Watson | Die sixtinische Auktion | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 521 Seiten

Watson Die sixtinische Auktion

Roman - Ein packender Vatikan-Thriller über die größte Kunstauktion aller Zeiten
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-287-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman - Ein packender Vatikan-Thriller über die größte Kunstauktion aller Zeiten

E-Book, Deutsch, 521 Seiten

ISBN: 978-3-98690-287-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die spektakulärste Versteigerung der Welt: Der fesselnde Vatikan-Thriller »Die sixtinische Auktion« von Peter Watson jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn Machthunger, Geldgier und Niedertracht aufeinandertreffen ... David Colwyn leitet eines der berühmtesten Auktionshäuser Londons und hat es mit seinen großen Coups zu internationaler Anerkennung gebracht. Doch nichts davon kann ihn auf das vorbereiten, was dann passiert: Er wird zu einer Geheimaudienz nach Rom beordert - wo der Papst ihm unterbreitet, dass er die legendären Kunstschätze des Vatikans versteigern lassen will, um den Armen zu helfen! Zunächst ist Colwyn begeistert, als Organisator der größten Kunstauktion aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Aber der Papst hat noch weitaus größere Pläne - und einen gewissenlosen Gegner, der vor nichts zurückschreckt. Bald schon ist Colwyn in einem Netz aus Geheimnissen, Intrigen und Brutalität gefangen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint ... Er erzählt in seinen Krimis aus erster Hand - der renommierte Kunstkenner Peter Watson hat selbst schon bei der Aufklärung spektakulärer Kriminalfälle mitgewirkt: »Non-stop Action, die eine unglaubliche Anziehungskraft besitzt!« Publishers Weekly Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der mitreißende Kunst-Krimi »Die sixtinische Auktion« von Bestsellerautor Peter Watson wird alle Fans von Dan Brown und Robert Harris begeistern! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Peter Watson, geboren 1943 in Birmingham, ist der Autor zahlreicher internationaler Bestseller. Er studierte Psychologie und Musik in Durham, London und Rom und war anschließend als Journalist für angesehene Zeitungen wie die »Times« und den »Observer« tätig. Er gilt als einer der besten Kunstspezialisten der Welt und konnte zur Aufklärung zahlreicher Kunstdiebstähle und Fälschungen beitragen. Bei dotbooks veröffentlichte Peter Watson die Romane »Die sixtinische Auktion«, »Das Gemälde des Todes«, »Der letzte Verräter« und »Die ehrenwerte Familie«.
Watson Die sixtinische Auktion jetzt bestellen!

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Prolog


Benedetto schaute verwundert seine Tasse an. Was war denn los? Seit mindestens acht Jahren trank er nun schon jeden Sonntagmorgen seinen Kaffee in Enzos Bar und wartete dort auf seinen Sohn, der bei der Frühmesse im Kirchenchor sang. Wenn der Junge dann kam, bestellte er noch eine Tasse, bevor sie zum Frühstück nach Hause gingen.

Es bestand kein Grund zur Eile, da Pasqualina, seine Frau, die beiden gern aus dem Haus hatte, damit sie wenigstens einmal in der Woche ausschlafen konnte. Enzos Kaffee war hervorragend, der beste von ganz Foligno. Auch heute hatte der erste Schluck gut geschmeckt. Doch nun zeichneten sich auf der dicken Flüssigkeit Ringe ab, als ob der Kaffee von unten geschüttelt würde. Seltsam. Benedetto spürte nichts. Doch im nächsten Moment – laut Zeitung vom darauffolgenden Tag genau um 8.19 Uhr – veränderte sich alles. Die schwarz-weißen Marmorfliesen unter seinen Füßen begannen zu vibrieren, Tassen und Aschenbecher klirrten, und dann stürzte ein ganzes Bord mit Gläsern auf den Boden.

Benedetto hörte das Zersplittern aber gar nicht, da gerade in kaum fünfzig Meter Entfernung jenseits der Piazza ein gewaltiges blaugolden leuchtendes Mauerstück aufs Pflaster krachte, dabei den Zeitungskiosk zertrümmerte und faustgroße Steinbrocken in alle Himmelsrichtungen wegspritzen ließ. Er erkannte das Blau und das Gold: Hoch oben an der Kirchenfassade befand sich ein berühmtes Mosaik, auf dem Christus und ein Papst als Stifter dargestellt waren.

Benedetto duckte sich mit Enzo und zwei anderen Männern hinter die Bar. Keiner von ihnen hatte bisher ein Erdbeben erlebt, doch als Italiener wußten sie, was geschah.

Das gräßliche Geräusch herunterpolternder Mauerbrocken hielt mehrere Minuten an. Dann sahen Benedetto und Enzo die Verwüstung, die das Erdbeben angerichtet hatte: Ein Torbogen, der die Kathedrale mit dem Palazzo Trinci verband, war verschwunden; auch die Nordmauer der Kathedrale, eine wunderbare Kombination aus rosa und weißem Marmor, über achthundert Jahre alt, existierte nicht mehr. Die gewaltige Fensterrosette war anscheinend ins Kircheninnere gefallen und hatte einen Teil des Dachs mitgerissen.

Benedetto mußte mitansehen, wie nun zwei der hohen Säulen des Palazzo Trinci, rot wie Blutorangen, einknickten und umfielen. Der Krach war ohrenbetäubend, lauter als jeder Donner, und dichte Wolken aus rötlichem Staub ließen den Platz wie ein Schlachtfeld erscheinen.

Die Erde war noch immer in Aufruhr. Von überall her war das Geräusch berstender Häusermauern und polternder Gesteinsmassen zu hören. Jetzt brach auch die Kuppel der Kathedrale in sich zusammen. Zuerst gab die südliche Wölbung nach und verlieh der Kuppel ein fast trunkenes Aussehen, dann folgte der Rest und verschwand im Inneren der zerstörten Kathedrale. Der krachende Aufprall klang wie der Schmerzensschrei eines gequälten Riesen.

Endlich hörte das Zittern auf, und die Erde war wieder so ruhig, als wäre nichts geschehen. Benedetto und die anderen warteten noch einige Minuten ab. Sie wollten die Bar erst dann verlassen, wenn das Schlimmste vorüber war.

Benedetto wischte sich mit einem Taschentuch den Staub vom Gesicht und stolperte auf die Straße. Sie lag voller Schutt. Wie zum Hohn war es ein strahlend schöner Tag, als ob mit der Welt alles in Ordnung wäre. Er tastete sich über die Piazza, vorbei an dem, was vom Zeitungskiosk geblieben war, vorbei an total verbeulten Autos, vorbei an dem, was er mit einem Aufstöhnen als das zerquetschte Akkordeon von Aldo, dem Krüppel, erkannte, der den lieben langen Tag auf der Piazza spielte. Sein Körper mußte hier irgendwo unter den Steinmassen sein.

Benedetto wollte zum Nordportal der Kirche. Das stabile, von zwei roten Steinlöwen flankierte romanische Kunstwerk stand immer noch. Sogar die Wände ringsum waren – zum Teil jedenfalls – intakt. Inzwischen drangen ganz andere Laute aus der Stadt herüber – Stöhnen und Wimmern von Verwundeten, klagende Schreie von Überlebenden, deren Angehörige getötet worden waren. Doch Benedetto ging weiter.

Ins Zentrum der Kirche konnte er nicht vordringen. Dorthin waren Rosette und Nordwand gestürzt, und zuletzt war auch noch die Kuppel auf den gewaltigen Steinhaufen gedonnert. Bruchstücke aus rosa Marmor, steinerne Rinnen und verbogene Dachplatten aus Blei ragten an manchen Stellen bis zu drei Meter hoch auf. Eine nun kopflose Steinstatue des heiligen Barnabus fiel ihm auf, dann sah er die Überreste des Baldachins, eine Kopie des von Bernini stammenden Originals im Petersdom. Jetzt wußte Benedetto, daß er seinem Ziel nahe war.

Der bronzene Baldachin diente als Überdachung des Hochaltars. Dahinter befanden sich Orgel und Chorraum. Nun erst begann Benedetto, Schutt und große Steine wegzuräumen. Ab und zu lauschte er angestrengt. Von überall in der Stadt waren immer noch Schreie zu hören, doch hier, wo er stand, herrschte eine unheimliche Stille.

Benedetto machte sich wieder daran, mit bloßen Händen Mauerbrokken aus dem riesigen Haufen herauszuzerren, und hielt dann erneut inne, um zu lauschen. Er arbeitete immer hektischer. Die erste Leiche entdeckte er nach fünf Minuten. Es war der fünfzehnjährige Sohn der Gasparris. Er legte den Körper des Jungen sacht am Rand des Schutthaufens nieder und grub weiter.

Der Mann stieß auf zwei weitere tote Chorknaben. Der eine war der neunzehnjährige Frederico Sangrilli, Sohn des Bäckers; die andere Leiche war zu entstellt, um sie identifizieren zu können. Behutsam trug Benedetto die zwei Leichen zu einer Stelle am Rand des Trümmerhügels. Dann kehrte er wieder dorthin zurück, wo eigentlich das Chorgestühl sein sollte.

Vor ihm lag ein Mauerstück mit Freskomalerei, und er erinnerte sich, daß die Decke der Apsis über dem Altar in Blau, Rosa und Weiß gehalten war. Es handelte sich um Szenen aus dem Leben des heiligen Felix, dem die Kirche geweiht war. Auf dem vor ihm liegenden Fragment schwang ein Engel mit großen Flügeln ein Schwert. Die Farben waren mit Blutspritzern gesprenkelt. Als er den Engel beiseite rückte, durchzuckte ihn ein heißer Schmerz – der Körper seines Sohnes kam zum Vorschein. Eine weißliche Staubschicht bedeckte den Körper, während der Kopf verschmiert war: Schwärzliches Blut vermengte sich mit dem Weiß des Staubes. Die Beine waren auf unnatürliche Weise verdreht, weit offen standen die Augen. Als Benedetto ein Mauerstück noch weiter aus dem Weg schob, rutschte der rechte Arm seines Sohnes ein Stück tiefer, und diese Bewegung ließ den Vater einen grausamen Moment lang hoffen, der Junge sei noch am Leben. Er beugte sich hinunter und schüttelte ihn.

»Lorenzo! Lorenzo!«

Nichts. Sein Sohn war erschlagen und zermalmt wie die anderen achtzehn Chorknaben.

Benedetto küßte seinen Sohn, berührte die klebrige Stelle an der rechten Kopfseite und spürte die schartigen Risse in der Schädeldecke. Er begann zu weinen. Während er an den Schuttbrocken zog und zerrte, kam es ihm so vor, als werde er es nie schaffen, den staubigen, schwerfälligen Körper seines toten Kindes freizukriegen. Die Tränen liefen ihm übers Gesicht und fielen, warm wie das Leben, auf seine schmutzigen Hände, die im Geröll wühlten. Schließlich wurden Lorenzos Füße in Turnschuhen sichtbar, die so gar nicht zu dem feierlichen Chorhemd paßten. Mit siebzehn war der Junge schon so groß wie sein Vater, jedoch viel schmächtiger. Blind für die anderen, die mittlerweile herbeigeeilt waren und den Trümmerhaufen in der Kirche durchsuchten, hob Benedetto seinen Sohn auf die Schultern und kämpfte taumelnd um sein Gleichgewicht.

Von einer Rettungsmannschaft war nichts zu sehen. Schritt für Schritt suchte Benedetto seinen Weg durch das Chaos. Zerborstenes Chorgestühl mengte sich mit scharfkantigen, farbigen Glassplittern; kostbar verzierte Messinggeräte, nun bizarr verbeult, lugten zwischen gewölbten Dachziegeln hervor; Blumen lagen verstreut über dem formlosen Gebilde, das bisher ein Marmorsarkophag gewesen war. Als Benedetto all das hinter sich hatte, blieb er stehen, lehnte Lorenzos Körper gegen den romanischen Torbogen und wischte sich mit dem Ärmel über das feuchte, schmutzig verklebte Gesicht.

Immer mehr Menschen kamen zur großen Piazza gerannt, als es sich in der Stadt herumgesprochen hatte, daß der Bezirk um die Kathedrale am schlimmsten betroffen war. Sie wagten Benedetto nicht anzusprechen, als ihnen klar wurde, daß er schon gefunden hatte, wovor ihnen allen graute: einen toten Angehörigen unter den Ruinen. ›Es hat keinen Sinn zu warten, ich muß nach Hause‹, sagte sich Benedetto. Er hob gerade wieder die Leiche des Jungen auf seine Schulter, als er den Schrei hörte. Noch bevor er hinsah, wußte er, daß es Pasqualina war. Sie stand vor Enzos Bar. Dort hatte sie zuerst nach ihnen gesucht. Jetzt riß die Frau voller Entsetzen die Arme hoch. Lorenzo war ihr jüngstes Kind, ihr Liebling, ihr einziger Sohn gewesen. Lang hallten ihre Schreie über den Platz. Ihm kam es wie eine Ewigkeit vor.

Stunden später stand der Bürgermeister von Foligno, Sandro Sirianni, neben seinem alten Freund, Pater Umberto Narnucci, auf dem Fußballplatz der Gemeinde. Er lag ungefähr einen halben Kilometer außerhalb der Mauern der Altstadt, an der Straße nach Terni und Rom. Wie so manche Stadt in Italien wurde Foligno von den Kommunisten regiert.

Umberto Narnucci und Sandro Sirianni waren seit der Schulzeit Freunde, und so war der Bürgermeister sehr erleichtert gewesen, als er erfuhr, daß Narnucci, der die weiteren Sonntagsmessen in der Kathedrale abhalten sollte, zum Zeitpunkt des Erdbebens im nahe gelegenen Assisi bei Freunden im Kloster weilte. Siriannis eigener Sohn, der früher Chorknabe in der Kathedrale gewesen war, studierte nun zum Glück an der Mailänder...



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