Weber | Das Grundinger-Haus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Weber Das Grundinger-Haus

Thriller
16001. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95819-067-2
Verlag: Ullstein Midnight
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-95819-067-2
Verlag: Ullstein Midnight
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die scheue Vivienne kehrt nach einem Auslandsjahr zurück nach Deutschland, um ihr Psychologiestudium zu beenden. In der heimischen Kleinstadt entdeckt sie ein neues Gesicht. Sie lernt den geheimnisvollen Steve kennen, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Doch nicht alle Stadtbewohner sind von dem undurchsichtigen Fremden in der schwarzen Lederjacke angetan. Vivienne erfährt, dass Steve im alten Waisenhaus der Stadt aufgewachsen ist. Die Einrichtung wurde geschlossen, nachdem die Direktorin bei einem Aufstand ums Leben gekommen war. Als Viviennes beste Freundin plötzlich spurlos verschwindet, wird Steve in Gewahrsam genommen. Doch Vivienne glaubt an seine Unschuld. Sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei kommt sie dem Täter gefährlich nahe und gerät schließlich selbst in Lebensgefahr ...

Teresa Weber ist das Pseudonym der jungen Autorin Teresa Nagengast, unter dem sie Krimis, Thriller und Spannungsliteratur veröffentlicht. Sie wuchs als Drillingskind im ländlichen Gebiet in Unterfranken auf. Schon damals verschlang sie zahlreiche Bücher. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Journalismusstudium. Heute arbeitet sie bei einem Bildungsverlag in Nürnberg.
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Fünf Tage vor Weihnachten


Vivienne spürte, wie ihr Herz vor Aufregung ungeduldig gegen die Brust klopfte und ihr Mund immer trockener wurde. Schon bald würde sie die Lichter des Bahnhofs sehen und endgültig realisieren müssen, dass sie wieder zurück war. 365 Tage waren seither vergangen und viele ihrer Freundinnen durch das Studium oder ihren aktuellen Partner längst aus der kleinen Stadt, in der sie ihre Schulzeit verbracht hatten, verschwunden.

Nachdenklich blickte Vivienne wieder aus dem beschlagenen Zugfenster und sah zu, wie der Schnee wie Watte durch die Luft gewirbelt wurde. Als sie im letzten Jahr nach Kalifornien gegangen war, um ein Studienjahr im Ausland zu machen, hatte es in Deutschland auch geschneit. Sie wusste noch, wie sie sogar in ihrer wärmsten Jacke gefroren und sich auf das warme Klima an der Westküste gefreut hatte. Doch jetzt genoss sie den Schnee und diese Vorfreude, welche die Vorweihnachtszeit vor allem in erwartungsvollen Kinderaugen auslöste.

Eigentlich wollten ihre Eltern sie vom Flughafen abholen, doch sie waren mal wieder auf einer wichtigen internationalen Geschäftsreise. Ihr Vater war selbstständig und verkaufte medizinische Geräte an Krankenhäuser auf der ganzen Welt. Das machte ihr aber nichts aus, denn sie fuhr gerne mit dem Zug. Außerdem war sie es ja gewohnt, dass ihre Eltern die meiste Zeit unterwegs waren.

Im Vierersitz hinter ihr tollte ein Junge mit rotblonden Haaren und Sommersprossen auf der Nase auf den durchgesessenen grünen Sitzen herum. Vivienne schätzte ihn auf Kindergartenalter. Immer wieder blickte er über die Lehne zu ihr hinüber, mit neugierigen Augen, den Finger in den Mund gesteckt. Freundlich lächelte sie ihm zu. Sie hätte immer gerne ein kleines Geschwisterchen gehabt, doch ihre Eltern waren ja schon mit ihr überfordert gewesen.

Etwas wehmütig blickte Vivienne zu dem Bahnhof, der allmählich größer wurde. Das letzte Jahr in Kalifornien hatte ihr wirklich gut gefallen. Sie mochte es, früh am Morgen in dem kühlen Meer zu schwimmen, bevor die ganzen Touristen den Strand belagerten. Doch jetzt wurde es Zeit, ihre Zukunft zu planen. Bald würde sie ihren Abschluss in Psychologie ablegen, und dann musste sie sich darüber klar werden, welchen Weg sie beruflich einschlagen wollte.

Beim Erreichen des Bahnhofes hievte Vivienne mit aller Kraft ihren großen Designerkoffer, ein Geschenk ihrer Mutter Inga vor der Abreise, von der Ablage. Ihre Freundin Clara hatte ihr versprochen sie vom Bahnhof abzuholen. Im Gegenzug sollte Vivienne später mit ihr auf die Weihnachtsfeier der Nachbarschaft gehen. Was war ihr also anderes übrig geblieben, als zuzustimmen. Zwei Kilometer zu Fuß mit einem großen Koffer als Gepäck und Temperaturen unter dem Nullpunkt hatten sie davor abgeschreckt, den Heimweg alleine zu meistern.

Mit dem roten Mantel und den langen blonden Locken stach Clara sofort aus der Menge der Menschen heraus, die ebenfalls auf Bekannte und Familienmitglieder warteten. Clara hatte die typische Ausstrahlung eines Menschen, der mit sich und seinem Leben vollkommen zufrieden ist. Sie bemerkte nicht einmal die Blicke der männlichen Bahnbesucher, die sie aufmerksam musterten. Trotz ihres strahlenden Aussehens war Clara weder arrogant noch eingebildet. Sie schminkte sich selten übermäßig und war zu jedem Menschen freundlich und aufgeschlossen. Sie hatte einfach das Glück gehabt, in dem richtigen Körper, in der richtigen Familie und mit der richtigen Portion Selbstbewusstsein aufzuwachsen.

Vivienne und Clara kannten sich seit ihrer Geburt und waren von klein auf die allerbesten Freundinnen. »Die zwei Gegensätze«, hatten sie die Bekannten oft genannt und über diese Freundschaft den Kopf geschüttelt. Während Clara aufgeweckt, impulsiv, lebenslustig und redselig war, erschien Vivienne von Natur aus eher zurückhaltend und in sich gekehrt. Nicht, dass sie extrem schüchtern wäre, doch sie dachte einfach gründlicher über die Dinge nach und fasste nur langsam Vertrauen zu anderen Leuten.

Fröhlich winkte Clara Vivienne zu, als sie die Freundin im Zugabteil entdeckte, und unbewusst stahl sich ein Lächeln auf Viviennes Lippen. Claras Herzlichkeit war entwaffnend, und Vivienne spürte, dass sie sich wirklich darüber freute, Clara zu sehen.

»Hallo, Urlauberin. Wie war die Heimreise?«, fragte Clara und schloss Vivienne sofort in eine feste Umarmung.

»Sehr lang. Ich bin hundemüde. Muss ich wirklich noch mit auf die Weihnachtsfeier?«

»Natürlich gehst du mit. Wir müssen immerhin darauf anstoßen, dass du wieder zu Hause bist.« Zusammen verstauten sie den Koffer in Claras rotem Mini. Er passte gerade so in den Kofferraum.

»Versuch ja nicht, dich zu drücken. Das lasse ich nicht durchgehen«, sagte Clara streng zu Vivienne, während sie losfuhr. Denn sie wusste, dass Vivienne nur zu gern davon fernbleiben würde. Vivienne seufzte ergeben und blickte auf die altbekannten Häuser, die an ihren Augen vorbeizogen.

Stürmisch drückte Clara Vivienne einen Kuss auf die Backe, als sie vor dem Eisentor des großen Herrenhauses hielten, in dem Vivienne mit ihren Eltern wohnte. »Ruh dich noch zwei Stunden aus. Ich hole dich dann gegen halb sieben ab.«

»Na gut!«, gab Vivienne klein bei, im Wissen, dass bei Clara jeder Widerspruch zwecklos war. Schon zu Schulzeiten war Clara sehr bestimmend gewesen. Es blieb Vivienne nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen. Es graute ihr bereits jetzt vor den vielen Fragen und diesem gezwungenen Small Talk mit den alten Bekannten.

Vivienne unterdrückte ein Gähnen, während sie den Koffer über den schmalen Schotterweg zur Eingangstür zog. Hoffentlich lag der Schlüssel noch unter der getöpferten Dekoschale, die im Sommer stets mit Blumen gefüllt war, denn sie hatte bei ihrem Aufbruch nach Kalifornien ihren Haustürschlüssel daheim gelassen.

Zwar waren nunmehr nur noch einige welke Blätter vorhanden, doch immerhin hatte ihre Mutter die Schale an dem Fenstersims stehen gelassen. Vivienne fröstelte, schließlich war sie dieses kalte Winterwetter nicht mehr gewohnt. Der Wind fuhr ihr unerbittlich durch die hellbraunen Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden hatte. Sie hasste es, wenn ihr die Haare ins Gesicht fielen. Erleichtert atmete sie auf, als sie mit den Fingerspitzen die kalten Konturen des Schlüssels ertastete.

Nachdem sie die Tür aufgeschlossen hatte und in den hohen Gang mit dem dunklen Marmorboden getreten war, hatte sie für einen Augenblick den Wunsch, von irgendjemandem empfangen zu werden und nach einem Jahr Abwesenheit nicht nur in ein verlassenes Haus zu treten.

»Stell dich nicht so an!«, schalt sie sich selbst und griff nach ihrem Koffer. »Du bist es immerhin gewohnt.« Die Rollen ihres Koffers hallten durch den leeren Gang, der von den alten Kronleuchtern in ein geheimnisvolles Licht getaucht wurde, sodass man meinen könnte, dass die gerahmten Bilder an den Wänden, die von der Geschichte und den Bewohnern des Herrenhauses erzählten, zum Leben erwacht wären. Vivienne ließ den Koffer an der ebenfalls marmorsteinernen Wendeltreppe stehen und bog links in die topmoderne Küche ab, die neben einem vollautomatischen Herd, allen erdenklichen Küchengeräten und einem Spülbecken, das ebenfalls aus dunklem Marmor bestand, auch einen riesigen Kühlschrank beherbergte. Wenigstens war dieser bis oben gefüllt. Nach einem kleinen Snack schleppte Vivienne sich und den Koffer in ihr Zimmer und fiel erschöpft auf ihr großes Himmelbett, um bis zur Weihnachtsfeier zu schlafen.

Ein schrilles Klingeln riss sie aus dem Schlaf. »Ja!«, murmelte Vivienne im Halbschlaf in ihr Handy.

»Aufstehen, Sonnenschein. In einer Stunde hole ich dich ab«, tönte ihr Claras fröhliche Stimme entgegen, und bevor Vivienne etwas erwidern konnte, war bereits ein Knacken in der Leitung zu hören. Clara hatte schon wieder aufgelegt.

Stöhnend richtete Vivienne sich auf und brauchte einen Moment, um sich zu besinnen wo sie war. Sie fühlte sich noch immer zerschlagen von dem langen Flug und der anderen Zeitzone. Außerdem hatte sie Kopfschmerzen. Um die Lebensgeister zu wecken, beschloss sie, erst einmal eine heiße Dusche zu nehmen. Während das fast dampfende Wasser den Schmutz und die Strapazen der vergangenen zwanzig Stunden abwusch, dachte sie darüber nach, was sie sich vorgenommen hatte. Sie brauchte noch ein Semester, bevor sie ihren Abschluss in der Tasche hatte. Sie sollte dringend anfangen, sich zu bewerben, doch dafür musste sie erst einmal wissen, wo sie beruflich hinwollte.

Vivienne wickelte ihre nassen Haare in ein nach Rosen duftendes Handtuch – Josepha, die Haushälterin liebte den Geruch von Rosen – und stieg aus der Dusche. In einer halben Stunde musste sie fertig sein. Ihre Klamotten, die sie in Amerika dabeigehabt hatte, lagen zusammengeknüllt in ihrem Koffer, den sie einfach in einer Ecke ihres Zimmers abgestellt hatte. Dort würden sie wahrscheinlich auch noch etwas liegen bleiben. Clara hatte ihr eingebläut, dass sie sich etwas Schönes anziehen sollte – ein Kleid oder eine elegante Bluse. Sie wusste von Viviennes Vorliebe für Jeans und Kapuzenpullover.

Seufzend öffnete Vivienne ihren großen viertürigen Holzschrank, mit den aufwendigen Verzierungen am Rahmen, die sie schon als kleines Mädchen geliebt hatte. Kleider, nach Farben sortiert und ordentlich in Reih und Glied aufgehängt, hingen an hölzernen Kleiderstangen. Ihre Mutter hatte ihr die Klamotten gekauft, in der Hoffnung, dadurch endlich eine richtige vornehme Lady aus ihr zu machen. Ihre Mutter hoffte auch, dass sich Vivienne einen reichen Lebensgefährten suchen und nicht Psychologie...


Weber, Teresa
Teresa Weber ist das Pseudonym der jungen Autorin Teresa Nagengast, unter dem sie Krimis, Thriller und Spannungsliteratur veröffentlicht. Sie wuchs als Drillingskind im ländlichen Gebiet in Unterfranken auf. Schon damals verschlang sie zahlreiche Bücher. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Journalismusstudium. Heute arbeitet sie bei einem Bildungsverlag in Nürnberg.



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