Weber | Honor Harrington: Schmiede des Zorns | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 36, 814 Seiten

Reihe: Honor Harrington

Weber Honor Harrington: Schmiede des Zorns


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7325-5616-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 36, 814 Seiten

Reihe: Honor Harrington

ISBN: 978-3-7325-5616-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Operation Janus ist in vollem Gange: Die verdeckte Kampagne soll zahlreiche Planeten der Solaren Liga zum Aufstand gegen das repressive System bewegen. Vermeintlich mit der Unterstützung des benachbarten Sternenkönigreiches von Manticore. Doch hinter der Aktion steckt niemand anderes als das feindliche Mesanische Alignment. Ihr Ziel: Einen Krieg ungekannten Ausmaßes zwischen Manticore und der Solaren Liga zu entfachen ...



David Weber ist ein Phänomen: Ungeheuer produktiv (er hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben), erlangte er Popularität mit der HONOR-HARRINGTON-Reihe, die inzwischen nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. David Weber wird gerne mit C. S. Forester verglichen, aber auch mit Autoren wie Heinlein und Asimov. Er lebt heute mit seiner Familie in South Carolina.
Weber Honor Harrington: Schmiede des Zorns jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


»Also gut, Paul.«

Innis MacLay ließ seine große Hand auf die Schulter seines Sohnes sinken. Gern hätte er dem Jungen jetzt durch das Haar gewuschelt, so wie früher, als Paul noch klein gewesen war. Aber der Stolz eines Vierzehnjährigen ließ offene Zurschaustellung von Zuneigung schlichtweg nicht zu. Was schon unter gewöhnlichen Umständen galt, das galt an einem Tag wie diesem erst recht.

»Ich verlasse mich auf dich«, fuhr er, so weit in seinen Gedanken gekommen, fort und blickte Paul fest in die haselnussbraunen Augen, ein Erbteil seiner Mutter. Ruhig wurde dieser Blick erwidert. »Sicher treiben sich immer noch ein paar VSler in der Gegend herum. Ich vertraue darauf, dass du deine Mutter und Schwestern beschützt. Das tust du doch für mich, oder?«

»Ja, Da

Innis bemerkte, dass Pauls Stimme tiefer klang als sonst. Noch war der eigentliche Stimmbruch nicht erfolgt, aber er rückte unverkennbar näher. Hatte sich wirklich so viel verändert in den beiden Monaten seit Beginn des Aufstands?

Bei diesem Gedanken brannten ihm kurz Tränen in den Augen. Er umklammerte die Schulter seines Sohnes noch ein wenig fester. Dann wandte er sich ab, kniete sich vor die beiden elfjährigen Zwillinge, um sie an sich zu drücken.

»Und ihr beide kümmert euch um eure Mutter, klar?«, ermahnte er Jennifer und Keeley ernst, und seine Stimme klang ein wenig barscher als bei Paul. Auch sie erwiderten seinen Blick – Keeley spielte die Folgsame, was nur schlecht zu dem verschmitzten Funkeln in ihren Augen passte, während Jennifers dunklere, sanftere Augen von Besorgnis umschattet waren. »Ich habe gesagt, ihr kümmert euch um sie«, wiederholte Innis nachdrücklich und umarmte die beiden.

»Wie immer, Dadaigh«, versprach Keeley.

»Dann möge der Herr eure màthair beschützen!«, seufzte er und streckte die Arme nach seiner Frau aus.

Sie warf sich ihm förmlich an die Brust. Offenkundig war Maggie MacLay um einiges besorgter als ihre Töchter, dabei aber fest entschlossen, sich das nicht anmerken zu lassen. Innis zog sie eng an sich.

»Und wann kommst du wieder nach Hause?«, fragte sie und erwiderte die Umarmung.

»Wer weiß das schon, Rùnag«, antwortete er. »Sieht nicht so aus, als würde es lange dauern, aber MacCrimmon und MacQuarie haben uns schon ein paar Mal an der Nase herumgeführt. Aber länger als einen Monat dauert’s sicher nicht.« Noch einmal drückte er sie fest an sich, ehe er sich zu voller Größe aufrichtete und aus dieser Höhe auf ihren Scheitel blickte. »Wir haben immer noch Freunde beim Raumhafen, und MacCrimmons Shuttle ist stets innerhalb von dreißig Minuten startbereit.« Er blinzelte ihr zu. »Für mich klingt das ganz nach jemandem, der es allmählich für an der Zeit hält, den Planeten zu verlassen – vielleicht sogar das ganze System.«

»Möge Gott geben, dass dem wirklich so ist«, sagte sie sehr viel leiser als er, und als sie zu ihm aufblickte, glitzerte es verräterisch in ihren Augen. »Und du vergisst gefälligst nicht, dass so ein großer, sturer fùidir wie du leichter zu treffen ist als die meisten anderen!«

»Oh, aye, das behalte ich immer schön im Kopf, Rùnag!«, versicherte er ihr und lachte, weil sie ihn als ›Clown‹ bezeichnet hatte.

Das Lachen verflog rasch. Ein letztes Mal drückte er sie an sich, und plötzlich schnürte es ihm die Kehle zu. Vielleicht sind Paul und ich uns noch ähnlicher, als ich bislang wahrhaben wollte, ging es ihm durch den Kopf. Denn auf keinen Fall wollte er noch ein Wort sagen und damit preisgeben, wie ihm die Stimme den Dienst versagte.

Er griff nach seinem Pulsergewehr, schlang es sich über die Schulter, lächelte den vier wichtigsten Menschen in seinem Leben noch einmal zu und trat dann festen Schritts durch die Tür, hinaus in den strahlend hellen, windigen Morgen.

Chattan MacElfrish, nur wenige Jahre älter als Paul und voller Tatendrang, wartete bereits im Flugwagen auf ihn. Als Innis die Tür öffnete und einstieg, blickte Chattan von seinem Buchlesegerät auf, ließ es in seiner Tasche verschwinden und drückte den Zündknopf, um die Turbinen zu aktivieren.

»Der Familie geht’s also gut, ja?«, erkundigte er sich.

»Aye, was sonst?«, erwiderte Innis.

»So sollte es auch sein«, meinte der selbst unverheiratete Chattan, während der Flugwagen abhob. »Es ist gut zu wissen, dass sie auf dich warten, wenn das alles vorbei ist, Innis. Darum beneide ich dich.« Er lächelte, warf einen Blick auf das Chronometer und nickte zufrieden. »Und in der Zwischenzeit treten wir ein paar VSlern in den Hintern! Etwa zur Mittagszeit sind wir in Elgin.«

»Gute Nachrichten gibt es wohl keine?«, knurrte Tyler MacCrimmon, während er sich in den breiten Sessel am Kopfende des Konferenztisches sinken ließ.

Der große, geschmackvoll – und teuer – eingerichtete Besprechungsraum war gut ausgeleuchtet, auch die riesige, handpolierte Tischplatte aus Silbereichenholz, in die als Intarsienarbeit das Präsidentensiegel eingelassen war. Dieses Siegel stand nun ihm zu, nachdem er sich auf einen Verfassungsparagraphen berufen hatte, der es ihm gestattete, Alisa MacMinn ›vorübergehend‹ des Amtes zu entheben – die offizielle Begründung war: akute Erschöpfung. Das war ungleich freundlicher als Senilität, und in sämtlichen Presseverlautbarungen wurde den treuen Parteianhängern ausdrücklich versichert, die geliebte Führerin werde die Amtsgeschäfte wieder aufnehmen, sobald sie sich erholt habe.

Selbst ihre glühendsten Verfechter schienen der Ansicht, angesichts der derzeitigen Umstände sei es eine gute Idee, ihr ein wenig … Urlaub zuzugestehen.

Kristalldekanter mit teuren Brandys und Whiskys von einer Vielzahl exotischer Welten funkelten in der Bar am Ende des Raumes, und vor jedem der an diesem Tisch Versammelten stand eine Silberkanne mit Kaffee oder Tee. Im Hintergrund spielte leise Musik. Hochfloriger, weicher Teppich in tiefem Schwarzblau verschluckte jeden Schritt. Die Klimaanlage war so leise, dass man sie nur erahnen konnte. Dass sie lief, war eher an dem sanften, kaum merklichen Luftzug zu erkennen, der die wahnwitzig teuren Vorhänge aus Spinnenseide leicht wiegte, hinter denen sich, wenn nicht genutzt, die smarte Wand des Raumes verbarg.

Das Ambiente roch förmlich nach Reichtum, Macht und Privilegien, und sämtliche Anwesenden waren der Umgebung angemessen gekleidete, gepflegte, Luxus gewohnte Erscheinungen. Und doch, Frinkelo Osborne bemerkte es sofort, wirkte die Luft schwer und abgestanden. Physikalisch unmöglich, war es dennoch so, weil unverkennbar der Geruch von Furcht in der Luft hing; unsichtbar drückte Verzweiflung auf die Stimmung im Raum – ausgewachsene Verzweiflung.

Schwer hing nun auch noch MacCrimmons Frage im Raum, bislang unbeantwortet. Keiner der Minister seines Kabinetts schien willens, ihm in die Augen zu schauen, und so maß er jeden einzelnen von ihnen mit finsterem Blick. Dann wandte er sich an Keith Boyle, den Kriegsminister des Loomis-Systems.

»Also?«, setzte er tonlos nach.

»Seit gestern hat es keine signifikanten Änderungen der Lage gegeben«, lautete Boyles Antwort. Mit einer Kopfbewegung wies er auf den Offizier, der in voller Uniform unmittelbar neben ihm saß. »General Renwick ist gerade von einer Inspektion der Truppen an der Front zurückgekehrt. Man kann nicht behaupten, sein Bericht strotze vor Optimismus, aber im Laufe der letzten Nacht scheinen wir nicht allzu viel Boden verloren zu haben.«

»Na, da bin ich aber mal erleichtert!«, grollte MacCrimmon. »Und wie steht’s darum, verlorenen Boden wettzumachen?«

»Das … wird nicht so einfach.« Zorn funkelte in Boyles Augen, auch wenn er sorgsam darauf achtete, dass dieser Zorn seinem Tonfall nicht anzumerken war. »Hätten wir mehr Männer, wären wir vielleicht in der Lage dazu. Aber so habe ich General Renwick angewiesen, seinen Leuten eines einzuschärfen: dass wir uns keinesfalls leisten können, bis zum Eintreffen der Ablösung noch mehr Boden zu verlieren.«

Das Blut schoss MacCrimmon in die fleischigen Wangen. Einen kurzen Augenblick lang glaubte Osborne schon, der Kommissarische Präsident würde Boyle vor allen beschimpfen. Stattdessen ein letztes leichtes Beben der Nasenflügel, wie man es bemerken konnte, wenn jemand seinen Zorn zu zügeln verstand, und MacCrimmon ließ sich wieder in seinen Sessel zurücksinken, ein knappes Kopfnicken für den General.

Eine unerwartete Reaktion, Osborne war verblüfft. MacCrimmon neigte von jeher dazu, Sündenböcke für die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler zu suchen und an jenen Personen ein Exempel zu statuieren, von denen er sich im Stich gelassen fühlte. Diese Neigung verstärkte sich, seit die LLL immer näher auf Elgin vorrückte. Glücklicherweise schien selbst Tyler MacCrimmon zu begreifen, dass die Schuld dafür kaum Keith Boyle anzulasten war.

Osbornes eigene Quellen legten den Schluss nahe, dass Boyle gern geputscht hätte, um selbst die Macht zu ergreifen. Dafür jedoch waren die Erfolgschancen noch nie sonderlich groß gewesen. Schließlich war die Armee im Laufe der vergangenen Jahrzehnte auf kaum mehr als achttausend Männer und Frauen zusammengestrichen worden, damit zunächst Lachlan MacHendrie und dann dessen Schützling Senga MacQuarie die Mittel für den Aufbau des Vereinigten Sicherheitsdienstes des Loomis-Systems besaßen. Gegen wen, so hatten sie immer...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.