Weber | Honor Harrington: Die Ehre der Königin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 608 Seiten

Reihe: Honor Harrington

Weber Honor Harrington: Die Ehre der Königin

Bd. 2
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-2267-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bd. 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 608 Seiten

Reihe: Honor Harrington

ISBN: 978-3-8387-2267-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Planet Grayson spielt eine Schlüsselrolle im Konflikt zwischen Manticore und der Volksrepublik Haven. Das Außenministerium Ihrer Majestät der Königin übersieht jedoch eine 'unbedeutende kulturelle Besonderheit', als es Honor Harrington beauftragt, auf Grayson für Ruhe und Ordnung zu sorgen: Dort besitzen Frauen weder Recht noch Stand; die bloße Anwesenheit Honors ist ein unerträglicher Affront. Jede andere Frau hätte sehr viel früher aufgegeben, doch dann startet Graysons Nachbarplanet eine Attacke und Honor muss bleiben, nicht nur um ihre Ehre zu verteidigen, sondern auch die ihrer Königin...

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1


Nur im Weltraum ist die Übergangslosigkeit möglich, mit der der Kutter aus dem strahlenden Licht der Sonne in pechschwarzen Schatten tauchte. Eine hochgewachsene, breitschultrige Frau im Schwarz und Gold der Royal Manticoran Navy spähte durch das Armoplast-Bullauge des Beiboots auf die Panzerstahl-Schönheit ihres Kommandos und runzelte die Stirn.

Auf der Schulter der Uniformierten saß ein grau und cremefarben gemusterter, sechsgliedriger Baumkater. Er verlagerte sein Gewicht, als die Frau die Hand hob und bestimmt mit dem Finger deutete.

»Ich war der Meinung, wir hätten den Austausch von Beta Vierzehn mit Commander Antrim diskutiert, Andy«, sagte sie ohne jede Betonung, und deswegen zuckte der untersetzte, elegante Offizier neben ihr zusammen.

»Jawohl, Ma’am, das haben wir.« Er drückte einige Tasten auf seinem Memopad und las das Display ab. »Wir haben den Austausch am Sechzehnten besprochen, Skipper, noch bevor Sie in Urlaub gingen. Der Commander hat uns versprochen, Bescheid zu geben, wann er damit anfangen will.«

»Was er nie getan hat«, stellte Captain Honor Harrington fest, und Lieutenant Commander Andreas Venizelos nickte.

»Was er nie getan hat. Es tut mir leid, Ma’am. Ich hätte ihm wohl etwas mehr Dampf machen müssen.«

»Sie hatten noch einige andere Dinge auf der Liste«, antwortete sie, und Venizelos verbarg, dass er wieder – und diesmal stärker – zusammenzucken wollte. Honor Harrington pflegte ihren Offizieren nur selten einen Hieb in die Zähne zu versetzen, aber in diesem Moment wäre es Venizelos fast lieber gewesen, wenn sie seinen Kopf auf einem silbernen Tablett verlangt hätte. Ihre ruhige, verständnisvolle Stimme klang für ihn viel zu sehr danach, dass sie versuchte, Entschuldigungen für sein Versagen zu finden.

»Vielleicht, Ma’am, aber ich hätte ihm trotzdem auf die Zehen treten müssen«, sagte er schließlich. »Ich weiß so gut wie Sie, wie ungerne diese Werftheinis Emitter austauschen.« Er gab eine Notiz in sein Pad. »Ich werde ihn anrufen, sobald wir an Bord von Vulcan zurück sind.«

»Also gut, Andy.« Sie wandte Venizelos den Kopf zu und lächelte ihn an. Ihr starkknochiges Gesicht deutete Verschmitztheit an. »Wenn er anfängt, Ihnen mit der alten Leier zu kommen, dann lassen Sie es mich wissen. Ich bin heute mit Admiral Thayer zum Mittagessen verabredet. Zwar habe ich meine Befehle noch nicht offiziell erhalten, aber Sie können darauf wetten, dass sie zumindest grob weiß, worum es geht.«

Begreifend grinste Venizelos seine Kommandantin an. Er und Honor wussten genau, dass Antrim einen uralten Werfttrick probiert hatte, der normalerweise funktionierte. Wenn man keine Lust hatte, eine lästige Umrüstung durchzuführen, dann verzögerte man die Sache so lange, bis ›die Zeit zu knapp‹ wurde. Das Ganze basierte auf der Vorstellung, dass ein Kommandant eher ohne Umrüstung auslaufen würde, als mit verspäteter Abreise das Missvergnügen Ihrer Lordschaften zu wecken. Unglücklicherweise – für Commander Antrim – setzte diese Methode jedoch einen Kommandanten voraus, der sie einem ›Werftheini‹ auch durchgehen ließ. Diese Kommandantin gehörte nicht dazu. Darüber hinaus verkündete die Latrinenparole, dass der Erste Raumlord Pläne mit der Fearless habe – etwas Offizielles hatte noch niemand gehört. Das bedeutete, dass jemand anderes den Beschuss der Admiralität abbekäme, wenn HMS Fearless sich verspätete. Venizelos vermutete, dass die Befehlshaberin Ihrer Majestät Raumstation Vulcan, es alles andere als genießen würde, wenn sie dem Dritten Raumlord die Verspätung erklären musste. Admiral Lucy Danvers war bekannt für ihre geringe Geduld und die Bereitwilligkeit, mit der sie auf Skalpjagd zog.

»Jawohl, Ma’am. Äh – hätten Sie was dagegen, wenn ich gegenüber Antrim durchblicken ließe, dass Sie mit dem Admiral zu Mittag essen, Skipper?«

»Na, na, Andy. Seien Sie nicht fies – es sei denn natürlich, Antrim will Ihnen Schwierigkeiten machen.«

»Selbstverständlich, Ma’am.«

Honor lächelte erneut und wandte sich wieder dem Bullauge zu.

Die Positionslichter der Fearless blinkten im Grün und Weiß eines geankerten Sternenschiffs. Ohne Streuung durch Atmosphäre waren die Lichtblitze scharf und wirkten wie von Brillanten zurückgeworfener Sonnenschein. Honor verspürte das vertraute Pochen des Stolzes auf den Schweren Kreuzer, dessen weißer Rumpf im Sonnenlicht glänzte. Der Übergang zum Schatten verlief als scharfe, wie mit dem Lineal gezogene Linie über den zwölfhundert Meter langen, an beiden Enden verjüngten Rumpf des Dreihunderttausend-Tonnen-Schiffes. Strahlendes Licht drang aus dem Oval eines geöffneten Geschützschachtes einhundertfünfzig Meter bugwärts vom vorderen Impellerring. Honor beobachtete die Werfttechniker, die in Schutzanzügen über den bedrohlichen, massigen Klotz von Graser Nummer fünf krabbelten. Honor hatte vermutet, der Fehler an diesem Gammastrahlengeschütz läge an der in der Lafette implementierten Software, doch die Leute von Vulcan bestanden darauf, dass die Abstrahlvorrichtung selbst defekt sein müsse.

Sie zuckte die Achseln, und Nimitz schimpfte sanft, als er die Krallen etwas fester in die gepolsterte Schulterpartie ihrer Uniformjacke graben musste, um sich festzuhalten. Honor schnalzte mit der Zunge und streichelte ihm wortlos entschuldigend die Ohren, doch den Blick nahm sie nicht vom Bullauge, solange sie den Rumpf der Fearless besichtigte.

Ein halbes Dutzend Wartungstrupps unterbrach die Arbeit, als der Kutter wie eine Geistererscheinung über sie hinwegzog, und die Leute sahen auf. Honor vermochte ihre Gesichter durch die Helmvisiere nicht zu erkennen, doch sie konnte sich ausmalen, dass einige von ihnen eine Mischung aus Ärger und Vorsicht zur Schau stellten. Werftheinis hassten es, wenn ein Kommandant ihnen bei der Arbeit über die Schulter blickte – fast ebenso sehr, wie Kommandanten es hassten, ihre Schiffe den Werftheinis überhaupt erst zu übergeben.

Bei diesem Gedanken unterdrückte Honor ein Auflachen, denn sie war beeindruckt von dem, was die Leute von Vulcan – und Venizelos – während ihrer zweiwöchigen Abwesenheit geleistet hatten; allerdings beabsichtigte Honor nicht, ihnen das zu sagen. Auf der Sollseite war also nur Antrims passiver Widerstand in Bezug auf den Emitteraustausch. Einen Impelleremitter auszuwechseln bedeutete gewaltige Mühe, und Antrim hoffte offenbar, sich irgendwie aus der Sache herauszuwinden, doch diese Hoffnung war wie ein tot geborenes Kind. Beta Vierzehn war schon kurz nach Indienststellung der Fearless zum Problem geworden, und Honor und ihre Ingenieure hatten sich damit lange genug herumgeschlagen. Ein Beta-Emitter war natürlich nicht so entscheidend wie ein Alpha-Emitter, und die Fearless konnte ohne Beta Vierzehn problemlos achtzig Prozent der Maximalbeschleunigung aufrechterhalten. Außerdem hing ein kleines Preisschild an dem Austauschemitter – so um die fünf Millionen Dollar –, für die Antrim geradestehen müsste. Alles zusammengenommen mehr als ein hinreichender Grund dafür, die Sache zu verschleppen; aber Commander Antrim würde sich auch nicht an Bord der Fearless befinden, wenn die Besatzung des Kreuzers das nächste Mal gezwungen war, den Antrieb bis in den roten Bereich zu belasten.

Der Kutter manövrierte und bewegte sich den Rumpf der Fearless hinauf. Er überquerte diagonal die achtere Backbord-Raketenwerferbatterie und die präzise Geometrie von Radar Sechs. Die langen, schlanken Klingen der Hauptgravitationssensoren des Kreuzers verschwanden an der Unterkante des Bullauges außer Sicht. Honor nickte, als sie sah, dass die Ersatzkomponenten in die Sensorengruppe eingebaut worden waren.

Alles in allem war Honor mit den Leistungen der Fearless in den vergangenen zweieinhalb T-Jahren mehr als zufrieden. Sie war ein relativ neues Schiff, und die Konstrukteure hatten ihre Sache zum größten Teil gut gemacht. Es war nicht ihre Schuld, dass man ihnen einen fehlerhaften Beta-Emitter untergeschoben hatte, und das Schiff hatte sich auf seiner anstrengenden ersten Mission gut behauptet. Nicht etwa, dass Piratenabwehrpatrouillen bei Honor Harrington auf der Liste der beliebtesten Einsätze sehr weit oben gestanden hätten. Es war zwar schön gewesen, auf sich allein gestellt zu sein, und ihrem Kontostand hatte das Prisengeld für das silesianische ›Söldnergeschwader‹ nicht gerade geschadet. Wo sie gerade dabei war, die Rettung des Passagierliners war eine Leistung, auf die jeder stolz sein konnte, aber dennoch: die aufregenden Momente waren selten und kurz gewesen. Zum größten Teil hatte die Mission aus harter Arbeit und reichlich Langeweile bestanden, jedenfalls nach dem Abebben der sprudelnden Begeisterung, ihren ersten Schweren Kreuzer zu kommandieren – und noch dazu einen funkelnagelneuen.

Sie registrierte eine Stelle über Graser Drei, wo die Farbe zerkratzt war, und machte sich eine geistige Notiz. Als sie über die Gerüchte bezüglich ihres nächsten Auftrags nachdachte, spielte ein leises Lächeln um ihre Lippen. Die Bereitwilligkeit, mit der Admiral Courvosier die Einladung zur traditionellen Wiederindienststellungs-Party angenommen hatte, zeigte, dass mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit an diesen Gerüchten sein musste. Das war gut. Sie hatte den Admiral schon viel zu lange nicht mehr gesehen, geschweige denn unter ihm gedient, und obwohl Diplomaten und Politiker nach Honors Anschauung als noch niedrigere Lebensform galten als Piraten, würde die neue Verwendung doch wenigstens eine interessante...



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