Walther | Jetzt schlägt´s 14 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Walther Jetzt schlägt´s 14


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-910971-00-4
Verlag: Hummelshain Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-910971-00-4
Verlag: Hummelshain Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Krimi-Dinner im Hotel Mystery Manor in Cornwall mit der gefeierten Autorin Patricia A. Swan - kurz vor der Lesung ist sie verschwunden. Im Keller findet man schließlich ihre Leiche. Durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnitten, übernimmt die Dorfpolizistin Margo McCallum die Mord-Ermittlung in dem Hotel. Und erhält unfreiwillig Hilfe vom Schauspieler Newton Stewart, der Swans berühmten Inspector Grey in einer Fernsehserie spielt und sich nun in einem realen Fall beweisen will. Das ungleiche Paar stößt auf ein kompliziertes Beziehungsgeflecht unter den Gästen und eine Vielzahl von Motiven. Düstere Geheimnisse, unterdrückte Gefühle und alte Rechnungen werden offenbar. Und wo ist Swans letztes unveröffentlichtes Manuskript? Der Roman ist ein klassischer Whodunit, erst am Schluss wird der Mörder oder die Mörderin entlarvt.

Hinter dem Autorennamen M.S. Walther stehen 14 Autorinnen, die in 14 Kapiteln aus 14 Perspektiven schreiben. Alle sind versierte Krimifrauen bei den Mörderischen Schwestern e.V. Die Autorinnen sind: Jutta Büsscher ? Ella Kröger ? Carina Kullang ? Anja Labussek ? Franzi Maar ? Paula May ? Rodica Meltzer ? Anja Puhane ? Sibyl Quinke ? Anja Sommer ? Brigitte Stammschröer ? Petra Treiber ? Anke Völkel ? Manu Wirtz.
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Kapitel 1



»Liegt das nicht in der Nähe von Land's End, wo ich sowieso zum Rechercheabschluss hinfahren wollte?«, fragte ich meinen Mann.

George beugte sich über meine Schulter und las die E-Mail auf dem Bildschirm des Laptops: ›... ist ein Krimihotel in Cornwall. Wir würden uns glücklich schätzen, Sie zu einem Meet & Greet-Wochenende einzuladen in Verbindung mit einer Lesung beim Krimi-Dinner. Der Aufenthalt, alle Annehmlichkeiten des Hotels sowie Essen und Getränke für Sie und eine Begleitperson sind natürlich kostenlos ...‹

Das präsentierte sich auf seiner Webseite als ein altes Herrenhaus, das zum Themenhotel umgebaut worden war. Die Gästezimmer hatten alle eine Einrichtung, die einem englischen Krimiautor oder einer bekannten Figur gewidmet war. So gab es ein Alfred-Hitchcock-Zimmer, Sherlock-Holmes- oder Inspector-Barnaby-Zimmer und viele weiter spannende Räume.

»Eine Lesung? Ich dachte, du hasst Lesungen.« George war überrascht. Er überlegte ein paar Sekunden: »Andererseits wäre es vielleicht doch eine gute Gelegenheit. Sieh mal: vor Ort für dein neues Buch zu recherchieren und auch noch umsonst in einem angenehmen Krimihotel zu wohnen, das ist doch günstig oder nicht, Darling?«

»Ich kann es mir leisten, in jedem 5-Sterne-Hotel der Welt zu übernachten. Da bin ich doch nicht auf ein kostenfreies Wochenende angewiesen«, gab ich schnippisch zurück.

Im Gegensatz zu früher, als ich noch eine unbekannte Krimiautorin war. Da gehörten Lesungen an fast jedem Wochenende zum Pflichtprogramm. Ein Honorar gab es in den Anfangsjahren höchst selten. Damals konnte ich froh sein, wenn mir von Buchhändlern, bei Privatfeiern oder Hotels wenigstens die Fahrkosten erstattet wurden. Dabei musste ich von meinen Buchverkäufen leben. Später, als meine Romane ständig auf den Bestsellerlisten landeten, konnte ich es mir leisten, die meisten Anfragen abzulehnen und nur an den großen Events wie Buchmessen oder im Fernsehen aufzutreten.

George sagte: »Aber das meine ich nicht, Abby. Du hättest mit dem Arrangement einen völlig harmlosen Grund, dich in der Umgebung des Hotels umzusehen, ob du mit deiner Theorie recht hast.«

Ich verstand, worauf er hinauswollte. »Du meinst, zu schnüffeln.« Ich schmunzelte.

Er grunzte mich wie ein Schweinchen an und grinste.

»Na gut, überredet.«

Ich schrieb an Mrs Porter zurück: »Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich wollte schon lange Ihr besonderes Hotel kennenlernen und freue mich über die Einladung. Ich reise mit meinem Mann am zehnten August an. Wir benötigen für meinen Assistenten ein zusätzliches Zimmer. Kann ich davon ausgehen, dass das im Arrangement enthalten ist?«

Zufrieden klickte ich den Senden-Button.

An diesem Freitag fuhren wir zu dritt von London nach Cornwall. George chauffierte den Jaguar in entspanntem Tempo durch das Bodmin Moor in Richtung Land’s End.

Mein persönlicher Assistent Paul Adel schmollte im Fond des Wagens; er hatte sich auf ein freies Wochenende mit seinem neuen Freund gefreut. Stattdessen verlangte ich seine Anwesenheit bei der Lesung. Er sollte für mich das mit allen Räumen fotografieren und Details notieren. Vielleicht brauchte ich das Setting ja irgendwann einmal für einen neuen Krimi.

Er hatte seinen braunen Schopf zum Fenster gedreht und starrte nach draußen. Sein eigentlich ganz hübsches Gesicht war zu einer mürrischen Miene verzogen. Paul war achtundzwanzig Jahre alt und arbeitete seit zwei Jahren bei mir. Er war ein ganz brauchbarer Kerl, der gut organisieren konnte. Seine Familie hatte französische Wurzeln. Deshalb betonte er seinen Nachnamen gerne mit einem Accent aigu – Adél – was sich lächerlich anhörte. Er schrieb Kurzgeschichten und träumte selbst von einer Karriere als Schriftsteller.

In den letzten zehn Jahren hatte ich viele persönliche Assistenten beschäftigt. Die meisten waren für die Leistung, die ich erwarte, nicht geeignet und kündigten oft nach kurzer Zeit, oder ich musste sie feuern. Es lohnte sich manchmal kaum, sich ihre Namen zu merken, und so gewöhnte ich mir mit der Zeit an, sie nur als zu bezeichnen.

Ich verlange von meiner rechten Hand, dass sie mir vor allem vorbereitende Arbeiten für meinen Roman, wie Recherchen, Informationsbeschaffung und -aufbereitung, erledigt. Während der Schreibphase soll er oder sie auch die Rohfassungen der Texte nach Logikfehlern und Rechtschreibung prüfen. Nicht zuletzt die Reiseplanungen, die Beantwortung von Fanpost sowie die Überwachung von Twitter, Facebook und Instagram gehören zu den täglichen Aufgaben. Ich gebe zu, es ist eigentlich ein Vierundzwanzig/Sieben-Stunden-Job. Aber ich bezahle schließlich gut, die jungen Menschen reisen mit mir durch die Welt und lernen sehr viel über das Verlagsgeschäft.

»Machen Sie nicht so ein griesgrämiges Gesicht, Paul«, rüffelte ich meinen Assistenten. »Wann bekommen Sie sonst die Gelegenheit, im Krimihotel zu übernachten? Sie sind von lauter berühmten Schriftstellern und deren Figuren umgeben. Das sollte Sie doch inspirieren.«

Er brummte nur schlechtgelaunt und kraulte sein Schoßhündchen Chouchou weiter. Diese handtaschengroße Töle war sein neuster Spleen. Der Chihuahua hatte sich bei mir sogleich unbeliebt gemacht, als er auf meine Teppiche kackte; die teuren Reinigungskosten zog ich Paul vom Gehalt ab. Seitdem durfte er den Köter nicht mehr mit ins Büro bringen. Ich ließ die beiden links liegen und schaute aus dem Fenster.

Ich genoss die Fahrt durch die offene Landschaft und den weiten Himmel. Die ganze Palette an satten Grüntönen hatte die gewellten Hügel überzogen. Schafherden weideten auf den Wiesen, von niedrigen Steinmauern oder Brombeerhecken umzäunt. Ich atmete den salzigen Geruch des nahen Meers tief ein und mit ihm das Gefühl unendlicher Weite.

Ich nahm mein MacBook auf den Schoß und überflog zum gefühlt tausendsten Male das aktuelle Manuskript. Eine leichte Korrektur hier, ein Synonym dort, um eine Wortwiederholung zu vermeiden – mein ganzes Autorinnendasein hindurch hatte ich das Gefühl, etwas verbessern zu müssen. Aus diesem Grund las ich auch keines meiner gedruckten Bücher. Ich wollte mich nicht darüber ärgern, auf einer Seite doch noch einen Fehler zu entdecken.

Zum Leidwesen meiner Lektorin verzögerte das den Schreibprozess, und ich gab ein Manuskript immer in letzter Minute ab. Jetzt konzentrierte ich mich auf das neue Buch.

Mittags hielten wir am , nahmen in der urigen Piratenkneipe einen Lunch ein und besuchten auch Daphne du Maurier’s in der ehemaligen Remise. Je weiter wir nach Südwesten fuhren, desto mehr Wolken türmten sich zu gigantischen Gebilden auf.

»Ich fürchte, da kommt schlechtes Wetter auf uns zu, Darling«, warnte mein Mann.

Am späten Nachmittag rollte der Jaguar knirschend über den Kiesweg vor dem . Graubraun war das Anwesen von einer Mauer umgeben, die mit Kletterpflanzen fast vollständig überdeckt war. Von der Auffahrt stieg eine breite Treppe zum Herrenhaus auf.

Hinter mir lachte Paul Adel spöttisch auf: »Herrje, wohnt hier Cinderella?«

Das dreigeschossige Herrenhaus war im neogeorgianischen Stil gebaut, wie so viele Landsitze aus dem frühen 19. Jahrhundert. Grob behauene, unverputzte Kalksteinmauern, hohe Fenster mit Rastern aus Blei, aber vor allem Erker, Spitzdächer und Türme kennzeichneten die Renaissance der mittelalterlichen Bauelemente. Ich dagegen war der Meinung, dass der Baustil eine romantisierte Rückbesinnung auf die glorreiche ritterliche Vergangenheit Englands war. Nicht sehr vorteilhaft für die meisten Gebäude, denn ästhetische Fassaden wie in Frankreich oder Italiens Prachtbauten waren eher selten. Hier herrschte mit den vielen Vorsprüngen und Nischen das reinste Chaos.

Ein Kichern gluckste in meiner Kehle. »Wohl eher Lady Macbeth. Die Atmosphäre passt jedenfalls zu einem Krimihotel.« So kam es, dass ich mit einem breiten Lächeln aus dem Wagen stieg und der blonden Frau entgegensah, die die Steintreppe hinunterkam.

»Wie ich mich freue, Sie zu sehen, Mrs Swan«, begrüßte sie mich freudestrahlend. »Ich bin Gemma Porter, die Hotelmanagerin. Herzlich willkommen im .«

Sie war etwas kleiner und wirkte wie eine jüngere Ausgabe von mir selbst: gute Haltung und toughe Ausstrahlung. Das mochte ich.

Überschwänglich fasste sie nach meinem Arm und schüttelte lebhaft meine Hand. Unwillkürlich verkrampften meine Schultern und ich spürte, wie meine Mundwinkel erstarrten. Mühsam beherrschte ich mich, um nicht zurückzuweichen, obwohl ich eine heftige Abscheu gegenüber aufdringlichen Fremden empfand. Vor allem enthusiastischen Fans ging ich gerne aus dem Weg. Ich hasste das übergriffige Verhalten mancher Personen, die mich ohne Vorwarnung...



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