Weber Honor Harrington: Im Donner der Schlacht
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-2461-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bd. 28
E-Book, Deutsch, Band 28, 432 Seiten
Reihe: Honor Harrington
ISBN: 978-3-8387-2461-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Krieg zwischen Haven und dem Sternenkönigreich ist endlich gewonnen und der Friede hergestellt. Dennoch droht der gesamten Menschheit eine verborgene Gefahr: die völlige Versklavung durch die Mesaner. Dies abzuwenden ist für Honor das oberste Ziel. Dazu muss sie eine Schlacht führen, die das Schicksal des Sternenkönigreichs mit einem Schlag besiegeln könnte.
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Kapitel 1
»Schaffen Sie Ihre gottverdammten Schiffe aus meinem Weltraum!«
Das Gesicht des dunkelhaarigen, stämmigen Mannes, das Commander Pang Yau-pau auf seinem Com-Schirm sah, war rot angelaufen vor Zorn. Der Mann sprach nicht, er fauchte. Pang musste sich sehr zusammenreißen, um nicht ebenfalls die Beherrschung zu verlieren.
»Leider ist das nicht möglich, Commodore Chalker«, erwiderte er so höflich, wie es die Umstände eben gestatteten. »Meine Befehle lauten, jegliche manticoranischen Schiffe auf ihrer Rückfahrt in manticoranisches Territorium zu sichern.«
»Ihre Befehle interessieren mich einen feuchten Dreck, Commander!«, spie Commodore Jeremy Chalker Gift und Galle. Die sechs Zerstörer unter seinem Kommando waren 2,4 Millionen Kilometer, also acht Lichtsekunden, von Pangs Kreuzer entfernt. Man sollte meinen, es wäre unmöglich, über eine solche Distanz hinweg ein derart hitziges Wortgefecht zu führen. Schließlich ergab sich bei lichtschnellen Übertragungen nun einmal eine gewisse Signalverzögerung. Chalker aber gelang dieses Kunststück ohne größere Probleme. »Sie verletzen hier die Souveränität meines Sonnensystems! Sie haben Mitarbeiter des solarischen Astro-Lotsendienstes von ihren Arbeitsplätzen vertrieben! Ich verlange, dass Sie augenblicklich von hier verschwinden!«
»Sir, es ist nicht meine Absicht, die Souveränität eines anderen Sonnensystems zu verletzen«, erwiderte Pang. Er war fest entschlossen, auf das etwas heikle Thema der solarischen Verkehrsleitung nicht einzugehen. »Ich bin einzig und allein daran interessiert, die Handelsschiffe des Sternenimperiums zu sichern.«
Weitere Sekunden verstrichen. Dann …
»Halten Sie den Mund! Überlassen Sie die Kontrolle über den Terminus den Männern und Frauen, deren Posten Sie sich widerrechtlich angeeignet haben, und drehen Sie gefälligst ab! Sonst lasse ich, bei Gott, auf den nächsten beschissenen Manty-Frachter, der mir unter die Augen kommt, das Feuer eröffnen!«
Pang Yau-paus Blick aus ansonsten eher sanftmütigen braunen Augen wurde hart, und der Commander holte tief Luft.
»Skipper«, sagte eine leise Stimme.
Respektvoller hätte der Ton nicht sein können. Dennoch schwang darin unverkennbar eine Warnung mit. Pang drückte die Stummtaste und warf einen Blick auf den kleineren Bildschirm neben seinem Kommandosessel. Von dort aus blickte ihn Lieutenant Commander Myra Sadowski an, sein Erster Offizier.
»Ich weiß, dass Chalker entsetzlich nervt«, erklärte sie ruhig. »Aber wir sollen das hier durchziehen, ohne unnötige Wellen zu schlagen. Der Kerl hat es, wie ich respektvoll hinzufügen möchte, verdient, einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Aber verdient oder nicht: Wenn Sie das tun, Skipper, wird das ganz eindeutig Wellen schlagen!«
Da hat Myra recht, dachte Pang. Doch für alles gab es die richtige Zeit und den richtigen Ort. Außerdem hatte die Admiralität Pang und HMS Onyx nicht zum Nolan-Terminus ausgeschickt, um jemanden wie Jeremy Chalker Drohungen wie diese ausstoßen zu lassen.
Nein, wirklich nicht, bestätigte dem Commander seine innere Stimme. Andererseits ist es wohl durchaus verständlich, dass der Commodore sauer ist. Nicht, dass er mir deswegen sympathischer wäre.
Derzeit waren die Onyx, ihr Schwesterschiff, die Smilodon, die Tornado, ein Zerstörer der Roland-Klasse, und der sehr viel ältere Zerstörer Othello mehr als sechshundertfünfzig Lichtjahre vom manticoranischen Doppelsternsystem entfernt. Bis zum Sol-System hingegen waren es kaum noch zweihundert Lichtjahre. Pang war vollkommen klar, dass er keinen sonderlich kampfstarken Verband befehligte – schon gar nicht für einen Einsatz derart tief in feindlichem Territorium. Genau genommen gehörte das Nolan-System zu den Protektoraten der Solaren Liga, und Chalker, Offizier der Solarian League Navy, war der Ranghöchste in der Grenzflotte vor Ort. Für seinen Dienstgrad schien Chalker erstaunlich alt. Wahrscheinlich mangelte es dem Commodore in den Reihen der SLN an den nötigen Beziehungen. Andererseits musste er zumindest einen gewissen Einfluss haben, sonst hätte man ihm niemals das Kommando über das Nolan-System übertragen. Dass dieses System dem Nolan-Terminus der Nolan-Katharina-Hyperbrücke so nahe lag, war der einzige Grund dafür, dass Nolan dem Liga-Amt für Grenzsicherheit vor etwa einhundert T-Jahren überhaupt aufgefallen war. Seitdem hatten die OFS-Mitarbeiter und die Offiziere der Grenzflotte einen erklecklichen Teil der bei der Nutzung dieses Terminus anfallenden Transfergebühren eingestrichen. Der SLN-Kommandant hatte auf Pangs Befehl, die Lotsenzentrale des Terminus den Manticoranern zu überlassen, eine Reaktion gezeigt, die nur einen Schluss zuließ: Ein gewisser Teil der wertvollen Lotsen-Gebühren dürften in Chalkers eigene Tasche gewandert sein. Auf jeden Fall war wohl nur erschreckend wenig von diesem Geld tatsächlich auf Nolan selbst angekommen.
Na ja, wenigstens können wir dieses Mal sicher sein, dass wir nicht die Einkünfte eines unbeteiligten Dritt-Systems schmälern, sagte sich Yau-pau. Und wir wollen den Terminus ja auch nicht für immer behalten … nur vorerst. Wir geben ihn zurück, sobald wir sicher wissen, dass sämtliche unserer Schiffe ihn unbeschadet passiert haben. Und wenn jemand wie Chalker in der Zwischenzeit empfindliche Einkommenseinbußen hat, gräme ich mich darüber gewiss nicht!
An einem zweifelte Pang keinen Moment: Der gesamte Rest der Solarischen Flotte würde ebenso erbost wie Chalker auf die Ereignisse reagieren. Man würde auf breiter Front die ›Arroganz‹ anprangern, mit der Manticore die Kontrolle über Termini übernommen hatte, auf die doch die Solarier Anspruch erhoben. Was erst geschähe, wenn Laokoon-Zwo in Kraft träte, darüber wollte der Commander gar nicht nachdenken. Andererseits: Sollte jemand tatsächlich meinen, es werde für die Sollys einen Unterschied machen, ob Laokoon-Zwo in Kraft träte oder nicht, dann musste dieser Jemand etwas rauchen, wovon er lieber die Finger lassen sollte.
»Ich bin hier nicht der, der unnötig Wellen macht«, erwiderte Yau-pau an Sadowski gerichtet. Dann blickte er quer über die Brücke der Onyx zu Lieutenant Commander Jack Frazier hinüber, seinem Taktischen Offizier.
»Ich hoffe nicht, dass Sie in absehbarer Zeit etwas zu tun bekommen, Waffen«, sagte er. »Aber falls doch, so wünsche ich, dass sich der Schaden auf ein Minimum beschränkt.«
»Sie haben also eher etwas im Sinn wie das, was Admiral Gold Peak vor New Tuscany durchgeführt hat und nicht wie damals vor Spindle, Sir?«
»Ganz genau.« Pang lächelte dünn. »Haben Sie Chalkers Flaggschiff schon identifiziert?«
»Jawohl, Sir.« Frazier nickte und erwiderte das Lächeln. »Das habe ich. Zufälligerweise habe ich das Schiff auch schon ins Visier genommen und erfasst.«
»Gut.«
Pang wartete noch einen Moment lang ab, nahm sich mehrere Sekunden Zeit, sicherzustellen, dass er wirklich nicht die Beherrschung verlieren würde, und aktivierte dann wieder den Audio-Aufzeichner.
»Commodore Chalker«, sagte er mit harter, tonloser Stimme. All die Höflichkeit von zuvor war nun wie fortgeblasen. »Bitte gestatten Sie mir, Sie auf zwo Dinge aufmerksam zu machen: Zunächst einmal befindet sich dieser Terminus mitnichten auf Nolan-Territorium. Falls sich meine Astrogation nicht gewaltig täuscht, liegt er fünf Lichtstunden weit von Nolan entfernt, also ein wenig außerhalb der Zwölf-Minuten-Grenze. Der Anspruch der Solaren Liga auf diesen Terminus stützt sich einzig und allein darauf, dass sich die SLN in der Lage glaubt, den entsprechenden Raumabschnitt zu sichern. Und zwotens, bezogen auf eben diese Annahme der SLN, möchte ich mit allem Respekt darauf hinweisen, wie das Kräfteverhältnis derzeit tatsächlich aussieht. Angesichts dessen halte ich es für äußerst unklug, Drohungen gegen manticoranische Schiffe auszustoßen … und es wäre noch deutlich unklüger, den Drohungen Taten folgen zu lassen!«
»Sie können mich mal, Commander! Sie und der Rest Ihres sogenannten Sternenimperiums mögen ja glauben, Sie könnten sich hier nach Herzenslust aufspielen. Aber Ihnen steht schon bald ein kaltes Erwachen bevor – und zwar viel früher, als Sie meinen!«
»Ich habe meine Befehle, Commodore«, erwiderte Pang ebenso tonlos wie zuvor. »Ich habe nicht die Absicht, mit Ihnen darüber zu diskutieren, wer für die derzeitigen Spannungen zwischen dem Sternenimperium und der Solaren Liga verantwortlich ist. Aber ich habe die Absicht, die Kontrolle über den Terminus wieder der Liga zu überlassen. Das bedeutet selbstverständlich, dass auch sämtliche Mitarbeiter Ihres Lotsendienstes wieder ihre gewohnten Posten übernehmen werden. Aber vorher werde ich mich, ganz wie es meine Befehle vorsehen, persönlich davon überzeugen, dass sämtliche manticoranischen Schiffe in der Nähe dieses Terminus Gelegenheit haben, auf manticoranisches Territorium zurückzukehren. Jegliche Unannehmlichkeiten für Sie oder jedwede solarischen Truppen oder Bürger bedauere ich aufrichtig.« Tonfall und Gesichtsausdruck straften ihn Lügen. »Aber ich bin fest entschlossen, sämtliche meiner Befehle auszuführen. Einer dieser Befehle lautet, zu allen erforderlichen Mitteln zu greifen, um manticoranische Handelsschiffe zu beschützen, ganz gleich, an welchem Ort. Und das, Commodore Chalker, schließt auch den solarischen Weltraum ein. Wenn Sie also die Absicht haben, das Feuer auf manticoranische Frachter zu eröffnen, warum fangen Sie dann nicht gleich mit den Schiffen an, die hier unter meinem persönlichen Schutz stehen? Bitte, legen Sie...




