E-Book, Deutsch, 148 Seiten
Weber Geheilt durch Gottes Wort
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-1308-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
von Depressionen, Angststörung und Selbstmordgedanken
E-Book, Deutsch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-6951-1308-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Viktor Weber wurde 1980 in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Seit 1990 lebt er in Deutschland. Er hat zwei Töchter und lebt im Süden Deutschlands.
Autoren/Hrsg.
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Die Depressionen schlichen sich langsam bei mir ein. Es fing alles mit kleinen negativen Gedanken an. Ich weiß nicht mehr, welche es waren. Ich weiß aber noch, dass ich am Anfang diesen Gedanken keine Aufmerksamkeit schenkte. Doch in regelmäßigen Abständen kamen sie wieder. Irgendwann hatten sie meine Aufmerksamkeit. Je mehr ich sie beachtete, desto größer wurden sie.
Mit der Zeit stellte sich bei mir ein negatives Denken ein. Ich bemerkte, dass es mich innerlich runterzog. Mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wurden immer kleiner. Ich fühlte mich überflüssig. Mich erfüllte innerlich eine tiefe Sinnlosigkeit, eine Leere. Nichts machte mir mehr Freude. Ich verspürte innerlich eine tiefe Trauer, verlor das Interesse an meinen Hobbys. Mir war nur nach Weinen zumute.
Mein Leben vor der Krankheit sah ganz anders aus. Ich war energiegeladen, hatte Kraft. Die täglichen Aufgaben wurden von mir zügig erledigt und kosteten mich nicht viel Mühe. Ich hatte Ziele für mein Leben und arbeitete daran, sie zu erreichen. Regelmäßig ging ich ins Fitnessstudio und traf mich dort mit meinen Freunden. Es machte Spaß und ich fühlte mich gut. Doch während der Krankheit hatte ich keine Kraft mehr, dorthin zu gehen, und kündigte die Mitgliedschaft. Ich verlor den Kontakt zu meinen Freunden und war oft allein.
Bevor ich krank wurde, fuhr ich häufig nach Frankreich, um dort an bestimmten Gewässern zu angeln. Es war ein schöner Ausgleich zu meiner Arbeit und erfüllte mich mit innerer Freude.
Doch nachdem ich an Depressionen erkrankt war, war es nicht mehr wie vorher. Das Angeln machte keinen Spaß mehr. Die Freude war weg.
Stattdessen wurde ich von einer tiefen Traurigkeit erfüllt. Ich hatte keine Freude mehr an meinen Hobbys und an meinem Leben.
Im Jahr 2002 spitzte sich die Lage deutlich zu.
Ich war gerade mit meiner Freundin zusammengezogen. Wir erwarteten unser erstes Kind.
Als im August meine Tochter Nicole geboren wurde, war dies ein kleiner Lichtblick, der etwas Freude in mir auslöste. Doch leider hielt sie nicht lange. Innerlich fühlte ich mich mehrmals in der Woche so, als ob mir die Seele in Stücke gerissen würde. Es waren Schmerzen, die fast nicht zum Aushalten waren. Am liebsten hätte ich vor Schmerz laut geschrien. Irgendwann ebbten diese Gefühle ab, doch bald kamen sie wieder und die Folter fing von Neuem an.
Leben mit Depressionen
Ich wurde kraftlos, schwach und mir fehlte jeglicher Antrieb, irgendetwas anzupacken oder zu unternehmen. Ich war die ganze Zeit müde und wollte einfach nur schlafen. Ich schlief sehr viel, so konnte ich dieser Krankheit entfliehen. Meinen Tagesablauf gestaltete ich so, dass ich morgens um 5 Uhr aufstand, mich für die Arbeit fertig machte und zur Arbeit fuhr. Um 6 Uhr begann meine Schicht in einem Einzelhandelsunternehmen, wo ich im Getränkemarkt arbeitete.
Um 15 Uhr hatte ich meine Arbeit beendet und fuhr heim. Wenn ich gegen 15:30 Uhr zu Hause war, ging ich duschen, aß etwas und ging danach gegen 16:30 Uhr schlafen. Zwischen 19:30 Uhr und 20 Uhr stand ich wieder auf, verbrachte etwas Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter und ging zwischen 21 Uhr und 21:30 Uhr wieder schlafen.
Natürlich litt das Familienleben unter dieser Dauersituation. Ich verbrachte kaum Zeit mit meiner Tochter und meiner Frau und konnte sie im Haushalt nicht wirklich unterstützen. Für mich war das aber der einzige Weg, um der Krankheit zu entfliehen, diese irgendwie zu ertragen. Im Schlaf war ich in der Lage, die Depressionen zu vergessen.
Wenn der Wecker morgens klingelte, drehte ich mich mit dem Gesicht in das Kissen, bis ich keine Luft mehr bekam. Dann drückte ich mich mit den Armen aus dem Kissen heraus. Richtete meinen Oberkörper im Bett auf. Nahm mein rechtes Bein und zog es vom Bett, stellte es auf den Boden. Das Gleiche tat ich mit meinem linken Bein, sodass ich im Bett saß. Dann beugte ich meinen Oberkörper langsam nach vorne und griff mit beiden Händen nach der Fensterbank. Ich hielt mich mit aller Kraft, die ich noch hatte, daran fest und zog mich aus dem Bett, bis ich auf den Beinen stand.
Da stand ich nun. Doch ich musste ja noch ins Bad und hatte jetzt schon keine Kraft mehr dafür. Dieser Akt des Aufstehens am Morgen kostete mich bereits all meine Kraft. Dann hatte ich noch den ganzen Tag vor mir, die Arbeit, die täglichen Aufgaben zu Hause. Allein der Gedanke daran, all das bewältigen zu müssen, machte mich schon fertig. Doch irgendwie gelang es mir jeden Morgen, mich anzuziehen und zur Arbeit zu fahren. Ich wusste, dass sich meine Frau (inzwischen hatten wir geheiratet) auf mich verließ, dass wir von meinem Einkommen abhängig waren. Also war Aufgeben keine Option.
Wenn ich nachmittags nach der Arbeit wieder zu Hause ankam, parkte ich das Auto in der Garage. Ich fühlte mich kraftlos und unheimlich müde. Meistens blieb ich noch fünfzehn bis zwanzig Minuten im Auto sitzen und weinte.
Dann ging ich in die Wohnung hoch und legte mich wieder ins Bett, um zu schlafen.
Selbstmordgedanken
Die Depressionsschübe dauerten meistens zwei bis drei Wochen, manchmal auch vier. In dieser Zeit war ich zu nichts zu gebrauchen. Sie machten mich richtig fertig, gaben mir den Rest. Waren die Schübe weg, so ging es zwei bis drei Wochen einigermaßen gut. Ich konnte für meine Familie da sein, Aufgaben im Haushalt erledigen und brauchte nicht so viel Schlaf. Doch während dieser guten Phasen hatte ich große Angst davor, dass die Depressionen jeden Augenblick wieder zuschlagen könnten. Die Ungewissheit, wann es wieder passieren würde, machte mir sehr zu schaffen.
Nach einer Weile schlichen sich Selbstmordgedanken ein. Ich dachte sehr oft darüber nach, wie ich mir das Leben nehmen sollte. Ich wünschte mir, nicht mehr am Leben zu sein. Ich wollte nur noch sterben. In meiner Verzweiflung und Not betete ich zu Gott: „Bring mich um! Ich will nicht mehr leben! Es ist kein Leben, was ich hier durchmache! Es ist eine Qual, eine Folter! Wenn das das Leben ist, was ich leben soll, dann will ich dieses Leben nicht!
Heile mich oder bring mich um!“ Immer wieder spielte ich in Gedanken verschiedene Szenarien durch, wie ich mir selbst das Leben nehmen könnte.
Doch so viel ich auch über Selbstmord nachdachte, gab es dennoch drei Gründe, die mich davon abhielten.
Der erste war meine Tochter Nicole, die zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre alt war. Ich wusste, dass ich es ihr nicht antun konnte, ohne Vater aufzuwachsen, auch wenn ich wegen der Depressionen kaum für sie da sein konnte. Der zweite Grund war, dass ich mir selbst keinen Schmerz zufügen konnte. Drittens war ich mir nicht sicher, was nach dem Tod kam. Ich glaubte zwar nicht an Gott, aber erinnerte mich noch daran, wie meine Oma mich als Junge einmal mit in einen Gottesdienst genommen hatte.
Dort hatte ich ein Gespräch mit Erwachsenen gehört, in dem es auch um Selbstmord ging. Jemand sagte, dass Selbstmörder nicht in den Himmel, sondern in die Hölle kämen. Auch wenn ich nicht wirklich daran glaubte, wollte ich kein Risiko eingehen. Daher traf ich aus all diesen Gründen die Entscheidung, es nicht zu tun.
Auf der Suche nach Hilfe
Immer wieder hörte ich eine Stimme in meinem Kopf. Sie meldete sich oft und redete immer wieder auf mich ein, ich solle doch Selbstmord begehen, dann wäre ich von meinen Leiden erlöst. Eines Tages, als ich einen Depressionsschub hatte, meldete sich die Stimme und sagte: „Gib mir deine Seele und du wirst alles bekommen, was du dir wünschst!“
Ich erwiderte: „Was war das denn? Als ob ich schon nicht genug leide. Werde ich jetzt verrückt?!“
Da hörte ich wieder die Stimme: „Gib mir deine Seele und du bekommst alles, was du dir wünschst! Du wirst augenblicklich gesund werden!“
Ich rief: „Dreh ich jetzt total durch?! Meine Seele bekommst du nicht!“
An diesem Tag dachte ich wirklich, ich würde verrückt werden oder ich wäre es bereits. Das Maß war voll. Ich musste mir selbst eingestehen, dass ich Hilfe brauchte – und zwar professionelle, ärztliche Hilfe. Ich sah ein, dass ich krank war. Mittlerweile schrieben wir das Jahr 2005. Es war nicht normal, was ich in den letzten drei Jahren alles erlebt hatte. Ich hatte schwere Depressionen, kämpfte außerdem mit einer Angststörung, hatte Selbstmordgedanken und hörte eine Stimme in meinem Kopf. Das war doch kein normales Leben! Die Krankheit hielt mich gefangen.
Ich entschied mich also, meinen Hausarzt zu kontaktieren. Als ich bei der Arztpraxis ankam, blieb ich noch etwas im Auto sitzen. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Was würde wohl geschehen, wenn ich meinem Arzt erzählte, wie ich mich fühlte? Wenn ich ihm sagen würde, dass ich Depressionen hätte und zusätzlich unter einer Angststörung litt (davon erzähle ich im nächsten Kapitel). Würde er mich für verrückt erklären? Mich in eine Klinik einweisen, wo man mich mit Medikamenten vollstopfte? Könnten die Ärzte mich wieder gesund machen? Könnte ich jemals wieder ein...




