Wallon | Ronco - Die Tagebücher 33: Entscheidung in Mexiko | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 33, 188 Seiten

Reihe: Ronco - Die Tagebücher (Historische Wildwest -Romane)

Wallon Ronco - Die Tagebücher 33: Entscheidung in Mexiko


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-198-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 33, 188 Seiten

Reihe: Ronco - Die Tagebücher (Historische Wildwest -Romane)

ISBN: 978-3-95719-198-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ich habe meinen Bruder Mike endlich gefunden, aber das Schicksal meiner Schwester Beth ist noch ungewiss. Mittlerweile weiß ich, dass sie nach Mexiko gegangen ist und einen Mann namens Rafael Carillo geheiratet hat. Ausgerechnet den Mann, der damals den Treck überfallen und die Frauen und Kinder verschleppt hat. Warum ist sie die Frau eines Mörders und Waffenhändlers geworden? Hat sie vergessen, was damals geschehen ist? Ich muss es herausfinden. Mike und ich begeben uns auf einen gefährlichen Ritt nach Mexiko. Dort wird die Entscheidung fallen.

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Kapitel 2

Einen Tag später

Ciudad Juarez – an der Grenzbrücke

Ich verspürte eine seltsame Anspannung in mir, als ich zusammen mit Lobo und meinem älteren Bruder Mike Harper über die Brücke nach Ciudad Juarez ritt. Es war noch früh am Morgen, und die Sonne war gerade erst vor zwei Stunden aufgegangen. Trotzdem herrschte zu dieser Zeit schon ein emsiger Betrieb auf der Brücke, die gleichzeitig auch den Grenzübergang nach Mexiko darstellte. Auf der Texas-Seite wurden die herüberkommenden Mexikaner nur hin und wieder kontrolliert, aber die Kontrollen auf der mexikanischen Seite waren um einiges gründlicher und nicht immer angenehm.

Ich wusste das, weil ich vor einigen Jahren schon einmal diese und ähnliche Prozeduren über mich hatte ergehen lassen müssen, und hoffte deshalb, dass es wenigstens heute keinerlei Verzögerungen oder gar Probleme gab.

Lobo ritt rechts von mir. Sein narbiges Gesicht hatte einen gelassenen Ausdruck angenommen, während Mike, der links von mir ritt, deutlich angespannter wirkte. Als wenn er sich davor fürchtete, von den Rurales, deren Männer auch die Kontrollposten stellten, sofort verhaftet und abgeführt werden würde.

„Bleib ganz ruhig“, sagte ich zu ihm, weil ich das natürlich längst bemerkt hatte. „Wir haben nichts getan, was gegen mexikanische Gesetze verstößt. Wir sind nur Cowboys von der Circle-B-Ranch, die im Auftrag ihres Ranchers Pferde kaufen wollen. Ganz offiziell. Und so verhalten wir uns auch.“

„Du hast gut reden“, meinte Mike. „Ich komme mir vor, als würde ich sehenden Auges in eine Falle tappen.“

„Du warst es, der unbedingt mitkommen wollte“, erinnerte ich meinen Bruder an seinen Vorschlag. „Dass es nicht leicht werden wird, das wissen wir. Also tätest du gut daran, wenn du dich jetzt ganz normal benimmst. Eben wie ein Cowboy, der im Auftrag seines Ranchers unterwegs nach Mexiko ist. Lass mich mal mit den Kontrolleuren da vorn reden. Wir kriegen das schon hin, keine Sorge.“

„Vielleicht wollen sie auch Geld von uns, damit wir passieren können“, meinte Lobo. „Mal sehen, was uns erwartet. Sie scheinen jedenfalls schon auf uns aufmerksam geworden zu sein. Seht ihr das? Die fünf Rurales am Ende der Brücke schauen direkt zu uns herüber und stecken schon die Köpfe zusammen. Wer weiß, was sie sich ausgedacht haben, um uns ein paar Dollars abzunehmen?“

„Das werden wir gleich sehen“, sagte ich zu Lobo und ritt weiter über die Brücke. Natürlich registrierte ich die neugierigen Blicke einiger Mexikaner, denen wir auf dem Weg zur anderen Seite begegneten, aber das kümmerte mich herzlich wenig. Wir hatten ein Ziel vor Augen, und um das zu erreichen, mussten wir die Grenzkontrollen ohne großes Aufsehen hinter uns bringen.

Als wir das Ende fast erreicht hatten, traten uns plötzlich zwei Rurales in den Weg. Sie hielten Gewehre in den Händen und signalisierten uns unmissverständlich, anzuhalten.

„Buenos Dias“, sagte einer der Rurales, der die Uniform eines Teniente trug. „Willkommen in Mexiko, Señores.“

Ein Willkommensgruß sieht aber anders aus, dachte ich im Stillen, behielt aber mein freundliches Lächeln trotz der Gewehre bei, die mehr oder weniger zufällig in unsere Richtung zielten.

„Gracias“, erwiderte ich. „Wenn Sie uns bitte weiterreiten lassen? Wir sind nicht zu unserem Vergnügen hier in Ciudad Juarez.“

„Ah“, meinte der Teniente. „Wollen Sie hier Geschäfte machen?“

„Mein Name ist Jim Parker“, sagte ich dem Offizier meinen richtigen Namen und zeigte dann auf meinen Bruder. „Das ist mein Bruder Mike und mein Compañero Lobo. Wir reiten alle für die Circle-B-Ranch von Darren Bush außerhalb von El Paso. Sie haben sicherlich den Namen unserer Ranch schon gehört, nicht wahr?“

„Si“, beeilte sich der Teniente zu sagen, obwohl ich gewettet hätte, dass der Kerl gar keine Ahnung von dem hatte, was ich gerade erwähnt hatte. „Und was ist der Grund Ihres Aufenthaltes in Mexiko?“

„Geschäfte, was denn sonst?“, erwiderte ich. „Wir wollen Pferde kaufen, denn wir haben gehört, dass es außerhalb von Ciudad Juarez einige große Haziendas gibt, deren Besitzer für uns gute Geschäftspartner wären. Sie wissen doch bestimmt, an wen wir uns wenden könnten, Teniente? Mein Boss wäre für einen guten Tipp überaus dankbar, wenn Sie verstehen, was ich meine?“

Ich rieb Daumen und Zeigefinger aneinander. Diese Geste verstand der Teniente sofort, und jetzt grinste er erwartungsvoll. Vor allem, als er sah, wie ich in meine Jackentasche griff und zwei Geldscheine hervorholte und sie dann vom Sattel aus dem mexikanischen Offizier reichte. Der griff natürlich sofort zu und ließ das Geld mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit in seiner Hosentasche verschwinden. Er grinste immer noch dabei, als handele es sich um die selbstverständlichste Sache auf der ganzen Welt.

„Ich glaube, ich kann Ihnen wirklich weiterhelfen, Señor Parker“, sagte der Teniente. „Vielleicht sehen Sie sich einmal auf der Hazienda von Rafael Carillo um. Es ist eines der größten Anwesen in der Region, und er züchtet auch Pferde. Dort müssten Sie eigentlich fündig werden.“

„Das hört sich vielversprechend an“, meinte ich. „Wie kommen wir dorthin?“

„Folgen Sie einfach der Straße durch Ciudad Juarez“, sagte der Teniente. „Danach an der Gabelung links halten und der alten Wagenstraße folgen. Sie führt direkt an der Hazienda von Señor Carillo vorbei. Haben Sie Papiere, damit Sie sich auf der Hazienda ausweisen können?“

„Papiere?“, fragte Lobo und runzelte dabei die Stirn. „Wofür ist das denn nötig?“

„Es hat in dieser Gegend schon öfter einige bedauernswerte Vorfälle gegeben“, klärte der Teniente Lobo, Mike und mich auf. „Señor Carillo ist ein viel beschäftigter Mann. Aber ich denke, dass es keinen Ärger geben wird. Sie sollten jedoch den Anweisungen von Señor Carillos Vaqueros folgen, wenn Sie sein Land erreichen. Dort gilt ausschließlich sein Gesetz. Sie verstehen, was ich damit sagen will?“

Für einen mexikanischen Grenzpolizisten war das eine bemerkenswerte Aussage, dass ein einflussreicher Mann wie Carillo offensichtlich mehr Macht besaß als die Soldaten, die dieses Gebiet kontrollierten. Mike und ich warfen uns nur einen kurzen Blick zu, weil wir ahnten, was das bedeutete. Lobo ließ sich gar nichts anmerken und tat stattdessen so, als würde ihn das alles gar nicht interessieren.

„Das ist gut zu wissen“, sagte ich. „Wir werden uns selbstverständlich danach richten, Teniente ...?“

„Lopez“, kam dann prompt die Antwort. „Rodrigo Lopez, Señor Parker. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“

Aufgrund des Geldes, das er eingesteckt hatte, benahm er sich jetzt schon fast anbiedernd. Aber das war mir egal. Hauptsache, wir bekamen die Informationen, die wir benötigten, um unsere weiteren Pläne umsetzen zu können. Einfach war das jetzt nicht mehr, denn ich hatte den Eindruck gewonnen, dass die Hazienda gut bewacht und ein Vordringen somit umso schwieriger war. Das musste alles gut überlegt werden, denn mit der Tür ins Haus fallen konnten wir ganz sicher nicht mehr. Zumal weder Mike noch ich wussten, ob unsere Schwester Beth überhaupt noch Kontakt zu uns haben wollte. Nach wie vor blieb es ein Rätsel, dass sie ausgerechnet den Mann geheiratet hatte, der für die Entführung damals verantwortlich gewesen war. Dieses Rätsel wollte ich auf alle Fälle lösen, damit ich begriff, warum diese Dinge so geschehen waren. Klarheit würde ich aber nur bekommen, wenn ich eine Gelegenheit bekam, mit Beth zu sprechen.

Ich hatte jedoch das Gefühl, dass diese Begegnung nicht ganz so einfach vonstattengehen würde, wie es bei Mike der Fall gewesen war. Und mein Instinkt hatte mich bisher noch nicht im Stich gelassen. All dies ging mir in diesem Moment durch den Kopf, bevor ich die Frage des Teniente beantwortete.

„Vielleicht haben Sie ja noch einen Tipp, was eine gute Cantina angeht, Teniente“, wandte ich mich an ihn. „Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, sollte man sich noch etwas Vergnügen und einen guten Tropfen gönnen.“

„Wie wahr“, sagte Teniente Lopez. „Aber auch da kann ich Ihnen helfen. Reiten Sie einfach weiter bis zur Plaza. Direkt dahinter auf der linken Seite befindet sich die Cantina von Eusebio Calderon. Dort finden Sie alles, wonach Sie suchen, und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Sagen Sie Eusebio, dass ich Sie geschickt habe. Er wird Sie dann besonders zuvorkommend bedienen.“

Er grinste dabei so anzüglich, dass ich ahnte, worauf er hinauswollte. Wahrscheinlich bekam man in dieser Cantina nicht nur einen guten Tropfen, sondern hatte gleich noch die Möglichkeit, die Dienste einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Und für diesen wohlwollenden Tipp kassierte der Teniente womöglich sogar noch Provision von dem Besitzer der Cantina.

Mexiko war immer noch das gleiche Land, wie ich es in Erinnerung hatte. Korruption war an der Tagesordnung, sowohl im großen als auch im kleinen Stil. Und amerikanische Dollars öffneten immer noch Türen, die ansonsten geschlossen blieben.

„Vielen Dank“, sagte ich abschließend und tippte an meinen Hut. „Ich schätze die mexikanische Gastfreundschaft sehr. Reiten wir weiter, Freunde.“

„Sie können Señor Carillo ja ebenfalls sagen, dass ich Ihnen seine Pferdezucht empfohlen habe!“, rief uns der Teniente hinterher, nachdem wir schon an ihm vorbeigeritten waren.

„Das tun wir gerne!“, erwiderte ich, drehte mich im Sattel um...



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