E-Book, Deutsch, Band 2, 880 Seiten
Reihe: Boys of Tommen
Walsh Keeping 13
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98585-252-9
Verlag: Adrian & Wimmelbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ausgabe ebook
E-Book, Deutsch, Band 2, 880 Seiten
Reihe: Boys of Tommen
ISBN: 978-3-98585-252-9
Verlag: Adrian & Wimmelbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seine erste, letzte und einzig wahre Liebe war schon immer Rugby. Bis jetzt. Nach einer verheerenden Verletzung, die dazu führte, dass er pausieren und sein geliebtes Trikot mit der Nummer 13 ausziehen musste, kämpft Johnny darum, an seinen Träumen festzuhalten. Lost, unsicher und verzweifelt auf der Suche nach Trost setzt er sich zum Ziel, das Geheimnis des Mädchens mit den nachtblauen Augen zu lüften. Mit seinem besten Freund Gibsie an seiner Seite macht sich Johnny auf die Suche nach den Geheimnissen rund um das Mädchen, das ihn jede wache Stunde verfolgt. Geheimnisse zu bewahren war für Shannon nie ein Problem. Das Leben, in das sie hineingeboren wurde, verlangt nichts Geringeres. Sie weiß, dass Dämonen und böse Männer nicht nur in Märchen existieren. Sie existieren auch in ihrer Welt. Shannon ist nach ihrer Rückkehr aus Dublin irreparabel traumatisiert und versucht verzweifelt, ihre kleinen Brüder zu beschützen. Sie verfällt in die gleichen alten Muster der Vertuschung und hält sich kaum über Wasser, während sich ihre Zukunft vor ihren Augen entfaltet. Geschlagen und gebrochen sind ihre Mauern hoch und ihr Vertrauen ist erschüttert. Nur ein Junge hat die Fähigkeit, diese Wände zu erklimmen. Der Junge, dem ihr Herz gehört. In 'Keeping 13', der explosiven Fortsetzung des Bestsellers 'Binding 13', werden Geheimnisse gelüftet und Leben für immer verändert. Folge Johnny und Shannon, während sie versuchen, sich durch die Nachwirkungen dieses schicksalhaften Rugbyspiels zurechtzufinden. Sich zu verlieben war der einfache Teil, was als Nächstes kommt, ist die Prüfung ... Freundschaft, erste Liebe, wachsender Ruhm, schreckliche Geheimnisse und Schmerz heizen sich gegenseitig an, wenn in 'Keeping 13' zwei Teenager aus zwei ganz unterschiedlichen Welten aufeinandertreffen.
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1
ER ODER WIR
SHANNON
»TRIFF EINE ENTSCHEIDUNG, MAM«, SAGTE JOEY. »ER ODER WIR?«
Bis auf die Knochen betäubt, saß ich auf dem wackeligen Stuhl am Küchentisch, ein Geschirrtuch gegen meine Wange gedrückt, und hielt aus zwei Gründen den Atem an.
Erstens war mein Vater weniger als einen Meter von mir entfernt, und dieses Wissen versetzte meinen Körper in einen Schockzustand.
Zweitens, es tat so weh zu atmen.
Ich ließ das blutgetränkte Handtuch auf den Tisch fallen, drehte mich zur Seite und versuchte, mich seitlich an der Rückenlehne des Stuhls abzustützen, stöhnte jedoch auf, als eine Welle des Schmerzes durch meinen Körper jagte.
Mein ganzes Ich fühlte sich an, als wäre es mit Benzin übergossen und angezündet worden. Jeder Zentimeter meines Körpers , schrie bei jedem zu tiefen Atemzug auf. Ich war in Schwierigkeiten, das wurde mir klar. Etwas stimmte ernsthaft nicht mit mir, und dennoch blieb ich genau dort, wo ich war, genau dort, wo Joey mich hingesetzt hatte, ohne auch nur einen Funken Kampfgeist in mir zu spüren.
Die Geräusche des Schluchzens und Schniefens meiner kleinen Brüder, während sie sich hinter Joey drängten, waren fast unerträglich. Ich konnte sie jedoch nicht ansehen. Täte ich das, würde ich zusammenbrechen. Stattdessen konzentrierte ich meine Aufmerksamkeit auf Joey, schöpfte Kraft aus seinem Mut, während er unsere Eltern konfrontierte und für uns einforderte.
Während er versuchte, uns vor einem Leben zu retten, in dem wir alle unentrinnbar gefangen waren.
»Joey, wenn du nur einen Moment ruhig bleiben könntest …«, begann Mam, aber mein Bruder ließ sie nicht ausreden.
Völlig außer sich explodierte Joey wie ein Vulkan mitten in unserer heruntergekommenen Küche. »Wage es nicht, dich rauszureden!« Er zeigte mit dem Finger anklagend auf unsere Mutter und dann knurrte er: »Mach endlich einmal das Richtige in deinem verdammten Leben und schmeiß ihn .«
Ich konnte die Verzweiflung in seiner Stimme hören, aber die letzten Funken seines Glaubens an sie schwanden schnell, während er sie anflehte, auf ihn zu .
Mam saß einfach auf dem Küchenboden, ihr Blick huschte über jeden von uns, aber sie machte keine Anstalten, zu uns zu kommen. Nein, sie blieb genau dort, wo sie war.
An Seite.
Ich wusste, sie hatte Angst vor ihm, ich verstand nur zu gut, wie es sich anfühlte, vor diesem Mann in unserer Küche zu erstarren, aber war die Erwachsene. Sie sollte die Erwachsene sein, die Mutter, die Beschützerin, nicht der achtzehnjährige Junge, dem diese Rolle aufgebürdet worden war.
»Joey«, flüsterte sie und warf ihm einen flehenden Blick zu. »Können wir nicht einfach …«
»Er oder wir«, wiederholte Joey immer wieder dieselbe Frage, sein Ton wurde kälter. »Er oder wir, Mam?«
Er oder wir.
Drei Worte, die mehr Bedeutung und Gewicht haben sollten als jede andere Frage, die ich je gehört hatte. Das Problem war, tief in meinem Herzen wusste ich, dass egal welche Antwort sie gab, welche Lüge sie sich selbst und uns auftischte, das Ergebnis dasselbe sein würde.
Es war dasselbe. Ich glaube, in diesem Moment wurde das auch meinen Brüdern klar. Joey auf jeden Fall.
Er sah so all seiner Illusionen beraubt aus, wie er da vor unserer Mutter stand und auf eine Antwort wartete, die nichts ändern würde, denn Taten sprachen lauter als Worte, und unsere Mutter war eine lebende, atmende Marionette, deren Fäden unser Vater in den Händen hielt.
Sie konnte keine Entscheidung treffen. Nicht ohne Erlaubnis.
Ich wusste, obwohl meine jüngeren Brüder für eine Lösung beteten, würde dies abermals ein enttäuschendes Ende für sie nehmen.
Nichts würde sich ändern. Nichts würde in Ordnung kommen.
Der Erste-Hilfe-Kasten würde hervorgeholt, das Blut aufgewischt, die Tränen weggewischt, eine Ausrede erfunden werden, unser Vater würde für ein oder zwei Tage verschwinden und dann würde alles wieder genauso werden wie immer.
– das Motto der Familie Lynch.
Wir waren alle an dieses Haus gefesselt wie eine mächtige Eiche an ihre Wurzeln. Es gab kein Entrinnen. Nicht bevor wir alle volljährig waren und ausziehen konnten.
Zu erschöpft, um weiter darüber nachzudenken, ließ ich mich tiefer in den Stuhl sinken, nahm alles und gleichzeitig nichts wahr. Es fühlte sich fast an wie eine lebenslange Haftstrafe.
Ich sackte nach vorne, umklammerte meine Rippen und wartete darauf, dass es vorüberging. Das Adrenalin in mir ließ schnell nach und wurde durch mehr Schmerz ersetzt, als ich bewusst ertragen konnte. Das Blut in meinem Mund fühlte sich zähflüssig an und schmeckte metallisch und der Mangel an Luft in meinen Lungen machte mich benommen und schwindelig. Meine Fingerspitzen kribbelten abwechselnd oder fühlten sich taub an.
Alles tat weh – ich war fertig.
Ich war so was von fertig von all dem Schmerz und dem ganzen Scheiß. Ich wollte dieses Leben nicht, in das ich hineingeboren worden war. Ich wollte diese Familie nicht. Ich wollte diese Stadt nicht und auch nicht die Menschen darin.
Ich wollte nichts davon.
»Ich möchte, dass du etwas weißt«, presste Joey schließlich hervor, als sie ihm nicht antwortete.
Sein Ton war eiskalt, als er die Worte ausspuckte. Worte, von denen ich wusste, sie brodelten in ihm wie Gift und drängten aus den Tiefen seines gebrochenen Herzens an die Oberfläche. Ich wusste es, weil ich genauso empfand.
»Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich im Moment mehr hasse, als ich ihn je gehasst habe.« Sein Körper bebte, seine Hände waren zu Fäusten geballt. »Ich möchte, dass du weißt, dass du nicht länger meine Mutter bist – nicht, dass ich jemals wirklich eine gehabt hätte.« Er presste die Kiefer zusammen, bemüht, den Schmerz in sich zu verschließen. Sein Stolz erlaubte es ihm nicht, vor diesen Leuten Gefühle zu zeigen.
»Von diesem Moment an bist du für mich . Dein ganzer Mist? Sieh selbst, wie du damit klarkommst. Das nächste Mal, wenn er dich schlägt? Ich werde nicht da sein, um dich zu beschützen. Das nächste Mal, wenn er das ganze Geld versoffen hat und du die Kinder nicht satt kriegst oder den Strom nicht bezahlen kannst? Such dir einen anderen Deppen, um an Geld zu kommen. Das nächste Mal, wenn er dich die Treppe runterschubst oder dir in einem seiner Whiskey-Wutanfälle den verdammten Arm bricht? Ich werde wegsehen, genau wie du es hier in dieser Küche getan hast. Von diesem Tag an werde ich nicht mehr da sein, um dich vor ihm zu beschützen, genauso wenig wie du für uns da warst.«
Ich zuckte bei jedem Wort zusammen, das über seine Lippen kam, und spürte seinen Schmerz tief in meiner Seele, wo er sich mit meinem eigenen vermischte.
»Rede nicht so mit deiner Mutter«, knurrte unser Vater drohend, als er sich zu seiner vollen Größe von sechs Fuß und zweihundert Pfund aufrichtete. »Du undankbarer kleiner …«
»Denk nicht mal daran, mich anzusprechen, du widerliches Stück Scheiße«, warnte Joey und funkelte Dad an. »Ich mag dein Blut in mir haben, aber das war’s dann auch schon. Du und ich, wir sind durch, Alter. Von mir aus kannst du zur Hölle fahren. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ihr beide dort landet.«
Dann spürte ich, wie sich eine Hand sanft auf meine Schulter legte, was mich zusammenzucken und aufstöhnen ließ. »Schon gut«, flüsterte Tadhg und ließ seine Hand auf meiner Schulter ruhen.
»Ich bin ja da.«
Ich schloss die Augen, während mir die Tränen über die Wangen liefen.
»Glaubst du, du kannst so mit mir reden?« Dad wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht und verschmierte dabei eine Blutspur auf seinem Arm. »Pass auf, was du sagst, Junge …«
»Du nennst Junge?« Joey warf den Kopf in den Nacken und lachte freudlos auf. »Mich? Denjenigen, der deine verdammten Kinder fast sein ganzes Leben lang großgezogen hat? Denjenigen, der euer beider Schlamassel ausgebügelt, sich um eure beider Pflichten gekümmert und die Lücken gefüllt hat, die zwei wertlose, beschissene Eltern hinterlassen haben?« Joey warf empört die Hände hoch.
»Ich bin vielleicht erst achtzehn, aber ich bin mehr Mann, als du es jemals sein wirst!«
»Fordere dein Glück nicht heraus«, knurrte Dad mit blutunterlaufenen Augen, die schnell nüchtern wurden. »Ich warne dich …«
»Oder was zum Teufel?«, provozierte Joey mit einem nachlässigen Schulterzucken. »Wirst du mich verprügeln, mich schlagen? Mich treten? Deinen Gürtel holen? Mit einem Hurley-Schläger auf meine Beine einprügeln? Mir eine Flasche über den Kopf ziehen? Mich terrorisieren?« Er schüttelte den Kopf und schnaubte. »Weißt du was? Ich bin kein verängstigter kleiner Junge mehr, Alter. Ich bin kein wehrloses Kind, kein ängstliches Teenager-Mädchen, und ich bin nicht deine misshandelte Frau.« Er verengte seine grünen Augen und fügte hinzu: »Also, was auch immer du mir antust, ich kann dir versprechen, ich werde es dir zehnfach heimzahlen.«
»Raus aus meinem Haus«, zischte Dad in einem tödlich ruhigen Ton. »Sofort, Junge.«
»Teddy, hör auf!«, jammerte Mam und eilte auf ihn zu. »Das kannst du nicht …«
»Halt verdammt noch mal die Klappe, Frau!«, brüllte Dad, während er seine Wut gegen unsere Mutter richtete....




