Weber | Honor Harrington - Die Siedler von Sphinx | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Weber Honor Harrington - Die Siedler von Sphinx

Band 8 aus dem Honorverse
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-2256-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 8 aus dem Honorverse

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-8387-2256-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Innerhalb einiger weniger kurzer Jahre hat sich David Weber mit seiner Serie um Honor Harrington, der zähesten und tüchtigsten Kommandantin eines Sternenschiffs in der Galaxis, an die Spitze der amerikanischen Science Fiction geschrieben.

In diesem Buch berichtet er von einer Vorfahrin seiner Heldin, die als erster Mensch die Brücke schlägt zu einer der geheimnisvollsten Spezies der Milchstraße - den Baumkatzen von Sphinx.

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1


Klettert-flink huschte den Baumstamm hinauf und verharrte gleich auf der ersten Astgabelung, um sich mit peinlicher Sorgfalt die beschmierten Echthände und Handpfoten zu säubern. Nun, da die kalten Tage in die schlammigen übergingen, verabscheute er es schlichtweg, den Boden zwischen den Bäumen zu überqueren. Schnee mochte er zwar genauso wenig, überlegte er und bliekte belustigt, aber Schnee schmolz wenigstens und verschwand – irgendwann – von selbst aus dem Fell, anstatt zähe Klumpen zu bilden, die hart wie Stein wurden, sobald sie trockneten. Dennoch, die neue Spanne brachte auch Vorteile mit sich: Wärme zum Beispiel, oder Grün. Klettert-flink atmete zufrieden die frische Luft ein, die durch die pelzigen Knospen an den nahezu kahlen Ästen strich. An anderen Tagen wäre er hoch in den Wipfel hinaufgeklettert, um zu genießen, wie der Wind an seinem Fell zupfte, doch heute gab es Wichtigeres zu tun.

Als er mit dem Putzen fertig war, erhob er sich in der Beuge zwischen Ast und Stamm auf die Hinterbeine und musterte mit grasgrünen Augen seine Umgebung. Keines der Zwei-Beine war in der Nähe, aber das hatte wenig zu sagen: Zwei-Beine steckten voller Überraschungen. Der Clan vom Hellen Wasser, dem Klettert-flink angehörte, hatte bis vor kurzem nur sehr wenig mit den Zwei-Beinen zu tun gehabt. Andere Clans aber beobachteten diese seltsamen Wesen bereits seit ganzen zwölf Spannen. Ganz offensichtlich beherrschten sie Kunstfertigkeiten, auf die sich die Leute nicht verstanden; zum Beispiel vermochten sie über große Entfernungen hinweg Wache zu halten – aus so großer Feme, dass die Leute sie weder hören noch riechen, geschweige denn sehen konnten. Dennoch, Klettert-flink bemerkte kein Anzeichen dafür, dass am Ende er selbst beobachtet würde. Geschmeidig schnellte er zum benachbarten Baum und drang über die dichten Äste weiter zur Lichtung vor.

Allzu besorgt war der Clan vom Hellen Wasser nicht gewesen, als die ersten Flugdinger eintrafen und die Zwei-Beine ihnen entstiegen und die Lichtung schufen, denn die Clans, in deren Revier die Zwei-Beine vorher eingedrungen waren, hatten angekündigt, dass dergleichen zu erwarten stehe. Die Zwei-Beine konnten gefährlich sein und veränderten unablässig ihre Umwelt. Trotzdem glichen sie weder Todesrachen noch Schneejägern, die nur allzu oft willkürlich oder zu ihrem Vergnügen töteten. Kundschafter und Jäger wie Klettert-flink hatten hoch in den Bäumen gesessen und aus der Deckung der frostbedeckten Blätter diese erste Hand voll Zwei-Beine beobachtet. Die Neuankömmlinge waren ausgeschwärmt und hatten seltsame Gegenstände umhergetragen und immer wieder hineingeblickt. Einige der Dinger glänzten, andere waren mit unsteten bunten Lichtem besetzt; wieder andere standen auf langen, dünnen Beinen. Dann trieben die Zwei-Beine in regelmäßigen Abständen Pflöcke aus ebenfalls merkwürdigem Nicht-Holz in den Boden. Die Sagen-Künderinnen hatten daraufhin die Lieder anderer Clans wiedergesungen und dadurch offenbart: Bei den Gegenständen, wie die Kundschafter sie beschrieben, müsse es sich um unbekannte Werkzeuge handeln. Klettert-flink wusste keinen Einwand gegen diese Schlussfolgerung zu erheben, auch wenn sich die fremden Werkzeuge in der Form ebenso sehr von den Äxten und Messern der Leute unterschieden, wie sich das unbekannte Material, aus dem die seltsamen Werkzeuge bestanden, von Feuerstein, Holz und Knochen unterschied.

Wegen alledem mussten die Zwei-Beine sehr sorgfältig beobachtet werden – ohne dass sie etwas davon bemerkten. So wenig Leute es gab, so flink und schlau waren sie, und durch ihre Äxte, Messer und das Feuer verrichteten sie vieles, wozu größere, aber weniger kluge Wesen nicht imstande waren. Doch sogar das kleinste Zwei-Bein ragte höher auf als zwei Leute zusammen. Selbst wenn ihre Werkzeuge also nicht besser gewesen wären als die der Leute (dabei wusste Klettert-flink genau, dass sie sehr viel besser waren), verliehen diese größeren Körper den Zwei-Beinen gewiss mehr Kraft. Zwar gab es noch keinen Beweis, dass die Zwei-Beine den Leuten übel gewillt wären, doch andererseits sprach auch nichts gegen diese Vermutung. Deshalb war es ohne Zweifel von Vorteil, dass sie sich so leicht ausspähen ließen.

Klettert-flink erreichte den letzten Querast und verharrte. Lange Augenblicke blieb er regungslos sitzen. Sein cremefarbenes und graues Fell verschmolz völlig mit den Baumstämmen und Ästen, die von geschlossenen grünen Knospen wie besprenkelt wirkten. Er machte keine Bewegung, außer dass er sich mit der einen Echthand unwillkürlich die Schnurrhaare strich. Mit Gehör und Gedanken gleichzeitig lauschte er, und als er das schwache Geistesleuchten erspürte, das ihm die Anwesenheit der Zwei-Beine verriet, richteten sich seine Ohren auf. Das Leuchten verblasste jedoch vor der klaren, deutlichen Verständigung, die er von den Leuten gewohnt war, mit denen er auf diese Weise mühelos kommunizieren konnte. Offenbar waren die Zwei-Beine geistesblind. Dennoch hatte ihr Leuchten etwas … Angenehmes an sich. Klettert-flink wunderte sich darüber, denn abgesehen von der offenen Frage, was sie eigentlich darstellten, unterschieden sich die Zwei-Beine doch sehr von den Leuten. Die Sagen-Künderinnen jedes Clans hatten ihre Lieder weithin ausgesandt, kaum dass die Zwei-Beine vor zwölf Spannen zum ersten Mal aufgetaucht waren. Gleichzeitig hatten sie die Lieder der anderen Clans daraufhin untersucht, ob sie ihnen etwas, irgendetwas, über die fremdartigen Geschöpfe verrieten: woher sie gekommen waren – oder wenigstens, aus welchem Grund sie kamen.

Niemand wusste auf diese Fragen eine Antwort, doch die Sagen-Künderinnen des Clans der Tänzer vom Blauen Berg und des Clans vom Schnelllaufenden Feuer hatten sich an ein sehr altes Lied erinnert, das fast zweihundert Spannen alt sein musste. Zwar bot dieses Lied keinen Hinweis auf die Ursprünge und Beweggründe der Zwei-Beine, aber es berichtete von der allerersten Gelegenheit, bei der Zwei-Beine von den Leuten erblickt worden waren. Ein lange verstorbener Kundschafter hatte seinen Sagen-Künderinnen berichtet, wie das eiähnliche, silberne Ding der Zwei-Beine sich unter Licht und Feuer aus dem hohen Himmel herabsenkte und dabei ein Getöse machte, das schrecklicher war als der schlimmste Donner.

Die Leute jener Zeit waren daraufhin geflohen und hatten sich versteckt. Andere schlossen sich dem ersten Kundschafter an, der das silberne Ei entdeckt und dessen Herren daraus hervorkommen gesehen hatte, und gemeinsam beobachteten sie aus dem Schutz der Schatten und der Blätter das Geschehen – genau wie jetzt Klettert-flink. Ab wartend hatten sie Abstand gehalten und nie versucht, sich mit den Eindringlingen zu verständigen. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn nicht ein Todesrachen versucht hätte, eins der Zwei-Beine zu fressen.

Die Leute mochten die Todesrachen nicht. Die riesigen Raubtiere sahen aus wie zu groß geratene Leute, doch im Gegensatz zu den Leuten waren Todesrachen alles andere als schlau. Jemand, der so groß war wie sie, brauchte andererseits auch nicht besonders schlau zu sein. Todesrachen waren die größten, stärksten und tödlichsten Jäger auf der ganzen Welt. Im Gegensatz zu den Leuten töteten sie oft aus Vergnügen, und sie fürchteten nichts, was lebte – außer den Leuten. Zwar ließen Todesrachen keine Gelegenheit aus, einen einzelnen dummen Kundschafter oder Jäger zu fressen, wenn sie ihn am Boden überraschten, doch vom Herzland eines Clans hielten sich auch Todesrachen fern. Größe allein zählte nur wenig, wenn ein ganzer Clan von den Bäumen herabschwärmte und angriff.

Der Todesrachen, der das Zwei-Bein angriff, entdeckte jedoch, dass es außer den Leuten noch mehr zu fürchten gab. Keiner der Zuschauer hatte jemals so etwas gehört wie das ohrenbetäubende Krachen aus dem Röhrending in den Händen des Zwei-Beins. Der heranstürmende Todesrachen überschlug sich einmal in der Luft, krachte zu Boden und rührte sich nicht mehr. Ein blutiges Loch klaffte in seinem reglosen, durchbohrten Körper.

Nachdem die Beobachter ihr anfängliches Entsetzen überwunden hatten, freuten sie sich zwar grimmig über das Schicksal des Todesrachens, gleichzeitig aber wussten sie, dass jemand, der einen Todesrachen mit einem einzigen Bellen erlegte, in der Lage sein musste, Leute ebenso leicht zu töten. Deshalb entschieden sie, die Zwei-Beine zu meiden, bis man mehr über sie herausgefunden hatte. Die Kundschafter beobachteten die Fremden Tag um Tag, bis diese schließlich nach etwa einer Viertelspanne ihre merkwürdigen, viereckigen Wohnnester abbauten, in ihr Ei zurückkehrten und wieder im Himmel verschwanden.

All das war lange, lange her, und Klettert-flink bedauerte, dass niemand mehr über die Zwei-Beine erfahren hatte. Natürlich musste er einräumen, dass die alten Kundschafter recht daran getan hatten, vorsichtig zu sein, und doch wünschte er, die Tänzer vom Blauen Berg wären eine Spur weniger auf der Hut gewesen. Vielleicht hätte man schon damals herausfinden können, was die Zwei-Beine hier wollten. Dann hätten die Leute zwischen dem ersten Verschwinden der Fremden und ihrer Wiederkehr beschließen können, wie man sich ihnen gegenüber verhalten sollte.

Klettert-flink war der Meinung, dass es sich bei diesen ersten Zwei-Beinen um Kundschafter wie ihn gehandelt haben musste. Gewiss waren auch die Zwei-Beine so klug, anfangs Späher auszusenden; jeder Clan verfuhr so, wenn er sein Revier erweitern wollte. Warum aber hatte der Rest ihres Clans dann so lange abgewartet? Und weshalb verteilten sich die Zwei-Beine so weit? Wie wenig sie waren! Um das Wohnnest auf der Lichtung zu erbauen, die Klettert-flink beobachtete, hatten sich mehr als ein Dutzend Zwei-Beine sehr anstrengen müssen, obwohl sie über diese...



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