haut. Trotzdem atmeten sie erleichtert auf, als das Prasseln des Regens wenigstens zum Teil von den dichten Baumkronen abgehalten wurde. Das bedeutete Zeit zum Aufatmen, und das hatte jeder von ihnen dringend nötig.

»Ich weiß schon, weshalb ich niemals zum Mississippi wollte«, meinte Vance und wischte sich einige Regentropfen aus dem Gesicht. »Wenn Gott gewollt hätte, dass ich hier leben soll, dann hätte er mir Schwimmhäute verpasst.«

»Du siehst doch sowieso schon schlimm genug aus«, meinte Higgins und erntete dafür einen wütenden Blick seines Kameraden. »Schon gut, Neil«, fügte er deshalb rasch hinzu. »Sollte nur ein kleiner Scherz sein. Ist mir aber wohl nicht so gut gelungen, wie?«

»Ich habe schon bessere Witze gehört«, kommentierte Vance diese flapsige Bemerkung und schaute hinauf zu den dichten Baumkronen der großen Bäume, die an zahlreichen Stellen mit Moos und Flechten bewachsen waren. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gegend zwischen dem Yazoo River, dem Big Black River und dem Mississippi angesichts dieses feuchtheißen Klimas eine ganz eigene Vegetation entwickelt hatte. Wer das nicht gewohnt war und nicht ständig hier lebte, der konnte sich vorkommen wie in einem gigantischen Treibhaus, in dem die Luft ständig so feucht und schwül war, dass einem sofort der Schweiß aus allen Poren ausbrach.

»Jetzt beruhigt euch endlich mal wieder«, wies Lieutenant Durango seine Männer zurecht, während er mit dem rechten Stiefel versehentlich in eine mit Wasser und Schlamm gefüllte Pfütze trat, die er zu spät bemerkt hatte. Als er mit einem leisen Fluch wieder den Fuß herauszog, machte sich der Sumpf mit einem unangenehmen Geräusch bemerkbar. »Wir schaffen das schon. Hauptsache, der Regen lässt bald wieder nach.«

»Und wie lange brauchen wir noch bis nach Vicksburg?«, wollte Fisher wissen, der sich nervös am Kinn kratzte, wo ihn eine Mücke Sekunden zuvor gestochen hatte. In diesem Klima waren lästige Insekten ihre ständigen Begleiter.

»Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir bis morgen Mittag dort sein würden«, erwiderte Durango. »Aber jetzt wage ich das zu bezweifeln. Der heftige Regen hat viele Flüsse so stark anschwellen lassen, dass das Wasser bis weit über die Ufer getreten ist. Wir müssen also einen größeren Bogen einschlagen, als ich ursprünglich geplant hatte.«

»Und was heißt das genau, Lieutenant?«, wollte nun auch Porter wissen.

»Mindestens zwei Tage, vielleicht sogar drei«, kam sofort die Antwort. »Und das nur, wenn wir unterwegs auf keine weiteren Hindernisse stoßen. Vergesst nicht, dass die Yankees auf dem Weg nach Vicksburg sind. Grants Truppen werden uns schon früher über den Weg laufen, als uns lieb ist, Männer.«

»Na und?«, erwiderte Vance. »Sehen wir etwa aus wie Soldaten? Keiner von uns trägt eine graue Uniform. Wenn wir auf eine Patrouille stoßen, dann sagen wir ihnen einfach, dass wir Farmer aus der Gegend von Vicksburg sind und unsere Verwandten in Grand Gulf besucht haben.«

»Glaubst du, damit kommst du durch?«, meinte McCafferty. »Täusch dich mal nicht, die Yankees sind äußerst misstrauisch nach Antietam geworden. Sie haben mit uns noch eine Rechnung offen.«

Vance erwiderte nichts darauf, sondern atmete erleichtert auf, als das heftige Prasseln des Regens endlich nachließ. Gerade einmal eine knappe Dreiviertelstunde war vergangen, seit die trüben Wolken ihre Schleusen geöffnet hatten. Der Boden war in dieser kurzen Zeit noch mehr aufgeweicht. In den Vertiefungen hatten sich große Wasserpfützen gebildet, über denen Insekten tanzten.

»Reiten wir weiter«, entschied Durango und griff als Erster nach den Zügeln seines Pferdes. »Mac, du und Higgins reitet schon mal voraus und erkundet das Gelände. Haltet euch in der Nähe des Flusses und entfernt euch nicht weiter als zwei Meilen. Habt ihr verstanden?«

»Wir passen schon auf, dass uns die Yankees nicht erwischen, Lieutenant«, versicherte ihm McCafferty. »Du weißt ja, dass sich die Kerle gewaltig anstrengen müssen, um mich zu erwischen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich ihnen entkomme.«

»Das habe ich nicht vergessen. Passt aber trotzdem auf euch auf«, fügte Durango hinzu.

Der Sergeant versprach, darauf zu achten, stieg in den Sattel und nickte Higgins zu, ihm zu folgen. Die beiden Männer ritten in südwestlicher Richtung davon und waren schon wenige Minuten später zwischen den Büschen und wuchernden Farnen verschwunden. Auch Durango, Vance, Porter und Fisher ritten los.

Während sich die Pferde mühsam einen Weg durch das schlammige Gelände bahnten, kehrten Durangos Gedanken zu dem Tag zurück, an dem General Lee ihn mit dieser heiklen Mission beauftragt hatte.

*

Die Sonne stand schon weit im Westen, als Jay Durango die Stufen zur Veranda des Hauses betrat, in dem General Robert E. Lee sein militärisches Hauptquartier errichtet hatte, wenn er in der Hauptstadt der Konföderation weilte. Das Gebäude war außen eher schlicht gehalten und wirkte nicht sonderlich auffällig. Dass der Garten schon einige Monate lang nicht mehr gepflegt und bearbeitet worden war, konnte man sofort erkennen. Aber wer hatte in diesen unruhigen Jahren schon Zeit, sich um Haus und Garten zu kümmern? Viel zu viel war seit der Beschießung von Fort Sumter geschehen, und die letzten zwei Jahre hatten das ganze Land verändert.

, dachte Durango.

Als Durango und seine Männer die Order erhalten hatten, unverzüglich nach Richmond zu kommen, waren sie 200 Meilen weiter südwestlich gewesen, in einem hastig errichteten Militärcamp, zusammen mit tausend anderen konföderierten Soldaten unter dem Kommando von General Joseph E. Johnston. Jetzt hatten sie einen harten Ritt hinter sich, und seine Männer waren am Ende ihrer Kräfte. Sie waren in einem der Soldatenlager untergekommen, die die Armee rund um die Stadt errichtet hatte, und gönnten sich etwas Ruhe.

Es war ein Weihnachtsfest der stillen und auch sehr nachdenklichen Art, das die Soldaten im Camp feierten. Im Gegensatz zu vielen anderen Soldaten, deren Einsätze außerhalb von Richmond und Virginia weitergingen, hatten sie Glück und konnten sich wenigstens daran erinnern, dass es einmal eine Zeit gegeben hatte, in der man sich noch auf diese Tage freuen konnte.

Das galt jedoch nicht für den schwarzhaarigen Lieutenant. Sein Befehl war eindeutig. Lee erwartete ihn so rasch wie möglich im Hauptquartier, und das hatte er jetzt erreicht. Er blickte einen der Wachposten an, die vor dem Haus standen, nannte seinen Namen und verlangte, den General zu sprechen.

»Warten Sie bitte einen Moment, Sir«, erwiderte der Posten und verschwand im Inneren des Hauses. Durango blickte die Straße hinunter und sah mehrere Soldatentrupps die Straße entlangkommen. Die laute Stimme eines Offiziers erklang,...



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